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Ein Teil von mir gehört jetzt Grönland

Cäcilia, Dänemark, 2012/13, Schuljahr im Ausland mit Kreuzberger Kinderstiftung-Stipendium

Vor einem Jahr und 5 Tagen bin ich voller Aufregung und Hoffnung in Nuuk der Hauptstadt von Grönland angekommen. Ich habe die Reise in dem kleinen roten Flugzeug von Island nach Nuuk noch sehr genau in Erinnerung. Ich bin eingestiegen und über das Inlandseis von Grönland geflogen, ohne auch nur im Geringsten zu wissen, was mich dort auf der anderen Seite erwartet. Wenn ich jetzt überlege, dass ich dieses Abenteuer vielleicht vor einem Jahr nicht gemacht hätte und stattdessen mein Abitur angefangen hätte, kann ich nur von Glück reden, dass ich es doch gemacht habe.

Begeisterung von Anfang an

Ich bin in meinem Jahr an Grenzen gestoßen und stand vor vielen Herausforderungen. Am Anfang meines Jahres war ich erst sehr begeist von allem, was mich umgeben hat. Ich war „geflasht“ von der atemberaubenden Natur um mich und habe alles aufgesogen wie ein wissbegieriger Schwamm. Ich habe jede Gelegenheit genutzt etwas zu erleben und habe alles mitgemacht, was machbar war. Mein Motto: „Eintauchen in die Grönländische Kultur“. Es war sehr einfach für mich ein Teil von Grönland zu werden, da ich in der 15.000 Einwohner Stadt nach einem Vierteljahr nicht mehr „neu“ war. Geholfen haben mir vor allem das Orchester der Stadt und die Schule.

Schule

Ich bin sehr gerne in die Schule gegangen. Meine Klasse bestand aus 9 Leuten, die 15-45 Jahre alt waren. Diese sehr durchmischte Klasse war sehr wichtig für mich. Außerdem war die Atmosphäre auf meiner Schule eine ganz andere als in Deutschland. Da die Lehrer im Dänischen und Grönländischen geduzt werden und sie auch so eher eine freundschaftliche Beziehung zu den Schülern haben, ist der Unterricht sehr viel entspannter und lustiger. Ich habe einen sehr guten Englischlehrer gehabt, durch den sich mein Englisch wesentlich verbessert hat. Außerdem hatte ich eine fantastische Dänischlehrerin, die mich immer unterstützt hat. Ich hatte noch sehr viele andere interessante Fächer wie: Sozialwissenschaften wo es viel um die Grönländische Politik und Gesellschaft ging. Oder Geografie, wo wir uns oft mir den klimatischen Veränderungen in Grönland beschäftigt haben und oft Ausflüge in die Natur unternommen haben, um Eisrückgänge, Robben und Rentiere zu beobachten. Ich habe oft mit meinen Mitschülern Projekte für die Schule gemacht und war viel mit ihnen zusammen.

Teilnahme am Orchester

Außerdem habe ich im Nuukbyorkester gespielt. Die Proben und die Auftritte waren ein sehr wichtiger Teil in meinem grönländischen Leben. In dem sehr durchmixten Orchester habe ich mich wohl gefühlt und Freunde gefunden. Anfangs war es sehr schwer den Proben auf Dänisch zu folgen. Doch Musik ist ebenfalls eine Sprache, die jeder Musiker spricht. Dieses eine Jahr im Orchester habe ich wahnsinnig viel über die Kultur von Grönland gelernt. Das große Neujahrskonzert, das Sommerkonzert und viele kleinere Konzerte sind mir sehr gut in Erinnerung geblieben. Vor allem der groß gefeierte Nationalfeiertag am Ende des Jahres war ein wichtiges Erlebnis mit dem Orchester.

