Erfahrungsbericht: Freiwilligendienst in Costa Rica - Marie hat Straßenhunden in Costa Rica geholfen
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Marie hat Straßenhunden geholfen

Marie, Costa Rica, 2017, weltwärts

Marie hat ihren weltwärts-Freiwilligendienst mit AFS in Costa Rica gemacht. Sie arbeitete in einem Projekt, dass sich dem Schutz von Straßenhunden verschrieben hat. Über ihre Erfahrungen im Land und ihre Eindrücke schreibt sie hier.

Costa Rica: Land und Leute

Mein erster Eindruck von meinem neuen Gastland war sehr positiv. Natürlich musste man sich, erst einmal, an die neue Gastkultur gewöhnen aber innerhalb eines Jahres hatte man ja genug Zeit dafür. Ich habe sowohl viel mit meinen deutschen Freunden, die mit mir nach Costa Rica gekommen sind, als auch mit einheimischen Gleichaltrigen unternommen. Der Kontakt zu gleichaltrigen Einheimischen erwies sich allerdings für mich anfangs als etwas schwierig. Es ist nämlich nicht sehr üblich sich beispielsweise zu Hause zu treffen, sondern die meisten Leute kennen sich aus dem „colegio“, der costaricanischen Highschool, oder aus der Universität.

 

Es wird viel außerhalb oder nach Schulschluss bzw. nach den Vorlesungen unternommen. Einige Freunde habe ich während meiner Arbeitszeit kennengelernt, andere im örtlichen Fitnessstudio, das ich regelmäßig besuchte. Meiner Meinung nach lässt sich hier auch ein kultureller Unterschied erkennen. Für die meisten Deutschen spielen die Freunde, nach der Familie, die zweite wichtige Rolle im Leben. Sie dienen nicht nur als wichtige Ansprechpartner, sondern auch zur Unterstützung sowie natürlich auch zur Unterhaltung und zum Ausgleich. Man verbringt sehr viel Zeit mit ihnen in seiner Freizeit.

 

In Costa Rica steht die Familie an erster Stelle. An allen wichtigen Feiertagen ist es üblich, mit ihnen zusammen zu sein. Die Costa Ricaner sind ein sehr gelassenes Volk. Mit den Worten „Pura Vida“ (umgangssprachlich: läuft) kann man eigentlich auf alles eine Antwort geben. Ich bin zwar vom Wesen her auch eher gelassen, aber während meines Auslandsaufenthaltes wurde dies nur verstärkt. Große Konflikte blieben auch aus. Stress macht sich dort niemand. Für die meisten „Ticos“ (Costa Ricaner) ist es normal, wenn es manchmal etwas länger dauert und Sie gehen alles ganz in Ruhe an.

Arbeitsplatz beim weltwärts-Freiwilligendienst

Mein Arbeitsplatz war das Centro Municipal de Educación para el Cuido Animal, kurz CMECA, im Industriegebiet von Cartago. Hierbei handelt es sich um die erste städtisch finanzierte Einrichtung für Straßenhunde in ganz Zentralamerika. Ein sogenanntes Zentrum für Sterilisation, wobei die Anzahl der Straßenhunde reduziert werden soll. Ich habe immer von montags bis freitags von 8:00 bis 15.00 Uhr gearbeitet. Am Wochenende habe ich manchmal auf Adoptionsveranstaltungen geholfen, aber dies basierte auf freiwilliger Basis.

 

Meine Aufgaben entsprachen dabei den wesentlichen Tätigkeiten einer tiermedizinischen Fachangestellten, wobei natürlich einige Aufgabenbereiche nicht abgedeckt wurden oder von meinem Chef geleistet wurden. Ich habe bei Untersuchungen und Operationen assistiert, den Operationssaal vor- und nachbereitet, Medikamente verabreicht sowie Wunden gereinigt. Mein Aufgabenbereich war sehr umfassend, sodass ich in jeder freien Minute natürlich Reinigungsarbeiten übernommen habe und bei Adoptionen mitgeholfen habe. Außerdem habe ich bei Workshops geholfen, die wir für alle Altersstufen anbieten. Weiterhin war ich für die Pflege der Hunde verantwortlich.

