• Kontakt
  • Facebook
  • Twitter
  • Youtube
  • Blogger

Kennenlernen einer fremden Kultur

Elisa, China, Volksrepublik, 2011/12, Community Service Program

Kennenlernen einer fremden Kultur

Mein erster Eindruck von Wuhan: schwül, groß, verstaubt und chaotisch. Es hat eine ganze Zeit gedauert, bis ich mir einen Überblick über die Stadt und das öffentliche Verkehrsnetz verschaffen konnte. Am Anfang wirkte die Stadt auf mich riesig und völlig undurchsichtig. Mit der Zeit lernte ich aber immer mehr praktische Strecken und schöne Orte kennen. Während ich mich an geographische Gegebenheiten mit der Zeit gut gewöhnen konnte, fiel es mir auch nach mehreren Monaten noch schwer, mich mit manchen Sitten und sozialen Umgangsformen anzufreunden.

Die ersten Tage

Die drei chinesischen Deutschlehrerinnen der Schule haben mich am Flughafen ganz herzlich in Empfang genommen. Daraufhin konnte ich bei einem gemeinsamen Essen gleich erste lokale Spezialitäten testen: Beim sogenannten „Hotpot“ kann man verschiedene Fleisch- und Gemüsesorten selbst in einem Topf, der in der Mitte des Tisches steht, kochen. Dazu gibt es Reis und Tee. In der Anfangszeit habe ich gleich die chinesische Gastfreundlichkeit zu spüren bekommen. Gerade am Anfang war es sehr schön, immer eingebunden zu werden. Meine Kolleginnen haben mir die Umgebung gezeigt und nützliche Tipps gegeben: Wo gehe ich am besten einkaufen? Welche Busse fahren wohin? Durch den engen Kontakt zu den chinesischen Mädchen sind mir auch schnell kulturelle Unterschiede aufgefallen. Zum Beispiel, dass man immer alles zusammen macht. Dafür kamen mir die jungen Frauen nicht so selbstständig vor, wie Gleichaltrige aus Europa.

Das Projekt: Deutsch als Fremdsprache

Meine Aufgabe im Projekt war die Unterstützung des Deutschunterrichts. Da es an der Schule über 400 Schüler gibt, die Deutsch lernen, gab es einiges zu tun. In der Schule habe ich mir mit meiner Kollegin ein Büro geteilt. Einmal in der Woche haben wir uns zu viert getroffen und die Unterrichtsinhalte der kommenden Woche besprochen. Ich hatte 18 Stunden in der Woche. Die Lehrerin hat mir vorher das Thema gesagt und ich habe dann für die eine Hälfte der Stunde etwas vorbereitet. Zum Beispiel Kommunikations-Übungen, Spiele, Lieder oder ähnliche Dinge, die den Unterricht etwas aufgelockert haben. Ich habe auch oft Präsentationen über landeskundliche Themen gehalten.

Schule in China

Neben dem regulären Unterricht haben noch Übersetzung- und Projektarbeit zu meinen Aufgaben gezählt. So habe ich zum Beispiel mit meinen Kolleginnen zusammen E-Mails, Reden und andere Texte übersetzt, die der Kommunikation mit dem Goethe-Institut und der Deutschen Partnerschule gedient haben. An Weihnachten habe ich ein Chor-Projekt organisiert. Interessierte Schüler hatten hier die Möglichkeit, deutsche Weihnachtslieder zu lernen. Der Höhepunkt war dann die Teilnahme an einem Projekt-Tag an einer renommierten Schule der Stadt (dort war eine deutsche Freundin von mir Freiwillige). Hier konnten die Schüler die geprobten Lieder vorführen und den Aufführungen von anderen Deutsch-Lernenden zuschauen. Eine andere besondere Aufgabe war die Mitgestaltung eines Deutschtages des Goethe-Instituts und des DAAD. Hier haben wir Freiwilligen des GIs in Wuhan eine Präsentation gehalten und an der Abendkasse gearbeitet.

Insgesamt hat es mir am meisten Spaß gemacht, Ansprechpartner für motivierte Schüler zu sein. Ich konnte ihnen sowohl Fragen zur Sprache als auch zum Land beantworten. Auf Wunsch habe ich sie auf die DaF- oder StipendienPrüfungen des Goethe-Instituts vorbereitet. Ich war mit meinen Aufgaben am Arbeitsplatz sehr zufrieden. Die Arbeit kam mir sinnvoll vor und hat Spaß gemacht. Ich habe gemerkt, dass es sehr wichtig ist, als Freiwilliger eigene Ideen zu haben und diese auch einzubringen. Vor allem zum Thema Landeskunde kann man viele Impulse für den Unterricht geben und eigene schöne Projekte organisieren.

