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Man darf sich nicht die Haare färben...

Maria, Hongkong, 2008/09,

Man darf sich nicht die Haare färben...

你好 Neih hou!

Am 21. August 2008 sollte es losgehen – die Reise nach Hong Kong, das Land, in dem ich mein Austauschjahr verbringe. Am 22.08.2008 starteten wir früh die Fahrt zum Flughafen Frankfurt am Main und um 15:30 Uhr ging dann unser Flug in die neue Welt. 8.30 Uhr Ortszeit kamen wir sehr übermüdet an. Selbst als wir schon unser Gepäck hatten und in der großen Flughafenhalle standen, konnte ich es noch nicht richtig glauben, hier für die nächsten zehn Monate zu bleiben. Gegen 17:00 Uhr wurde ich dann von meiner Gastfamilie abgeholt - von meinen drei Gastschwestern (19, 14, 8) und meiner Gastmama.

Meine Ankunft

Ich wurde mit dem Auto abgeholt, was schon etwas Besonderes war, weil ein Auto, wie auch ein Haus, in Hong Kong schon zum Luxus gehört. Ich wohne zusammen mit meinen Gastschwestern, meiner Mum, einem Hausmädchen und dem Mops Bobo in einem Haus. Mein Gastvater arbeitet die Woche über in China und kommt nur zum Wochenende nach Hause. Inzwischen habe ich auch mein eigenes Zimmer, weil die älteren Gast-schwestern nach England gegangen sind. Ich wurde sehr freundlich und herzlich aufgenommen und mag meine Familie. Auch dort, wo wir wohnen, gefällt es mir sehr: Es ist etwas abseits gelegen mit ein wenig Wald, die Luft ist hier im Vergleich zum Zentrum sehr angenehm und es ist ruhig. Zu meiner Schule habe ich es auch nicht weit, nur 15 Minuten Fußweg. Hinter meiner Schule gibt es auch einen Berg mit einem See, wo man wandern gehen und frei lebende Affen sehen kann. Es ist dort sehr schön.

Während der letzten Sommerferienwoche bekamen alle Austauschschüler Kantonesischunterricht und AFS Hong Kong hat uns über einige Regeln und andere Dinge aufgeklärt. Nachmittags wurde meistens noch etwas unternommen. Die erste Woche war sehr schön und stressig zugleich, da noch viel erledigt werden musste – Schulbesuch, Bewerbung für den Ausweis (Hong Kong ID-Card) und für ein lokales Konto. Und nun bin ich schon fast fünf Monate in Hong Kong und habe gemerkt, dass es sehr viele Unterschiede zu Deutschland gibt. Ich glaube nicht, dass ich schon Gemeinsamkeiten entdeckt habe, aber das wäre ja dann auch etwas langweilig, oder?

Warmes Klima

Das Wetter ist viel zu heiß, bis Oktober waren es täglich bis zu 32 Grad. Zum Glück gibt es hier aber überall Klimaanlagen! Im Oktober sanken die Temperaturen auf 24 – 28 Grad. Die Winter sind minimal 10 Grad kalt, es gab aber auch ein Wochenende, an dem es 23 Grad waren, im Dezember! Dadurch dass die Haushalte keine Heizung haben, war es da schon ziemlich kalt.

Meine Schule ist im Vergleich zu meiner deutschen sehr groß. Sie hat sechs Etagen und eine große Aula mit Bühne. Dort werden Tests und Examen geschrieben und es findet die Morning Assembly statt. Am ersten Schultag (01.09.2008) war sie gefüllt mit Schülern, der Direktor hat eine Rede gehalten, neue Schüler wurden willkommen geheißen, neue Lehrer wurden vorgestellt und so auch ich. Ich musste aufstehen und winken. Mir wurde auch schon gesagt, dass ich in einer Morning Assembly eine Rede halten müsse, ich weiß nur noch nicht wann.

