AFS-Erfahrungsbericht Schüleraustausch Dänemark

Hygge, das Lebensmotto der Dänen

Nele, Dänemark, 2015, Schuljahr im Ausland mit Helga von Hoffmann-Stipendium

Mit dänischen Flaggen schwingend, wurde ich von meiner Gastfamilie herzlich in Empfang genommen. Genau so herzlich verlief mein Jahr in dieser gesunden, sportlichen und lustigen Familie. Hier wurde Gemeinsamkeit großgeschrieben. Was ich immer sehr schön fand, dass abends niemand in seinem Zimmer für sich allein gesessen hat. Auch wenn jeder etwas anderes gemacht hat, saß man zusammen im Wohnzimmer, auf der Terrasse oder wo auch immer. Nach kurzer Zeit hatten wir alle das Gefühl, als wäre ich schon immer da gewesen. Unendlich viel habe ich von dieser Familie gelernt. Durch sie habe ich mich an der rhythmischen Sportgymnastik ausprobiert und durfte mich auch als Jugendfußballtrainer beweisen. Sie haben mich überall integriert ob es bei Feldarbeit auf der Farm, bei Reparaturen am Reetdach, beim ernten der Erdbeeren, bei Familienfeiern oder bei Festen und Feiertagen war. Das Handarbeiten, backen und kochen mit einer Großmutter war genau so eine schöne Erfahrung wie von meiner Gastfamilie umsorgt und getröstet zu werden. Obwohl ich vor Monaten noch gar nicht wusste, dass es sie gibt. Danke, dass es euch gibt.

Was macht die Dänen und ihre Kultur nun aus?

Ich finde, dass die Dänen bei neuen Dingen eher schüchtern sind und nicht den ersten Schritt machen, doch wenn man erst mal aufgetaut ist, dann kann man den größten spaß der Welt mit Ihnen haben.
Ebenfalls finde ich, dass die Dänen fremde Menschen nicht so oberflächlich wie die Deutschen beurteilen. Ihnen ist es egal ob man Markenklamotten trägt, einen Computer hat, dick/dünn ist oder andere Probleme hat. Sie warten erst mal ab bevor sie sich eine Meinung bilden und geben jedem eine Chance. Erst als ich wieder zurückgekommen bin hatte ich damit zu kämpfen und fand es in manchen Situationen erschreckend wie oberflächlich manche Menschen denken.

Hygge

Wie schon im Titel genannt wurde, passt das Wort Hygge (= so viel wie „Gemütlichkeit“) gut zu diesem Volk. Sie sehen es nicht so eng wenn man im Regen zur Schule fährt, man im Stau steht, es kalt ist. Sie machen einfach das Beste aus der ganzen Situation, denn keiner möchte schlechte Laune verbreiten. Selbst wenn man mal etwas auf dem Herzen hat, kann man immer zu seiner Familie, seinen Freunden oder auch zu seinen Lehrern gehen. Dazu muss man sagen, dass in der dänischen Grundschule (0.-9. Klasse) die Lehrer immer für einen da sind und generell man in Dänemark viel mehr Kontakt und einen viel besseren Draht zu ihnen hat als in Deutschland.
All das ist natürlich nur eine Interpretation meiner Erfahrungen.

Abschied von der Schule

Ja wo soll ich anfangen. Die letzten Monate beinhalteten die schönsten, aber leider auch die traurigsten Momente meines Auslandsjahres. Alles hatte sich eingespielt, es wurde wieder Sommer, Ich war der Sprache vollkommen mächtig, einfach alles war perfekt.
 
Ende Mai war auch schon der bekannte letzte Schultag. Wir haben uns alle verkleidet, haben Bonbons geworfen, sind in die unteren Klassen gegangen haben diese unterhalten, bis wir in der Sporthalle unser 1,5 stündiges Programm zeigen mussten. Abgeschlossen haben wir das Ganze mit einem emotionalen Video mit Bildern usw. von den letzten Jahren. Danach gab es eine Wasserschlacht mit dem Schulleiter für die ganze Schule. Im Anschluss sind alle Abschlussschüler Hand in Hand ins Meer gesprungen und haben den letzten gemeinsamen Tag zusammen gefeiert. Zu diesem Zeitpunkt wurde mir das erste Mal klar, dass es bald nach Hause ging. Viel Zeit darüber nachzudenken hatte ich aber nicht.
 
Jetzt stand es an für die Abschlussprüfungen in Dänisch, Englisch, Mathe, Religion und Sport zu üben. In dieser Zeit hat man sich nicht so oft gesehen, aber trotzdem mit jedem anderen mit gefiebert, mit gefreut und leider auch manchmal mit getrauert. Letzten Endes haben alle einen guten Abschluss bekommen und auf der endgültigen Abschlussfeier, vom Schulleiter das Zeugnis bekommen. Als wir mit dem Essen, den ganzen Reden und der Zeugnisübergabe fertig waren, hieß es Abschied nehmen. Dies war einer der schwersten Abschiede, denn diese Schule ist mir sehr ans Herz gewachsen, ich wurde immer unterstützt, alle waren für mich da und sie hat neben meiner Gastfamilie einen großen Teil meines Jahres ausgemacht und was ich auch sehr toll fand war, dass meine kleinen Fußballmädchen morgens immer zu mir gekommen sind und mich mit einer Umarmung begrüßt haben.

Wie mein Auslandsjahr meinen Lebensweg beeinflusst hat?

Mir persönlich hat es geholfen, mich selbst besser kennenzulernen und herauszufinden, was ich möchte und was ich nicht möchte. Ich habe gelernt, dass es mir gut tut, ohne Vorurteile und Erwartungen allem offen gegenüber zu sein.

 

Ohne diese Einstellung wäre ich in Dänemark keine Fußballtrainerin geworden, hätte keine Auszeichnung dafür bekommen, dass ich das Klassenklima in eine positive Richtung verändert habe und hätte nicht herausgefunden, was meine Stärken und Schwächen sind. Darüber hinaus habe ich sowohl im privaten Bereich als auch für verschiedene Firmen Dokumente übersetzt oder bin in Touristen-Zonen in Dänemark spontan als Dolmetscherin eingesprungen.