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Selbst die schwerste Sprache kann man lernen

Pauline, Ungarn, 2011,

Selbst die schwerste Sprache kann man lernen

Es war schon merkwürdig, als ich am 19. August 2011 meine Familie am Flughafen verabschiedet habe und plötzlich ganz alleine in den Flieger stieg, mit niemandem bei mir. Doch schon nach ein paar Minuten war ich einfach nur noch aufgeregt auf das, was vor mir lag. Ich hatte mich lange auf dieses Ereignis gefreut und nun war es dann doch noch wahr geworden - für 3 Monate nach Ungarn! Doch auf eine gewisse Weise kam es mir alles so unwirklich vor, als ich, noch am selben Tag, mit hundert anderen Jugendlichen in einem Camp war, die alle ihren Austausch in Ungarn verbringen würden. Am Morgen war ich noch bei meiner Familie gewesen und noch am selben Tag kamen so viele neue Dinge und Eindrücke auf mich zu. Es war unglaublich, aber wahnsinnig toll!

Vorbereitungscamp

Zuerst habe ich 2 ½ Tage in dem Vorbereitungscamp irgendwo außerhalb der Hauptstadt verbracht, bevor ich meine Gastfamilie getroffen habe. Natürlich war ich aufgeregt, endlich meine Gastfamilie kennen zu lernen, doch dieses Camp am Anfang hat den gesamten Austausch für mich in ein anderes Licht gesetzt. Dadurch hatte ich schon Kontakte zu anderen Austauschschülern, was sehr gut war, denn diese sind es, die einen am besten verstehen, da sie die Lage, in der man sich befindet, am einfachsten nach vollziehen können. Meine Gastfamilie war sehr freundlich und nett, ich hatte Glück. Doch der Unterschied war schon deutlich: nicht nur ein anderes Land, sondern auch ein ganz anderes Familienleben, denn dies kann ja von Familie zu Familie variieren.

Meine neue Gastfamilie

Meine Gastfamilie bestand aus meinen Gasteltern, meinem jüngeren Gastbruder(13) und meiner älteren Gastschwester(17). Mit beiden habe ich mich gut verstanden, doch es gab auch viele Dinge, die ich alleine gemacht habe. Dies lag daran, dass mein Gastbruder sehr viel lernen muss und meine Gastschwester sich oftmals an den Nachmittagen nach der Schule in ihr Zimmer verzogen hat. So habe ich mir einen Sportverein gesucht, mich mit Freunden getroffen und meine Nachmittage gefüllt, da ich zu Hause nicht viel zu tun hatte. Doch trotzdem habe ich genug Zeit gefunden, meiner Gastmutter z.B. beim Kochen zu helfen. Es ist sehr interessant, auf diese Weise eine andere Küche kennen zu lernen. Meine Gastmutter hat mir gezeigt, was sie für ihr Essen verwendet, was typisch für Ungarn ist, oder was das Lieblingsessen der einzelnen Familienmitglieder ist.

Die ersten Wochen

Die ersten beiden Wochen, die ich in Ungarn verbracht habe, waren Ferien. Einerseits war es gut, weil ich so erst einmal ein bisschen die Sprache erlernen konnte, wobei mir meine Familie sehr viel geholfen hat, und die Familie näher kennen gelernt habe. Doch ich war auch sehr froh, als die Schule anfing, weil ich endlich Jugendliche in meinem Alter kennen gelernt habe, und Freunde finden konnte. Außerdem fing zu dem Zeitpunkt auch mein Leichtathletiktraining an, was für mich persönlich sehr wichtig ist. Ich war froh, dass ich so eine nette Gruppe zum trainieren gefunden habe, doch ich hätte mich vermutlich auch mit einem anderen Sport zufrieden gegeben. Doch so war es einfach super.