Alltag und Leben im Westen Chinas

Von meiner Unterkunft war ich positiv überrascht. Ich hatte eine helle, gut ausgestattete 3-Zimmer Wohnung nur für mich. Später habe ich gemerkt, dass die anderen Wohnungen im Lehrer-Wohnheim nicht mit meiner zu vergleichen waren. Diese eine Wohnung im Haus wurde wohl extra für ausländische Gäste renoviert und gut ausgestattet. Im Vergleich zu meinen Kolleginnen, die direkt über und unter mir gewohnt haben, lebte ich also wirklich im Luxus, was mir am Anfang ein wenig Bauchschmerzen bereitete. Dafür habe ich dann einfach oft bei mir deutsche Gerichte gekocht und sie zum Essen eingeladen.

Auch wenn ich mich bei Fragen immer an AFS Deutschland wenden konnte, wurde ich während meines Aufenthaltes hauptsächlich vom Goethe-Institut Peking betreut. Mit dem Koordinator der Goethe-PASCH-Schulen konnte ich mich mehrfach austauschen, wenn er unsere Schule besuchte, außerdem standen wir regelmäßig über E-Mail und Telefon in Kontakt. Ich habe mich dadurch, dass er die Bedingungen an meiner Schule sehr gut kannte und immer erreichbar war, sehr gut betreut gefühlt. Auch ein Vor- und Nachbereitungsseminar wurde vom Goethe-Institut organisiert. Dort haben wir Erfahrungen ausgetauscht und Anregungen zur Gestaltung des DaF-Unterrichts bekommen.

Eintauchen in die Sprache und Kultur Chinas

Während der Arbeitszeit habe ich mich mit den Deutschlehrerinnen hauptsächlich auf Deutsch verständigt, da sie als Germanistinnen natürlich viel besser Deutsch sprechen, als ich Chinesisch. Mit Kollegen anderer Fächer konnte ich mich aber auch etwas auf Chinesisch verständigen. Da von diesen oft die gleichen Fragen über Alter, Herkunft, Geschwister und Eltern gefragt wurden, war das mit der Zeit nicht mehr so schwierig. Am Anfang jedoch hatte ich noch Schwierigkeiten. Vor allem in alltäglichen Situationen, wie beim Einkaufen, hatte ich noch Probleme mit der Kommunikation. Was von den Chinesen meist aber zum Glück mit Verständnis oder Humor aufgenommen wurde. Mit der Zeit wurde es dann immer einfacher. Zur Vorbereitung hatte ich einen Kurs an der Volkshochschule belegt, trotzdem kamen mir meine sprachlichen Kenntnisse am Anfang minimal vor. Im Laufe des Jahres haben diese sich jedoch deutlich verbessert, so dass ich mich am Ende gut in verschiedenen Situationen ausdrücken konnte. Meine Sprachpartnerin, die Studentin an der Uni war, hat einen großen Teil dazu beigetragen. Mit ihr konnte ich das Sprechen üben.

Auch wenn meine engsten Bezugspersonen die anderen Freiwilligen in der Stadt waren, habe ich mich bemüht, Kontakt zu chinesischen Gleichaltrigen zu halten. Manchmal haben die kulturellen Unterschiede das etwas schwierig gemacht, da mir die Ansichten und Interessen gleichaltriger Chinesen oft fremd vorkamen. Es war aber sehr interessant, dadurch die Kultur so hautnah kennenzulernen. Vor allem das chinesische Frühlingsfest mit der Familie einer chinesischen Freundin zu feiern, war eine tolle Erfahrung. So habe ich auch „Geheimtipps“ über Wuhan erhalten, die ich sonst nie selbst herausgefunden hätte. Zum Beispiel, wo es die besten Nudeln oder die günstigen Nachtmärkte gibt. Gespräche mit meinen chinesischen Kolleginnen oder Freundinnen waren immer sehr spannend, weil sie mir auch viele geschichtliche und kulturelle Phänomene erklären konnten. Oft war ich überwältigt davon, wie vielseitig dieses Land ist und was es alles zu entdecken gibt.