Erfahrungsbericht: Freiwilligendienst in Frankreich - David hat im AFS-Büro in Paris gearbeitet
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David hat im AFS-Büro in Paris gearbeitet

David, Frankreich, 2015, IJFD

David hat seinen Freiwilligendienst in Frankreich im Rahmen eines Internationalen Jugendfreiwilligendienstes (IJFD) gemacht. Er hat im AFS-Büro in Paris verschiedene administrative Aufgaben übernommen, mit internationalen Partnern kommuniziert und gemeinsam mit AFS-Ehrenamtlichen Gastschülerinnen und -schüler betreut,

Land und Leute

Zunächst ist zu sagen, dass die kulturellen Unterschiede zwischen Deutschland und Frankreich, verglichen zu denen zwischen anderen Länderpaaren (z.B. Deutschland und südamerikanischen Ländern) nicht überwältigen. Dennoch sollte man nicht davon ausgehen, dass sich das Leben dort kaum vom Gewohnten unterscheidet. Ich persönlich kam direkt, nach ca. 20 Jahren Dorf, in Paris an und freute mich natürlich über das rege Leben, das die Stadt beherrscht (dafür hatte mich ja auch entschieden). Trotzdem konnte ich mich glücklich schätzen, nach gut einem Jahr wieder in die pfälzische Idylle zurück zu kehren und meine Heimat wieder so richtig wertschätzen. Allgemein lässt sich sagen, dass die französische Kultur (auch in Paris) eine sehr offene und freundliche ist, sei es zwischen Jüngeren oder auch generationenübergreifend: Es wird generell immer geteilt (und dabei wird nicht - wie gerne mal in Deutschland – darauf geachtet, dass auch ja keiner einen Cent mehr ausgibt als der Andere).

Arbeitsplatz

Über die Arbeit konnte ich mich wirklich nicht beschweren. Das Team von AFS Vivre Sans Frontière ist super sympathisch und sorgt gut um einen. Die Aufgaben, die ich übernommen habe, waren doch recht breit gefächert: Von purer administrativer Papierarbeit, über Daten eingeben und aktualisieren, bis hin zum Kontakt mit Partnern in der ganzen Welt und Austauschschülern und Freiwilligen vor Ort. Wichtig ist hierbei zu wissen, dass Freiwilligendienste nicht unbedingt Hauptpriorität von AFS VSF sind. In dem Jahr, in dem ich dort war, wurden gerade mal 10-15 Freiwillige ausgesendet und ich kam als einziger nach Frankreich. Wenn ich also von ‚Freiwilligen‘ spreche, meine ich meist die Ehrenamtlichen, Ehemalige, die sich in ganz Frankreich für AFS einsetzen. So war ich also oft mit eben diesen auf nationalen Wochenenden in Paris und habe Gruppen von an- oder abreisenden Schülern betreut. Das ist natürlich super, um Kontakte zu knüpfen, vor allem zu Anfang. Sonst aber hatte ich auch einige fixe Aufgaben, die nach und nach wirklich nur noch von mir übernommen wurden, wie z.B. das Beantragen von elterlichen Erlaubnissen, wenn Austauschschüler reisen oder eine bestimmte Sportart betreiben wollen. Bald hatte ich so viel Vertrauen erlangt, dass meine Kollegen mir getrost dieses Feld überlassen hatten (was aber nicht heißt, dass ich mich mit Fragen nicht an sie wenden konnte).

 
Ein normaler Arbeitstag sah also so aus: Ich kam um 9 h zur Arbeit, habe den Kaffee gemacht (nicht weil ich musste, sondern weil es meine Passion ist), setzte mich an den Computer und sah nach und nach den Rest des Teams eintrudeln. Dabei habe ich meine Mails gecheckt und meine Aufgaben erledigt. Nahm dies nicht meine ganze Zeit in Anspruch, hat immer wer etwas zu tun, in dem Falle muss man einfach mal rumgehen und fragen. Ab und zu kam es schon einmal vor, dass ich nicht komplett ausgelastet war, aber daran muss man sich gewöhnen, Arbeit gibt es früher oder später immer.

