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Das beste, was passieren konnte

Josephine, Tschechische Republik, 2008/09,

Das beste, was passieren konnte

Rückblickend auf das Jahr kann ich eigentlich nur sagen, dass es das Beste war, was mir passieren konnte. Ich habe in diesem Jahr eine Menge Neues gesehen und gelernt, aber vor allen Dingen habe ich wunderbare Menschen aus aller Welt und eine tolle Kultur kennen gelernt. Tschechien, ein kleines Land, das uns so nah ist und doch so unbekannt und einzigartig, kann ich jetzt, nach einem Jahr mit AFS, stolz meine zweite Heimat nennen.

Tschechien ist in vielen Hinsichten nicht so unterschiedlich zu Deutschland und doch gibt es so viele kleine Besonderheiten, die dieses Land zu einem Erlebnis machen. Ich habe dieses Jahr in Tschechien einen warmen Sommer und einen Winter mit viel Schnee und Eis erlebt. Eigentlich bin ich ein Sonne liebender Mensch und ich wollte immer gerne in ein warmes Land. In Tschechien habe ich die Jahreszeiten, besonders den Winter zu schätzen gelernt.

Tschechisches Essen: Viel Fleisch

Ich habe ein Jahr lang wirklich typisch tschechisches Essen gegessen, wie zum Beispiel alle Arten von Klößen und oft Kartoffeln. Die Tschechen essen außerdem sehr viel Fleisch, was für mich als Vegetarierin nicht immer einfach war, außerdem gibt es eine Art Hörnchen, das weder gebogen noch süß ist, welches die Tschechen „Rohlik“ nennen. In fast allem sogar in normalem Brot ist Kümmel, daran musste ich mich erst einmal gewöhnen. So könnte ich mal eben kurz eine Menge typisch tschechischer Gerichte aufzählen.

Auch an vielen Sitten und Bräuchen sieht man, dass die Kultur nicht so stark von anderen Ländern beeinflusst. Im tschechischen Fernsehen laufen zum Beispiel oft tschechische Filme und Tschechen gucken auch gerne alte schwarz-weiß Filme die ebenfalls in Tschechien gedreht wurden, Amerikanische Filme haben andere Titel und wenn gesungen wird, werden die Lieder ersetzt oder mit Untertiteln übersetzt. Weihnachten und Ostern werden total anders gefeiert. Zu Weihnachten laufen auf allen Fernsehkanälen Märchen und es gibt viele Bräuche die mit Weihnachten verbunden sind, jedoch anders als in Deutschland.

Feste werden anders gefeiert

Am Ostersonntag werden von den Mädchen Eier angemalt und verziert und dann ist es Brauch, dass die Jungen herum ziehen und mit Weidenruten die Mädchen schlagen, die ihnen dann die bemalten Eier geben. Die Mädchen sollen davon hübsch werden, hat mir eine Freundin erzählt, als ich sie gefragt hab warum sie das zulassen. Generell glaube ich, dass die Feste anders gefeiert werden, da der Großteil der Tschechen nicht an Gott glaubt. Ich war zum Beispiel am Heiligabend mit meiner Gastschwester in einem Club, nachdem wir unsere Geschenke ausgepackt hatten, dass wäre in Deutschland kaum vorstellbar. In dieser Kleinstadt haben wir aber dort fast alle Jugendlichen getroffen die sonst auch da sind.

Das süße Renaissance-Städtchen Svitavy

Ich habe mein Jahr in Svitavy (Zwittau) verbracht. Das ist ein total süßes Renaissance Städtchen mit ca. 20.000 Einwohnern und liegt auf der Grenze von Böhmen und Mähren. In dieser Stadt ist der berühmte Oscar Schindler geboren und in einem Park gibt es eine Art Denkmal, das ich besucht habe. Ich bin in Litomysl (Leitomischl ) zur Schule gegangen, welches weiter westlich liegt und ca. 10.000 Einwohner hat, hier gibt es ebenfalls einen wunderschönen Renaissance Stadtkern und außerdem steht hier das, so gesagt, schönste Renaissance Schloss nördlich der Alpen und ein Kloster die beide wunderschöne Gärten haben, in denen ich oft nach der Schule mit meinen Freundinnen war. Die pädagogische Schule in Litomysl, die ich für ein Jahr besucht habe, befindet sich auch in einem sehr schönen, alten Gebäude.

Tschechen brauchen Zeit um "aufzutauen"

Die Menschen in Tschechien sind in den ersten Monaten eher zurückhaltend, doch wenn du mit ihnen redest, nicht uninteressiert oder abweisend. Wenn man ihnen Zeit gibt richtig aufzutauen, sich die Mühe macht, sie besser kennen zu lernen, sind es tolle Leute und wenn man Freunde findet, sind die Freundschaften umso tief gehender und ausdauernd. In den ersten Monaten wirkten die Menschen auf mich sehr kalt, da ich es von Deutschland gewohnt bin, dass man seine Freunde umarmt und küsst. Ich sah selten Körperkontakt zwischen Freunden oder Bekannten, es kam vor das jemand direkt vor mir stand und mir gewunken hat, was ich schon sehr komisch fand. Ansonsten hat es sich auch meist aufs Hände geben beschränkt. Ich habe nie daran gezweifelt, dass sie sich lieb haben, nur war es für mich schwer nicht mehr in den Arm genommen zu werden. Ich hätte nicht gedacht, dass solche Gesten so wichtig für mich sind, so etwas nimmt man schon gar nicht mehr richtig wahr.

Gute Freunde gefunden

Zum Glück gab es ja immer die AFS Camps und da es den meisten Austauschschülern wie mir ging habe ich schnell gute Freunde unter ihnen gefunden. Es war sowieso immer toll mit Menschen zusammen zu sein die gerade dasselbe durch machen wie ich und wir hatten eine tolle Gemeinschaft. Als ich mich dann nach einigen Monaten richtig gut mit ein paar tschechischen Mädchen verstanden habe, habe ich natürlich auch mit ihnen darüber geredet und als dann auch noch zwei von ihnen eine Woche in Deutschland waren und gesehen haben wie normal es hier ist, haben sie gesagt wir können das ja auch machen. Das war am Anfang komisch! Man hat gemerkt das sie es nicht gewohnt waren, doch nach einiger Zeit sind sie richtig gut im Umarmen geworden und haben auch angefangen nicht nur mich sondern sich untereinander zu umarmen, was ich echt toll fand. Sie haben mir am Ende des Jahres dafür gedankt, das ich ihnen das gezeigt habe und sie werden das beibehalten.

Ich könnte diesem Bericht, noch unendlich viel hinzufügen es ist einfach beeindruckend was man alles in einem Jahr erleben kann und es ist definitiv nicht machbar eine Kultur, die so vielfältig ist, klar darzustellen. Trotzdem hoffe ich, dass mein Bericht einen kleinen Einblick in ein Land, das unserem so nah ist und von dem wir doch so wenig kennen. Ich habe dieses Jahr sehr genossen, werde es nie vergessen und mit meinen Freunden in Tschechien und aller Welt in Kontakt bleiben. Man kann es gar nicht richtig ausdrücken wie erlebnisreich dieses Jahr war! Ich habe so unglaubliche Menschen kennen gelernt, dass das Weggehen schwer war. Doch ich weiß, dass ich die Meisten von ihnen wiedersehen werde, wenn auch nicht so schnell.