• Kontakt
  • Facebook
  • Twitter
  • Youtube
  • Blogger

Ein Geschenk, das es nirgendwo zu kaufen gibt

Sina, Australien, 2015, CSP
Sina beim Freiwilligendienst in Australien

Sina berichtet von ihrer erlebnis- und ereignisreichen Zeit beim Freiwilligendienst in Australien. Sie arbeitete als Lehrerassistenz auf der Insel Tasmanien, 240 Kilometer südlich vom Festland entfernt.

Den herzlichen und emotionalen Empfang meiner Gastmama Cath am Flughafen Australien werde ich wohl nie vergessen. Endlich war ich angekommen, endlich sehe ich zum ersten Mal meine Gastfamilie, endlich beginnt mein Freiwilligendienst und Abenteuer Australien.

Land und Leute in Australien

Sina und ihre Gastfamilie in Australien

Ehrlich gesagt habe ich über Tasmanien vor meinem Einladungsschreiben von AFS noch nie etwas gehört. Gerade deswegen fand ich es unglaublich spannend und auch speziell, im südlichsten Teil Australiens meine Zeit als Freiwillige zu verbringen. Gleich auf der Fahrt vom Flughafen nach „Hause“ sind mir die leeren Highways, die unendliche Weite und die Ruhe der Insel aufgefallen. Mein erster Tag war also gleich sehr aufregend, da ich auch schon der Schulrektorin und manchen Lehrern der Schule vorgestellt wurde, an der ich als Freiwillige aufgenommen wurde. Abends zurück zu Hause lernte ich dann endlich den Rest meiner Gastfamilie kennen. Von insgesamt sechs Kindern wohnten allerdings nur noch drei zu Hause. Jemimah (16), die mit mir ihr Zimmer teilte und die Zwillinge Caleb und Isaac (17). Mein Gastvater ist ein Jahr zuvor der Australian Army beigetreten und war aufgrund dessen für die Soldatenausbildung in Kapooka (NSW).

 

Ich hatte keine Erwartungen an Tasmanien, der Kultur oder den Menschen. Ich wollte einfach alles erfahren und kennenlernen, ohne vielleicht enttäuscht zu werden. So war ich umso positiver von der freundlichen und offenen Art der Menschen überrascht. Ich habe die Australier als sehr hilfsbereites, lustiges und entspanntes Volk kennengelernt. Überall war ich willkommen, überall wurde mir Tee angeboten und immer wieder bekam ich gesagt „mir keine Sorgen über irgendetwas zu machen“. Die Küche ist nicht sonderlich typisch. Es gibt Gerichte aus aller Welt, vor allem aus dem asiatischen Raum. Meine Gastmama kochte sehr gut und ich lernte auch neue Rezepte kennen. Doch das Allerbeste war definitiv frischer Fisch, welcher sehr bekannt ist für Tasmanien und der einfach unglaublich gut war.

 

Tasmaniens Natur steht definitiv ganz oben auf der Liste der schönsten und einzigartigsten Plätze der Welt. Ich reiste anfangs mit meiner Gastfamilie ein wenig umher, später lernte ich dann einen Lehrer an meiner Schule kennen, der mir einige schöne Plätze zeigte und es mir ermöglichte, sehr viel von Tasmanien zu sehen. Leider war es schwierig Freunde in meinem Alter kennenzulernen, da Cressy sehr klein ist und ich sehr von Cath abhängig war, was die Mobilität anging. Der öffentliche Verkehr war teuer und nicht für Freizeitaktionen geeignet, so konnte ich unter der Woche nach der Schule oft nur zum Fitness gehen, das in unserem Ort angeboten wurde. Der ein oder andere Shoppingnachmittag in Launcesten (der nächstgrößeren Stadt) blieb jedoch trotzdem nicht aus. Daher freute ich mich umso mehr auf die monatlichen AFS-Treffen in der Stadt, bei denen ich andere Freiwillige und Austauschschüler aus aller Welt kennenlernte. Bei Pizza oder selbst gemachten Sandwiches tauschten wir dann unsere neuesten Erlebnisse aus und hatten jede Menge Spaß. So war auch das Arrival Camp in Bridport sowie das Departure Camp in Hobart das Highlight meiner sozial-gesellschaftlichen Unternehmungen.

