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Ich habe die tollsten Menschen kennengelernt.

Micael, Bolivien, 2013/14, Schuljahr im Ausland mit dem Stipendium der Kreuzberger Kinderstiftung

Mittlerweile, bin ich eine ganze Weile zurück zu Hause und erkenne, was für eine überdimensional, wertvolle Bedeutung mein Auslandsjahr in meinem Leben eingenommen hat. Dieses Jahr wird für immer einen Platz in meinem Herzen haben. Vergessen werde ich es nie!

Kommen wir zu meiner (Gast)Familie in Bolivien

Ich habe mich in sie verliebt! Das Verhältnis zwischen mir und der Familie war anfangs ein wenig schwer, da ihre Art zu leben komplett anders ist als bei mir in Deutschland. Dennoch, ich habe mich daran gewöhnt und bei Meinungsverschiedenheiten sind wir Kompromisse eingegangen. In der Familie bin ich bis zum Schluss geblieben, was mich riesig freut, da ich anfangs über einen Wechsel nachgedacht habe.

Als ich in La Paz ankam, waren wir zu 6. in einer Wohnung, die mitten im Zentrum lag (Sopocachi), meine 3 Schwestern, Mama, Papa und ich. Die jüngste von ihnen, damals 18, flog einen Monat nach meiner Ankunft nach Belgien und startete ihr eigenes Auslandsjahr. Anfangs war ich traurig, da wir uns prächtig verstanden haben. Sie hat mir meine ersten Freunde in der Millionenstadt La Paz vorgestellt. Die nächst ältere Schwester, damals 20, war eine Deutsche, die ihren Freiwilligendienst über AFS in La Paz gemacht hat. Sie verbrachte ca. ein halbes Jahr unter einem Dach mit mir. Unser Verhältnis war auch sehr gut, wir haben viel miteinander unternommen und vor allem haben wir uns bei der Bewältigung von Problemen sehr unterstützt. Mit der ältesten Schwester (21) hatte ich auch ein gutes Verhältnis, aber unternommen haben wir nur was, wenn es mit der ganzen Familie war. Die Eltern waren einfach die coolsten Leute der Stadt, klar, manchmal sind wir in kleine Konflikte geraten, aber das ist ja ganz normal in einer Familie.

Schule in Bolivien

In der Schule ist mir aufgefallen, dass die Atmosphäre ganz anders ist als hier in Deutschland. Meine Klasse war mit nur 15 Personen sehr klein. Der Umgang zwischen Lehrer und Schüler war sehr locker, mit (fast) allen konnte man Witze machen und auch über Themen sprechen, die mehr ins persönliche gehen. Etwas lustiges was mir auffiel: In Deutschland fangen die Lehrer einen an zu siezen, sobald man in der Oberstufe ist. Das schafft meiner Meinung nach Distanz zwischen Lehrern und Schülern. Auf meiner Schule in Bolivien war es so, dass die Schüler anfingen die Lehrer zu duzen sobald sie ein bestimmtes Alter erreicht haben. Die Schüler unter sich sind sehr eng befreundet und haben auch mich sofort aufgenommen. Unternommen wurde auch viel, aber eher am Wochenende.

Das Jahr hat mich aktiver gemacht

Mein Verhalten im Gastland hat sich mit der Zeit verändert, ich bin offener geworden und bin viel mehr auf Menschen zugegangen. Ich hab es lieber selbst in die Hand genommen, wen ich kennenlerne, anstatt darauf zu warten, dass jemand auf mich zu geht. Durch diese Eigenschaft habe ich die tollsten Menschen kennengelernt, mit denen ich bis heute in regelmäßigem Kontakt stehe. Generell bin ich im Ausland offener geworden und habe Freude daran entwickelt viele Menschen kennenzulernen. Außerdem habe ich viele Dinge getan, die ich in Deutschland niemals getan hätte. Zum Beispiel lange Fahrradtouren oder Wanderungen. Das Jahr hat mich aktiver gemacht! In Bolivien habe ich Deutschland auch ab und zu vermisst. Dinge wie normale Straßen, geregelter öffentlicher Verkehr, natürlich die Familie und enge Freunde. Auch das deutsche Essen, habe ich sehr vermisst, sogar Kleinigkeiten wie leckere Brötchen.

Jedenfalls spüre ich, je länger das Auslandsjahr zurück liegt, desto mehr vermisse ich es. Ich bin mittlerweile fast genau 5 Monate zurück und jeden Monat wurde die Sehnsucht nach Bolivien größer. Ich denke an all die wunderschönen Erlebnisse, die wundervollen Menschen, die ich kennenlernen durfte, ich frag mich was sie wohl gerade machen, wie ihr Leben gerade aussieht und wann es das nächste Wiedersehen gibt. Ich vermisse so viele Menschen, dass ich manchmal Angst habe, nicht jeden Einzelnen wieder treffen zu können, da viele ins Ausland gezogen sind oder noch ziehen werden. Ich bin froh, dass ich über Facebook, Instagram und co mit ihnen Kontakt halten kann. Noch ist alles in greifbarer Nähe. Sicher beschlossen habe ich auf jeden Fall, wieder nach Südamerika und vor allem Bolivien zu fliegen, um nochmal allen einen Besuch abzustatten.

Das Jahr hat seine Spuren hinterlassen und das nur im positivem Sinne, es ist ein großer Abschnitt meines Lebens und war ein riesiger Schritt Richtung erwachsen werden.

Danke!!!