Erfahrungsbericht: Freiwilligendienst in Costa Rica - Dario hat Kinder betreut
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Dario hat Kinder betreut

Dario, Costa Rica, 2018, weltwärts

Dario hat seinen Freiwilligendienst in Costa Rica mit AFS und dem IJFD gemacht. Er hat Kindern aus schwierigen Familienverhältnissen betreut.

Meine Einsatzstelle

Ich beginne mit der Beschreibung eines Arbeitstags. Ich arbeite hier als Freiwilliger in einer Einrichtung für Kinder, in der Kinder leben, die ihren Familien weggenommen werden, weil die Eltern sie misshandeln, drogenabhängig sind oder sich einfach nicht um die Kinder kümmern. Mein Tag beginnt meistens gegen 7:30 Uhr, dann versuche ich als erster zu duschen, was manchmal gar nicht so einfach ist mit drei Geschwistern. Nachdem ich dann etwas gefrühstückt habe nehme ich den Bus. Das typische Frühstück besteht aus Ei mit angebratenem Reis und Bohnen, das sogenannte Gallo Pinto, manchmal gibt es dann noch eine Kochbanane dazu. Zur Arbeit muss ich dann drei Busse nehmen, was eine halbe bis dreiviertel Stunde dauern kann, je nachdem ob der Bus überhaupt kommt.
 
Auf der Arbeit angekommen werde ich dann meistens mit der Merienda begrüßt. Die Meriendas sind kleine Snacks, welche die Kinder immer morgens und mittags bekommen, gewöhnlich sind das frische Früchte oder Kekse. Nachdem ich gegessen habe, fange ich an zu arbeiten. Meine Hauptaufgabe ist es, auf die 20 Kinder aufzupassen und mit ihnen zu spielen. Die Anzahl der Kinder variiert, weil immer wieder neue Kinder dazukommen und auch viele adoptiert werden oder wieder in ihre alten Familien kommen, wenn sich die Situation verbessert hat. Nebenbei helfe ich auch viel damit der Ort sauber bleibt. Ich putze dann den Boden oder die Fenster, spüle das dreckige Geschirr vom Mittagessen oder was auch immer gereinigt werden muss. Seit kurzer Zeit habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, etwas zu schaffen was bleibt, damit sich die Kinder auch an mich erinnern. Deshalb bin ich gerade dabei, einen kleinen Gemüsegarten anzulegen.
 
Ich hätte mir gewünscht, dass ich mehr unserer Psychologin bei der Therapie der Kinder helfen kann und so ein bisschen in dieses Berufsfeld hineinschnuppern kann. Aufgrund fehlender Ausbildung und Erfahrungen darf ich das aber leider nicht. Ich muss immer montags bis freitags von 9:00 Uhr bis 15:00 Uhr arbeiten. Es war aber auch möglich, dass ich anstelle von einem Montag oder Freitag auch am Wochenende arbeiten konnte. Bei dieser Arbeit mit den Kindern war es von Tag zu Tag unterschiedlich anstrengend. Mal hatten die Kinder einen guten Tag und alles war entspannt. Mal hatten die Kinder einen schlechten Tag und ich war am Ende des Tages so erschöpft, dass ich zuhause erstmal schlafen gegangen bin.

Meine Gastfamilie

Meistens fahre ich nach der Arbeit nach Hause zu meiner Familie. Wir wohnen hier in einem kleineren Vorort von San Jose namens San Juan de Dios. Meine costaricanische Familie ist viel größer als meine deutsche. Allein auf Seiten meiner Mutter habe ich zwei Onkel und drei Tanten. In meinem Haus leben wir zu sechst: Meine Eltern Alain und Johanna und meine drei Geschwister Nicole (16), Josue (15) und Santi (5).
 
Diese fünf haben mich ein Jahr in ihrem Haus und ihrem Leben aufgenommen, wofür ich sehr dankbar bin! Ich habe sie sehr gerne, auch wenn sie manchmal ein wenig verrückt sind. Zusammen sind wir schon auf einige kleinere Reisen, wie zum Beispiel zum Vulkan Arenal oder in die Berge gegangen. Aber auch wenn wir nicht unterwegs sind, machen wir uns immer eine schöne Zeit und machen viele Witze. Oft gehen wir auch einfach zu meiner Oma, die nur fünf Minuten mit dem Auto entfernt wohnt. Dort ist dann oft schon die halbe Familie versammelt. Wir trinken dann Kaffee und reden über die neusten Ereignisse.
 
Ich hatte viel Glück mit meiner Gastfamilie! Unter anderem, da meine Mutter eine hervorragende Köchin ist. Da fiel es mir gar nicht schwer, mich an den ganzen Reis mit Bohnen zu gewöhnen. Das wird hier nämlich jeden Tag gegessen. Ich kann mich an ein einziges Gericht erinnern, was mir nicht geschmeckt hat, und das waren gekochte Hühnerfüße, ein traditionelles Gericht aus den eher ärmeren Gegenden Costa Ricas. Meine Gastfamilie ist mir mit der Zeit ziemlich ans Herz gewachsen. Anfangs fiel es mir nicht mal sehr schwer mich einzuleben, da alle sehr offen und herzlich waren. Dafür fiel mir der Abschied umso schwerer und ich musste zusammen mit meinen beiden Eltern weinen.