Bevor die Schule anfing, habe ich niemanden außer meiner Gastfamilie kennen gelernt, da ich in einem Dorf gewohnt habe und nicht die Möglichkeit hatte. Mit dem Bus brauchte ich eine knappe halbe Stunde in die Stadt, doch das größte Problem war, das der Bus nur jede Stunde fuhr. Das war eine sehr große Umstellung für mich, da ich es gewohnt bin, außer Haus zu gehen und es wird schon eine Straßenbahn fahren - bei mir in Deutschland fahren die alle 5 Minuten. Doch auch damit bin ich klar gekommen, nachdem ich mich erst einmal daran gewöhnt hatte. Ich denke auf dem Dorf zu leben, war gar nicht mal so schlecht, weil ich so wirklich auch einfach ein komplett anderes Familienleben erfahren habe. Und die andere Kultur habe ich dadurch auch in einem anderen Licht kennen gelernt.

Herbstferien

Als es dann endlich Herbstferien waren, hatte ich schon Freunde gefunden, mit denen ich etwas hätte machen können, doch diese eine Woche hat grade mal dafür gereicht in eine andere Stadt zu reisen und etwas mit den Austauschschülern von dort zu unternehmen unter denen auch ein deutsches Mädchen war. Das ist das tolle am Austauschschülersein. Man lernt nicht nur das andere Land und Menschen von dort kennen, nein, man lernt Leute von überall aus der Welt kennen, die Ähnliches wie man selbst erleben. Meine Herbstferien haben nur eine Woche gedauert, doch ich war froh dass ich überhaupt welche hatte.

Und nach den Ferien hatte ich nur noch 3 Wochen in Ungarn übrig. Es ist erstaunlich wie schnell die Zeit vergeht, fast ohne dass man es mitbekommt. Doch ich habe jeden einzelnen Tag gezählt, ich habe jeden Tag einen Strich in meinem Kalender gemacht und dann entschieden, ob ich froh oder traurig darüber bin, dass schon wieder ein Tag vorbei ist. Meistens war ich traurig, weil ich nicht wollte, dass es schon vorbei sein würde, doch es gab durchaus auch die Momente, wo ich mich gefreut habe, bald wieder in meiner eigenen Familie zu sein. Richtiges Heimweh hatte ich nicht, doch natürlich vermisst man seine Familie.

Ich habe viel über mein Leben in Deutschland nachgedacht, ich habe sehr viel Zeit mit Warten in den verschiedensten Umgebungen zugebracht, doch es war eigentlich nie so, das ich mich verlassen gefühlt habe. Ich hatte immer jemand mit dem ich reden konnte: Meine Gastfamilie, meine ungarischen Freunde, mein Volunteer, aber am meisten doch die anderen Austauschschüler. Ich denke es ist sehr gut, wenn man weiß, dass man nicht alleine mit seiner Situation dasteht.

Ungarisch: Eine der schwersten Sprachen Europas

Und mit dieser Situation meine ich nicht nur, dass Austauschschülersein an sich. Ich meine auch, dass wir die Sprache alle nicht konnten. Wir hatten unsere persönlichen Schwierigkeiten damit, doch es war gut zu hören, dass anderen auch immer wieder in Missverständnisse aufgrund der Sprache gerieten. Ungarisch zählt zu den schwersten Sprachen Europas, doch wenn alle um einen herum diese Sprache, die man selbst nich spricht, sprechen, dann will man auch schnell lernen, was das Lernen vereinfacht. Am Anfang hat meine Gastfamilie mir sehr dabei geholfen, indem sie mir immer wieder einzelne Worte oder Floskeln eingeprägt haben. Ich hatte sogar ein Vokabelbuch in der Küche liegen in das ich, zusammen mit meiner Gastmutter, immer wieder neue Worte eingetragen habe.

Doch auch meine Freunde in der Schule haben mir viel geholfen, auf ähnliche Weise, doch trotzdem ganz anders, da es ein großer Unterschied ist, ob ein Erwachsener oder ein Gleichaltriger dir hilft die Sprache nahezubringen. Meine Grammatik- und Literaturlehrerin hat mir auch sehr viel geholfen. Sie hat mir jede Stunde Vokabelblätter mitgebracht, oder Grammatikinformationen. Und sie hat einen meiner MitschülerInnen mit mir rausgeschickt, damit ich die, doch sehr verschiedene, Aussprache lerne.