 

Dies umfasste die Fütterung der Hunde sowie das Baden und Schneiden von Fell und Krallen. Ich habe mich während meiner Arbeitszeit ausgelastet gefühlt. Wichtig zu nennen ist, dass ich bevor mein Auslandsaufenthalt begann, bereits Erfahrungen im Umgang mit Tieren gesammelt habe. Zu meiner Arbeitsstelle bin ich mit dem Bus gefahren. Dafür habe ich ungefähr 20 Minuten gebraucht, wobei der Bus nur bis zum Eingang vom Parque Industrial fährt. Den Rest der Strecke habe ich zu Fuß zurückgelegt. Das entsprach weiteren 15 Minuten bis zum CMECA.

Meine Gastfamilie in Costa Rica

Das Einleben in meine Gastfamilie verlief recht problemlos und schnell. Ich habe mich auf Anhieb sehr gut mit meiner Gastfamilie verstanden. Wir waren sozusagen auf einer Wellenlänge. Meine Gastfamilie war sehr aufgedreht und sehr lebensfroh, was mir besonders gefallen hat. Viel haben wir zwar nicht an Wochenenden unternommen, da meine Gasteltern eine Bäckerei führen, aber dafür konnte ich öfters auf Ausflügen von meinem Gastbruder teilnehmen, was mir immer sehr viel Spaß gemacht hat. Innerhalb des gesamten Jahres hatte ich kein einziges Mal Streit mit meinen Gasteltern. Ungewohnt war es zwar schon, sich in eine neue Familie einzufügen, aber innerhalb von kurzer Zeit, hatte ich verstanden, was ihnen wichtig war und worauf ich achten musste in unserem gemeinsamen Zusammenleben. Schließlich war ich im Endeffekt ja auch nur Gast und hatte zu respektieren, was sie mir zu beachten gaben.

 

Neu für mich war besonders der enge Familienzusammenhalt. In Costa Rica habe ich in einer Gastfamilie mit zwei Gastgeschwistern gewohnt. Die Eltern in diesem Land übernehmen sehr viel Verantwortung für ihre Kinder und es ist üblich, dass diese bis zum Ende des Studiums oder der Ausbildung bei ihren Eltern leben. Das bietet sich dort an, da die Universitäten oder Arbeitsstätten sehr nah liegen, da das Land sehr klein ist und so alles schnell erreicht werden kann. Damit konnte ich mich jedoch gut abfinden. Mit einer kurzen Nachricht an die Gasteltern war dann meist auch alles wieder in Ordnung. Wichtig war nur für sie zu wissen, wo man sich aufhält, damit sie im Notfall handeln können, was ich auch nicht als Belästigung empfand. Ich habe mich eher gefreut, dass sie sich so sehr Gedanken um mich gemacht haben.

 

Jedes Familienfest habe ich sehr genossen. Da es sich hier meist um Großfamilien handelt, war immer sehr viel los. Es wurde getanzt, gesungen (was besonders in meiner Familie sehr beliebt war), gegessen und sich unterhalten. Es war immer sehr herzlich und alle haben sich gefreut sich zu sehen. Es war weniger ein Drang, als ein Wunsch sich zu treffen, um gemeinsam den Tag zu verbringen, dies habe ich in Deutschland öfters anders wahrgenommen. Sofort gehörte ich zum Teil der Familie und alle waren sehr glücklich mich dabei zu haben. Sie waren immer ganz offen und sehr interessiert daran eine neue Person aus einer anderen Kultur kennenzulernen.

 

Meine Gastmutter hat sich sogar im Laufe des Jahres selbst ein wenig deutsch beigebracht und war dann immer sehr glücklich, wenn sie sich mit mir etwas unterhalten konnte. Das fand ich so toll von ihr, weil es mir erneut zeigte, wie sehr meine Gastfamilie an einem Kontakt mit mir und auch mit meiner Familie in Deutschland interessiert ist. Bei jedem Skypegespräch mit meinen Eltern aus Deutschland sind sie kurz durchs Bild gehuscht und haben sie gegrüßt, wie sich versteht, wurde dann natürlich gleich das erlernte Wissen angewendet. Dies zauberte mir jedes Mal ein kleines Lächeln über mein Gesicht. Ich war froh, dass meine Gasteltern so offen waren und ich mit ihnen über alles reden konnte, so wie mit richtigen Eltern.

