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Ich will meine Erfahrung an andere weiter geben

Sofia, Kanada, 2016, Community Service Program

Ich will meine Erfahrung an andere weiter geben

Sofia hat in ihrem Kurzzeit-Freiwilligendienst in Kanada viel erlebt. Von ihren Erfahrungen und Eindrücken beim Community Service Program von AFS berichtet sie hier ausführlich.

Sofia mit anderen Freiwilligen beim Kurzzeit-Freiwilligendienst in Kanada

Mein Auslandsaufenthalt war in Kanada, Vancouver, von Anfang Januar bis Ende März. Ich wusste von Kanada nicht viel, nur dass die Leute äußerst nett und hilfsbereit sein sollen, es große weite und grüne Landschaften gibt, mit tollen Bergen wie die Rocky Mountains, und es sehr kalt sein würde. Das meiste davon ist auch wahr, und ich hatte von Anfang an einen super Eindruck. Vancouver ist eine wunderschöne Stadt, außerdem sehr interessant, weil man alles finden kann, was das Herz begehrt. Ob große moderne Gebäude, einen tollen Park direkt am Wasser, Seen oder Berge, lange Shopping Straßen oder nette Cafés... In Vancouver hat man von allem etwas.

 

Vieles ist am Anfang ungewohnt, wie zum Beispiel der multikulturelle Charakter, es gibt alle Arten von Menschen. Sehr reich, sehr arm, sehr extravagant, sehr konservativ, sehr modern, sehr altmodisch, sehr still oder sehr laut und aus allen Ecken der Welt. Ungewohnt ist auch der Skytrain, der einen blitzschnell von einer Ecke zur anderen bringt und auch quer durch Downtown. Andererseits scheint es in vielen Aspekten Europa und unserer Kultur zu ähneln, durch die nette und freundliche Art der Menschen, das Essen oder die enge Beziehung zur Natur.

Mein Projekt beim Kurzzeit-Freiwilligendienst in Kanada

Ich hatte Glück mit meinem Arbeitsplatz, er lag direkt neben einem See und es ist ruhig dort. Morgens fuhr ich immer 15 min mit dem Skytrain hin, und dann noch 20 Minuten zu Fuß, das war an schönen Tagen sehr nett. Öfters haben wir Freiwillige uns auch am Anfang des Weges verabredet und sind zusammen hingelaufen. Meine Aufgabe und auch die der anderen Freiwilligen war, sich um die Tiere zu kümmern. Dazu gehörte, die Gehege jeden Morgen und Nachmittag sauber zu machen und zu putzen, das Essen vorzubereiten und bei medizinischen Eingriffen des Personals zu assistieren. Alles, was man wissen musste, wurde mir am ersten Tag schon erklärt, aber man konnte noch tausendmal nachfragen, weil sie alle sehr hilfsbereit und offen waren.

 

In einer Woche habe ich 24 Stunden gearbeitet, immer morgens von 8 bis 2 Uhr mittags, obwohl andere Freiwillige dann nachmittags von 12 bis 6 arbeiten müssen. Ich habe vier Tage gearbeitet, von Montag bis Donnerstag, und hatte dann immer 3 Tage frei. Das lag wahrscheinlich auch vor allem daran, dass es so viele Freiwillige gibt, die gerne helfen.

Viel zu tun, aber auch viel Hilfe nötig

Super Wetter in Kanada

Das Center braucht an sich sehr viel Hilfe, um alles sauber und im Gange zu halten, aber im Winter hatten wir nicht sehr viele Patienten und dadurch war es auch sehr ruhig und es gab weniger zu tun. Deshalb kam es schon öfter vor, dass wir nicht wussten, was wir noch machen könnten und leider auch nach reichlichem Suchen und Fragen, eine Weile nur rumstanden. Klar, das war dann langweilig, darum freute man sich umso mehr, wenn es reichlich zu tun gab.

