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Mein Jahr in Australien war wirklich eines der besten meines Lebens

Sebastian, Australien, 2010, IJFD

Sebastian hat für seinen Internationalen Jugendfreiwilligendienst (IJFD) ein Jahr im Westen Australiens gelebt. Dabei hat er unter anderem in einem Museum für Kinder gearbeitet und in den Kleinen die Begeisterung für Wissenschaft geweckt.

Sebastian in Australien beim Internationalen Jugendfreiwilligendienst

Ende August 2010 war es endlich so weit. Ein neuer Lebensabschnitt begann. Spät abends startete das Flugzeug von Frankfurt aus und nach über 20 Stunden Flug und über 16.000 km zurückgelegter Strecke war es dann geschafft: Wir waren in Sydney. 16 junge IJFD’ler starteten in ein unvergessliches Jahr. Nach ein paar Tagen Seminar, ging es dann für jeden von uns an den jeweiligen Einsatzort. Für mich hieß das noch einmal fünf Stunden Flug und 3500 km bevor ich in Perth, West Australien ankam. Perth war für ein Jahr meine neue Heimat.

Land und Leute in Australien

Sebastian bei seinem IJFD in Australien

Die Leute in Australien kamen mir von Anfang an total aufgeschlossen, offen und freundlich vor. Egal wem man begegnet ist, immer wurde man freundlich gefragt „How are you?“ und ein lächelndes Gesicht guckte einen an. Am Anfang war das schon recht befremdlich, wenn man es mit der deutschen Kultur vergleicht. Aber nach ein paar Wochen hat man sich dem ganz schnell angepasst und es war das normalste der Welt wildfremde Menschen zu fragen, wie es ihnen geht. Die Menschen in Australien sind grundsätzlich höflich und wollen es einem immer recht machen. Das ist wohl einer der größten Unterschiede zwischen der deutschen und der australischen Kultur.

 

Das Land an sich war natürlich auch sehr aufregend, da es doch wirklich sehr anders war. Solche Landschaften sieht man in Deutschland eigentlich gar nicht und auch die Lebensbedingungen sind ganz anders. Während man sich in Deutschland nicht wirklich Gedanken um Wasser macht, so ist dies in Australien das ganze Jahr über eines der wichtigsten Themen des täglichen Lebens. Aufgrund klimatischer Veränderungen werden die Winter, in denen es eigentlich regnet, immer trockener. In Perth führte das dazu, dass Hausbewohnern vorgeschrieben wird an welchen Tagen sie ihren Rasen bewässern dürfen. Und auch wer morgens lange duscht, wird auch schon mal ein bisschen komisch angeguckt und in jedem Hostel und Hotel findet man Hinweisschilder, nur so kurz wie möglich zu duschen. Natürlich war es am Anfang schwer seinen Wasserverbrauch zu reduzieren, aber auch das ist Teil des australischen Lebens und war für mich am Ende des Jahres eine Selbstverständlichkeit. Im Allgemeinen hat mich hier begeistert, dass Australier sich sehr für ihre Umwelt zu interessieren scheinen. Das fängt wie schon beschrieben bei ihren Wasserressourcen an und hört bei möglichen Eingriffen der Industrie in die Natur auf.

Mein Alltag

Den Kontakt mit Gleichaltrigen zu knüpfen fiel mir am Anfang recht schwer. In den ersten paar Wochen war ich erst mal damit beschäftigt mich in das Land einzuleben und die Dinge über AFS zu lernen, die ich wissen musste, um für den dortigen AFS zu arbeiten. Damit war ich erst einmal beschäftigt. Doch nach einiger Zeit muss man auch soziale Kontakte knüpfen, damit man sich nicht verloren fühlt.

 

Die erste Änderung in dieser Hinsicht war mein Umzug in meine zweite Willkommensfamilie. Diese waren Freiwillige von AFS und hatten eine zwei Jahre jüngere Tochter, die mein soziales Leben ein bisschen vorantrieb. Der richtige Schub für mein soziales Leben kam, als ich im Oktober zu meiner endgültigen Gastfamilie zog und dann auch meinen zweiten Job in einem Museum für Kinder anfing.

 

In dem Museum kam ich dann immer mehr in Kontakt mit Gleichaltrigen, die auch dort gearbeitet haben. So baute ich mir langsam aber sicher meinen Freundeskreis auf. Am Ende des Jahres hatte ich dann eigentlich zwei verschiedene Freundeskreise: Der Erste waren meine Freunde/Kollegen aus dem Museum und der Zweite waren andere Freiwillige in meinem Alter, die sich ehrenamtlich für AFS engagiert haben. Mit beiden Gruppen habe ich mich sehr gut verstanden. Oft sind wir einfach zusammen in die Stadt, ins Kino oder in einen Pub gegangen. Es erfordert auf alle Fälle recht viel Eigeninitiative um während eines Freiwilligendienstes Freundschaften zu knüpfen und zu halten, aber es ist durchaus möglich, und wenn man genug Energie hinein investiert, auch recht einfach.