 

Meine Gastgeschwister sind mir auch sehr ans Herz gewachsen, denn meist unternahm man gemeinsam etwas am Wochenende oder am Abend, nach der Arbeit. Dies erschwerte mir den Abschied besonders, da meine Gastfamilie wie meine zweite Familie geworden ist und ich sie sehr vermissen werde. Die letzten Tage vor meinem Rückflug habe ich sehr viel Zeit mit Ihnen und meinen gewonnenen Freunden verbracht. Zum Abschied habe ich jedem Familienmitglied einen Brief geschrieben, worüber sie sich sehr gefreut haben. Dennoch war der Abschied sehr schwer.

 

Meine ersten Eindrücke haben sich während meines Auslandsaufenthaltes nur bestätigt. Ich sehe meine Gastfamilie und die Menschen in Costa Rica als sehr liebevoll, großherzig und offen an.

Betreuung im Gastland durch AFS

Mit der Betreuung von AFS Costa Rica war ich sehr zufrieden. Die Seminare waren interessant und informativ und haben einen während des Auslandsaufenthaltes unterstützt. Besonders gut gefallen hat mir das Seminar in dem Indigenenstamm in Talamanca. Hier hat man einen umfassenden Einblick in die Kultur eines einheimischen Stammes bekommen.

 

AFS Cartago war zudem eine sehr engagierte Gruppe. Es fanden viele Veranstaltungen statt, sodass man die unterschiedlichen Feiertage beispielsweise besser verstehen konnte und auch aktiv dran teilnehmen konnte. Außerdem hat AFS Cartago verschiedene Ausflüge angeboten. Der Austausch zwischen Freiwilligen und Schülern war sehr interessant und meiner Meinung nach auch sehr wichtig, weshalb ich sehr froh war, dass ich in dieser Stadt untergebracht wurde.

 

Von AFS Deutschland habe ich erwartet, dass wenn ich Fragen oder Hilfe brauchte, ich mich natürlich auch an sie richten konnte und dies wurde auf jeden Fall erfüllt. Ich war sehr zufrieden mit meiner Regionalkoordinatorin Katharina, denn sie hat mich im Vorfeld super auf das Auslandsjahr vorbereitet und mir mit allen Fragen geholfen.

 

Wie bereits erwähnt hatte ich während des Auslandsaufenthaltes keinen einzigen Konflikt mit meiner Gastfamilie, was ich auch sehr schätze, da meine Gastfamilie mir sehr wichtig geworden ist über das Jahr, wie meine zweiten Eltern eben und ich sie sehr respektiere.

 

Konflikte kamen teilweise mit meinen Kollegen zustande. Da ich als einzige Frau mit vier Kollegen zusammengearbeitet habe, war es anfangs schwierig, sich zurechtzufinden. Am Anfang musste ich mir meinen Respekt erkämpfen. Nicht gegenüber meinem Chef, da dieser vom Wesen sehr anders ist, sondern gegenüber meinen anderen drei Arbeitskollegen. Aufgrund der Sprachbarriere am Anfang des Jahres war es für mich schwierig mich mit meinen Arbeitskollegen zu verständigen.

 

Dieser Aspekt geht also in den Punkt Sprache und Kommunikation über. Ich konnte mich erst nicht wehren und habe manche Kommentare auch erst nicht verstanden, verständlich, wenn man ohne Spanischvorkenntnisse nach Costa Rica kommt. Mit meinem Chef konnte ich mich auf Englisch unterhalten, doch meine anderen drei Arbeitskollegen sprachen nur spanisch. Mit der Zeit habe ich jedoch auch dies in den Griff bekommen.

Sprache und Kommunikation in Costa Rica

Wie bereits oben aufgeführt habe ich mich während der Arbeit und in meiner Gastfamilie auf Spanisch verständigt. Die ersten Tage (und in meiner Arbeit auch die ersten paar Wochen) habe ich mich mit einigen Personen auf Englisch unterhalten, da ich mir Spanisch erst einmal aneignen musste.

