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Learning by doing

Chiara, Brasilien, 2015, Kurzzeit-CSP

Learning by doing

Chiara hat während ihres Freiwilligendienstes mit AFS 3 Monate in Brasilien gelebt. Sie kam in einer Gastfamilie unter und arbeitete in einer Kindertagesstätte. Über ihre Erlebnisse berichtet sie hier.

Hallo alle zusammen, ich habe einen dreimonatigen Freiwilligendienst (Kurzzeit-CSP) mit AFS in Brasilien gemacht und möchte euch nun etwas über meine aufregende Zeit berichten. Mein Name ist Chiara und ich bin 19 Jahre alt. Ich habe dieses Jahr die Schule abgeschlossen und wollte danach unbedingt etwas von der Welt sehen. Außerdem hatte ich mir schon seit Längerem vorgenommen, einen Freiwilligendienst zu leisten. Durch AFS Interkulturelle Begegnungen e. V. konnte ich diese beiden Wünsche recht einfach miteinander verknüpfen.

 

Ich hatte wirklich eine ausgesprochen schöne Zeit in Brasilien und bin der Meinung, dass dies eine Zeit war, die mich für mein restliches Leben geprägt hat. Ich habe sehr viele neue Freundschaften geschlossen und habe einen ganz anderen Blickwinkel auf so manche Dinge bekommen. Auch wenn mir der Abschied von Zuhause am Ende sehr schwer fiel, bin ich sehr froh, diese Erfahrung gemacht zu haben.

Land und Leute in Brasilien

Aufgrund der kulturellen Unterschiede, mit denen ich in Brasilien konfrontiert wurde, fiel es mir anfangs gar nicht so leicht mich einzuleben. Beispielsweise die Tatsache, dass es in Brasilien nicht selbstverständlich ist, dass beim Mittagessen alle gemeinsam essen und man sitzen bleibt, bis alle fertig sind, hat mich anfangs sehr verwirrt. Für mich ist das Mittagessen in meiner deutschen Familie eine Art Zusammenkunft, bei der jeder die Gelegenheit hat, sich mit seiner Familie auszutauschen und Themen anzusprechen, die einem auf dem Herzen liegen. Für einige Brasilianer ist das Abendessen von größerer Bedeutung, welches übrigens erst relativ spät stattfindet (circa gegen 22 Uhr), wobei auch hier die „Regel“ gilt, wer fertig ist, steht auf und beschäftigt sich anderweitig. Wenn ich deswegen als Letzte alleine am Tisch zurückblieb, trug das am Anfang dazu bei, dass ich mich etwas verunsichert und einsam fühlte. Aber mit der Zeit ist mir bewusst geworden, dass das eben wirklich nur einer Angewohnheit vieler Brasilianer entspricht und nichts damit zu tun hat, dass sich meine Gastfamilie nicht mit mir auseinandersetzen möchte.

 

Auch die Tatsache, dass es in Brasilien als eher unhöflich gilt, wenn man seine Meinung gerade heraus formuliert, bereitete mir persönlich anfangs große Schwierigkeiten. Aus Deutschland, speziell aus dem Umgang mit meiner Familie und meinen Freunden, bin ich es gewohnt immer direkt zu sagen, was ich über eine Sache denke, auch wenn ich weiß, dass diese Meinung nicht jedem gefällt. Für mich war das immer total normal, denn ich weiß, dass nun mal nicht immer alle derselben Meinung sein können. In Brasilien habe ich dann die Erfahrung gemacht, dass es sinnvoller ist, erst mal in Ruhe darüber nachzudenken, wie ich meine Meinung formulieren kann, ohne meinem Gegenüber direkt zu widersprechen.

Mein Projekt beim Freiwilligendienst in Brasilien

Chiara bei ihrem Freiwilligendienst in Brasilien

Die Wochentage habe ich in einer Kinderbetreuungsstätte verbracht, wo ich sechs Stunden pro Tag mit zwei- bis sechsjährigen Kindern gearbeitet habe. An den Wochenenden hatte ich immer frei und hatte dementsprechend auch genügend Zeit, mir die Gegend anzuschauen.

 

Meine Aufgaben waren auf die Kinder aufzupassen, mit ihnen zu spielen, Streit zu schlichten und ihnen beim Anziehen und Zähneputzen zu helfen. Anfangs war das natürlich nicht ganz so leicht, da ich meinen Auslandsaufenthalt ohne wirkliche Portugiesisch-Vorkenntnisse angetreten habe. Trotzdem habe ich mich sehr schnell, sowohl an die Arbeit mit den Kindern als auch an die Sprache gewöhnt. Die Zeit mit ihnen habe ich sehr genossen und ich habe die Erfahrung gemacht, dass Kinder, selbst wenn nicht viele Mittel zur Verfügung stehen, unglaublich leicht zu begeistern sind. Durch meine Arbeit dort habe ich sehr viel gelernt, gerade auf die zwischenmenschliche Ebene bezogen und ich bin mir sicher, dass mich diese Erfahrung für mein Leben geprägt hat.

