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In 6 Monaten habe ich so viel erlebt wie noch nie zuvor

Jan, China, Volksrepublik, 2014, CSP

In 6 Monaten habe ich so viel erlebt wie noch nie zuvor

Jan hat für seinen Freiwilligendienst ein halbes Jahr in China gelebt und dort als Lehrer gearbeitet. Nachdem er in Nanjing auf seine Aufgabe vorbereitet wurde, hat er in Jiuquan Englisch unterrichtet und dabei auch selbst viel gelernt.

Mein Name ist Jan, ich bin 20 Jahre alt und dank der Postbank durfte ich für ein halbes Jahr meinen Freiwilligendienst in China als „oral-english teacher“ für die chinesische Organisation „Amity“ (Amity ist die chinesische Partnerorganisation von „AFS“) in der Stadt Jiuquan (Gansu Provinz – Nordwesten Chinas) verbringen.

 

Meine Reise begann am 8. August am Düsseldorfer Flughafen. Von dort aus flog ich nach München, Beijing (Peking) und schließlich nach Nanjing (Nanking), meinem Aufenthaltsort für die kommenden 3 Wochen. In Nanjing wurden alle Freiwilligen (13 insgesamt) in der „Nanjing-Normal-University“ („Normal“ weil es früher eine Bildungseinrichtung nur für Frauen war) untergebracht. Da zur Zeit Ferien waren, konnte uns zu Beginn das eigentlich volle Universitätsgelände in Ruhe vorgestellt werden. Neben einem Wohnheim, einer Cafeteria sowie Hörsälen und Unterrichtsräumen gab es auch ein Restaurant, einen kleinen aber schönen Park mit großem Teich sowie einen Sportplatz mit, leider, verwilderter Grünfläche. Nach der Führung erhielten wir unseren Stundenplan für die nächsten drei Wochen.

 

Da uns unter der Woche von 9.00 Uhr – 12.00 Uhr Chinesisch unterrichtet wurde, mussten wir zuerst in einem kleinen persönlichen Gespräch/Test unsere, falls vorhanden, Chinesisch-Kenntnisse demonstrieren. Im Endeffekt wurden 2 der Freiwilligen für den fortgeschrittenen Kurs eingeteilt, der Rest hat von 0 angefangen - ich wurde im Beginner-Kurs untergebracht. Die ersten Tage lernten wir nur die Aussprache anhand einer Tabelle. Das kann man sich so vorstellen: in der „x-Reihe“ steht immer „a-o-e-i-u-ü-ai-ei-ao-ou“ und die Buchstaben in der „y-Reihe“ wechseln, sodass meistens in der Kombination ein Wort entsteht. Die chinesische Sprache besitzt 4 Accents, wodurch jedes Wort 4 Aussprachen besitzt und demnach, je nach Aussprache, eine andere Bedeutung hat. Zusätzlich haben im chinesischen Worte der gleichen Aussprache multiple Bedeutungen, wodurch man alles im Kontext sehen muss.

 

Von 12:00 Uhr – 14:00 Uhr war unsere Mittagspause. Hier konnten wir entweder in der Cafeteria essen gehen oder in Nanjing nach Restaurants suchen. Ich entschied mich jeden Tag für das Letztere und habe mit einer kleinen Gruppe den Bereich um die Universität nach neuen Geschäften durchsucht. Das chinesische Essen ist im Prinzip nicht anders als bei uns, es gibt Kartoffeln, Gemüse und alles, was man mit Nudeln/Teig fertigstellen kann. Das Einzige, was sich pro Provinz stark ändert, ist die Würze. Je nach Provinz variiert das Essen von „süß süß“ bis hin zu „höllisch scharf“, aber jede von mir besuchte Provinz offerierte auch Nahrung aus der „gesunden Mitte“.

 

Von 14:00 Uhr – 16:20 Uhr wurde uns, von einem amerikanischen Ehepaar mit langjähriger Erfahrung im Unterrichten im Ausland, beigebracht, wie und was wir unterrichten können sowie Tipps und Tricks für den Unterricht und die Unterrichtsvorbereitung. Am Ende unserer drei Wochen hat jeder Freiwilliger eine 40-minütige Schulstunde geplant und in einer richtigen Klasse präsentiert. Von 16:30 Uhr – 17:30 Uhr haben wir in 2er-Gruppen mit einem uns zugeteilten chinesischen Studenten unser Chinesisch getestet und verbessert. Dazu konnten wir auch das Gelände verlassen und zum Beispiel Supermärkte aufsuchen, um unser Vokabular zu erweitern. Ab 17:30 sowie für die Wochenenden hatten wir frei und konnten machen, was wir wollten. Ich habe diese Zeit genutzt um Nanjing zu besichtigen, die „Youth Olympic Games“, welche zur Zeit in Nanjing stattfanden, zu verfolgen sowie für ein Wochenende nach Shanghai zu reisen.

