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Wenn ich noch mal die Wahl hätte, würde ich sofort Ja sagen

Jennifer, Kanada, 2003/04,

Wenn ich noch mal die Wahl hätte, würde ich sofort Ja sagen

Hallo, oder besser gesagt Salut tous le monde. Mein Name ist Jennifer und ich bin dieses Jahr (2003-2004) mit AFS in Québec. Am 14. August bin ich nach Kanada gekommen als ich bei meiner Familie angekommen bin war ich sehr aufgeregt, über der Tür stand in grossen Buchstaben "Bienvenue Jenny" und alle haben mich schon sehnsüchtig erwartet.

Meine Gastmutter heißt Johanne. Mein Gastvater François. Meine Gastschwester heißt Charly und ist 14 Jahre alt. Am Anfang waren wir beide etwas Schüchtern, aber seitdem wir uns besser kennen gelernt haben, verstehen wir uns super gut. Wir sind fast wie echte Schwestern! Es gibt auch noch 2 Hunde, die alles und jeden anbellen. Charly und Johanne haben mich erstmal durch das Haus geführt, während François uns gefilmt hat. Danach haben wir Geschenke ausgetauscht und meine Sachen ausgepackt.

Wohnen im Haus am See

Das Örtchen, in dem ich wohne heißt Prévost und ist eigentlich nicht besonders nennenswert. Meine Gastfamilie wohnt ziemlich abgelegen von der Hauptstrasse, an einem See. An dem Tag an dem ich angekommen bin, sind wir einmal um den See gefahren und ich wurde Charlottes Freund vorgestellt, der über dem "Depanneur" wohnt, der am See ist. Abends haben wir ein Pick-Nick am See gemacht und sind bei warmen 38°C schwimmen gegangen.

Meine neue Schule

Meine Schule ist die École olyvalente de St-Jérôme und mit knapp 4000 Schülern die größte in ganz Québec. Als ich mich angemeldet habe, war es von vornherein klar, dass ich in die Abschlussklasse (sécondaire 5) komme, damit ich auch zum Abschlussball gehen und mein Diplom bekommen kann. Leider waren die meisten Kurse, die ich wählen wollte, schon voll und ich kam dann erst mal auf die Wartelisten. Meine Fächer sind übrigens Mathe, Französisch, Englisch, Wirtschaft, Philosophie, Sport, Kunst, Eishockey und Geschichte (meinen Geschichtskurs hab ich in der 4. Klasse, damit ich etwas über die Geschichte von Canada und Québec lerne, die da durchgenommen wird).

Gute Schulatmosphäre

Von der Schule her, würde ich eigentlich viel lieber hier bleiben, als zurück nach Deutschland zu kommen.. Die meisten Kurse habe ich, wie in Deutschland mit den gleichen Leuten (wir sind die erste Jahrgangsstufe, in der man das Klassen-system ausprobiert), allerdings ist jeder mehr oder weniger mit jedem befreundet. Wenn man vor der Tür steht und darauf wartet, dass es klingelt, unterhält man sich mit jedem, der neben einem steht. Es gibt auch keinen wirkliche "Grüppchen-Bildung" oder arrogante Mitschüler. Auch das Verhältnis zu den Lehrern ist ganz anders. Man spricht die Lehrer nicht mit Herr oder Frau an, sondern jeder duzt jeden.

Die Art zu lernen ist hier auch nicht dieselbe, wie in Deutschland. Während der Mittagspause zum Beispiel kann man immer zu seinen Lehrern gehen, wenn man etwas im Unterricht nicht verstanden hat oder man krank war. Das heißt "Récuperation" und ist im Grunde eine kostenlose Nachhilfe, die die Lehrer anbieten.

Interessierte Mitschüler

Als wir in Deutschland die Vorbereitungen gemacht haben, wurde mir von allen gesagt, dass man am Anfang von allen ausgefragt wird und man total interessant ist, aber auch, dass das schnell wieder vergeht. Bei mir ist es bis jetzt ganz anders. Am Anfang gab es eigentlich nur wenige, die mich ausgefragt haben, aber nach 1-2 Monaten haben mich alle mit Fragen gelöchert und sich für mich interessiert. Selbst jetzt, nach einem halben Jahr, fragen mich Leute aus, mit denen ich seit Anfang des Jahres noch kein Wort gewechselt habe und die anderen scheuen auch nicht davor mich zu fragen, wie es denn in Deutschland ist.

Meine Freizeitaktivitäten

Da meine Gastfamilie nicht viel Geld hat, machen wir nicht sehr viele Ausflüge oder 3x im Jahr Urlaub, aber dafür andere Sachen. François, Charly und ich haben zum Beispiel ein paar Kurz-Filme gedreht. Ansonsten gehe ich oft mit meinen Freunden ins Kino oder ins Einkaufs-Zentrum. Wir waren auch ein paar Mal in Montréal auf Konzerten oder ich war mit meinen Freunden in Montréal einkaufen. Bald werde ich mir auch ein Eishockey-Spiel von den Canadiens in Montréal ansehen ("Canadiens de Montréal" ist der Name der NHL- Eishockey Mannschaft, die aus Montréal kommt).

Jetzt im Winter gehe ich auch oft mit mit den Hunden Hundeschlitten fahren. Leider kann man nicht mehr auf den See gehen, da er bei um die 0°C nicht genug zugefroren ist. Dieses Jahr ist es wohl ein extrem warmer Winter, denn normalerweise ist es um diese Zeit um die -35° kalt und man muss mit Schneestürmen kämpfen. Im Moment muss man aber eher mit Riesen- Pfützen und Schneematsch kämpfen!

Unbeschreibliche Bilder

Die Bilder die ich beschreiben würde, kann man sich eigentlich nicht vorstellen, wenn man es nicht selbst gesehen hat, aber ich versuche es trotzdem. Also erst einmal der zugeschneite See, der aussieht, als wenn man auf einer Wolke wäre. Vor allem beim Mondschein ist es super schön, da der Schnee alles erhellt. Dann natürlich der "Indian Summer". Vor allem hier, wo die Berge anfangen, hat man eine tolle Sicht auf die Rot-braun-gelben Hänge. Den Blick von der Terrasse auf den Sommer-See, mit den kleinen Windmühlen und den Booten. Natürlich gibt es auch noch andere Eindrücke, die nicht ganz so angenehm sind: 4000 Schüler die sich fast darum prügeln als erste in die Cafeteria zu kommen. Die Strasse bis runter ins Dorf, die geht rauf runter, rechts Kurve links Kurve und als Zugabe riesengroße, tiefe Schlaglöcher. So, ich hoffe, dass ihr euch ein bisschen vorstellen könnt, wie es hier aussieht. Obwohl ich mich total freue wieder zurück nach Deutschland zu kommen, fühle ich mich hier super wohl und wenn ich noch mal die Wahl hätte, würde ich sofort Ja sagen.

Liebe Grüsse und gros bisous aus dem schönen Québec.