Erfahrungsbericht: Freiwilligendienst in Kanada - Aron hat in einem Nationalpark gearbeitet
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Aron hat in einem Nationalpark gearbeitet

Aron, Kanada, 2016, CSP

Aron hat seinen Freiwilligendienst in Kanada mit AFS und dem Community Service Program (CSP) gemacht. Als Freiwilliger hat er für drei Monate in einem Nationalpark in Ontario ausgeholfen und kam dabei mit vielen (Wild-)Tieren in Berührung. In seinem Bericht schreibt er über seine Eindrücke und Erfahrungen als Freiwilliger in Kanada.

Meine beiden älteren Schwestern waren mit AFS Interkulturelle Begegnungen e.V. für jeweils ein Jahr im Ausland (Paraguay und Malaysia). Als meine Mutter mich mal drauf angesprochen hatte, ob ich auch interessiert wäre, habe ich lange nachdenken müssen. Ein Jahr wäre mir auf jeden Fall viel zu lang gewesen, aber dann gab es ja auch noch das CSP (Community Service Program), das auch in kürzerer Dauer möglich ist. Ich habe mich dafür entschieden, dass ich nach dem Abitur für drei Monate im Ausland freiwillig arbeiten möchte.

Kanada: Interessant und viel Natur

Kanada war das einzige Land, was mich wirklich interessiert und gereizt hat. Ich habe gerne Dokumentationen über Kanada gesehen und wollte unbedingt mal die kanadische Natur sehen. Ich kann es echt sehr schwer erklären, wieso ich unbedingt nach Kanada wollte, aber für mich wäre ein anderes Land nicht in Frage gekommen.

 

Ich musste mich im September für das CSP bei AFS bewerben. 11 Monate später ging es dann endlich nach Kanada. Erst wollte ich nach Vancouver Island, BC, und dort in einer Wildtierauffangstation arbeiten. Darauf habe ich mich sehr gefreut. Doch leider ging dieser Wunsch nicht in Erfüllung, da kein Job für mich dort gefunden wurde. So bekam ich die Möglichkeit in der Nähe von Toronto in einem „Terra-Zoo“ zu arbeiten.

Mein Arbeitsplatz beim Freiwilligendienst: Ein Terra-Zoo in Scales

Mein Arbeitsplatz für die nächsten drei Monate war der Scales Nature Park in Orilla, Ontario, Canada. Scales ist zu vergleichen mit einem Terra-Zoo, wie z.B. hier in Deutschland. Es gab drei Arten von Arbeit. Die erste ist die ganz normale Pflege der Tiere, die zweite war die Vorstellung von verschiedenen Reptilien auf Präsentationen, Messen und Festen etc. Dies war nötig, da Scales sich nur von Spenden und den Eintrittsgeldern finanziert. Die dritte Arbeit war `fieldwork´(Feldarbeit). Dabei waren wir in der Natur und haben die Bestände der Reptilienpopulation überprüft.

 

Als ich in Orilla an meinem Arbeitsplatz angekommen war, war ich sehr nervös, da ich mich ab jetzt nur noch mit meinen Englischkenntnissen verständigen konnte. Ich hatte Glück David kennenzulernen. Er ist 20 Jahre alt und kommt ebenfalls aus Deutschland. Er war meine Ansprechperson, da er schon seit 3 Monaten dort arbeitete und mir alles auf Deutsch erklären konnte. So habe ich einen echt guten Überblick bekommen und wusste, was zu tun war. An meinem dritten Tag war Davids Zeit leider schon vorbei und er ist zurück nach Deutschland geflogen. Ab jetzt war ich auf mich alleine gestellt.

Mein Englisch wurde von Tag zu Tag besser

Da ich das Wichtigste wusste, war alles echt angenehm für mich. Nach einigen Tagen habe ich mich sehr gut eingelebt und mein Englisch wurde von Tag zu Tag besser. David hatte mir alle Regeln erklärt und mir gezeigt, wo alles war und was zu tun ist. Die Arbeit mit den Tieren wurde mir von den Festangestellten erklärt. Sara war, wenn es um die Tierpflege ging, die Chefin. Sie zeigte mir, wie auch den anderen Freiwilligen nach und nach, wie und was zu machen ist. So habe ich den Umgang mit Tieren kennengelernt und sehr viel über Schildkröten und Schlangen erfahren.

 

Am Anfang durfte ich nur die Schildkröten füttern und die leeren Käfige saubermachen. Später durfte ich mich auch um die Schlangen und andere Reptilien kümmern. Ich habe im Sommer täglich von 8 bis 17 Uhr gearbeitet. Bei der Arbeit mit Tieren hatten wir kein Wochenende, durften uns aber dafür zwei Tage in der Woche frei nehmen. Später im Herbst wurden die Arbeitszeiten kürzer, da wir erst später öffneten. Des Weiteren hatten wir im Oktober nur an den Wochenenden offen, sodass es jetzt wochentags ein bisschen entspannter zuging. Wir konnten bei der Arbeit Musik hören und brauchten nicht unsere „Dienstkleidung“ anziehen, die wir trugen, wenn Besucher zu uns kamen und Touren gemacht wurden.