Mein Arbeitsplatz beim Freiwilligendienst in China

Nach den 3 Wochen sind wir zu unseren „Projekten“ gereist. Der Unterschied von der 3,6 Mio. Einwohner Stadt Nanjing zur knapp 1 Mio. Einwohner Stadt Jiuquan war riesig, als ob man von einer lauten unübersichtlichen Stadt in ein kleines familiäres Dorf reisen würde. 12 von uns haben oral-english an Schulen in den Nachbarstädten Jiuquan und Ymen aus der Provinz Gansu unterrichtet und einer blieb in Nanjing, weil er zusätzlich auch im Amity Büro gearbeitet hat. Es wurde immer in 2er-Gruppen an einer Schule unterrichtet und auch untergebracht. Ich habe mit meinem Kollegen ein Appartement außerhalb des Schulgeländes geteilt, worüber ich überglücklich war, hingegen wurde der Rest der Freiwilligen innerhalb des Schulgeländes im Wohnheim der Lehrer untergebracht.

 

Bei unserer Bewerbung konnten wir Präferenzen über die Altersgruppe unseres Einsatzfeldes festlegen, so habe ich in der Oberstufe unterrichtet und andere in der Grundschule oder Mittelstufe. Ich habe mir mit meinem Kollegen 19 Klassen mit jeweils 70 Schülern geteilt. Dazu haben wir die Klassen gespalten und pro Person 35 Schüler unterrichtet, damit der Unterricht im Gegensatz zu ihrem restlichen Schultag wenigstens etwas individuell sein kann. Das war jedoch nicht leicht zu bewerkstelligen, da wir die 11. Klasse einmal pro Woche und die 12. Klasse nur jede 2. Woche für 45 Minuten unterrichteten. Wir mussten die Schüler auch erst an den interaktiven Unterrichtsstil gewöhnen, da sie durch den restlichen Unterricht gewöhnt waren nur zuzuhören und mitzuschreiben, nicht alleine zu sprechen und das eigene Ergebnis zu präsentieren.

 

Aus diesem Grund mussten wir uns für unseren oral-english Unterricht ganz langsam herantasten und von vorne anfangen, weil unsere Schüler nie wirklich Englisch gesprochen haben, sondern nur ihrem Lehrer oder einer Audiodatei zuhörten und das gehörte Wort im Chorus wiederholten.

 

Aus diesem Grund habe ich versucht die Schüler spielerisch und durch leichte Satzkonstrukte an die englische Sprache heranzuführen und konnte im Endeffekt auch vielen Schülern mit Interesse helfen, ihre Kenntnisse im Englischen stark zu verbessern. Leider waren diese Schüler im großen Bild (~1300 Schüler) nur ein kleiner Anteil, da sehr viele kein Interesse an der Sprache hatten oder ich leider nicht imstande war, ihre Angst davor zu nehmen. Nach meinen 4 Monaten als Englisch-Lehrer standen die Winterferien an und ich konnte vor meiner Abreise am 5. Februar noch die Städte Beijing, Xi'an, Guangzhou, Sanya und Kunming besuchen.

Mein Fazit

Meine Zeit in China war ein erlebnisreiches Abenteuer, an welches ich mich immer mit einem Schmunzeln erinnern werde. In diesen 6 Monaten habe ich so viel erlebt wie noch nie zuvor! Eine neue Kultur erleben mit allen ihren Schönheiten und Makeln, alleine wohnen und sich selbst verpflegen, einen Einblick in die chinesische Arbeitswelt als Lehrer und vor allem das Reisen quer durch ein fremdes Land, sich nur an Schriftzeichen zu orientieren und dazu gezwungen sein, sich auf einer komplett fremden Sprache zu verständigen. Im Nachhinein kann ich sagen, dass diese Erlebnisse meine Persönlichkeit teilweise neu definiert haben, zum Beispiel liegt meine Geduld und Strapazierfähigkeit nach stundenlangem Stehen am Bahnhof sowie der folgenden 33-stündigen Fahrt an einem Punkt, den ich mir vorher nicht mal vorstellen konnte! Für die Möglichkeit eine solch aufregende und interessante Zeit zu erleben möchte ich der Postbank danken, ohne deren Stipendium ich die 6 Monate anders verbracht hätte und eine Zeit fürs Leben verpasst hätte! Außerdem danke ich AFS und Amity ohne deren Vermittlung sowie Organisation diese 6 Monate nicht möglich gewesen wären! Außerdem möchte ich noch hinzufügen, dass diese Zeit mich zu einem Studium mit Chinabezug motiviert hat.