Betreuung durch AFS

Verglichen zu anderen hatte ich nicht unbedingt diese eine ‚Kontaktperson‘, sondern ein ganzes Team an Kollegen, an welche ich mich wenden konnte. Auch ‚Midstay-Camps‘ gab es für mich persönlich nicht. Ich war also weniger der FSJler, als einfach ein Kollege. Wir haben öfter mal was unternommen und ich konnte jeden um Rat bitten (meist war es einfach der/die Näheste). Wenn ich dann doch eher programmspezifische und ablauftechnische Fragen hatte, konnte ich mich an meine nächste ‚Vorgesetzte‘ (Anführungszeichen wegen doch eher flachen Hierarchie), die Programmdirektorin, wenden. Der Fakt, dass das Team doch eher relativ jung ist, half meiner Integration natürlich auch enorm und lies mich mich gleich angekommen fühlen. Konflikte kamen somit quasi gar nicht auf, klar versteht man sich mit den einen mehr und den anderen weniger, aber im Großen und Ganzen war doch eher nur ersteres der Fall.
 

Der Support von deutscher Seite aus war genau so angenehm. Wir hatten zwar nur seltenst Kontakt, aber z.B. nach den Anschlägen kam eine kurze Nachricht, nur um sicher zu gehen, dass bei mir alles soweit OK ist. Dies fand ich völlig ausreichend, da ich mich in jedem anderen Fall ja auch selbst hätte melden können. Fazit: Eine solche Betreuung (von AFS FRA und GER) im weitesten Sinne habe ich als sehr angenehm und angemessen empfunden.

Sprache und Kommunikation

Die Sprache, wohl einer der Dreh- und Angelpunkte eines Auslandsaufenthalt, stellte sich natürlich zunächst als Hürde da. Auch wenn ich recht überzeugt war, nach mehreren Jahren Französisch und auch nach dem Französisch-Leistungskurs gut vorbereitet zu sein, wurde ich schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt: Französisch mag schön sein, ist aber auch eine sehr komplexe und undankbare Sprache. Von Beginn an sprach ich nur Französisch und reagierte auch auf englische Antworten nur mit Französisch (ging solange gut, bis ich Non-Frankophone vor mir hatte und es nicht bemerkte). Selbst wenn Deutsche im Büro waren, haben wir uns nur auf der französischen Landessprache unterhalten. Ich war sehr konsequent und streng mit mir, was sich aber wohl auch ausgezahlt hat. Dies wollte ich aber zuerst gar nicht merken. Lange dachte ich, ich würde gar keinen Fortschritt machen. Es bedurfte etwas an Reflexion, bis mir klar wurde, dass ich natürlich besser wurde, aber Französisch nunmal nie meine Muttersprache wird. Ab diesem Zeitpunkt waren dann auch alle Hemmungen aufgehoben und ich habe jedes neue Wort, jede neue Phrase als Bereicherung gesehen. Darüber hinaus habe ich auch eine Menge neue Ausdrücke aus dem Englischen gelernt. Da ja nun 50% des Jobs aus Kontakt mit den Partnerbüros bestand, habe ich auch viel schriftliches Englisch praktiziert und dazugelernt. Zugegeben, die Bereicherungen beschränkten sich eher auf das AFS-/ Programm-Fachjargon, aber es war dennoch neu.

Globales Lernen

Mein großer Vorteil im Büro war natürlich, dass ich mit quasi allen Partnern und mit Schülern aus allen Partnerländern in Kontakt stand. Dadurch sieht man sich ständig mit vielen verschiedenen Kulturen konfrontiert und entwickelt schnell eine gewisse Sensibilität und Toleranz, z.B. gegenüber verschiedenen Arbeitsweisen (jedes AFS-Büro hat seine Freiheiten und kann in einem bestimmten Rahmen recht frei agieren, da kommt es automatisch mal zu Reibungspunkten). Generell kann ich nur jedem empfehlen, einen solchen Freiwilligendienst zu leisten, da man wirklich lernt, sich mal nach links und rechts umzuschauen.