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Die Chilenen und ihre herzliche Art sind etwas, das ich an diesem Land so liebe

Undine, Chile, 2015, Schuljahr im Ausland mit dem AFS-Stipendienfonds

Die Zeit kann schon etwas Komisches sein. Mal vergeht sie gar nicht und dann wiederum vergeht sie viel zu schnell. Ich kann kaum glauben, dass von meinem Auslandsjahr schon die Hälfte um ist. Seit gut einem halben Jahr lebe ich jetzt also schon in dieser anfangs noch fremden Kultur und lerne diese kennen. Einige Dinge sind nach dieser Zeit normal geworden, an andere habe ich mich immer noch nicht gewöhnt.

Die Mentalität der Chilenen

Die Chilenen und ihre herzliche Art sind etwas, das ich an diesem Land so liebe. Sie macht es so einfach Leute kennenzulernen und Freunde zu finden. Sie sind auch wesentlich wärmer als die Deutschen, soll heißen, dass sie den Körperkontakt nicht scheuen. Es war dann schon ungewohnt, dass meine Gastfamilie mir bei Unterhaltungen öfter mal den Arm getätschelt hat. Oder als ich an meinem ersten Schultag von den Lehrern und sogar dem Schuldirektor mit einem Wangenküsschen begrüßt wurde. Ihr könnt euch sicher vorstellen, wie ich da geguckt habe, denn in Deutschland ist es unter Schülern und Lehrern ja schon ungewöhnlich sich die Hand zu geben. Mittlerweile ist es überhaupt nichts Komisches mehr und ich bekomme es auch selten noch bewusst mit.

Schwierigkeiten in meinem Auslandsjahr

Etwas, woran ich mich nur schwer gewöhnt habe ist, dass man in meiner Gastfamilie in meinem Alter noch viel länger als Kind angesehen wird. Wenn ich mich mit meinen Freunden am Supermarkt treffe und wir danach zu einem ihrer Häuser gehen, dann muss alles vorher genau geplant und meinen Eltern Bescheid gegeben sein. Vorname, Nachname, in Extremfällen wird auch die Telefonnummer der Eltern verlangt. Aber ich glaube ich habe auch sehr strenge Gasteltern.

Religion

Für mich war beziehungsweise ist die Religion ein großes Thema. Denn ich persönlich bin nicht religiös, aber meine Gastfamilie ist katholisch und ich gehe zusammen mit meinen drei jüngeren Schwestern auf eine marianische Schule. Ich habe vorher noch nie bewusst so nahe eine Religion erlebt und deshalb ist diese Erfahrung einerseits interessant aber andererseits fällt sie mir zeitweise auch schwer.

Meine Gastfamilie in Chile

Was meine Gastfamilie betrifft muss ich AFS sehr loben. Sie haben wirklich die perfekte Familie für mich gefunden. Ich verstehe mich mit meinen Gasteltern (die ich auch mamá und papá nenne) sehr gut, gerade mit meiner Gastmutter kann ich sehr gut über die Dinge reden, die mich beschäftigen. Und meine Schwestern sind auch toll. Ab und zu gehen sie mir mal auf die Nerven, aber ich finde das gehört auch dazu. Das Familiengefühl ist in den chilenischen Familien auch anders als in den deutschen. Die Kinder haben eine engere Verbindung zu den Eltern und die Familien sind auch größer. Ich lerne ständig neue Onkel und Tanten, Cousinen und Cousins und Freunde meiner Gastfamilie kennen.

Spanisch lernen

Ich habe meine Kenntnisse schon eindeutig verbessert. Der Schlüssel zum ganzen Spaß ist nämlich die Sprache zu verstehen und auch zu sprechen. Das wird ganz klar daran deutlich, dass ich mich, seit ich besser verstehe und spreche, auf die Schule regelrecht freue, denn es bedeutet meine Freunde zu treffen und mich mit ihnen auszutauschen.

Jugendliche in Chile

Ich bin immer wieder beeindruckt wie meine Freunde es schaffen neben der Schule (die täglich bis 17 Uhr geht, und an mindestens einem Tag noch länger) zusätzlich Dinge wie Musikschule oder Faustino auszuführen und diesen unter chilenischen Jugendlichen viel stärker ausgeprägten sozialen Teil nicht zu vernachlässigen. Oder die vielen Hauspartys zu besuchen, die hier regelmäßig stattfinden. Die Leute reden und tanzen. Momentan ist Regaetton sehr beliebt. Die Chilenen haben auch ein wesentlich besseres Gefühl für Rhythmus und deshalb komme ich mir beim Tanzen immer so ein bisschen wie ein Stock vor.

AFS Chile

Was mir sehr gut gefällt ist, dass ich in meiner Stadt nicht die einzige Austauschschülerin bin. Bei meiner Ankunft waren schon drei AFSer hier, einer von ihnen an meiner Schule (Eric aus Schweden). Sie haben mich sehr gut aufgenommen und standen immer bereit um Fragen zu beantworten oder Probleme zu besprechen. Die AFSer haben untereinander guten Kontakt und sind alle sehr hilfsbereit und auch die lokalen Komitees fördern das Gruppengefühl mit gelegentlichen Zusammenkünften und Ausflügen. So bin ich mit AFS zum Beispiel schon auf eine Erkundungstour der Voranden gegangen, welche eine der schönsten AFS Aktionen war, die ich bisher gemacht habe. Es wird immer gesagt, dass so ein Austauschjahr einen verändert. Und es stimmt. Zwar wird man kein komplett neuer Mensch, aber man entdeckt durchaus unbekannte Charakterzüge an sich oder verändert Verhaltensmuster. Ich zum Beispiel bin wesentlich entspannter geworden und habe die Gelassenheit der Chilenen angenommen. (Was man nicht mit Faulheit verwechseln sollte.) Und ich stelle mich mir unbekannten Situationen selbstbewusster. Ich habe gelernt, dass wenn man etwas nicht verstanden hat oder etwas nicht kennt, es ruhig sagen und nachfragen kann, auch wenn man sich dabei etwas blöd vorkommt. Es sind 5 ½ Monate vergangen und ich bin noch so verliebt in dieses Land wie am ersten Tag. Ich hätte, nachdem ich mich für einen Austausch entschieden hatte, keine bessere Wahl für mich treffen können!

Mein Rat an zukünftige AFSer

Noch ein Tipp an alle zukünftigen Austauschgenerationen: Erwartet bitte nicht zu viel, denn die Menschen leben in ihren Ländern auch nur ein normales Leben. Lasst die Dinge auf euch zukommen. Und noch ein wichtiger Gedanke zum Schluss: 'Turn your cant's into can's and your dreams into plans.'