Unterbringung im Projekt während des Freiwilligendienstes

Bei mir war es ein wenig anders als bei den anderen Freiwilligen, die im gleichen Jahr, wie ich, auch ein CSP gemacht haben. Ich war der Einzige, der in keiner Gastfamilie untergebracht wurde. Ich habe mit einer großen Gruppe von Freiwilligen und auch Festangestellten zusammen im Projekt gelebt. Die Festangestellten hatten ihre eigenen Räume. Die Freiwilligen teilten sich zu viert einen Raum.

 

Da ich immer mit mehreren Personen zusammen war - zu jeder Uhrzeit - haben wir uns sehr schnell kennengelernt. Im Sommer waren wir so insgesamt ca. 20 Personen. Es waren 7 Festangestellte und 13 Freiwillige aus ganz Europa, aber auch aus den USA und Kanada. Ich war mit 19 Jahren der Jüngste, die meisten waren 21 - 25 Jahre alt und kamen aus Italien, Wales, England, den Niederlanden, Belgien und Frankreich. Wir haben immer zusammen gearbeitet und nach der Arbeit gemeinsam gekocht und gegessen.

Harmonisches Zusammenleben mit Regeln

Es haben sich zwar kleine Gruppen gebildet, aber hauptsächlich haben wir alles in unserer Freizeit gemeinsam unternommen. Es war ein sehr harmonisches Zusammenleben mit einem geregelten Küchen-/Koch- und Putzdienstplan. Jeder hatte tägliche Aufgaben zu erledigen. Nach und nach kannten wir uns immer besser und irgendwann hatte ich das Gefühl, dass wir wie eine kleine Familie sind. Der Abschied nach den drei Monaten fiel mir sehr schwer, da mir die Personen, mit denen ich Tag und Nacht verbracht hatte, echt ans Herz gewachsen sind.

 

Später im Herbst wurden wir immer weniger Leute in Scales als im Sommer. So hatten wir eine viel kleinere aber vertrautere Gruppe. Mein Chef war super cool. Er sagte mir zum Abschied, dass ich so lange bleiben könne, wie ich möchte. Eigentlich wäre mein letzter Arbeitstag der 31.10. gewesen. Da mein Rückflug erst am 16.12. war, habe ich mir überlegt, noch eine Woche länger in Scales zu bleiben und meinen kleinen Road Trip durch Kanada und die USA erst später zu starten.

Betreuung während meines Freiwilligendienstes in Kanada

Ich hatte eine telefonische Ansprechpartnerin in Kanada namens Nolfa. Ich lernte Nolfa schon vorher kennen, da wir bereits öfter ein Skype-Telefonat hatten. Sie hat uns z.B. darauf vorbereitet, wie ein Skype-Bewerbungsgespräch bei meinem Arbeitgeber in Kanada zu führen ist. Sie hat in Vancouver gearbeitet und ich in Toronto, aber ich konnte sie immer anrufen oder eine Mail schreiben, wenn ich ein Anliegen hatte. Es gab eine 24-Stunden-Hotline, wo ich immer eine zuständige Person vom AFS erreichen konnte. Dies war bei mir aber nicht notwendig, da mein Chef in Kontakt mit Nolfa stand und so alles immer bestens abgesprochen und geplant werden konnte.

 

Ein halbes Jahr vor meinem Reisebeginn habe ich an einem Vorbereitungsseminar in Eschwege teilgenommen. Dort wurden wir auf das Arbeiten und Leben im Ausland vorbereitet wie z.B. Umgang mit neuen Situationen und/oder Menschen. Da ich an einem CSP teilgenommen habe, absolvierte ich „nur“ ein Wochenendseminar. Bei längeren Aufenthalten im Ausland sind mehrere/längere Seminare zu belegen.

Meine Englischkenntnisse haben sich verbessert

Ich wollte mit dem Auslandsaufenthalt auch meine Englischkenntnisse verbessern. Es war mir von Anfang an klar, dass ich auf jeden Fall in den englischsprachigen Teil von Kanada gehen wollte. Nach meinem Abitur war mein Englisch in meinen Augen echt ok. Aber am Anfang war es oft doch noch schwer das zu sagen, was ich sagen wollte. Gerade weil mir so viele spezielle Vokabeln nicht einfielen.

 

Eine Freundin aus Wales, die ich dort kennenlernte, hat mit einem Satz meine Entwicklung echt gut beschrieben. „Als du hier ankamst war dein englisch wie eine Raupe und nun ist es wie ein Schmetterling “. Dieses sagte sie mir kurz vor meiner Abreise aus Scales. Mit diesem Satz gebe ich ihr auf jeden Fall vollkommen Recht. Da bei der Arbeit alle Freiwilligen in meinem Alter waren und aus ganz Europa kamen, war es klar, dass nicht jeder perfektes Englisch spricht. Oft gab es am Anfang Situationen, wo ich mein Handy brauchte, um das Wort, was ich nicht wusste zu übersetzen. Aber alle waren sehr verständnisvoll und hilfsbereit.

 

Am Anfang hatte ich Hemmungen, Englisch zu sprechen und ich fühlte mich unsicher und wollte ja nichts Falsches sagen. So ging es mir vor meinem Abflug nach Kanada und es war auch häufig in der Schule oder im Urlaub so. Nach meinem Aufenthalt in Kanada ist dies jetzt komplett anders. Einerseits musste ich Englisch sprechen, um mich zu verständigen. Andererseits fühlte ich mich in Scales so wohl, dass es mir viel leichter fiel Englisch zu sprechen.