Erfahrungsbericht Auslandsjahr
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Die ersten Tage in der Gastfamilie sind natürlich sehr spannend und aufregend

Sharif, Großbritannien, 2016, Schuljahr im Ausland mit Kreuzberger Kinderstiftung-Stipendium

Das Auslandsjahr begann für alle Jugendlichen in London, dort verbrachten wir die ersten fünf Tage und ich finde, besser kann man dieses Jahr nicht starten. Man fliegt mit einer Gruppe von Jugendlichen in das Land, in dem man die nächsten zehn Monate seines Lebens verbringen wird. Man tauscht sich aus über Ängste, Zweifel und Hoffnungen und im Allgemeinen ist es einfach ein schönes Gefühl, diesen Schritt nicht alleine zu gehen. 

London - ein guter Start

In London wohnten wir in einem Hostel in dem es leider sehr sehr heiß war. Natürlich ist es EAugust nicht 10 Grad, jedoch hätte ich nicht damit gerecht, dass uns gerade 30 Grad überraschen würden. Seltsam wurde es jedoch, als wir feststellten dass wir nun tatsächlich nur noch Englisch sprechen durften. Das ist natürlich klar, wenn man in London ist, aber für mich, der ausschließlich Deutsch und Arabisch spricht, ist es natürlich eine Umstellung.

 

Unsere Betreuer waren sehr nett. Wir hatten gegen Abend immer Workshops in denen wir zusammen erarbeitet haben, was auf uns zu kommt, welche Slangs es in der englischen Sprache gibt und was höflich und was unhöflich ist. Am fünften Tag hieß es dann Abschied sagen und wir alle sind entweder mit dem Bus oder mit dem Zug in unsere Gegend gefahren.

Ich hätte mir keinen besseren Gastbruder wünschen können

Die ersten Tage in der Gastfamilie sind natürlich sehr spannend und aufregend und gerade wenn man dann noch einen Gastbruder aus einem anderen Land hat. Mein Gastbruder Jan, kommt aus Tschechien und ist ein Jahr älter als ich. Wenn man auf die erste Zeit zurückblickt, ist es seltsam, wie fremd man sich doch war und wie brüderlich unsere Beziehung jetzt geworden ist. Ich hätte mir keinen besseren Gastbruder wünschen können. Natürlich hatte ich anfangs meine Bedenken, wegen unserem Zimmer, da wir uns nämlich eins teilen. Jedoch sind diese Bedenken schnell verflogen, als wir heraus gefunden haben, dass wir doch denselben Humor teilen und gerne die gleichen Hobbies ausüben.

 

In der Anfangs Zeit waren wir auch sehr gut mit zwei Mädchen befreundet, die in demselben Dorf wie wir wohnen. Mit Aaliyah und Emma verbrachten wir viele lustige Tage und das eine oder andere Abenteuer. 

Mein Englisch hat sich schon stark verbessert

In guter Erinnerung habe ich auch unsere ersten Half-Term Ferien. Die Zeit in der wir auch die anderen Austauschschüler kennenlernten und es zwischen den ein oder anderen auch gefunkt hat. Wir verbrachten viele Tage in unserem Garten, kochten Pasta oder Pizza und genossen die letzten Sonnenstrahlen vor dem Herbst. Wir hörten Musik, spielten Karten oder unterhielten uns einfach über unsere Leben in unseren Ländern. Natürlich war es eine Herausforderung für uns alle, unsere Leben so präzise zu erklären. Wenn wir manchmal nicht mehr weiter wussten, mussten dann Hände und Füße helfen.

 

Nach den Ferien hieß es dann wieder College, College und nochmal College. Wenn ich zurückblicke, sehe ich erst jetzt wie schnell die Zeit doch verflogen ist und wie viele Erfahrungen ich in der kurzen Zeit schon gesammelt habe und vor allem, wie stark sich mein Englisch verbessert hat.

Mein 17. Geburtstag in England

Ein Ereignis, das ich gerne noch erwähnen möchte, ist mein 17 Geburtstag. Wir hatten einen sehr schönen Tag, den wir dann am Ende am Meer ausklingen lassen haben. Ich habe für meine Freunde gekocht und meine Gastmutter hatte mir sogar einen Kuchen gebacken. Das schönste ist doch, wenn man einen Geburtstag in einem fremden Land verbringt, aber die Freunde, die man gefunden hat, sich gar nicht mehr so fremd anfühlen. Ich habe diesen Tag wirklich sehr genossen und ich denke gerne daran zurück, wie der Kuchen am Schluss auf den Boden gefallen ist… auch wenn mich das anfangs nicht so glücklich gemacht hat. Dennoch, wir sind uns alle an meinem Geburtstag noch näher gekommen und die eine oder andere Freundschaft lässt sich auf diesen Tag zurückführen.

Pausengespräche mit Schulfreunden

Die nächsten Wochen verbrachte ich damit, meine Englisch-Kenntnisse zu verbessern und allgemein die englische Kultur besser zu verstehen. Dabei ist mir aufgefallen, dass die Engländer immer abends warm essen, was sie dann als 'Dinner' bezeichnen. Das Mittagessen oder im Englischen auch 'Lunch' genannt, kann man sich zum Beispiel in der Schule kaufen. Regulär hole ich mir dort Pommes und dann gehe ich in den Common Room. Dieser Raum ist so etwas wie ein Aufenthaltsraum für Schüler. Dort treffen wir uns alle immer in der Pause, essen und reden zusammen und diskutieren auch manchmal über das eine oder andere Thema. Auch planen wir immer für die Wochenenden, was wir machen möchten, oder wohin wir gehen wollen. 

Es fiel mir schwer, meinem Gastbruder Auf Wiedersehen zu sagen

Weihnachten habe ich in Deutschland verbracht und es viel mir schwer meinen Freunden und ganz besonders meinen Gastbruder auf Wiedersehn zu sagen. Wenn man Tag und Nacht mit einer Person zusammen ist, ist es seltsam, diese Person dann für zwei Wochen nicht mehr wiederzusehen. Ganz besonders, wenn diese Person, wirklich wie ein Bruder für einen ist. Auch wenn wir aus verschieden Ländern kommen und wir nicht dieselbe Sprache sprechen, es fühlt sich mittlerweile so an, als würde ich Jan schon für eine halbe Ewigkeit kennen.