Erfahrungsbericht: Freiwilligendienst in Panama - Fee Jüli Marie hat in einem Heim für gehandicapte Kinder gearbeitet
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Fee Jüli Marie hat in einem Heim für gehandicapte Kinder gearbeitet

Fee Jüli Marie, Panama, 2018, IJFD

Fee Jüli Marie schreibt über ihre Erfahrungen beim Internationalen Jugendfreiwilligendienst (IJFD) in Panama. Sie hat unter anderem in einem Heim gearbeitet, in dem Kindern mit körperlichen Beeinträchtigungen geholfen wird.

Mein Name ist Fee Jüli Marie und ich habe von Februar 2017 bis Februar 2018 einen Freiwilligendienst in Panama geleistet. Im Folgenden werde ich versuchen, meine Erfahrungen und Erlebnisse zu beschreiben und euch einen Eindruck über meine Wahrnehmungen von Panama zu geben.

Land und Leute in Panama

Mein Freiwilligendienst in Panama startete zunächst ins Ungewisse, denn ich hatte vor Abflug noch keine Informationen über meine zukünftige Gastfamilie erhalten. Somit wusste ich nur, dass ich in der Region Los Santos in Las Tablas in einer Einrichtung für behinderte Kinder arbeiten werde. Durch diesen Start durfte ich direkt lernen, alles auf mich zukommen zu lassen und Vertrauen darin zu haben, dass alles gut werden wird, denn ich bin sonst immer eine sehr geplante und organisierte Person. Als ich dann vor Ort beim Welcome-Camp in Panama City meine Daten zur Gastfamilie erhalten hatte, ging es auch schon am nächsten Tag direkt nach Peña Blanca, zu einem Dorf in der Nähe von Las Tablas.

Dort empfing mich meine Gastfamilie mit offenen Armen und wir fuhren zu Ihnen nach Hause. Angekommen im neuen Zuhause, durfte ich die erste Überraschung erleben, denn der Strom war für den ganzen Abend, die ganze Nacht und den Folgetag ausgefallen. Strom- und Wasserausfälle waren für mich anfangs wirklich sehr ungewohnt, aber mit der Zeit habe ich mich daran gewöhnen können. Ich wurde sehr herzlich und liebenswert bei meiner Gastfamilie aufgenommen und wurde direkt als Familienmitglied anerkannt. Ich hatte eine gleichaltrige Gastschwester, mit der ich mich zwar sehr gut verstand, aber aus unterschiedlichen Gründen nicht viel unternahm, somit hatte ich anfangs Schwierigkeiten Kontakt zu Gleichaltrigen aufzunehmen.

Umso mehr Spanisch ich gelernt hatte nach einigen Monaten, konnte ich mich dann auch besser mit der Familie und Arbeitskollegen unterhalten und deren Ansichtsweisen auf die ganze Welt verstehen. Somit waren es anfangs nur sehr oberflächliche Gespräche, da man mich eher als „la extranjera“ (dt. die Ausländerin) oder „la alemana“ (die Deutsche) angesehen hatte oder man mich einfach nur auf meine andere Augenfarbe ansprach.Mit der Zeit wurde ich viel mehr in Gespräche eingebunden und ich wurde anders angesehen durch den Fakt, dass ich mich viel besser auf Spanisch artikulieren konnte.

Ich empfinde Panameños als unheimlich lebensfrohe, offene, gastfreundliche und herzliche Menschen. Selbst in schwierigen Situationen verlieren sie nicht ihren Humor und behalten einen kühlen Kopf. Für mich war das Schönste, jeden Tag die Freude der Panameños an der Musik miterleben zu dürfen, sei es beim Karneval, bei der Arbeit mit Kindern, im Haus oder bei traditionellen Festen. Die Musikrichtungen Reggaeton, Típico, Salsa, Bachata, Merengue begleiten die Menschen dort einfach täglich und versprühen einen gewissen Flair und dürfen auf keinen Fall bei Festen und im Alltag fehlen.

Mein Arbeitsplatz in Panama

Die ersten sechs Monate meines Freiwilligendienstes habe ich an einem panamaischen Institut für Kinder mit Behinderungen gearbeitet (IPHE „Instituto Panameño de Habilitación Especial“). An meinem ersten Arbeitstag im IPHE waren noch keine Kinder in der Schule, da in diesem Zeitraum noch Ferien waren. Somit hatte ich Zeit mich mit meinen Arbeitskollegen mit brüchigem Spanisch zu unterhalten und mich mit meinem neuen Arbeitsplatz vertraut zu machen. Nach einer Woche begann dann wieder die Schule für die Kinder und Jugendlichen. Ich habe mit einer Lehrerin zusammen in einem Klassenraum mit ungefähr 12 Kindern im Alter von 4 bis 9 Jahren gearbeitet. In meiner Gruppe gab es Autisten, Kinder mit zerebraler Paralyse, Kinder mit Trisomie 21, Kinder mit Seh-und Hörbehinderungen und Kinder mit Sprachbehinderungen.

