Erfahrungsbericht AFS-Kurzzeitaustausch

Ein Sommer in China

Pascal, China, 2016, AFS-Kurzzeittaustausch mit Mercator-Stipendium

In unserer Schule wurde vor drei Jahren eine zweijährige Chinesisch-AG angeboten. Weil ich so gut wie nichts über die chinesische Kultur wusste, und noch nie in einem Land außerhalb Europas war, habe ich mich sofort dafür interessiert. Nach dem Ende der AG habe ich weiter Chinesisch-Unterricht genommen, um noch ein wenig mehr über China zu lernen und auch selber mal dort hinzufliegen!

 

Im Herbst 2015 habe ich mich bei AFS für das Kurzzeitprogramm beworben. Das Programm ist so aufgebaut, dass zuerst ein chinesischer Schüler für zwei Monate nach Deutschland in die eigene Familie kommt, ein paar Monate später fliegt man dann selber los, sieht sich in China wieder und ist in der Familie des Austauschschülers zu Gast, auch für zwei Monate.

 

Als klar war, dass ich teilnehmen durfte, war ich schon sehr gespannt, weil China mir zu diesem Zeitpunkt sehr weit weg und noch sehr fremd vorgekommen ist. Das hatte aber auch etwas Abenteuerliches…

Der chinesische Austauschschüler Linus zu Gast in Deutschland

Mitte Februar war es dann endlich soweit! Zuerst war es an meinem chinesischen Austauschpartner Linus nach Deutschland zu kommen. Ich bin mit meinen Eltern nach Heidelberg gefahren, um ihn in der dortigen Jugendherberge abzuholen. Alle zehn chinesischen Austauschschüler waren davor schon eine Woche in Deutschland gewesen.

 

Nach dem ersten Schultag hat Linus sich gewundert, warum die Schule in Deutschland schon so früh endet. Am Anfang haben wir auf Englisch miteinander gesprochen, später nur noch auf Deutsch, da Linus es bereits sehr gut sprechen konnte. In der Freizeit haben wir die Sehenswürdigkeiten in der Umgebung besucht (wie Schloss Ludwigsburg, Fernsehturm und Zoo in Stuttgart) und sind zum Fußballspiel VfB Stuttgart gegen Hannover 96 gegangen. Am Wochenende waren wir in unseren Lieblingsrestaurants essen, und weil es noch kalt genug war auch noch einen Tag Skifahren im Schwarzwald gewesen.

 

Außerdem haben wir die Auto-Museen von Porsche und Mercedes besucht und waren mehrere Male im Kino. Dann waren fünf Wochen Schule auch schon vorbei und die Osterferien sind gekommen. Als wir gehört haben, dass andere Teilnehmer nicht so weit weg wohnen, haben wir uns alle gemeinsam in Stuttgart zum Essen getroffen. Im Anschluss waren wir dann noch an Ostern die weitere Familie besuchen und in den letzten freien Tagen haben wir noch gemeinsam mit meinem Bruder zwei Spaßbäder in der Gegend besucht. Nach den Ferien war die Zeit schon wieder vorbei. Also mussten wir uns schon wieder trennen und Linus flog von Frankfurt aus zurück nach China.

Mein Aufenthalt in China

Sommerpalast-Park in Peking

Nachdem sich alle Teilnehmer aus Deutschland zwischendurch in einer Jugendherberge in Hessen getroffen hatten, wo wir einen Crashkurs über den chinesischen Alltag bekommen hatten, sah man sich dann Mitte August am Flughafen Frankfurt wieder. Nach der Verabschiedung von unseren Eltern sind wir in den Flieger von Air China nach Peking gestiegen.

 

Durch die Zeitverschiebung war dann bei der Ankunft im Peking schon 5 Uhr morgens. Also haben wir eine komplette Nacht verpasst und waren gleich mal todmüde! Also mussten wir unseren Jetlag im Hotel ausschlafen. Ab dem nächsten Tag hatten wir morgens nach dem Frühstück immer Sprachkurs und sind dann zum Mittagessen raus auf die Straße, wo wir die neuen Redewendungen gleich mal austesten konnten, weil dort kaum jemand Englisch spricht.

