Erfahrungsbericht Auslandsjahr

Mein bisheriger Aufenthalt in England

Anneke, Großbritannien, 2016, Schuljahr im Ausland

Seit Ende August 2016 bin ich nun schon in England. Die zuständige britische Organisation „Interstudies“ veranstaltete ein so genanntes „Arrival Camp“. Dabei lernten wir etwas über unsere Gastländer (England/Schottland/Wales/Nordirland), zum Beispiel „Slang Wörter“ oder auch einige Traditionen. Nach dem erlebnisreichen Aufenthalt und den vielen Freundschaften, die ich geschlossen habe, ging es mit dem Bus zu meiner Gastfamilie nach Folkestone in Südengland.

 

Während der Fahrt war ich eigentlich ganz entspannt. Ich glaube das lag daran, dass ich schon vorher mit meiner Gastfamilie Kontakt über WhatsApp und Facebook hatte. Als ich dann endlich angekommen bin, gab es eine herzliche Begrüßung von meinen Gasteltern. Danach habe ich das erste Mal mein neues Zuhause besucht. Es war ein seltsames Gefühl, da ich es bis dahin nur von Bildern kannte. Als nächstes gab es eine kleine Rundfahrt durch Folkestone. Es war etwas merkwürdig, sich vorzustellen für zehn Monate dort zu leben, da zu dem Zeitpunkt alles noch sehr fremd war. Jedenfalls gab es, für Sonntagabend typisch, ein „English roast dinner“. Wir haben den ganzen Tag über vieles geredet. Ich habe mich sofort wohl gefühlt und sogar problemlos geschlafen.

 

Ich hatte mehr als eine Woche Zeit, um mich mit allem vertraut zu machen, bevor es in die Schule ging. Ich lernte schnell den Rest der Familie und auch schon einige Freunde kennen. Ich war auch das erste Mal alleine Zuhause, bin an den Strand und in die Stadt gegangen und habe mich mit allem ein bisschen vertraut gemacht.

Meine Schule in England

Anfang September war es dann endlich so weit: Mein erster Schultag. Das war ein aufregender Tag. Ich weiß noch genau wie ich die Schule betreten habe, weitäugig und ängstlich. Ich war auch sehr nervös und habe mich so unbeholfen gefühlt. Zum Glück hat mich dann jemand aus meiner Klasse etwas herumgeführt und mich ihren Freunden vorgestellt. Ich habe mich an diesem Tag sehr verloren gefühlt. Ich war auch etwas niedergeschlagen. Es wurde aber von Tag zu Tag besser. Ich habe schnell einige Freunde gefunden und mich immer besser an die neue Schule gewöhnt. Ich kann endlich mit Selbstbewusstsein durch meine Schule gehen und mich zugehörig fühlen. Ich habe auch viel Spaß beim Lernen, da ich meine Kurse selber wählen durfte. Neben Fotografie und Grafik belege ich auch noch Kunst. Außerdem muss ich als Austauschschüler an GSCE Mathe und Englisch teilnehmen.

 

Mein Schulalltag beginnt übrigens immer gegen neun Uhr und endet um halb vier. Zur Schule gelange ich immer mit dem Bus. Die Busfahrt verbringe ich mit meinen Freunden aus Folkestone, welche die „Boys Grammer School“ in Dover besuchen, welche sich neben meiner Schule befindet. Wir unterhalten uns viel über Musik, Schule und Kunst. Natürlich reden wir auch Blödsinn oder bauen uns gegenseitig mit Späßen auf. In der Schule sind die Gesprächsthemen ähnlich. Worüber man generell nicht so viel redet ist über andere. Natürlich gibt es hier und da mal ein paar Lästereien, aber im Großen und Ganzen wird jeder akzeptiert wie er ist.

„Ein großes ‚In‘ ist hier das Makeup“

Ein großes „In“ ist hier das Makeup. Es wird sich nicht nur weitgefächert darüber unterhalten, sondern auch ausgeübt. Es ist nahezu eine Schwäche, welche die Mädchen hier haben. Designersachen gehören auch dazu. Was allerdings als „Out“ angesehen wird, ist Unfreundlichkeit. Es ist wirklich ein großes Tabu. Gerade in der Schule halten wir zum Beispiel Türen für andere auf oder schenken den Leuten, denen wir begegnen, ein Lächeln.

