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Spontan und gelassen

Simon, Bosnien und Herzegowina, 2012/13,

Ich möchte ein wenig über mein Jahr in Bosnien-Herzegowina erzählen. Doch zunächst möchte ich mich ganz herzlich bei der Baden-Württemberg-Stiftung bedanken, die es mir überhaupt möglich gemacht hat, dieses Austauschjahr wahrnehmen zu können. Vielen Dank.

Die Unterschiede zwischen Deutschland und Bosnien waren für mich groß.

Ich komme aus einer 8-köpfigen Familie, die in einem großen Einfamilienhaus mit Garten wohnt. Die Familie in Bosnien, die mich sehr herzlich empfangen hat, war nur zu viert und wohnte in einer kleinen Vier-Zimmern-Wohnung in einem sehr großen mehrstöckigen Mehrfamilienhaus. Doch meine Gastfamilie hat mich sehr herzlich empfangen und wir hatten sehr viel Spaß miteinander. Ich fühlte mich von Anfang an als Teil der Familie und habe mich sehr wohl gefühlt.

In der Schule gab es für mich viel Neues. Wir hatten Blockunterricht, das bedeutete für mich, dass ich einen Monat lang vormittags und einen Monat lang nachmittags Schule hatte. Mit den Lehrern verstand ich mich gut. Doch vom Unterricht habe ich nicht viel mitbekommen, da sie sehr schnell sprachen und mein Bosnisch nicht so gut war.

Freundschaften in Bosnien sind eher locker, eher kumpelhaft. Nicht so eng wie in Deutschland. Man schließt schnell Freundschaften auch auf Äußerlichkeiten wird nicht so geachtet. Schon in den ersten Tagen sind sie auf mich zugekommen und luden mich zu einem Kaffee ein. Ich fand es toll, so ungezwungen Kontakte knüpfen zu können.

 

 

Die Leute sind sehr spontan

Bosnien ist ein Land in dem die Leute sehr spontan und ungeplant sind. Sie kommen sehr gerne zu spät, sind aber auch sehr gelassen und regen sich nur selten über etwas auf. Anfangs fiel es mir schwer, mit den kurzfristigen Entscheidungen meiner Gastfamilie klar zu kommen. Ich habe mich aber schnell daran gewöhnt. Dies fiel mir umso deutlicher auf, als ich wieder zu Hause in Deutschland war und meine Tage wieder sehr verplant waren. Und vor allem meine Eltern auf Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit Wert legten.

Während sich die Deutschen nur wohl fühlen, wenn sie sich über irgendetwas aufregen und beschweren können, scheinen die Bosnier viel zufriedener mit ihrem Leben zu sein. Deutsche sind grundsätzlich viel pünktlicher und organisierter. Die Bosnier dagegen schmeißen in letzter Minute Pläne um und keinen scheint dies wirklich zu stören. Mir ist aufgefallen, dass bosnische Schüler viel früher kapieren, dass sie in der Schule lernen müssen, damit sie mal einen Beruf erlernen können und eine Arbeit finden. In Bosnien gibt es 50 % Arbeitslose.

Sehnsucht nach der Familie

Ich bin froh, dass ich dieses Jahr in Bosnien-Herzegowina erleben durfte und kann das nur weiter empfehlen. Auch wenn ich das deutsche Essen vermisst habe. Auch meine Familie und unser Familienleben haben mir gefehlt. Vor allem unsere gemeinsamen Mahlzeiten. Das war aus Platzgründen in Bosnien gar nicht möglich, außerdem hat jeder gegessen, wann er wollte. Bei mir zu Hause sitzen locker mal 10 Personen am Esstisch.

Mein Gastbruder ist dieses Jahr in Deutschland. Ich hoffe, dass wir uns mal treffen können, und ich ihm meine Familie vorstellen kann. Auch möchte ich bald einmal meine Gastfamilie besuchen und mich nochmals bei ihnen für die schöne Zeit bedanken.