Meine Gastfamilie

Mein Verhältnis zu jedem einzelnen Familienmitglied war sehr gut und ich fühlte mich wohl in der Familie. Ehrlichkeit und Offenheit wurden groß geschrieben und ich war froh, dass sich die Werte meiner Familie sowie meiner Gastfamilie deckten. So fühlte ich mich relativ schnell als Familienmitglied willkommen und es gab selten bis nie Streitereien. Natürlich gab es trotzdem die ein oder andere Meinungsverschiedenheit, doch das ließ mich, sowie meine Gastfamilie Erfahrungen sammeln und Kompromisse finden. Wir bewegten uns auf derselben Wellenlänge.

Mein Projekt beim Freiwilligendienst in Australien

Ich arbeitete als Lehrerassistentin an der Cressy District High School. Die Schule besteht aus einem Kindergarten, einer Primary School (Klasse 1-6) und einer High School (Klasse 7-10). Anfangs hatte ich jede Woche einen neuen Stundenplan, was mir Einblicke in fast alle Klassenstufen und Fächer gab. Die Schüler waren mindestens genauso neugierig wie ich auf unser gemeinsames Kennenlernen. Sie bauten sehr schnell Vertrauen zu mir auf und unser Verhältnis würde ich als ein sehr sehr freundschaftliches „Lehrer-Schüler-Verhältnis“ beschreiben. Ich freute mich jeden Tag aufs Neue auf die Arbeit mit den Schülern und Lehrern. Die Lehrer gaben mir rasch verantwortungsvolle Aufgaben und so arbeitete ich mit meinen eigenen kleinen Lerngruppen oder betreute einzelne Schüler mit verschiedenen Handicaps.

 

Diese Arbeit erweiterte meinen persönlichen Horizont extrem und ich genoss es, die unterschiedlichsten Erfahrungen zu sammeln. Ich schloss die gesamte Lehrerschaft sehr schnell ins Herz und freute mich auch immer auf die Pausen, in denen man Tee trinkt und über alles Mögliche plaudert. Ich hatte trotz meines Stundenplans sehr viele Freiheiten und so konnte ich beispielsweise auch den schuleigenen Fitnessraum nutzen. Fast jede Woche gab es dann noch Schulexkursionen und jede Menge Sportveranstaltungen, die ich immer miterlebte und meine Aufgabe darin fand, die Schüler und Schülerinnen zu betreuen.

Betreuung durch AFS

Die Unterstützung, Betreuung und der Kontakt zu AFS waren sehr gut. Jeder von uns hatte eine sogenannte Support-Person. Diese hatte immer ein offenes Ohr für persönliche Anliegen oder Probleme, die dann sehr schnell und mit größter Bemühung aus der Welt geschaffen wurden. Alle ehrenamtlichen Mitarbeiter von AFS waren für mich wie eine kleine Familie. Sie waren alle sehr bemüht um unser persönliches Wohl und gestalteten auch die Treffen immer sehr gelungen. Der monatliche Newsletter war sehr interessant und berichtete über bevorstehende Events, persönliche Erfahrungen einzelner Freiwilliger/Austauschschüler und war immer mit sehr netten Fotos geschmückt.

Mein Fazit

Alles in allem war meine Zeit in Australien eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Es gab Höhen und Tiefen und es war nicht immer alles selbstverständlich, doch ich bin als Person sehr gewachsen und habe sehr viel gelernt. Menschlich, kulturell und sprachlich.

 

Obwohl Tasmanien wunderschöne Plätze hat und mein Projekt großartig war, weiß ich jedoch nicht, ob die Insel an sich für jedermann geeignet ist. Das liegt meines Empfindens daran, dass insbesondere der nördliche Teil sehr ruhig ist und es für mich schwierig war, soziale Kontakte zu knüpfen oder meine persönlichen Freizeitaktivitäten in einem Verein auszuüben. Trotz allem ist ein Auslandsaufenthalt (vielleicht gerade deswegen) eine großartige Erfahrung.

 

Man lernt sich selbst komplett neu kennen, man lernt neue Facetten von sich, man überschreitet seine persönlichen Grenzen und wächst über sich hinaus, und das ist ein Geschenk, das es nirgendwo zu kaufen gibt.