Erfahrungsbericht Auslandsjahr
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Mein Austauschjahr in Costa Rica

Jona, Costa Rica, 2016, Schuljahr im Ausland mit AFS-Stipendium

Als ich vor ca. fünf Monaten im Flugzeug von Frankfurt nach Panama City saβ, pochten pure Vorfreude, Adrenalin und auch ein wenig Sorgen in mir. Jedoch habe ich keine Minute an meiner Entscheidung gezweifelt und innerlich spürte ich die Abenteuerlust, ein Gefühl, welches ich in Zukunft noch öfters erleben möchte. Nach 33 anstrengenden Stunden Flug, Busfahrt und vielem Warten kamen wir schließlich im "Arrival Camp" an, wo wir das Wochenende mit den neuen Austauschschülern aus zahlreichen Nationen der Welt verbracht haben.

Die ersten Eindrücke

In dieser Zeit prägten sich die ersten Eindrücke bei mir ein: die Natur, die Hitze und das Essen. Manchmal habe ich mich dabei erwischt, wie ich minutenlang Palmen und tropisch aussehende Bäume angestarrt habe und mich eine gewisse Genugtuung erfüllte. Die Natur und die Wärme brachten mir den Fakt, dass ich wirklich in Costa Rica bin, viel näher. Gleich zur ersten Mahlzeit bekamen wir Reis mit Bohnen, das typische „Gallo Pinto“, Kochbananen und Fruchtsaft. Noch ein Beweis dafür, dass ich tatsächlich im Land war, von dem ich mir so viel erhoffte. Jetzt, nach knapp fünf Monaten in denen ich hier leben durfte, habe ich viele Eindrücke gesammelt, darunter viele gute und auch weniger schöne. Mit der Zeit habe ich Costa Rica so kennengelernt, wie es als Tourist kaum möglich gewesen wäre.

Land und Leute

Costaricaner werden „Ticos“ genannt und sind sehr herzerwärmende Menschen. Familie, Freunde und soziale Kontakte haben hier die oberste Priorität. Es ist schwer, die komplette Kultur und was sie mit mir anstellt zu beschreiben und auch zu begreifen, allerdings kann ich sagen, dass ich nun die weltbekannte Leichtigkeit und Zufriedenheit der Ticos verstehe. Sie teilen ohne auch nur mit der Wimper zu zucken und sind herausragende Gastgeber, denn für sie ist es eine Selbstverständlichkeit, sich um das Wohl anderer Menschen zu kümmern und auch hart dafür zu arbeiten. Ticos lächeln und lachen viel, auch über die meiner Meinung nach unlustigsten Dinge. Diese Lebenseinstellung, das berühmte „Pura Vida“ (Das pure Leben) bekomme ich immer wieder zu spüren, und es ein Teil von mir geworden.

 

Spanisch war für mich am Anfang eine unbekannte Sprache, und nun kann ich es mir nicht mehr wegdenken. Nach zwei Monaten konnte ich mit jeder beliebigen Person kommunizieren, natürlich nicht perfekt, aber ich konnte ohne groβe Probleme reden. Viele Ticos haben einen ähnlichen Gedankengang und auch die Kommunikation ist sehr indirekt. Ich musste lernen damit umzugehen, um ihre Aussagen auch komplett zu verstehen. Meine Gastfamilie ist mir ans Herz gewachsen, meine zwei Gastbrüder und ich verstehen uns gut und mit meinen Gasteltern, besonders mit meiner Gastmutter, habe ich eine enge Beziehung. Ich schätze mich mit meiner Gastfamilie sehr glücklich. Zwar ist sie nicht reich, jedoch sind sie ohne viel Geld sehr glücklich und unternehmen sehr viel.

 

Da ich in Santa Cruz/Guanacaste lebe, also nah an der Pazifikküste, fahre ich oft an den Strand. Entweder gehe ich mit Freunden, den anderen sechs Austauschschülern aus meiner Stadt oder meiner Familie. Ich liebe das Meer, und es war damals ein groβer Wunsch von mir, oft an den Strand zu fahren, welcher tatsächlich in Erfüllung gegangen ist.