Gastfamilie

Ich hatte zwei große Gastbrüder, allerdings hat Niclas in Dänemark studiert und war nur zu Weihnachten und im Sommer in Nuuk. Mein anderer Gastbruder Simon ist in die 13.Klasse auf meine Schule gegangen. Wir haben oft und viel über die verschiedensten Themen diskutiert. Er hat mir viel in Nuuk gezeigt und erklärt. Trotzdem hatten wir oft Meinungsverschiedenheiten und es gab Situationen, in denen wir uns sehr gestritten haben. Ich habe Simon trotz allem, oder vielleicht genau deswegen, sehr gerne. Mit meiner Gastmutter, die aus Dänemark kommt, habe ich mich wunderbar verstanden. Sie ist für mich eine richtige Mama geworden und zu ihr hatte ich die engste familiäre Beziehung. Anfangs ist es mir in der Familie sehr schwer gefallen, da meine Gasteltern viel arbeiten und wir selten Zeit füreinander hatten. Ich war in den ersten Monaten viel alleine.

Irgendwann habe ich beschlossen, das zu ändern und mir Aktivitäten zu suchen. Neben dem Orchester habe ich noch in einer Band gespielt und die Musik wurde im Laufe des Jahres wahnsinnig wichtig für mich. Außerdem habe ich angefangen, mehr mit Freunden zu unternehmen. Wir waren zwei Austauschschüler in Grönland/Nuuk: Elena und ich. Wir sind sehr gute Freunde geworden und haben viel miteinander unternommen. Im Winterhalbjahr waren wir oft im Schwimmbad und im Sommer haben wir angefangen einen Film über Grönland zu drehen. Wir haben wahnsinnig viel Zeit miteinander verbracht. Auch die Reise von AFS nach Südgrönland am Ende des Jahres war ein Highlight.

Zeit auf dem Fjord

Meine Gastfamilie hat eine kleine Hütte draußen im Fjord. Zwei Stunden mit dem Boot entfernt lag die kleine Hütte umgeben von der einzigartigen Natur. Dort habe ich viel Zeit verbracht. Im Sommer waren wir fast jedes Wochenende dort und außerdem haben wir Weihnachten in der Hütte gefeiert. Dieser Ort draußen im Fjord ist der schönste Ort den ich kenne. Mit meiner Familie konnte ich dort endlich Zeit verbringen und es war wie eine kleine Blase, abgeschnitten von dem Rest der Welt. Am Fjord habe ich gelernt zu fischen, zu stricken, zu wandern, Ski zu fahren, Wale zu beobachten, Nordlichter zu deuten, Kajak zu fahren und noch vieles mehr. Die Zeit am Fjord war eine ganz intensive, naturverbundene Zeit. Ein Freund von mir hat mir das Fahren in einem echtem grönländischem Kajak beigebracht. Wir sind zu Eisbergen gefahren und haben Wale gestreichelt. Das Erlebnis mit einem grönländischen wackeligen Kajak auf dem Eismeer zu fahren war einer der größten Herausforderungen, die ich mitgemacht habe.

Viel Schnee und helle Sommermonate

Herausfordernd waren generell die Natur und das Klima. Im Winterhalbjahr vor allem die Dunkelheit, der Schnee und die Kälte. Zu Weihnachten wurden es -30°und im Februar hatten wir 5 Meter Schnee. Dann geht man in Grönland aus dem zweiten Stock aus dem Fenster weil der Schnee die Haustür eindeckt. Im Sommer war es dafür den gesamten Tag und die Nacht über hell. Die Sonne schien die ganze Zeit und alle sind glücklich. Man schläft kaum, weil die Sonne genügend Energie zum Leben gibt. Das Klima in Grönland ist einzigartig, der größte Unterschied ist nicht die Kälte, sondern die trockene Luft. Hier in Europa ist die Luft extrem feucht. Deswegen fühlt sich der Winter und die Kälte auch nicht so nass an, sondern trocken und knackig. Auch die Dunkelheit ist gemeinsam mit dem Schnee und den Nordlichtern gar nicht so dunkel wie man sich das immer vorstellt. Im Gegenteil es hat etwas friedliches und beruhigendes.

Fazit

Die Erlebnisse und Erfahrungen haben mich ein ganzes Stück größer und erfahrener gemacht. Ich bin toleranter und selbstbewusster geworden. Mein Blick auf unsere Welt hat sich geöffnet und ich mich selber auch. Mein Wissensdurst und meine Reiselust haben sich durch dieses Jahr verfünffacht und ich bin sehr glücklich darüber. All denen, die mir dieses Jahr ermöglicht haben und mich unterstützt haben, bin ich sehr dankbar. Ich wüsste nicht, wer oder was ich jetzt wäre, ohne dieses Abenteuer.