Fortschritte

Zu alle dem fing nach 1,5 Monaten dann auch die Sprachschule an, sodass ich jetzt Unterhaltung in gewissem Maße verstehen kann, wenn die Sätze keinen allzu komplizierten Satzbau oder schwierige Vokabeln enthalten. Außerdem kann ich Smalltalk, Dinge bestellen und habe mich am Ende nicht mehr unhöflich gefühlt, wenn ich einen Laden verlassen habe. Auch mit meiner Gastfamilie habe ich zum Ende hin hauptsächlich ungarisch geredet, auch wenn sie die wirklich wichtigen Dinge in ihrem merkwürdigen, österreichischen Deutsch wiederholt haben, damit ich es auch sicher verstehe, und ich denke, dass das sinnvoll war!

Also wenn man eine Sprache wirklich erlernen WILL und sich darauf einlässt, dann kann man das auch und wenn sie noch so schwer ist. Natürlich ich kann die Sprache nichteinmal annähernd gut, doch ich hatte am Ende das gute Gefühl, dass ich was gelernt habe, was die Sprache angeht, aber auch sonst.

Kein leichter Abschied

An meinem letzten Wochenende in Ungarn habe ich mich noch einmal mit zwei Mädchen, auch aus Deutschland, getroffen. Und der Abschied viel definitiv nicht leicht. Ich wusste, dass ich so schnell nicht wieder sehen würde, doch sie wohnen auch in Deutschland und wenn sie aus Ungarn zurück sind, können wir uns treffen. Da viel der Abschied zu den Austauschschülern aus z.B. Asien viel schwerer. Ich wusste und weiß immer noch nicht ob ich sie jemals wieder sehen werde. Doch Abschied zu nehmen ist in keinem Falle einfach. Die letzte Woche war schwer für mich, weil ich zu alle dem noch ein bisschen krank war. Ich musste mich von allem verabschieden und das ist nicht einfach. Doch dann saß ich plötzlich schon im Zug nach Budapest. Ich habe Abschiedsgeschenke bekommen und verteilt, aber das es wirklich vorbei ist, wurde mir erst so richtig klar, als ich dann im Flugzeug nach Brüssel saß, zu meinem End-of-Stay-Camp und selbst da konnte ich es kaum fassen.

End of Stay-Camp

Dieses Camp war toll, doch es war komisch, denn wir waren alle aufgeregt und haben uns gefreut unsere echten Familien wieder zu sehen, doch gleichzeitig konnten wir es auch nicht glauben, dass unser Austausch nun wirklich vorbei sein sollte. Ich persönlich fand das Camp gut, weil ich so nicht am Morgen noch bei meiner Gastfamilie gewesen bin und am Abend schon wieder in Deutschland, so hatte ich noch etwas dazwischen. Und außerdem habe ich das Mädchen kennen gelernt, was in der Zeit bei mir in meiner Familie in Deutschland gelebt hat. Alle haben mir immer über sie erzählt, aber ich kannte sie nicht und so war es gut, dass auch ich sie treffen konnte. Und sie war echt so nett, wie alle gesagt haben. Doch als ich dann wieder in Deutschland war, habe ich mich sehr gefreut meine Familie und meine Freunde wieder zu sehen. Trotzdem vermisse ich Ungarn und mein Leben dort. Für mich steht es fest, dass ich wieder dorthin fahren werde, am besten noch im nächsten Jahr, weil ich dann die Austauschschüler auch noch einmal treffen kann.

Ich kann einen Austausch wirklich nur weiterempfehlen, weil es ein unglaubliches Ereignis ist für das gesamte Leben. Ich denke das ein Jahr Austausch sehr schön sein kann, doch ich bin froh, dass es dieses 3-Monats Programm gibt, da es sonst für mich vermutlich keine Möglichkeit gegeben hätte, einen Austausch zu machen.

Ich danke AFS, dass es mir die Möglichkeit für ein so wunderbares Erlebnis gegeben hat, ich danke meiner Gastfamilie, dass sie mich während dieser Zeit so freundlich aufgenommen haben und ich danke meinen Eltern, denn ohne sie, wäre dass alles nicht möglich gewesen! Und ich danke meinen Freunden, den Freiwilligen von AFS und allen Menschen die ich in dieser Zeit kennen gelernt haben, dass sie mich unterstützt haben und diese Erlebnis einmalig gemacht haben!