Meine Projekte beim Internationalen Jugendfreiwilligendienst (IJFD) in Australien

Sebastian bei seinem IJFD-Projekt in Australien

In meiner Zeit in Australien hatte ich zwei verschiedene Arbeitsplätze: AFS und ein wissenschaftliches Museum für Kinder namens „Scitech“. In den ersten zwei Monaten habe ich nur Arbeit für AFS gemacht, da ich mich erst orientieren musste und herausfinden musste, wie AFS in Australien arbeitet. Ich hatte ein gutes Team von Freiwilligen, welche ich so gut ich konnte unterstützt habe. Ich habe den Freiwilligen bei der Organisation von Camps und anderen Veranstaltungen geholfen und mich um die in West Australien platzierten Austauschschüler gekümmert. So sind wir z. B. zusammen in den Zoo gegangen und haben uns einmal im Monat in einem Café in Perth getroffen. Die Arbeit für AFS war ziemlich ähnlich zu dem, was ich aus Deutschland schon gewohnt war. Es gab viel zu organisieren, und wenn dann ein Camp anstand, so hatten wir alle immer viel Spaß. Eine der besten Sachen an der AFS-Arbeit war, dass ich meine eigenen Ideen und Vorschläge, die sich aus meinen Erfahrungen in Deutschland gebildet hatten, einbringen konnte und diese so gut wie immer akzeptiert wurden. Die Arbeitszeit für AFS hat natürlich immer variiert. Nicht immer war gleich viel zu tun, und wenn ein Camp anstand, so hieß das natürlich auch ein ganzes Wochenende mit den Austauschschülern zu verbringen und ein Camp zu leiten.

Abends in Australien

Ab Oktober habe ich jedoch gemerkt, dass ich auch etwas anderes als nur AFS-Arbeit machen wollte. So haben mir die AFS-Freiwilligen einen Arbeitsplatz in einem wissenschaftlichen Museum, das auf Kinder ausgerichtet ist, verschafft. Ich war sofort von dem Arbeitsplatz begeistert. Nicht nur die Arbeitsumgebung war super, sondern auch die Leute, die dort arbeiten. Am Anfang kam ich nur zwei Tage die Woche, doch gegen Ende meines Jahres kam ich im Durchschnitt ca. vier Mal die Woche. Hierbei muss ich erwähnen, dass meine Arbeitszeiten in dem Museum immer sehr flexibel waren. Wenn ich aufgrund von AFS oder aus privaten Gründen früher gehen musste oder doch nur einen Tag in der Woche kommen konnte, so war dies nie ein Problem. Die Arbeit in dem Museum war vielfältig. Meistens habe ich Arbeit am Computer gemacht; Umfragen eingetragen, Statistiken erfasst und E-Mails geschrieben. Doch auch hier war das Museum sehr flexibel. An manchen Tagen habe ich mich auch mit den Kindern direkt befasst und ihnen die Geräte erklärt und versucht sie für Wissenschaft zu begeistern. Manchmal habe ich auch bei besonderen Veranstaltungen, die abends oder am Wochenende stattgefunden haben geholfen. Unter anderem bekam ich auch die Möglichkeit am sogenannten „Outreach Program“ teilzunehmen. Bei diesem Programm fahren Mitarbeiter des Museums mit Ausstellungen, Spielen und Shows zu Schulen in der Stadt und bringen den Kindern dort vor Ort Wissenschaft näher.

 

Alles in allem hat mir diese Arbeit geholfen, offener auf Leute zuzugehen und hat mir gezeigt, dass ich zu mehr in der Lage bin, als ich dachte. Des Weiteren lernte ich meine besten Freunde in diesem Museum kennen. Bessere Arbeitsstellen als AFS und das Museum konnte ich mir nicht wünschen und ich fühlte mich immer ausgelastet, jedoch nie gestresst oder überarbeitet. Zu beiden Arbeitsstellen konnte ich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln kommen. Zu dem Museum habe ich von mir zu Hause mit dem Zug ca. 20 Minuten gebraucht und auch zu AFS-Veranstaltungen kam ich mit Zug und Bus oder ich wurde von anderen Freiwilligen oder meiner Gastfamilie im Auto gefahren.

