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Buntes Indonesien - Ein Land der Vielfältigkeit

Sarina, Indonesien, 2013/14, Schuljahr im Ausland mit dem Entdecker Stipendium von Children for a better World e.V.

Vor ungefähr einem Jahr habe ich meine Reise ins bunte Indonesien begonnen und wusste noch gar nicht worauf ich mich eigentlich eingelassen habe. Ich wusste, um ehrlich zu sein nicht viel über das Land und wollte so schnell wie möglich alles erfahren, was es zu erfahren gab. Nun ja, heute muss ich sagen, dass dies nicht möglich war. Nicht, weil ich keine Chancen dazu hatte, sondern weil das Land einfach sehr groß und vielfältig ist. Ich habe den Begriff “buntes Indonesien” nicht umsonst in meiner Überschrift erwähnt. Mit bunt meine ich nicht nur die wundervollen verschiedenen Farben, die das ganze Land ausstrahlt, sondern auch die Menschen, Sprachen und verschiedensten Kulturen, die dieses Land so besonders machen. In einem Jahr scheint es unmöglich zu sein, all diese wunderbaren Seiten zu entdecken und an allem teilzuhaben. Dennoch habe ich einiges hier in Indonesien entdeckt und kennengelernt.

Mein Austauschjahr verbrachte ich in Medan. Einer Großstadt des nördlichen Teils Indonesiens. In Medan, so sagte man mir das ganze Jahr über, sei es anders als in den meisten Teilen von Indonesien. Man sagte mir, die Leute seien laut und aggressiv, man müsse sich beweisen können und die Sprache wäre auch seltsam dort. Nach einem Jahr in Medan habe ich die Stadt, Menschen und die Kultur kennengelernt und habe bemerkt, dass nicht alle diese Behauptungen wahr sind. Ich muss zugeben, dass es relativ laut hergeht in der Stadt. Auf der Straße, die überfüllt mit Autos, Motorrädern und Angkots (kleinen traditionellen Minibussen) ist, wird viel Lärm gemacht, Leute schreien sich gegenseitig an, weil es auf der Straße einfach nicht vorangeht und Marktschreier wollen ihre Ware verkaufen. Selbst in der Schule wird mit lauter Stimme mit dem Nachbarn geredet. Man schreit sich fast an, wenn man Geschichten erzählt und wenn ich nach einer Zeit mal still war und mir der ganze Lärm zu viel wurde, machte man sich sofort Gedanken, dass irgendetwas nicht in Ordnung sei mit mir. Die Stadt stand niemals still.

Schon nach den ersten Wochen fiel es mir sehr leicht, mich in meiner neuen Umgebung, die schnell mein neues Zuhause wurde, einzugewöhnen. Ich machte mir erste Eindrücke und schnappte schnell einzelne Wörter der fremden Sprache auf. Somit vergingen die ersten zwei Monate ziemlich schnell. Doch da so ein Austauschjahr immerhin immer sehr viel Neues mit sich bringt, macht man sich auch viele Gedanken. Über Familie, Freunde, Schule, einfach alles. Man hat immer irgendwelche Fragen im Kopf, die man beantwortet haben möchte. Meine ersten Gedanken kreisten um die Familie.

Meine Gastfamilie

Ich lebte in Medan mit meiner Mutter (Mammi), meinem Vater (Bapak), Schwester Sari mit Ehemann und Kind und Schwester Icha. Die Familie hatte ein relativ großes Haus ohne Garten oder Grundstück. Das Haus war über zwei Etagen aufgeteilt und es war modern eingerichtet. Es gefiel mir von Anfang an gut und ich fühlte mich sofort wohl in dem Haus. Doch schon nach ein paar Tagen konnte ich die Räumlichkeiten des Hauses auf die ganze Familie beziehen. Das Haus war groß und geräumig. Es gab also viele Rückzugsmöglickeiten. Oft saß jeder für sich alleine im Zimmer und ging seinen eigenen Interessen nach. Meine ältere Gastschwester und mein Gastvater arbeiteten anfänglich noch bis abends und somit war ich mit meiner Gastmutter und meiner anderen Schwester alleine zu Hause. Ich verstand mich mit den beiden sehr gut und schnell wurde unser Verhältnis immer besser. Da ich jedoch nun die Jüngste im Haus war und nicht wie in Deutschland die Älteste, fehlten mir meine kleinen Geschwister sehr. Es war sehr still und ruhig und es gab selten Kinder im Haus.

Meine Schwester Icha, mit der ich ein Zimmer teilte, verbrachte nach drei Monaten ihre Tage an der Universität und kam auch erst gegen Abend zurück und somit war ich anfänglich oft mit Mammi alleine zu Hause. Wir verbrachten nette Stunden mit kochen, reden und vor allem shoppen. Sie liebte es, mich zum Supermarkt mitzunehmen oder auszugehen zum Essen. Ich bekam fast jedes Warung (traditionelle Restaurants in Indonesien) zu sehen und konnte somit die köstlichsten Gerichte Indonesiens probieren. Schnell bemerkte ich, dass meine Familie das Essen genauso liebt wie ich und es wurde zu einer Art gemeinsamen Hobby. Ich und meine Schwester arbeiteten Monat für Monat die leckersten Restaurants der Stadt ab und hatten somit viele unvorstellbar lustige Momente.

