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Es ist einfach das Tollste, was mir passieren konnte

Maria, Paraguay, 2009/10,

Es ist einfach das Tollste, was mir passieren konnte

Paraguay-ein Land, ein Mädchen, ein Abenteuer. Kaum zu glauben. Ja, es ist kaum zu glauben, dass ich mich seit fast genau 5 Monaten in Paraguay befinde. Paraguay , einem Entwicklungsland im Herzen Südamerikas von dem ich mir nie erträumt hätte, es selbst einmal kennen zu lernen.

Ich habe mich eigentlich für ein Vollstipendium für die USA beworben und habe auch den schriftlichen Test bestanden, um dieses zu bekommen, jedoch fiel die Wahl leider nicht auf mich. Als mir AFS anbot mir andere Länder als Alternative heraus zu suchen, wählte ich unter Anderem Paraguay. Und meine Reise ging letztendlich nach Paraguay. Ich las im Internet viele Berichte, um mich mit meinem neuen Gastland vertraut zu machen. Leider handeltet sich vieles nur um Kriminalität, schlechte Lebensqualität und große Armut... Diese Tatsache machte mir Angst und ich war kurz davor, das ganze Abenteuer abzubrechen und es mit einer anderen Agentur zu versuchen, um doch noch in die USA zu kommen.. aber in diesem Moment stand mir AFS bei. Ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle noch einmal an alle Tröster und Ermunterter, Zuhörer und Animierer und ein großes Dankeschön an Heike, die mir in den Momenten der Unsicherheit mit erfahrenen Worten helfen konnte.

Ankunft in Paraguay

Obwohl es mein erster Flug war, überstand ich die 14 Stundenreise gut- immer begleitet von meinem Tagebuch, konnte mir keine Kleinigkeit entgehen. Ich muss zugeben, dass mich die Ankunft am Flughafen Asunción Paraguay nervös machte und hätte ich die Chance gehabt, wäre ich vielleicht mit einem Anschlussflieger nach Deutschland zurückgeflogen. Ich hatte Angst, in diesem Moment habe ich realisiert, was mir bevorstand. Ich dachte in diesem Moment nur an die Dinge wie: „Oh mein Gott, ich vermisse meiner Freunde, meine Familie. Ich spreche kein Spanisch. Mit welcher Gastfamilie werde ich leben?“ Alles war neu, so ungewohnt. Als wir das Flughafengebäude verließen, lachte uns die Wintersonne Paraguays an, die durch ein paar Palmen blinzelte. Alles schien so unwirklich und anders. Die 2 Tage im Auffangcamp von AFS taten uns allen gut. Ich fühlte mich wirklich zeit- und raumlos in dieser neuen Umgebung. Ich konnte in diesem Moment noch nicht DANKE für das Glück sagen, was ich habe.

Ich war so glücklich, dass ich schon vorher mit meiner Gastfamilie Emails austauschen konnte. Ich wusste, dass ich 2 Gastschwestern haben würde- 17 und 8, was mich von Anfang an sehr beruhigte. Mein Gastvater und meine ältere Schwester sprechen Englisch, so dass ich auch damit am Anfang überleben könnte und das Wichtigste: die Chemie stimmte. Meine Familie war von Anfang an sehr bemüht, mir die Unterschiede so angenehm wie möglich näher zu bringen und mir mit vielen Beschreibungen ein Bild zu verschaffen, von dem Land, das bald mein zweites Heimatland werden sollte. Ich habe selten so verständnissvolle, aufgeschlossene und liebenswürdige Menschen kennen gelernt und mit jedem Tag fühle ich mich mehr und mehr wie ein Teil dieser Familie.

Das Haus meiner Gastfamilie

Ich muss zugeben, dass ich mir alles etwas anders vorgestellt habe. Normalerweise kommen die Austauschschüler in für paraguayische Verhältnisse reiche Familien. Fast alle meine Freunde, die ich über AFS kennen lernen konnte, haben wenigstens Klimaanlagen in ihren Autos, andere sprechen von Pools im Garten oder Chauffeuren.. Ich wohne in einem Viertel, dass von einem Bodyguard bewacht wird, was dafür spricht, dass meine Familie mindestens zur Mittelschicht gehört, aber wenn ich auf die andere Straßenseite blicke, sehe ich andere Verhältnisse. Mein erster Eindruck des Hauses als ich es zum ersten Mal betrat, war gut- anders, aber keinesfalls schlecht. Ich habe vorher noch nie ein Haus einer normalen paraguayischen Familie von innen gesehen und wusste deshalb nicht, was ich mir vorstellen sollte. Das Haus besteht aus 2 Etagen, ich habe mein eigenes Zimmer, wir haben eine Terrasse und besitzen einen TV. Was will man mehr? Wir haben sogar den Luxus eines Laptops.