 

Bei meiner Ankunft hatte ich keinerlei Sprachkenntnisse. Durch den zweiwöchigen Sprachkurs auf der Finca la Flor in Paraiso wurden wir etwas vorbereitet, jedoch meiner Meinung nicht ausreichend genug. Nichtsdestotrotz habe ich Spanisch durch die Hilfe meiner liebevollen Gastfamilie und meiner Arbeitskollegen gelernt. Ich würde meine Verständigungsfähigkeit am Ende meines Auslandsaufenthalts als sehr gut einschätzen. Dadurch, dass ich jeden Tag Spanisch sprechen musste, habe ich es auch gelernt. Es gab ja auch keine andere Möglichkeit. Zwar sprechen viele Leute in Costa Rica Englisch, jedoch ist Spanisch die Landessprache, und wenn man sich in so einem Land befindet und arbeitet und lebt, möchte man sich natürlich auch mit jedem auf Spanisch unterhalten können.

 

Von meiner Gastfamilie aus gab es keine Probleme auf meine nicht ganz ausreichende Sprachkompetenz, da sie bereits vor mir Freiwillige bei sich aufgenommen hatten und somit schon darauf eingestellt waren.

 

Meine Arbeitskollegen mussten sich erst einmal darauf einlassen, dass eine Person nicht perfekt Spanisch mit ihnen sprechen konnte, aber sie haben sich schnell daran gewöhnt und mir bei meiner Entwicklung geholfen.

Globales Lernen und Entwicklungspolitik

Globales Lernen bedeutet für mich, einen Einblick in fremde Kulturen zu erhalten und dadurch Erfahrungen in verschiedenen Lebensweisen in einer globalisierten Welt zu sammeln. Innerhalb meines Auslandsaufenthaltes konnte ich bereits einen Einblick in einen der Themenbereich, mit dem sich Globales Lernen befasst, gewinnen: das Interkulturelle Lernen. Zum Interkulturellen Lernen gehört für mich besonders der Aspekt des gegenseitigen Austausches. Es muss ein beidseitiges Interesse bestehen, um einen Informationsaustausch herzustellen.

 

Dabei ist wichtig, dass auf die gegenseitigen Kulturunterschiede geachtet wird. Durch eine erfolgreiche Kommunikation kann eine Zusammenarbeit mit Menschen unterschiedlicher Kulturen ermöglicht werden. Durch das Jahr in Costa Rica habe ich mein eigenes Kommunikationsverhalten sowie das meines Gastlandes erkannt. Mit der teilweisen Adaption dieses Kommunikationsverhalten war ich in der Lage, meine Gastkultur noch besser und näher zu verstehen.

 

Globales Lernen will zu einer offeneren Haltung gegenüber anderen in der Welt beitragen und ein gemeinsames Denken erzielen. Gemeinsames Handeln und die globale Vernetzung sollen gefördert werden. Eine Betrachtung aus mehreren Perspektiven wird angestrebt.

 

Über Entwicklungsarbeit habe ich gelernt, dass es erst einmal einen großen Unterschied zwischen den Begriffen Entwicklungshilfe und Entwicklungszusammenarbeit gibt. Der Begriff Entwicklungshilfe ist etwas veraltet und passt nicht mehr ganz in unsere heutige Welt. Entwicklungszusammenarbeit ist für mich persönlich sehr wichtig. Durch mein Jahr habe ich viele Kontakte geknüpft. Ich habe freiwillig neben meinem Projekt in einer humanitären Hilfsgruppe geholfen. Nach einem tropischen Sturm fuhren wir in die betroffenen Gebiete, um den Menschen dort zu helfen und sie mit bestimmten grundlegenden Dingen zu versorgen.

 

Mir ist bewusst geworden, dass jeder aktiv werden kann, wenn er es nur will. In Zukunft möchte ich mich auch weiter freiwillig engagieren. Weiterhin stehe ich in Kontakt mit diesen Leuten, um von hier aus, bis zu meiner Rückkehr, ihnen Unterstützung aus Deutschland zukommen zu lassen. Somit möchte ich mich aktiv für die globale Entwicklung einsetzen. Dass was ich in Costa Rica erlebt habe, werde ich für immer in Erinnerung behalten. Ich werde diese Erfahrungen und jeden einzelnen Moment nie vergessen und werde mich bemühen, vor allem der Hilfsgruppe, die nun auch alle nur aus Freiwilligen bestehen, zu unterstützen.