 

Das ist etwas, was ich von Deutschland nicht so kenne. Dies war auch einer meiner ersten Eindrücke: die Freundlichkeit und Offenheit. Ich musste mich eigentlich nicht wirklich anpassen. Ich bin schon immer eine höfliche und freundliche Person gewesen. Auch den englischen Humor hatte ich schon in mir. Ehrlich gesagt kann ich hier noch mehr ich sein. Ich meine das war ich schon immer, aber hier bin ICH 1000 prozentig ICH. Dadurch hat sich mein Verhalten auch etwas geändert. Ich war schon immer ein lebensfroher, lustiger, verrückter, aber auch ruhiger Mensch. Nichtsdestotrotz hatte ich das Gefühl mich immer etwas zurück stellen zu müssen. Während ich hier nicht mal daran denke. England hat mich auch selbstbewusster und mir noch mehr Liebe ins Herz gebracht. Es hat mich zu einem etwas besseren Menschen gemacht.

Umstellungen

Natürlich musste ich mich auch an einige Sachen anpassen und umstellen. Das erste war natürlich die Sprache. Am Anfang war das sehr ungewohnt. Nicht nur die Tatsache, dass ich nicht als gleich verstanden habe. Aber Englisch sprechen zu können, war schon immer ein Traum vom mir. Wie wunderbar das jeder, eingeschlossen mir, in meiner Lieblingssprache kommuniziert. Mittlerweile ist das natürlich zur Gewohnheit für mich geworden. Umso überraschender ist es, wenn ich manchmal jemand in Folkestone begegne der Deutsch spricht.

 

Auch an die Essgewohnheiten musste ich mich anpassen. Das Essen unterscheidet sich nicht so groß von unserem deutschen, allerdings sind die Portionen umfangreicher. Außerdem wird am Abend immer gekocht, also Abendbrot fällt nie kalt aus. Das Schulsystem in England ist ebenfalls sehr gewöhnungsbedürftig. Ich besuche die sogenannte „Six Form“, welche sich in „Year 12“ und „Year 13“ aufteilt. Das Besondere in dieser Jahrgangsstufe ist die selbständige Arbeit. Natürlich gibt es immer noch einen Lehrer, allerdings gibt er einem eine bestimmte Aufgabe, welche immer eine „Deadline“ hat. Ich bin sehr glücklich mit dieser Selbständigkeit. Es macht mir Spaß meine Arbeit so zu machen, wie ich es mir vorstelle. Ich glaube allerdings, dass es für einige schwer ist. Nicht jeder würde mit dieser Umstellung zurechtkommen. Der Lehrer hilft natürlich noch, aber es erfolgt kein 1 zu 1 Unterricht mehr. Für mich allerdings ist es perfekt. Ich genieße das Schulleben.

Die schönsten Erlebnisse

In der Schule habe ich auch einige meiner schönsten Erlebnisse erlebt. Dazu gehört die Halloween Party, unser Form Essen, das Weihnachtsessen, Schulausflüge und die lustigen Spiele, die ich schon mit meiner Klasse veranstaltet habe. Allerdings habe ich die besten Erlebnisse immer mit meiner Gastfamilie. Die unzähligen Ausflüge zum Beispiel nach Dungeness oder Hastings sind immer ein tolles Erlebnis. Wir drei haben immer so viel Spaß. Auch wenn wir nur Zuhause sind, ist das einfach immer herrlich. Natürlich ist nicht immer alles toll. Mein erster Schultag zum Beispiel. Ein sehr negatives Erlebnis war, „die Neue“ zu sein. Man wurde von allen angeschaut und dennoch nicht wirklich beachtet. Das wurde aber natürlich alles besser und war das einzige negative Erlebnis, welches ich hatte.

Mein Rat an zukünftige AFSer

Meine Tipps für die zukünftigen AFSer? Lasst euch definitiv nicht unterkriegen. Der Anfang ist immer etwas schwer. Es braucht etwas Zeit, aber es wird auf jeden Fall EUER Jahr. Lasst euch auch auf Veränderungen ein und hängt euch nicht zu sehr an alte Gewohnheiten.