Doch auch, wenn ich sehr glücklich war in meiner neuen Familie, habe ich immer noch eine gewisse Distanz verspürt zwischen der Familie. Ich wusste nicht, ob es an mir lag oder ob es normal war für eine indonesische Familie. Ich lernte einfach damit zu leben und genoss die Familienmomente, die es gab. Allerdings lernte ich den Zusammenhalt meiner Familie in Deutschland sehr zu schätzen. Nach circa 6 Monaten ging mein Gastvater in Pension und meine ältere Gastschwester in Mutterschaftsurlaub und somit war zu Hause dann mehr los. Doch eigentlich bemerkte man keinen Unterschied. Immer noch ging jeder seinen eigenen Dingen nach.

Freunde

Da ich nun in der Schule auch schon enge Freunde gefunden hatte, traf ich mich also nach der Schule öfters mit Freunden und wir gingen ins Kino oder saßen einfach am Straßenrand und genossen Kokoswasser in der prallen Mittagssonne. Es war sehr einfach sich mit meinen Freunden zu verabreden, da Indonesier sehr spontan sind. Oftmals war es eine Herausforderung für mich auch so spontan zu sein, denn in Deutschland läuft bei mir alles stets alles nach einem durchstrukturierten Plan ab. Sich an diese Spontanität zu gewöhnen fiel da dann manchmal schon etwas schwer. Und wenn ich mich dann mit meinen Freunden verabredet hatte, musste ich auch noch eine gewaltige Portion Geduld mitbringen, denn in Indonesien wird es nicht so streng mit der Pünktlichkeit genommen.

Man kommt gerne zwei bis drei Stunden zu spät, ohne dass es jemanden stört. Am Anfang das Unmöglichste, was ich mir vorstellen konnte. Doch nach circa drei Monaten war eine Stunde Verspätung das Minimum und kein Grund zur Eile. Dass diese Eigenschaft bei meinen Freunden und meinen Eltern in Deutschland nicht sehr beliebt ist, fand ich übrigens sehr belustigend und bis jetzt habe ich es leider noch nicht geschafft diese Eigenschaft abzulegen. (Ich hoffe das ändert sich wieder, wenn die Schule wieder losgeht, sonst habe ich ein Problem mit meinen Lehrern).

Doch eigentlich ist der Umgang mit Pünktlichkeit etwas, dass die Art der Indonesier reflektiert. Wieso? Weil alles in Indonesien ruhig abläuft. Es gibt keine Hektik und keine Eile. Indonesier kennen keinen Stress und genießen jeden Moment. Außerdem wird hier gelebt, als ob es keine Probleme gäbe. Dass die Autoabgase die Umwelt zerstören oder das nächste Hochwasser, verursacht von Müll im Fluss , die nächsten Häuser überschwemmt, ist kein Problem und man versammelt sich trotzdem und lacht zusammen. Diese Gelassenheit werde ich möglicherweise nirgendwo außer in Indonesien finden.

Es war am Anfang eine ziemliche Herausforderung mit der Gelassenheit umzugehen, doch ich habe es gemeistert und sogar ein wenig davon nach Deutschland mitgenommen. Ich sehe dem ganzen “Stress”, der auf mich zukommt in der Schule, viel lockerer entgegen und hoffe, dass ich dies auch beibehalten kann. Doch ich denke, dass ich diese Lockerheit irgendwie strukturieren werde, denn das habe ich sehr oft in Indonesien vermisst und oft hätte eine gute Struktur einiges vereinfacht in meinem Leben in Medan.

Fazit

Indonesien war das beste Land, das ich wählen konnte für mein Austauschjahr und ich habe jeden Tag dort genossen. Auch wenn es manchmal sehr schwere Zeiten gab, habe ich dieses Jahr gemeistert und bin an den Problemen, die ich in diesem Jahr hatte, gewachsen. Ich habe bemerkt wie sich meine Denkweise in manchem geändert hat und wie anders ich nun Menschen, Kulturen und Religionen sehe. Indonesien hat mir etwas gegeben, was ich in Deutschland nicht gefunden hätte. Einen Einblick in eines der reichsten Länder der Erde. Reich an Kultur, Freundlichkeit, Offenheit, Neugier und Liebe.

Ich kann jedem Jugendlichen nur empfehlen, auch ein solches Jahr zu machen und sich dieser Herausforderung zu stellen. Man wächst über sich hinaus und lernt mit jeder Art von Menschen umzugehen und sich auf alles einzulassen.