Ausflüge am Wochenende

Da San José nicht besonders schön und auch nicht sehr groß ist hat man schnell alles gesehen. Deshalb verbringe ich meine Wochenenden und freien Tage meist an anderen Orten. Costa Rica hat eine große Vielzahl von Sehenswürdigkeiten. Es gibt schöne Vulkane wie zum Beispiel den Irazu. Des Weiteren habe ich einen Ausflug zum Monteverde gemacht, wo ich bei einer Nachttour viele Tiere beobachten konnte und habe eine Canopy-Tour auf der längsten Canopystrecke Lateinamerikas gemacht, wo ich über den Regenwald geschossen bin. Natürlich habe ich auch schon einige Strände besucht, wobei mir bis jetzt Playa Conchal und Manuel Antonio am besten gefallen haben. Ein persönliches Highlight war, als wir ein Wochenende bei einem ureingeborenen Stamm, den „Bribri“, verbracht haben. Dort haben wir viel über deren Kultur erfahren, uns wurde gezeigt, wie Kakao gemacht wird, und wir haben quasi unter freiem Himmel geschlafen.
 
Dabei sind mir die Ticos, wie man die Costaricaner nennt, immer sehr freundlich und auch hilfsbereit gegenübergetreten. Ungewohnt war zu Anfang die unterschiedliche Kommunikation. Im Gegensatz zu Deutschland herrscht in Costa Rica eine eher indirekte Kommunikation und die Menschen sagen dir nicht direkt, wenn sie etwas stört. Dafür musste ich erstmal eine gewisse Sensibilität gewinnen, aber nach einiger Zeit ging das schon. Auch aufgefallen ist mir, dass die Ticos in meinem Umfeld sehr viel Zeit innerhalb des Hauses verbringen, obwohl draußen gutes Wetter ist. Das könnte auch ein Grund dafür sein, dass großer Wert auf Sauberkeit und Ordnung im Haus gelegt wurde.

Betreuung durch AFS

Nun zu der Betreuung im Gastland. Jeder Freiwillige wurde einem Komitee zugewiesen, und zwar dem Komitee in der Region, wo er oder sie gelebt hat. Bei uns war es so, dass unser Komitee sich einmal pro Monat mit allen Freiwilligen und Schülern getroffen hat und man gemeinsam etwas gekocht hat. Naja es war so, dass jedes Mal eine andere Nation an der Reihe war und für die anderen etwas Typisches kochen musste. Während dem Essen wurde dann viel erzählt und über Probleme gesprochen. Zudem hatte jeder Freiwillige auch eine eigene Kontaktperson, mit der man sich einmal im Monat getroffen hat, um sich auszuplaudern.
Ich habe sowohl an allen Pflichtseminaren, als auch den Treffen von meinem Komitee teilgenommen.
 
An AFS Deutschland hatte ich die Erwartung, dass sie uns in Problemfällen helfen und unterstützen, die nicht von AFS Costa Rica gelöst werden konnten. Da es bei mir während des gesamten Jahres keine Probleme gab, die nicht von AFS Costa Rica gelöst werden konnten, war ich nicht auf AFS Deutschland angewiesen. Wie das in einer richtigen Familie so üblich ist, gab es natürlich auch den einen oder anderen Konflikt oder Missverständnisse. Ich bin dann einfach immer direkt auf die Person zugegangen und habe versucht, das Problem zu lösen. Das hat eigentlich auch immer gut funktioniert. Ich denke ein wichtiges Mittel bei der Problembeseitigung ist eine gute Kommunikation. Denn ohne Verständigung kann kein Problem gelöst werden.

Sprache und Kommunikation

Damit die Kommunikation gut funktioniert, war es natürlich wichtig, Spanisch zu lernen. Zum Glück hatte ich in der Schule schon ein paar Jahre Spanisch und konnte so ein paar Sprachkenntnisse mitbringen. Ohne wäre das Ganze auch ziemlich schwierig geworden, da sowohl auf meiner Arbeit als auch zuhause so gut wie niemand Englisch sprechen konnte. Am Anfang hatte ich ein paar Probleme, die Leute zu verstehen, da alle sehr schnell und zum Großteil auch sehr undeutlich gesprochen haben. Ich habe sie dann einfach gebeten, etwas langsamer zu sprechen, oder wenn ich etwas nicht verstanden habe, habe ich einfach nochmal nachgefragt. Mit der Zeit hat sich mein Verständnis dann auch echt schnell verbessert. Ich hatte ja auch keine andere Wahl, da niemand Englisch sprach. Im Nachhinein fand ich das sogar ziemlich gut, da ich so wahrscheinlich schneller Spanisch sprechen gelernt habe. Zur Übung habe ich dann auch den einen oder anderen Film auf Spanisch geschaut und viel spanische Musik gehört. Ich schätze meine Spanischkenntnisse als sehr gut ein nur auf der Grammatik Ebene schätze ich mich nicht so gut ein, da ich die Sprache überwiegend durchs Sprechen gelernt habe.

Globales Lernen und Engagement

Globales Lernen bedeutet für mich etwas über die Beziehungen und Zusammenhänge zwischen den einzelnen Ländern unserer Welt zu lernen und auch dazu Stellung nehmen zu lernen.
 
Um meine Erfahrungen weiterzugeben, habe ich mir überlegt vielleicht selber als Teamer tätig zu werden. Dafür möchte ich mich beim kommenden AFS-Nachbereitungsseminar informieren.