Meine Gastfamilie

Chiara mit ihrer Gastfamilie beim Freiwilligendienst in Brasilien

Ich hatte das Glück während meines Auslandsaufenthalts bei einer wunderbaren Familie leben zu dürfen. Sie haben mich mit offenen Armen empfangen, weswegen ich mich sehr schnell bei ihnen eingelebt und mich wohlgefühlt habe. Dazu beigetragen hat auch meine gleichaltrige Gastschwester. Gerade da ich ja nur für eine relativ kurze Zeitspanne in Brasilien gelebt habe, hat mir dies einiges erleichtert. Aber auch mit meinen brasilianischen Eltern und meinem Bruder habe ich mich sehr gut verstanden. Sie waren sehr geduldig mit mir und waren eine sehr große Hilfe beim Erlernen der Sprache. Ich habe meine Gastfamilie sehr ins Herz geschlossen, und der Abschied ist mir schwergefallen, aber das gehört natürlich dazu. Ich stehe auch weiterhin mit ihnen in Kontakt und habe ihnen natürlich versprochen, dass ich sie, sobald es mir möglich ist, besuchen komme.

Die Betreuung durch AFS

Ich habe mich während meines gesamten Aufenthalts in Brasilien sehr gut betreut gefühlt. Mit meiner Gastfamilie hatte ich so gut wie keine Schwierigkeiten. Es lässt sich natürlich nicht komplett vermeiden, dass man mal in eine Situation gerät, in der man sich unverstanden fühlt oder ein bisschen verwirrt ist. Das ist ganz normal, wenn zwei verschiedene Kulturen aufeinandertreffen. Deswegen war mir meine Betreuerin, die mir von AFS zugeteilt wurde, eine sehr große Hilfe. Sie hatte selbst mal ein Austauschjahr in Deutschland verbracht, und konnte sich deswegen sehr gut in meine Situation hineinfühlen. Außerdem konnte sie mir dabei helfen, die kulturellen Unterschiede zwischen Brasilien und Deutschland leichter zu verstehen und mir Tipps geben, wie ich damit am Besten umgehen konnte. Wir haben sehr viel miteinander unternommen und sind zu guten Freundinnen geworden.

 

Ich habe vor meinem Auslandsaufenthalt an einem Vorbereitungsseminar in Deutschland teilgenommen, bei dem ich viele andere Personen kennengelernt habe, die ebenfalls Freiwilligenarbeit leisten wollten. Auch dort habe ich viele neue Freunde gefunden, zu denen ich Kontakt gehalten habe, und die mir eine große Hilfe waren, wenn ich mich mal einsam gefühlt habe. Alleine der Gedanke, dass sie momentan mit den gleichen Schwierigkeiten zu kämpfen hatten, hat mich beruhigt und mir Kraft gegeben.

 

Bald werde ich zusätzlich noch an einem fünftägigen Nachbereitungsseminar teilnehmen, dass von AFS hier in Deutschland organisiert wird. Ich hoffe dabei ein paar bekannte Gesichter wieder zusehen, aber natürlich auch neue Leute kennenzulernen und mich gemeinsam mit ihnen über unsere Erfahrungen auszutauschen.

Die Sprache

Wie bereits oben erwähnt, kam ich nach Brasilien ohne wirkliche Kenntnisse in Portugiesisch zu haben. Von AFS wurde mir in den drei Monaten vor meiner Abreise ein kostenloses Sprachtraining im Internet zur Verfügung gestellt. Da ich allerdings in der Zeit vor meiner Ausreise mitten im Lernstress gesteckt habe, konnte ich mich nicht sehr intensiv auf Brasilien vorbereiten. Dementsprechend waren gerade die ersten Wochen sehr schwer für mich. In meiner Gastfamilie und an meinem Arbeitsplatz waren trotzdem alle sehr geduldig mit mir und haben stets versucht mir zu helfen, die Sprache zu lernen. Durch die Tatsache, wirklich 24 Stunden am Tag mit der Sprache konfrontiert zu werden, gewöhnt man sich aber relativ schnell daran und ist auch sehr motiviert, sie zu lernen. Auch in Brasilien habe ich nie einen Sprachkurs besucht und trotzdem hatte ich gegen Ende meines dreimonatigen Aufenthalts überhaupt keine Probleme mehr, mich mit anderen Leuten auf Portugiesisch auszutauschen. Es hat mir sogar richtig Spaß gemacht und ich bin immer noch sehr stolz, dass ich nun eine weitere Sprache sprechen kann. Deswegen habe ich mir auch vorgenommen, hier in Deutschland an der Uni noch zusätzlich einen Portugiesischkurs zu belegen, um meine Sprachkenntnisse zu vertiefen. Der Kontakt zu meiner Gastfamilie und meinen Freunden in Brasilien hilft mir ebenfalls sehr, mit der Sprache in Kontakt zu bleiben.