 

Am Nachmittag haben wir dann die Sehenswürdigkeiten Pekings besucht. Natürlich die Chinesische Mauer, bzw. nur einen winzigen Teil davon, und die Verbotene Stadt. Mein persönliches Highlight war aber die Sommerresidenz der chinesischen Kaiser. Das ist eine alte Parkanlage mit See und Palast mitten in Peking.

"Mich haben die enormen Gegensätze in der Stadt beeindruckt."

Skyline von Qingdao

Nach der ersten Woche trennten wir Austauschschüler uns dann am Flughafen und wurden über ganz China „verteilt“. Meine Stadt hieß „Qingdao“, hat unfassbar viele Einwohner und liegt an der Pazifikküste. Ich wurde dort schon am Flughafen von meiner Gastfamilie herzlich empfangen!

 

Weil in der ersten Woche zum Glück noch Ferien waren, konnte ich zusammen mit Linus seine Lieblingsorte in der Stadt anschauen. Wir sind am Strand gewesen, haben viel chinesische Nudeln und „Jiaozi“ (gefüllte gebratene Teigtaschen) gegessen und dazu „Suanmeitang“(Pflaumensaft) getrunken. Und auch einen Bergwald in der Nähe durchwandert. Mich haben die enormen Gegensätze in der Stadt beeindruckt. Es gab noch alte Viertel mit einfachen Lehmhäusern und nebenan auch sehr moderne Hochhäuser. Dann ging dort aber die Schule los. Am ersten Tag war es schon ein bisschen zu viel Unbekanntes, was da auf mich zugekommen ist. Aber die Klassenkameraden haben sich wirklich gefreut auf den ersten Austauschschüler, den die Schule bisher hatte, also mich. Und mein Austauschschüler hat mir gezeigt, was wann zu tun ist.

Der Schulalltag

Erinnerungsfoto mit Freunden und Lehrern

Die Schule beginnt um 7:15 Uhr, dann um halb zehn gemeinsame Morgengymnastik, zweimal täglich Augenmassieren (was Kurzsichtigkeit vorbeugen soll), Mittagsschlaf und Schulende um halb sechs. Zum Schluss noch mit dem total überfüllten Bus zurückfahren.

 

Das meiste habe ich zwar nicht verstanden und ich musste kaum Unterricht mitmachen, aber abends war man dann trotzdem irgendwie erschöpft. Deswegen sind die Wochenenden eine willkommene Abwechslung gewesen. Dann war auch Linus große Schwester zu Hause und die Familie damit komplett. Wir haben uns ein Militärmuseum, einen kaiserlichen Ort, Tempel und vieles mehr angesehen. Es war tatsächlich jede Menge, was meine Familie mit mir unternommen hat!

 

In der Klasse wurde ich erstaunlich gut aufgenommen, ich konnte mich mit chinesischem Smalltalk unterhalten und dann haben wir uns gegenseitig über das Leben in Deutschland und China ausgefragt. Einmal wurde ich sogar mit Linus und dem Klassensprecher zu unserem Klassenlehrer nach Hause eingeladen! In den folgenden Nationalferien sind wir als Familie zu der Hochzeit einer Verwandten gefahren. Es war sehr traditionell und bunt und die ganze Großfamilie kam zusammen. Nach den Ferien waren meine zwei Monate vorbei, mit den anderen Teilnehmern ging´s dann wieder Richtung Heimat.

„Diese Erinnerungen werde ich für immer behalten.“

Im Nachhinein würde ich wirklich jedem empfehlen, auch so einen Austausch zu machen, denn man lebt sich nicht nur in eine andere Kultur hinein, sondern sammelt gleichzeitig viele wertvolle Erfahrungen und schließt Freundschaften. Diese Erinnerungen werde ich für immer behalten.