AFS-Erfahrungsbericht Schüleraustausch Kanada
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Kanadier essen wirklich alles mit Ahornsirup!

Leander, Kanada, 2015, Schuljahr im Ausland mit AFS Kanada-Stipendium

Wenn ihr jetzt vor diesem Text sitzt, weil ihr nicht genau wisst, dann kann ich nur eines empfehlen:  Macht es. Die Erfahrung kann gut oder schlecht sein, aber in beiden Fällen werdet ihr extrem lernen. (Und kein Geld zu haben ist keine Ausrede, da es BAföG und Stipendien gibt) Dafür nochmal einen großen Dank an AFS Canada für das Stipendium, ohne das ich diese Reise nicht machen könnte.

Meine ersten Monate in Kanada, Québec City

Aber um euch eine Idee zu geben, wie die ersten Monate verlaufen, beschreibe ich es euch. Ich hatte, bevor ich losgefahren bin, eine große Reise in die Fremde vor Augen. Ich dachte, ich werde jetzt Kanada sehen und es danach mein Zuhause nennen können, was nicht ganz falsch ist. Ich hatte hohe Erwartungen und das ist schlecht. Halte die Erwartungen klein und die Überraschung ist umso größer.
 
Meine Erfahrungen bis jetzt sind extrem positiv, auch wenn es so manchen negativen Moment gibt. Auf jeden Fall lernt man das Leben kennen, also das Erwachsenenleben, nicht weil man alles selber machen muss, sondern weil man allein ist (zumindest anfangs). Allein im Sinne von niemand, dem du dich anvertrauen kannst. Aber ich beginne von Anfang an, ich werde die nächsten Monate beschreiben:
 
Ich bin dann Ende August 2015 in Kanada angekommen und musste die ersten Tage in einer „Ersatz“familie verbringen, da meine noch im Urlaub war, was mich ein bisschen verunsichert hat. Der Moment, auf den ich Monate gewartet habe, ist dann an 4 Tag gekommen. Du weißt, dass du mit großer Wahrscheinlichkeit den Rest dieses Jahres mit dieser Familie verbringen wirst. Dann triffst du sie, und hast erstmal keine Ahnung, wie du dich verhalten sollst. Um ehrlich zu sein weiß ich nicht mehr, wie die ersten Tage waren…. Ich kann nur sagen, dass alles neu war. In den ersten Wochen wurde mir erst richtig klar, was ich mache: Ein ganzes Jahr in einer fremden Welt.

Meine kanadische Schule

Dann der erste Schultag… Ich hatte erstmal keine Ahnung, wohin ich gehen sollte, weshalb ich am ersten Tag ungefähr 5 min zu spät in den Unterricht gekommen bin. In den ersten Wochen war ich das Gesprächsthema Nummer 1. Die meisten Kanadier haben großes Interesse für mich gezeigt, auch wenn sie ziemlich schüchtern sind. Es gibt aber auch die, die einfach drauf scheißen, dass du da bist, die, die eifersüchtig auf dich sind, weil du jegliche Aufmerksamkeit bekommst und jene, die es eiskalt ausnutzen, um dich durch den Dreck zu ziehen. Insgesamt sind die Jugendlichen hier jünger, also nicht vom Alter her, sondern in der Verhaltensweise.
 
Schule in Kanada ist ziemlich gechillt, man beginnt um 9 Uhr in der früh bis ungefähr 16.30. Alles, was ich mache, hat mit der Schule zutun, von Freunden bis hin zu Freizeitaktivitäten. Die ganze Schule fiebert auf den Abschlussball am Ende des Jahres hin, im Fernsehen laufen ab Januar Werbungen für Kleider. Was einen als Jungen dann auch ziehmlich stresst, weil langsam aber sicher die Ball-Partnerinnen ausgehen.
 
Aber ich habe mich für das kanadische Schulprogramm PALS (Programm ART-LANGUE-SPORT) entschieden. Das heißt, ich habe von 7:55 bis 11:45 Schule und dann den Rest des Tages eine bestimmte Disziplin, ich habe z.B. Theater genommen (man kann aber auch eine Vielzahl von Sportarten und Musik nehmen), d.h. ich habe jeden Tag von 13:30 bis 16.00 Uhr ein Theaterintensivprogramm. Aber ich konnte dieses Programm nur unter der Bedingung wählen, dass ich schon Französisch-Kenntnisse habe, und, dass ich das PALS selber bezahle. Was ich aber nicht weiter empfehlen würde, wenn man nicht extreme Leidenschaften für die jeweilige Aktivität hat, weil dieses Programm doch sehr intensiv ist und viel Zeit erfordert.

Man muss die Erfahrung Auslandsjahr selbst machen

Ich denke, dass ich mich zurzeit extrem verändere. Einfach, dass man „allein lebt“ und man sich nicht mehr „verstecken“ kann vor deinem „Leben“, vor deinen Pflichten. Man wird erwachsen…. Man kann eigentlich nicht erklären, wie man während des Auslandsjahrs empfindet oder sich verändert, man muss diese Erfahrung selbst machen. Auch wenn diese dann schlecht ist, hat man trotzdem eine Erfahrung gesammelt.
 
Jetzt dann so nach Weihnachten ist dann so dieses typische Down… Die Leute sind nicht mehr neugierig auf dich, weil sie anfangen, dich zu kennen und die meisten deiner Freunde arbeiten extrem hart für die Schule. Deshalb sind die meisten AFSer in der Zeit ziemlich allein. Aber auch einem selbst wird plötzlich bewusst, dass schon die Hälfte vorbei ist und man schaut auf seine „Liste“ und sieht, dass man noch nicht mal ein Viertel von dem gemacht hat, was man machen wollte, und man nur die Hälfte von dem gesehen hat, was man sehen wollte.

Ein milder Winter in Québec

Dann ist da noch der „Alltag“ im Winter. Die Québecqouis (Franz.-Kanadier) meinen, ich wäre in einem milden Winter… Es hat durschnittlich -15 Grad, kann aber morgens, wenn man auf den Bus wartet, und abends bis auf -30 Grad runter gehen. Zum Winter gehören auch die Schneestürme und Blizzards, die wirklich alles lahmlegen können, inklusive Schulen, zur Freude der Schüler.
 
Vielleicht sollte ich noch über das Thema Heimweh sprechen…Also generell hab, hatte ich kein Heimweh, aber man vermisst hier in Kanada die Jugendtreffs, die es überall in Deutschland gibt, die „Streetszene“ (wenn man nicht grade in Montréal lebt) und die deutsche Sprache.
 
Und um es einfach nochmal zusagen: Kanadier essen wirklich alles mit Ahornsirup!!!!!