 

Anfangs hatte ich auch einen sehr guten Eindruck von meiner Gastfamilie. Da war die Mutter Kathy mit ihrer Tochter Holly (21). Sie waren sehr freundlich, hatten immer leckeres Essen bereit und ließen mir viel Freiheit. Leider gab es ein paar Missverständnisse im Laufe meines Aufenthalts, wie zum Beispiel das Absagen von Abendessen, die Mengen an Essen oder Weiteres... Mich hätte es auch gefreut, mehr mit ihnen zu unternehmen, aber es war nicht schlimm, ich habe dann sehr viel mit Freunden gemacht. Ich empfand es ehrlich gesagt nicht als traurig Abschied von ihnen zu nehmen. Ich hatte einerseits Lust, wieder irgendwo anders zu leben und natürlich auch, weil ich keine wirkliche Beziehung oder Nähe mit ihnen aufbauen konnte.

Mein Englisch hat sich gebessert

In Kanada hatte ich kaum einen Grund um AFS oder die Partnerorganisation um Hilfe zu bitten, aber ich wusste, ich hatte immer einen Ansprechpartner und die E-Mails oder die Flugumbuchung, die ich brauchte, wurden immer schnell erledigt. Meine Erwartungen wurden erfüllt, obwohl ich mir in ein paar Situationen bessere Informationen gewünscht hätte. Beispielsweise gab es ein Missverständnis, wo mir gesagt wurde, meine Gastfamilie hätte mehr Infos zu meiner Arbeit und zum Anfangsdatum, obwohl sie davon nichts wussten.

 

Mit der Sprache und Kommunikation hatte ich nicht viele Probleme, denn ich hatte schon vor meinem Aufenthalt in Kanada einen Sprachkurs in Irland gemacht, in Kanada jedoch nicht. Meine Kenntnisse im Englischen waren auf jeden Fall ausreichend, dennoch, am Anfang musste ich mich anstrengen, da Kanadier sehr schnell sprechen und auch noch mal eine andere Betonung haben. In der Arbeit gab es auch viel Vokabular, das ich noch nie zuvor gehört hatte, aber nach dem ersten Monat ging es deutlich besser. Ich muss sagen, ich habe sehr lange Zeit keine Verbesserung an meinem Englisch gemerkt, aber jetzt weiß ich doch, dass es flüssiger geworden ist und ich mich sicherer beim Sprechen fühle.

Globales lernen und verschiedene Kulturen kennenlernen

Projekt-Umgebung beim Freiwilligendienst in Kanada

Globales Lernen bedeutet für mich eine aktive Art des Lernens, in der man mehr über andere Länder und Kulturen erfährt, versucht sie zu verstehen, Gemeinsamkeiten zu erkennen, sich gegenseitig zu helfen oder inspiriert wird. Es ist ein Geben und Nehmen in einem weltoffenen Arbeitsumfeld. Ich habe gelernt, dass es wichtig ist, ein gutes Herz zu haben, und helfen zu wollen aber das sollte immer mit Spaß verbunden werden und der Lust dabei etwas zu lernen. Auf keinen Fall sollte man nur glauben, dass eine Entwicklungszusammenarbeit nur dem Zweck dient, dem anderen Land zu helfen, weil es diese Hilfe braucht. Entwicklungsarbeit heißt auch, sich selber weiter zu entwickeln, indem man ohne Vorurteile an einem Projekt mit anderen zusammen versucht, hilfreich zu sein und sich gleichzeitig auch helfen lässt.

 

Ich versuche diese Erfahrung an Familie und Freunde weiterzugeben, und vielleicht jemand zu etwas Ähnlichem zu ermutigen. Ich plane auch auf jeden Fall, so eine Erfahrung wieder zu machen und in meinem Studium nächstes Jahr mich in einem Projekt oder auf eine andere Art und Weise im globalen Lernen zu engagieren und einzusetzen.

 

Vielen Dank für die tolle Zeit AFS!!!