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Die schönste Zeit in Deutschland

Daria, Russische Föderation, 2008/09,

Die schönste Zeit in Deutschland

Die zweite Hälfte meines Austauschjahres ist, wie man schon mithilfe der Überschrift verstehen kann, ist und war wunderschön. In der Zeit habe ich sehr viel erlebt. Der Spaß ging richtig los: Da wurde ich mir sicher, dass ich schon wirklich Freunde gefunden habe, mit meinen Gasteltern sind wir ganz viel gereist, und dann war ich noch beim Midstay in Nürnberg. Während der ganzen Reisen habe ich fast jedes Teil Deutschlands gesehen: Hamburg, Lübeck, Münster, Nordsee, Inseln Usedom und Rügen, Köln und Frankfurt am Main (dort war ich mit der Familie meiner Gastschwester, die bei mir in Russland war), Dresden… Mein Midstay fand im Raum Nürnberg statt, und mit der dortigen Gastfamilie habe ich München, Regensburg, Rottenburg ob der Tauber und Amberg besucht. Diese ganzen Reisen haben mir sehr viel gebracht, weil ich die Besonderheiten der Kultur bzw. der Geschichte in verschiedenen Teilen Deutschlands näher kennen lernen konnte, z. B., in Köln war ich zur Karnevalzeit, in Dresden am 13.-14. Februar, und in Nürnberg hatte ich die Gelegenheit, viel Interessantes über die Geschichte Deutschlands, insbesondere in der NS-Zeit, erfahren. Zu dem Thema, das mich sehr interessiert, habe ich auch ziemlich viel in Berlin beim Treffen der EVZ-Stipendiaten gelernt.

Das Thema interessiert mich wirklich, und ich bewundere die Art, wie die Deutschen mit ihrer Geschichte umgehen. Ich glaube, dass es sehr wichtig ist, sich mit der Vergangenheit auseinander zu setzen, und in Zukunft möchte ich noch mehr zum Thema lernen. Allgemein zu sagen, ich habe unwahrscheinlich viel zu deutschen Geschichte, Politik und kulturellen Leistungen gelernt, da mein Gastvater sich sehr für Geschichte interessiert und kann vieles erzählen, aber er war nicht die einzige Quelle, wenn man so sagen darf, aus der ich meine Wissen bekommen habe. Mit meiner Klassenstufe waren wir im Bundestag und Bundesrat in Berlin, und nur mir der Klasse sind wir nach Schwerin gefahren, um das System des Landtages Mecklenburg-Vorpommerns näher zu betrachten und den Abgeordneten fragen zu stellen. Es wurde sehr viel gefragt, wie man mit der NPD umgeht, aber wie arbeitet der Landtag und wie funktioniert das System der Bundesrepublik habe ich auch gelernt.

Ich werde vieles vermissen

Außer geschichtlichen Aspekten habe ich natürlich das alltägliche Leben und die Art des Lebens auf dem Land und allgemein noch genauer kennen gelernt. Vieles davon werde ich vermissen: das Fahrradfahren an der Küste, das Meer, den Charme der kleinen Stadt am Wasser, lustige Parties mit meinen Freunden, das Sonntagskaffeetrinken mit der ganzen Familie und den Omas und Opas, Russischunterrichte in der Schule, auch für die kleinere Schüler, mein Kunst-Unterricht an der Musikschule, den Fotokurs, die Katze, das Hoch- und Runtertreppelaufen, den Garten... Meine Gastfamilie und Freunde werde ich natürlich auch sehr vermissen, aber zum Glück kann man ja immer Besuch machen… Aber es gibt auch Sachen zu Hause, auf die ich mich frohe, und zwar meine Familie und Freunde, dann ein bisschen die Unabhängigkeit vom Gefahrenwerden, die man nur in der Stadt hat. Und ein bisschen das Essen. Dann frohe ich mich auf mein Studium und den Anfang des Studentenleben, ansonsten bin ich nicht so aufgeregt.

Wann ich schon zu Hause bin, werde ich selbstverständlich sehr viel gefragt werden, wie ist es, „da in Deutschland“. Es ist aber ganz schwer in wenigen Worten zu erzählen, wie alles ist. Wenn ich mich an meine Vorstellungen von der Zeit vor der Abfahrt erinnere, sehe ich, dass ich schon durch meine Gastschwester ziemlich viel über das Land wusste, aber jetzt weiß ich unvergleichbar mehr. Manches hat sich verändert, zum Beispiel, meine Vorstellung über das Landleben (ich habe gedacht, dass in Deutschland es sich nicht wirklich viel vom Leben in Stadt unterscheidet – eigentlich schon), früher habe ich auch nicht gewusst, dass man die Essenordnung eigentlich ganz gut verallgemeinern kann (1 Mal warm, Abendbrot heißt so, weil man fast in jedem Haus genau Brot isst usw.). Ich würde sagen, dass früher habe ich mir die Deutschen als ein sehr strenges und geschlossenes Volk vorgestellt (na ja, so was man alles kennt – Ordnung, Pünktlichkeit…), aber jetzt finde ich, dass die Leute zu einander sehr offen und herzlich sind, sie lieben Gemütlichkeit und Ruhe. Darüber würde ich als Erstes erzählen.

Jede Menge Erfahrungen und Erlebnisse

Und einem neuen Austauschschüler könnte ich über jede Menge Erfahrungen und Erlebnisse erzählen, und es ist sehr schwer zu wählen, welche/s soll es sein… Ich glaube, dass ich von der Erfahrung, die man nach einem Austauschjahr hat, in allgemein berichten würde. Ich würde ihm oder ihr sagen, dass so ein Jahr sehr viel einem bringt, dass man das gar nicht beschreiben kann, worüber man nachdenkt… Ich würde erzählen, dass man sich aufs Neue kennen lernt, dass man reifer und erwachsener wird, dass man die offene für die Welt Augen kriegt… Ich würde auch sagen, dass, wenn man dazu Möglichkeit hat, so ein Jahr unbedingt machen soll, denn für mich, zum Beispiel, ist es die schönste Zeit, trotz allen ihrer schlechten und schweren Perioden, gewesen.

Aber wenn ich doch etwas Genaues erzählen sollte, dann würde ich von der Eröffnung einer Ausstellung erzählen, wo meine Bilder (ich fotografiere sehr gern) auch dabei waren. Es war sehr angenehm, dort mit den anderen zu sein, man hat das Interesse der Gäste für sich gefühlt. Für mich war es auch sehr wichtig, weil dorthin meine ganze Gastfamilie kam, und sie haben mich unterstützt und sich sehr für mich gefreut – und es fühlte sich so an, als wären sie eine zweite leibliche Familie. Und so, hoffe ich, wird unsere Beziehung auch bleiben.

Daria, St. Petersburg, Russland 2008/09

Stipendiengeber: Stiftung Erinnerung, Vergangenheit und Zukunft