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Es gab so viele schöne Momente

Marius, Guatemala, 2006/07,

Es gab so viele schöne Momente

Nun möchte ich endlich, fast 8 Wochen nach meiner Rückkehr aus Guatemala, einen Bericht über mein Austauschjahr schreiben.

Im Juli 2006 begab ich mich mit AFS in dieses ferne Land, um das Abenteuer zu wagen, in einer anderen Kultur, mit einer fremden Sprache und völlig unbekannten Menschen zurecht zu kommen. Ich muss allerdings gestehen, dass ich ein ziemlich fauler Typ bin und vor meiner Abreise kaum etwas unternahm um Spanisch zu lernen. So umfasste mein Wortschatz bei meiner Ankunft ca. 15 verschiedene Vokabeln.

Spanisch lernen in der Gastfamilie

Dabei blieb es aber nicht lange. Meine Gastfamilie, Mama, Papa und vier Geschwister, wirbelten den ganzen Tag um mich herum, sodass mir gar nichts anderes übrig blieb, als diese temperamentvolle Sprache zu lernen. Kommunikation war unumgänglich in dieser Großfamilie ohne eigenes Zimmer und umgeben von sechs ständig quasselnden Personen. Heute fehlen mir genau diese chaotischen, lauten und unberechenbaren Menschen, die mir vor einem Jahr noch den letzten Nerv raubten sooo sehr.

Meine Ankunft in Guatemala

Aber nun noch einmal von Anfang an! Beim Start am Frankfurter Flughafen war ich einer von 14 deutschen Austauschschülern. In Guatemala angekommen, wurden wir erst einmal im Arrival - Camp miteinander bekannt gemacht und wagten gemeinsam mit unseren Betreuern erste Schritte in der neuen Welt dieses fernen Landes. Nach drei Tagen brachen wir endlich in Kleingruppen dahin auf, wo wir für fast ein Jahr eine neue Heimat finden sollten, zu Familien, die fremde Jugendliche bei sich aufnehmen wollten. Das war schon echt aufregend... Im microbus (einem Kleinbus) ging es nach San Antonio Suchitepequez. Dort erwartete mich meine etwas füllige neue Familie, die mich vom ersten Tag an mit Liebe überflutete. Gerade angekommen wurde ich sofort an den reichlich gedeckten Esstisch gezogen. Der völlig "abgemagerte" gringo (Nord-Amerikaner/Ausländer) sollte erst einmal aufgepäppelt werden!!!

Es gab Fisch, den Mama vor lauter Aufregung wegen meiner Ankunft versehentlich gründlich versalzte. In den ersten Monaten - fast bis zur Rückreise - wurde mein Magen - Darm - Trakt durch die guatemaltekische Küche einer harten Probe unterzogen. Zu allem Überfluss hörte, mein, mit mir im selben Zimmer wohnender Bruder, die ganze Nacht hindurch ohrenbetäubend lauten, kreischenden, Rauschstörungen unterworfenen Regeton (eine Musikrichtung) aus dem Radio. So war an Schlaf kaum zu denken.

Meine anfänglichen Sprachversuche gipfelten oftmals in missverständlichen Bemerkungen wie z.B. "Mama, ich möchte morgen keine Frijoles (Brei aus Schwarzen Bohnen) und keine Cojones (was Hoden heißt, anstatt Eier, die ich eigentlich meinte - und die huevos heißen). Von solchen sprachlichen Misserfolgen gebeutelt, spürte ich ein starkes Verlangen nach ZUHAUSE!

Reise durch das Land

Doch bald wurde mir klar, wie offen und geduldig alle versuchten, mich zu Hause und in der Schule zu integrieren. Um mich meinerseits besser auf meine neue Heimat einstellen zu können, schränkte ich den Kontakt zu meinen Freunden in Deutschland stark ein. Ich merkte bald, dass diese Maßnahme einen äußerst positiven Einfluss auf mich hatte und ich begann endlich, mich so richtig einzuleben. Bis Weihnachten konnte ich mich dann auch endlich relativ gut verständlich machen und einfachen und langsam geführten Konversationen folgen. Kurz vor Weihnachten luden mich meine Gasteltern zu einer Reise durch Guatemala ein. Im Pickup der Familie, der eigentlich 2 Sitzplätzen hat, drängten sich: meine Eltern, meine drei Schwestern, mein Bruder und ich täglich für 2 - 6 Stunden. Der Besuch der Touristenattraktionen mit meiner Gastfamilie ist eine meiner schönsten Erinnerungen an das Austauschjahr.

Meer und Strand in Gutemala

Dabei gab es so viele wunderschöne Momente...

Ich werde in letzter Zeit oft gefragt, ob ich noch einmal einfach so weggehen würde für ein Jahr ins Ungewisse. Und ich sage es allen, dass ich nichts lieber täte, als noch einmal ein Jahr in Guatemala zu verbringen. Die Erfahrungen, die ich dort machen durfte, gehören zu den schönsten in meinem bisherigen Leben. Ich denke, dass ich durch das Austauschjahr erwachsener und reifer geworden bin und nun vieles aus einer neuen Perspektive sehe.

Ich kann jedem, der die Möglichkeit besitzt nur dazu raten, ein Austauschjahr zu machen.

Ich danke allen, die mich unterstützt haben, dass ich meinen Traum verwirklichen konnte. Ohne die Unterstützung meiner Familie und der I. und R. Kaselowski Stiftung hätte ich das niemals geschafft.