Vieles hängt auch einfach von dem Austauschschüler selber ab- von Sichtweisen, Erfahrungen, Lebensweise und Ansprüchen. Für den Einen sind die Lebensumstände toll, der Andere ist unzufrieden.

Ja, ich schlafe mittlerweile mit meinen 2 Schwestern in einem Zimmer, weil wir nur eine Klimaanlage in dem Schlafzimmer meiner Gasteltern und eine in dem Zimmer meiner Schwestern habe. Ja, meine Familie kann mir keine Konzerteintritte bezahlen - und ja unser Pool, den wir uns für Weihnachten gekauft haben fasst auch „nur“ 2000l. Ja,.. ja,.. ja.. ABER: Für mich könnte es nicht besser sein.

Ich bin dankbar

Ich habe in meiner Gastfamilie neue Freunde gefunden, die mir helfen, wo sie können und mich unterstützen und mir zuhören. Durch den Beruf meines Vaters habe ich die Chance jetzt, in den Sommerferien Tennis und Schwimmen als Hobbys in einem Sportcenter zu praktizieren. Meine Gastmutter, die um Geld zu verdienen, teilweise in Spanien arbeitet, schickt mir immer wieder Nutella, weil sie weiß, dass ich das sehr mag und dass es das hier leider nicht zu kaufen gibt. Es ist einfach das Tollste, was mir passieren konnte. Mittlerweile bin ich dankbar, dass ich das Stipendium für die USA nicht erhalten haben, ich bin dankbar dafür, die Chance zu haben, in einem so unterschiedlichen Land, Erfahrungen sammeln zu dürfen. Sobald mein Gastvater Urlaub hat, werden wir außerdem noch ein paar Tage im Chaco verbringen- im Nichts!- und nächstes Jahr steht darüber hinaus noch eine Klassenfahrt nach Brasilien an. Ich könnte glücklicher nicht sein.

AFS gibt mir die Chance großartige Menschen kennen zu lernen, Freundschaften zu schließen und unvergessliche Augenblicke zu erleben. Für mich sind es besonders die kleinen Dinge des Alltags, die mich immer wieder beeindrucken. Viele Dinge, die ich hier sehe und hautnah erlebe, ergreifen mich, weil es trotz all der positiven Aspekte immer noch ein Dritte -Welt –Land ist, aber so traurig manche Umstände auch sein mögen, jedes Gespräch, jeder Eindruck und jeder Augenblick lehrt einen, die Dinge mit anderen Augen zu sehen. Ich habe gelernt, all den Luxus mit dem ich lebe, zu schätzen, ich habe gelernt, den Menschen, die ich liebe, „ich hab dich lieb“ zu sagen, ohne dass es einen besonderen Anlass gibt, ich habe gelernt, dankbarer zu sein, hilfsbereiter, aufgeschlossener. Es liegt immer noch viel vor mir, was ich in der zweiten Hälfte meines Austauschjahres lernen werde und möchte und ich blicke dem Ganzen jetzt mit anderen Augen entgegen. Ich habe viel gesehen und gelernt und ich bin noch lange nicht erschöpft davon, mehr zu sehen. Mein Spanisch hat sich so sehr verbessert, dass ich mittlerweile mein drittes Buch lese. AFS half uns allen am Anfang mit einem 40stündigen Sprachkurs und in der Familie und im Alltag zurecht zu finden und mit der Zeit lernt man einfach immer mehr Ausdrücke dazu. Auch Guaraní, die zweite Amtssprache Paraguays, klingt nach einer Weile nicht mehr fremd. Momentan bin ich einfach nur begeistert von der Erfahrung und dankbar für die Möglichkeit.

Paraguay war nicht das, was ich erwartet hatte und längst nicht das, wovon ich träumte, aber jetzt ist es das, was mich herausfordert und glücklich macht und ich habe die Erfahrung, die ich mir gewünscht hatte. Mittlerweile lebe ich hier.