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Ich hätte keine bessere Familie finden können

Ana, Portugal, 2011/12,

Ich hätte keine bessere Familie finden können

AFS-Gastschülerin Ana aus Portugal mit ihrer Gastfamilie beim Billiard Spielen

Mein Name ist Ana und ich komme aus Portugal. Ich bin im September nach Deutschland gekommen und meine Familie hat mich vom Flughafen abgeholt. Ich hatte schon Fotos von ihnen gesehen und deshalb habe ich sie einfach erkannt. Sie hatten aber trotzdem ein Blatt Papier mit meinem Namen und den Worten „Herzlich willkommen“ und das fand ich ganz nett und süß. Mein erster Eindruck von ihnen war einfach, dass sie viel größer waren, als ich erwartet hatte! Aber ich habe mich natürlich ganz schnell daran gewöhnt.

Die ersten Monate

Die erste Zeit in Deutschland war sehr schön, neu und interessant, aber auch schwierig. Ich habe viele Aktivitäten mit meiner Familie gemacht (Wandern, Radtouren, Kletterwald, Basketballspielen beobachten und vieles andere mehr) und das hat immer viel Spaß gemacht. Ich habe immer gedacht, dass ich keine bessere Familie hätte finden können – und am Anfang war das sehr wichtig. Sie haben mich sehr ehrlich in der Familie aufgenommen und ich habe mich gefühlt, als ob ich dazu gehöre. Ich weiß, dass ich kein „einfaches“ Mädchen bin: ich bin ziemlich scheu und brauche ein bisschen Zeit, um mich zu öffnen und um mich zuhause zu fühlen. Aus diesem Grund haben wir natürlich auch einige Missverständnis gehabt, aber dann haben wir gesprochen und jetzt verstehen wir einander. Wie ich schon gesagt habe, war in den ersten Monaten nicht alles schön. Hauptsächlich wegen der Sprache, weil ich noch kein Deutsch sprechen konnte, als ich in Deutschland angekommen bin. In der Schule konnte ich den Unterricht gar nicht verstehen und es war auch ganz schwierig Freunde zu finden. Meine Gastschwester war hier eine ganz gute Freundin: sie hat mir immer in der Schule geholfen, hat mich ihren Freunden vorgestellt, war total nett und unterstützend.

Freunde finden

Ana aus Portual besucht einen AFS-Camp in Deutschland

Ein anderer Ort, wo ich Freunde in den ersten Monaten gefunden habe, war im deutschen Sprachkurs. Der Kurs selbst hat immer ganz viel Spaß gemacht und da habe ich auch zwei Mädchen kennengelernt, mit denen ich mich befreundet habe. Wir haben auch viele Dinge zusammen gemacht (Frankfurt besichtigt, clubbing, Radtouren, ins Schwimmbad gehen und so weiter). Es fühlte sich super an, jemanden zu haben, die mich verstehen konnten. Wir sind alle Ausländer in Deutschland und haben miteinander ein bisschen Trost gefunden und auch Spaß gehabt. Eine ähnliche „Funktion“ hat auch AFS gespielt, insbesondere ganz am Anfang mit dem „Late Orientation Camp“. Da habe ich sehr gute Freunde gefunden und wir machen oft in Frankfurt etwas zusammen. Ich habe mehr ausländische Freunde als deutsche Freunde. Ich versuche immer an den AFS-Aktivitäten teilzunehmen, weil sie so viel Spaß machen. Außer den Camps haben wir schon Filme geguckt, Stammtische gemacht, sind wandern gegangen. Ich bin auch schon in Prag und Dresden mit AFS gewesen. Beide Reisen waren super! Ich fand es auch schön, dass meine Gastschwester mit mir nach Dresden gefahren ist.

Reisen mit meiner Gastfamilie

Mit meiner Familie habe ich auch schon einige Reisen gemacht. Ich und meine Schwester haben zum Beispiel Gelnhausen besichtigt und die ganze Familie ist nach Freiburg gefahren. Da wohnen die Großeltern und sie haben wir besucht. Ich war ganz nervös am Anfang, aber es ging sehr gut und ich freue mich jedes Mal, wenn wir da hinfahren. Den Rest der Familie kennenzulernen hat das Gefühl gestärkt, dass ich dazu gehöre, insbesondere weil alle so nett sind und sich immer bemühen, dass ich mich wohl fühle. Ich liebe es immer, etwas mit meiner Familie zu machen.

Die deutsche Schule

In der Schule habe ich immoment viel mehr Spaß als zuvor. Ich kann jetzt fast alles im Unterricht verstehen und habe schon Freunde. Ich gehe gern in die Schule (besonders wenn ich nicht so früh aufstehen muss!). Was ich ganz anders in der deutschen Schule finde, ist die Häufigkeit, mit der die Schüler keine Schule haben! Die Lehrer gehen oft nicht in die Schule und es gibt keine Vertretung. Es gibt pädagogische Tage oder manchmal fällt der Unterricht wegen des Wetters aus... In Portugal sind die Lehrer fast immer da, und wenn nicht, dann müssten sie vertreten werden. Ich glaube aber, dass durchschnittlich die Schüler hier sich ein bisschen mehr Mühe in der Schule geben als in Portugal.

Mein erster Schnee

Ana mit ihrer Gastfamilie bei einem Spaziergang im Schnee

Eine andere Sache, die etwas anderes in Portugal ist, ist das Wetter! Da ist es wärmer und wir haben keinen Schnee, zumindest nicht in Lissabon, wo ich herkomme. Ich war total begeistert, als ich das erste Mal Schnee hier in Deutschland gesehen habe. Es ging ein Traum in Erfüllung! Ich wollte auch unbedingt extreme Kälte erleben, weil wir in Portugal sehr selten Minustemperaturen haben. Jetzt habe ich es aber schon erlebt!

Insgesamt sind meine Erfahrungen hier in Deutschland so weit recht positiv gewesen. Ich liebe es hier – es ist natürlich nicht immer perfekt und ich bin nicht ständig glücklich, aber ich habe schon so viele schöne Dinge erlebt und solche großartige Menschen kennengelernt! Ich habe auch neue Sachen über mich selbst herausgefunden, habe mich entwickelt, habe meinen Horizont erweitert und vielleicht sogar eine etwas andere Perspektive über das Leben.

Aber die Hauptsache ist, dass ich diese neue Familie und Freunde habe, die ich für immer liebe. Ich glaube, es könnte nicht besser gehen.

Geschrieben von: Ana aus Portugal, 2011/12