Meine Arbeitszeiten waren wochentags von 7 Uhr bis 14 Uhr. Ich hatte zum Glück nicht einen allzu weiten Weg zu meinem Projekt, nach circa 15 Minuten im Bus kam ich in Las Tablas an und ging weitere 10 Minuten zu Fuß zur Schule. Die neue Situation mit behinderten Kindern zu arbeiten war für mich anfangs nicht ganz leicht, denn es war das erste Mal, dass ich in diesem Bereich gearbeitet hatte und ich wurde darauf nicht wirklich vorbereitet.  Somit war ich anfangs mit der ganzen Situation ein wenig überfordert (wie man zum Beispiel ein Kind mit „Osteogenesis“ [umgangssprachlich: Glasknochen] richtig anfasst), jedoch konnte ich mich schnell einleben und die Lehrerin somit unterstützen. Mein Arbeitstag bestand darin, beim Unterricht der Kinder zu helfen (Einzelunterricht der Farben und Zahlen), täglich anfallende Aufgaben zu erledigen, mich um die Kinder zu kümmern und bei der Essensausgabe zu helfen. Die Kinder und Jugendlichen sind mir sehr ans Herz gewachsen und dazu beizutragen, die Kinder zum Lachen zu bringen, war das Größte für mich.

Nach den ersten Wochen im Projekt durfte ich direkt Eigeninitiative ergreifen und mehr Verantwortung übernehmen und somit zusätzlich zu meiner Kindergruppe bei den Jugendlichen einen Englisch Kurs 3 Mal die Woche leiten. Den Kurs habe ich nach meiner Arbeitszeit gegeben und auch ab und zu ein paar Spiele oder Tests mit in den Unterricht eingebaut. Dies brachte mir besonders viel Spaß, denn die Jugendlichen hatten Lust eine andere Sprache zu lernen und waren total interessiert und engagiert. Ich war total erfreut, da ich eine zusätzliche Aufgabe hatte und viel Spaß am Unterrichten gefunden habe. Somit habe ich mich täglich nach der Arbeit auf die kommenden Unterrichtsstunden vorbereitet und immer wieder versucht etwas Neues einzubauen.

Die weiteren fünf Monate meines Freiwilligendienstes durfte ich in Panama City bei einem Kindergarten machen (COIF „Centro de Orientación Infantil y Familiar“). Dort wurde ich an meinem ersten Arbeitstag auch sehr herzlich empfangen und direkt den ganzen Mitarbeitern vorgestellt. Ich arbeitete mit einer Lehrerin und ihrer Assistenz in einem Salon zusammen. In unserer Gruppe (Maternal A) gab es 25 Kleinkinder im Alter von 2 bis 3 Jahren. Ich arbeitete wochentags von 07:30 Uhr bis 15:30 Uhr und bekam Mittagessen im Projekt. Die täglichen Aufgaben bestanden darin, die Kinder zu betreuen, bei der Essensausgabe zu helfen, die Lehrerinnen zu unterstützen, Bastelarbeiten durchzuführen, die Kleidung der Kinder zu wechseln und alltäglich anfallende Aufgaben zu übernehmen. Ich habe mich vom ersten Tag an sehr wohl gefühlt in diesem Projekt und mir sind die Kinder unheimlich ans Herz gewachsen. Ich habe in diesem Projekt insofern Eigeninitiative ergriffen, indem ich ein kleines Tanzprojekt mit den Kindern auf die Beine stellte, was den Eltern vorgeführt wurde und einfach dort mit anpackte, wo eben Hilfe benötigt wurde.

Meine Gastfamilie und Unterkunft in Panama

Während meines Aufenthaltes in Las Tablas habe ich in einer unheimlich lieben Gastfamilie (Vater, Mutter und 2 Töchter) leben dürfen. Dort konnte ich mich ziemlich schnell einleben und stellte mich auf die gegebenen hygienischen Umstände, das panamaische Essen und Umgangsformen um. Recht schnell wurde ich wie eine eigene Tochter behandelt und von der ganzen Familie akzeptiert. Des Öfteren kamen Familienmitglieder, Freunde und Bekannte zu Besuch, mit denen ich mich immer sehr gerne unterhalten habe.