Meine Schule

Meine Schule ist klein aber fein. Sie ist bilingual, das bedeutet, dass durch den erweiterten Englischunterricht das Schulniveau etwas erhöhter ist als das anderer Schulen. Ich habe gerade die zweite Hälfte der zehnten Klasse beendet, und im Februar gehe ich in die Abschlussklasse, die elfte. Etwas anderes auβer Spanisch lernen und ein soziales Umfeld aufbauen, mache ich nicht wirklich in der Schule, da viele Stunden ausfallen und der Unterricht nicht wirklich schwierig ist. Die Lehrer sind allerdings viel lustiger, entspannter und auch die Beziehungen zwischen Lehrern und Schülern sind enger und wichtiger als in Deutschland.

 

Allgemein kann ich sagen, dass sich mein Verhalten zum Positiven verändert hat. Ich lege mehr Wert auf die Person selbst als auf das, was sie besitzt. Ich bewundere es, wie die Menschen glücklich sein können, auch wenn ihre Umstände nicht die einfachsten sind. Mir fällt außerdem der Smalltalk leichter, denn hier wird man täglich damit konfrontiert: „Hola, como está?“ (Hallo, wie geht's?): „Bien, y usted?“ (Gut, und Ihnen?) ist dann immer die Standartantwort. „Bien, gracias, a Dios!“ (Gut, danke, Gott sei Dank) wird einem dann noch hinterher gerufen, denn man grüßt sich mit solchen Floskeln praktisch von der anderen Straβenseite. Mir persönlich fiel es anfangs schwer, so zu kommunizieren, denn der Gesprächspartner interessiert sich meist wenig für das wahre Empfinden der anderen Person, es ist einfach eine erweiterte Version vom Händeschütteln. Man gewöhnt sich daran.

 

Etwas schwerer fällt es mir, eine gute und ernste Freundschaft zu Jugendlichen aufzubauen, da meiner Meinung nach hier mehr Quantität an Freunden als Qualität eine Rolle spielt. Nichtsdestotrotz habe ich durch mein Volleyballtraining und die Schule viele Freunde, mit denen ich mich gut verstehe.

Schöne Erinnerungen

Besonders schöne Erinnerungen habe ich an das Reisen. Egal ob es mit anderen Austauschschülern, Familie oder Freunden war. Es ist immer schön, aus dem Alltag herauszukommen und das Land zu sehen. Ich schreibe diesen Bericht gerade von San José aus, da ich hier meine Cousins mit meinen Gastbrüdern über Weihnachten und Silvester für drei Wochen besuche. Es ist eine tolle Erfahrung auch einmal in einer "Groβstadt" zu wohnen.

 

Die Ereignisse, an die ich mich noch lange erinnern werde, sind mein erster Strandbesuch in Puerto Viejo/Guanacaste, die vielen Familienfeiern, den „dìa de independencìa“, den Unabhängigkeitstag (15.09.), mit den riesen Paraden und die vielen „Bailes“. Da meine Stadt bekannt für ihre Folklore ist, gibt es hier viele Feste und sogenannte "Bailes". Das sind Tanzabende, bei denen eine Liveband die für Costa Rica typische Musik spielt und alle Bachata, Salsa und Merengue tanzen.

Mein Rat an zukünftige Austauschschüler

Zukünftigen AFSern, die nach Costa Rica kommen möchten, würde ich raten, für alles offen zu bleiben, keinen materiellen Luxus zu erwarten, sich aber auf eine schöne und warme Mentalität einzustellen, denn sie ist eine wirkliche Bereicherung. Natürlich kann ich nur aus meiner eigenen Erfahrung sprechen, aber was mich angeht, habe ich mit dem Auslandsjahr die beste Entscheidung in meinem Leben getroffen.

Vielen Dank für diese Erfahrung

Mein Auslandsjahr wäre ohne die finanzielle Unterstützung von AFS Stipendienfonds nur ein Traum und Wunsch geblieben, und deswegen bedanke ich mich mit ganzem Herzen für die Hilfe. Ohne AFS Stipendienfonds wäre ich nicht hier.