Meine Gastfamilie

Sebastian und seine Gastfamilie in Australien

Als ich im August in Perth ankam, kam ich erst einmal für zwei Wochen bei einer der AFS-Freiwilligen unter. Sie hatte selber schon ihre drei Töchter mit AFS ins Ausland geschickt und war eine der aktivsten Freiwilligen. Aufgrund von persönlichen Terminen kam ich nach den ersten zwei Wochen bei einer anderen Familie von AFS-Freiwilligen unter. Auch wenn ich mit dieser Familie nur für zwei Wochen gewohnt hatte, so habe ich auch diese ins Herz geschlossen und würde auch sie als eine Gastfamilie bezeichnen. Nach den drei Wochen bei dieser Familie bin ich wieder zu der ersten Freiwilligen gezogen. Doch nach weiteren zwei Wochen hatte ich dann endlich eine endgültige Gastfamilie. Ich fühlte mich in dieser Familie sofort wohl, auch wenn es eine wirkliche Umstellung war, auf einmal hatte ich eine 6-jährige und eine 16-jährige Gastschwester. Dennoch hatte ich nicht wirklich Probleme mich einzuleben. Ich fühlte mich in der Familie sehr wohl und gut aufgenommen und gerade mit meiner Gastmutter hatte ich ein gutes Verhältnis. Das einzig Bedauerliche an dieser Gastfamilie war, dass ich eigentlich nur bis Januar bei ihnen bleiben sollte, da im Januar die dritte Tochter der Familie von einem Austauschjahr in Japan zurückkam. Doch ich verstand mich so gut mit meiner Gastfamilie, dass sie sich doch dazu entschlossen haben, mich auch nach Januar weiter bei ihnen aufzunehmen. Mit der nun dritten 18-jährigen Gastschwester, die im Januar kam, verstand ich mich super. Wir hatten ein sehr gutes Verhältnis und gingen oft ins Kino oder einfach nur in die Stadt. Und natürlich fiel keinem von uns der Abschied im Juli 2011 leicht. Schon in den letzten paar Wochen und vor allem in den letzten paar Tagen waren wir ein bisschen bedrückt und gerade am letzten Tag, als wir dann zum Flughafen fuhren, fiel es allen von uns schwer tschüss zu sagen. Ich werde meine Gastfamilie in Australien wirklich nie vergessen und hoffe sie so bald wie möglich wieder zu sehen.

Die Betreuung durch AFS

Sebastian in Australien

Die Betreuung durch AFS in Australien war immer gut. Ich hatte zwar keinen richtigen, mir zugeteilten Betreuer, aber das ganze Team von ungefähr zehn Freiwilligen, die in West Australien die Leitung der ganzen AFS-Freiwilligen übernommen haben, haben mich immer unterstützt, und wenn ich Probleme hatte, konnte ich immer mit einem von ihnen reden. Meine persönlichen Seminare hatte ich zusammen mit den anderen IJFD’lern in Sydney. AFS Australien hat hierfür die Flugtickets und die Unterkunft bezahlt. Diese Camps waren für uns als Gruppe wirklich sinnvoll, da wir so unsere Erfahrungen austauschen konnten und einfach mal wieder mit jemandem in der gleichen Situation reden konnten. Wir hatten so also das On-Arrival Seminar, das Halb-Zeit Camp und das End-Of-Stay Camp zusammen als Gruppe in Sydney. Mit AFS Deutschland hatte ich während meines Jahres zwei Mal Kontakt.

Die Sprache

Da ich in der 11. Klasse mit AFS schon ein Jahr in den USA verbracht hatte und Englisch auch als Leistungskurs in der Schule belegt hatte, fiel mir die Kommunikation auf Englisch nicht wirklich schwer. So war es für mich kein Problem mich in meiner Gastfamilie und auf Arbeit in Englisch zu unterhalten. Das Einzige, was ab und zu etwas schwierig war, war der australische Akzent und Slang. Aber spätestens nach einem halben Jahr hatte ich mich auch daran gewöhnt und ich hatte keine Probleme mehr damit. Ab und zu gab es natürlich doch mal Wörter, die ich nicht kannte oder nicht richtig ausgesprochen habe. Hier wurde dann von Gastfamilie, Arbeitskollegen und Freunden kurz geschmunzelt, danach dann aber sofort geholfen.

Mein Fazit

Letzten Endes möchte ich noch sagen, dass mein Jahr in Australien wirklich eines der besten meines bisherigen Lebens war und ich würde es immer wieder machen und kann es jedem nur wärmstens empfehlen. Ich möchte mich bei dieser Gelegenheit sowohl bei AFS Deutschland als auch bei AFS Australien dafür bedanken, dass sie es mir und den anderen ermöglicht haben, ein solch fantastisches Jahr in Australien zu verbringen.