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La vida es buena!

Carina, Dominikanische Republik, 2013/14, Schuljahr im Ausland mit dem AFS-Stipendienfonds

Als ich meiner Familie, Freunden, Lehrern und Verwandten erzählte, dass ich in der Dominikanischen Republik ein Jahr verbringen werde, stieß ich auf viele verschiedene Meinungen. Einige fanden es sehr interessant und beglückwünschten mich, dass ich ein Jahr in der Karibik am Meer verbringen könnte. Andere waren von meiner Länderwahl nicht sehr überzeugt, da ich nach ihrer Meinung nach nur ein Jahr am Strand liegen würde. Doch dieses Land hat so viel mehr zu bieten, als nur wunderschöne, kilometerlange weiße Sandstrände, ein türkisblaues Meer, Palmen und Urlaubsanlagen.

Meine Gastfamilie

Ich habe in Jima Abajo, einem kleinen Dorf, gelebt, das in der Provinz La Vega, die ziemlich in der Mitte des Landes liegt. In meiner Gastfamilie hatte ich zwei Schwestern, wobei ich mit der jüngeren 18-jährigen Hilenne ein Zimmer geteilt habe. Die ältere 20-jährige namens Katherine lebte in einem Zimmer hinter dem Haus mit ihrem Mann. Außerdem lebten meine beiden Gasteltern, Sobeida und Manuel, sowie Roosvelt, der Mann meiner Schwester, mit im Haus.

Meine Familie war immer freundlich zu mir und hat mich seit dem ersten Tag wie ein Familienmitglied behandelt. Bei den täglichen Stromausfällen versammelte sich am Abend immer die ganze Großfamilie, da sowieso Licht und Internet nicht mehr funktionierten. Bei Kerzenschein wurde dann über alles Mögliche geredet.

Schulleben

Ich habe in der Dominikanischen Republik sehr nette, offene Menschen kennengelernt, bei denen man sich sofort wohl und zugehörig fühlt. Dadurch hatte ich auch mit dem Schuleinstieg keine Probleme, weil jeder sofort auf mich zukam und auch viel Interesse an mir und meiner Kultur zeigte. Ich ging auf die öffentliche Schule in Jima Abajo, etwa 20 min zu Fuß entfernt von meinem Zuhause. Der Unterricht fand am Nachmittag von 14 bis 18 Uhr statt, wobei wegen drohendem Unwetter die Schule oft eine Stunde früher beendet wurde. Doch bevor wir nach Hause gehen konnten, mussten wir uns im Schulhof in Reihen, sortiert nach Jahrgangsstufe, aufstellen. Dann hörten wir uns ein Gebet an und anschließend wurde bei gehisster Fahne die Hymne gesungen.

Wie bei allen dominikanischen Schulen gehörte auch bei meiner die Schuluniform dazu. Sie bestand aus einer hellbraunen Hose, einer hellblauen Bluse und darunter ein weißes Unterhemd ohne Aufdruck, weißen Socken und schwarzen Schuhen. Große Ohrringe und auffallender Schmuck waren verboten und die Jungen durften ihre Haare nicht zu lange tragen. Ich ging in die 3. Stufe, was das vorletzte Jahr bedeutet. Ich durfte trotzdem bei der Abschlussfahrt der 4. Stufe teilnehmen, wobei wir 2 Tage an der Südküste umherfuhren und uns einige Naturschutzgebiete und kulturelle Besonderheiten ansahen. Man kann öffentliche dominikanische Schulen nicht mit deutschen Schulen vergleichen. Zum Beispiel wird sich der Lernstoff größtenteils selbst durch Lesen und Fragen beantworten beigebracht.

Land und Leute

Das Meer bekam ich während des ganzen Jahres nur 4 mal in Tagesausflügen mit meiner Familie oder Freunden zu Gesicht. So viel zum Thema ich würde das ganze Jahr nur Urlaub am Strand machen. Obwohl ich die weißen Karibikstrände wunderschön finde, haben es mir die Berglandschaft der Dominikanischen Republik mehr angetan. Wie oben schon erwähnt, lebte ich in der Provinz La Vega die etwas höher gelegen ist. Ich habe sehr viele Ausflüge mit meiner Gastfamilie oder meinen Schwestern nach Constanza oder Jarabacoa gemacht, um dort die Berglandschaft zu bestaunen. Dort gibt es sehr schöne Wasserfälle und man kann sich eine Auszeit vom zu heißem Wetter nehmen, da es dort nicht so heiß ist.