So lernte ich auch meine zweite Gastfamilie in Panama Stadt kennen. Diese erklärten sich dazu bereit, mich bei meinem neuen Projekt ab August 17 in Panama Stadt zu unterstützen und boten mir an, in ihrem Haus mit ihnen zu leben (Vater, Mutter und 2 Söhne). Somit hatte ich eine Riesen-Gastfamilie und verlor nie den Kontakt zu meiner ersten Gastfamilie in Las Tablas. Denn des Öfteren besuchte ich gemeinsam mit meiner Familie aus Panama Stadt meine Familie aus Las Tablas und wir verbrachten gemeinsam eine gute Zeit. Ich bin sehr dankbar für solch eine Erfahrung in gleich zwei unterschiedlichen Gastfamilien gelebt zu haben und somit einmal das Landleben, wie auch das Stadtleben Panamas kennengelernt zu haben.

Abschied zu nehmen fällt immer schwer und es fiel mir noch viel schwerer, da ich mich von zwei Familien verabschieden musste. Aber ich bin sehr froh dort meine Familien zu haben, wo ich weiß, dass ich immer wieder zurückkehren darf und ich hoffe natürlich in naher Zukunft zurückkehren zu können, um diese herzensguten Menschen zu besuchen.

Betreuung durch AFS Panama

Die Betreuung durch AFS Panama fing schon bei der organisierten Abholung vom Flughafen unserer Gruppe an. Wir wurden von dort aus in ein Hostel in Panama City gebracht und haben dort ein paar Tage verbracht, um uns gegenseitig kennenzulernen, den Jetlag zu bewältigen, sich an das Klima zu gewöhnen, Vorträge seitens AFS zu hören, an Seminaren über die Kultur teilzunehmen und um sich vorsichtig an den mittelamerikanischen Rhythmus zu gewöhnen. Weiter ging es dann mit einem „On-Arrival Camp“, „Midstay Camp“ und dem „End of Stay Camp“. Diese Camps fanden immer an unterschiedlichen Orten in Panama statt und haben unserer Gruppe immer sehr gefallen.

Dadurch, dass wir uns gegenseitig austauschen konnten und zur Abwechslung mal wieder Deutsch geredet haben, sind wir als Gruppe sehr zusammengewachsen und konnten somit einige Erlebnisse viel besser verarbeiten. Im Gastland selbst hat AFS Panama sich stets hilfsbereit um meine Anliegen gekümmert und mir relativ zeitnah Antworten geben können.

Sprache und Kommunikation in Panama

Mit meinen raren Spanischkenntnissen konnte ich mich anfangs natürlich nicht flüssig mit den Panameños unterhalten. Die unheimlich geduldige Art meiner Gasteltern hat mir sehr dabei geholfen, in Ruhe und langsam das Spanischsprechen zu üben. Anfangs wurde eher ein bisschen ungeduldig auf mein langsames Spanisch von einigen Menschen reagiert aber nach und nach änderte sich auch das, sobald ich sie drum bat, langsamer mit mir zu sprechen. Ich habe mich erst ab dem 7. Monat in meinem Spanisch richtig sicher gefühlt und angefangen schneller und besser zu sprechen. Und zum Ende hin war ich erst richtig flüssig und konnte auf einmal große Fortschritte selbst erkennen. Es war so toll einfach mit jedem reden zu können, Akzente zu verstehen/rauszuhören, anzufangen bestimmte panamaische Wörter zu benutzen und auf einmal ab und zu auch für eine „Panameña“ gehalten zu werden.

Mein Fazit

Gerade jetzt nach meiner Rückkehr sind mir sehr viele Unterschiede der Deutschen Kultur zur Panamaischen Kultur aufgefallen und mir ist eine Sache dabei ganz besonders ins Auge gestochen: Die Panameños singen, tanzen und lachen viel häufiger als wir Deutschen. Dies vermisse ich ein wenig in unserer deutschen Kultur sowie ein bisschen mehr Gelassenheit und Geduld.

Alles in allem war meine Zeit in Panama eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Es gab natürlich Höhen und Tiefen, die mich als Person haben wachsen lassen. Zudem habe ich in meinem Freiwilligendienst in Panama so einiges lernen dürfen, sowohl menschlich als auch kulturell und sprachlich. Ich konnte neue Facetten und Verhaltensweise an mir selbst entdecken, meine persönlichen Grenzen auch mal überschreiten und über mich selbst hinauswachsen. Dies ist eines der größten Geschenke meines Lebens.

Ich kann nur jedem empfehlen solch eine Erfahrung zu machen und sich für einen Freiwilligendienst zu entscheiden und den Gedanken eines Freiwilligendienstes auch nach außen tragen. In Zukunft möchte ich Menschen von meinen Erfahrungen berichten und somit zu einer besseren kulturellen Verständlichkeit beitragen.

Ob Panama wirklich nach Bananen riecht, wie es so schön bei Janosch heißt, kann ich nicht behaupten jedoch roch es für mich persönlich nach Freiheit, einer gewissen Lebensfreude, Begeisterung der eigenen Kultur und Zufriedenheit der Menschen.