Strenge Regeln in der Schule

Der Schulhof ist sehr klein. Er besteht aus einem winzigen Sportfeld, was an den teuren Grundstücken liegt. Die Geräte stehen nicht in der Halle, sondern auf dem so genannten “covered playground”. Was es in Deutschland auch nicht gibt, ist ein schuleigener Wachmann und ein großes Tor, welches eine Stunde nach Schulbeginn abgeschlossen wird. Dann gibt es “Prefects”, Schüler, die dafür zuständig sind zu kontrollieren, ob jeder seine Schuluniform richtig trägt und sonst keine Schulregeln verletzt. Die Haare bei den Jungen müssen kurz sein und sie müssen ihr Hemd in die Hose stecken. Die Mädchen dürfen nur weiße Unterwäsche tragen, da die Sommerschuluniform ein weißes Kleid ist, das mindestens bis zu den Knien gehen muss, sie müssen die Haare zusammenbinden und der Zopfhalter sowie die Haarspangen dürfen nur schwarz sein. Man darf sich die Haare nicht färben oder lockig machen und Schmuck ist außer kleinen, silbernen Ohrringe für die Mädchen verboten. Man darf kein Kaugummi kauen, in den Klassenräumen und Korridoren nicht essen, Handy muss aus sein, die Fingernägel müssen sauber sein und Beziehungen unter den Schülern sind auch verboten. Es gibt zwar Pärchen, aber in Schuluniform darf man sich nicht küssen oder Händchen halten.

Die Schulen werden unterteilt in das so genannte Band 1, Band 2 und in Band 3. Band 1 ist das höchste Schulniveau, hier findet der ganze Unterricht auf Englisch statt, in Band 2 auf Englisch und Kantonesisch und in Band 3 nur auf Kantonesisch. Hier sind die Schulregeln nicht so streng, viele Schüler rauchen, die Mädchen sind geschminkt, tragen kurze Röcke und ihre Haare offen, die dann meist auch gefärbt sind. Der Unterricht ist okay. Ich habe einen 10-Tage-Stundenplan, was bedeutet, dass ich von Montag bis Freitag der ersten Woche den Unterricht von Day 1-5 habe und von Montag bis Freitag der folgenden Woche von Day 6-10. Die Klassen wiederum sind in Forms eingeteilt. Form 1 entspricht in Deutschland der 7. Klasse, Form 7, mit der die Schule endet, der deutschen 13. Klasse.

Die Schüler hier sind fleißig

Sich am Wochenende mit Klassenkameraden zu treffen, gestaltet sich als schwierig, da alle immer sehr fleißig am Lernen sind. Einmal bin ich mit einem Mädchen aus meiner Klasse zu einem lokalen Metalkonzert gegangen, doch am folgenden Tag fing sie gleich wieder mit dem Lernen an. Es gibt hier sehr viele Shoppingmöglichkeiten, man kann aber auch zum Bowling, zum Schlittschuhlaufen oder in Swimming Pools gehen, in Cafés, in denen Katzen herumlaufen oder in Vergnügungsparks. Viele Jugendliche gehen auch sehr gerne zum Karaoke oder in kleine Shops, um Fotos zu machen. Das Essen hier ist sehr gut! Ich habe schon Oktopus, Qualle und Haifischflossensuppe gegessen. So lecker! Empfehlen kann ich das traditionelle Dim Sum!

Dann hatte ich meinen 18. Geburtstag in Hong Kong! Ich befand mich zu dem Zeitpunkt eher in einem Stimmungstief, weil ich mir nicht vorstellen konnte, wie die ganzen kommenden Feiertage ablaufen würden. Der Tag fing ganz normal mit einer Morning Assembly an. Als ich dann in den Klassenraum kam und später auf meinem Platz saß, sang meine Klasse laut “Happy Birthday”. Ich habe mich riesig gefreut und drei Mitschülerinnen haben mir eine winkende Glückskatze geschenkt! Abends saß ich nett mit einigen Austauschschülern in einer Bar zusammen.

An Weihnachten ist hier eine Party

Weihnachten ist hier eher eine Party. Am Abend des 24.12. war ich mit dem Hausmädchen Glenda und meiner Mum Sushi essen. Am 25.12. gab es eine Christmas Party bei uns zuhause, es wurden Freunde eingeladen und gegrillt. Am 26.12. war nichts. Es gibt hier auch keine Weihnachtsmärkte, Plätzchen und Adventskalender.

An Silvester bin ich nach Tsim Sha Tsui zum Victoria Harbour gefahren, um das Feuerwerk zu sehen. In Hong Kong ist es nämlich nicht erlaubt, privat zu knallen. Nun liegt noch Chinese New Year vor mir und ich bin gespannt, wie das hier gefeiert wird. Meine Gastfamilie fährt mit mir dafür nach China, da freue ich mich schon drauf!