Da Jima Abajo nicht sehr groß ist, kannten mich dort die Bewohner ziemlich schnell, weil ich durch meine nicht ganz so braun gebrannte Haut und meinen blauen Augen sofort auffiel. Anfangs war es nicht ganz so leicht auf der Straße darauf angesprochen zu werden, auch weil ich noch kein Spanisch beherrschte. Die anfänglichen Schwierigkeiten mit dem Verständnis legten sich bald und so gegen Weihnachten konnte ich mich schon ganz gut unterhalten, ohne groß über Grammatik nachzudenken. Auch dass ich ständig auf der Straße wegen meiner Augen oder meiner Haut angesprochen oder angeschaut wurde, legte sich bald und ich erkannte, dass alle eigentlich nur neugierig sind und mehr über meine Herkunft und Kultur erfahren wollten.

Kulturelle Unterschiede

Eine der größten Herausforderungen für mich war, dass die Eltern dort sehr kontrollierend sind und ihren Kindern sehr viel verbieten. Zum Beispiel musste meine Schwester die 18 war und damit auch in der Dominikanischen Republik schon volljährig war, immer um 23:00 Uhr zu Hause sein und ihr Freund durfte auch nicht länger als elf Uhr bleiben. Auch musste sie ihnen immer sagen, wohin sie geht. Die gleichen Regeln galten dann auch für mich. Wenn ich am Freitagabend ausging, was ich nur mit meiner älteren Schwester durfte, konnte ich mir sicher sein, dass ich am Samstag das Haus nicht verlassen durfte. Auch müssen die Kinder schon sehr jung im Haushalt mithelfen. Zu meinem Aufgaben gehörten dreimal täglich abwaschen, Staub putzen, Wohnung fegen/ putzen und einiges mehr. Da ich diese Aufgaben mit meinen beiden Schwestern erledigte und wir uns die Arbeit teilten ging alles eigentlich ganz schnell. Wir kochten auch immer gemeinsam, wobei jeden Tag Reis gegessen wurde. Meistens aß man als Beilage Hühnchen und Bohnen.

Im Vergleich meiner beiden Familien ist mir aufgefallen, dass in meiner dominikanischen Familie immer mein Gastvater die Entscheidungen traf, während meine Schwestern und meine Mutter nicht viel mitzureden hatten. Bei meiner deutschen Familie entscheiden wir meist zusammen oder meine beiden Elternteile.

Fazit

Abschließend kann ich sagen, dass die Dominikanische Republik für mich eine zweite Heimat geworden ist. Ich habe dort eine zweite Familie und viele Freunde gefunden. Die Menschen dort haben einfach eine ganz andere Mentalität. Da ich in einer etwas ärmeren Familie war, hatten wir nicht besonders viel Geld. Ich habe in diesem Jahr gelernt, dass ein glückliches Familienleben viel mehr wert ist, als Geld zu haben und sich alles leisten zu können. Obwohl die Familie meines Cousins viele Geldprobleme hatte, sagt mein dominikanischer Cousin immer: „La vida es buena, solo hay que saberla vivir!“, was soviel wie „Das Leben ist schön, man muss nur wissen wie man es lebt!“ heißt.

Als ich mich am 10. Juli am Flughafen von meiner Familie und meinen engsten Freunden verabschieden musste, war das sehr schwer für mich. Wir standen da am Flughafen und haben alle geweint. Doch ich bin mir sicher, dass ich sie alle bald wieder sehen werde!

An dieser Stelle möchte ich mich besonders bei dem Verein AFS internationale Stipendien-München e.V. bedanken, die mir durch das von ihnen vergebene Teilstipendium ermöglicht haben ins Ausland zu gehen, da es ohne ihre Unterstützung nicht möglich gewesen wäre. Sie haben mir damit nicht nur die Chance geschenkt, ins Ausland zu gehen und eine weitere Fremdsprache zu lernen, sondern ich habe dort auch eine zweite Familie gefunden und viele Dinge über mich selbst gelernt.