Interview mit Mirela Hrnjić: From the „heart-shaped country”
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From the „heart-shaped country”

Interview mit Mirela Hrnjić, Deutschland 2002/03

Als internationaler Gast bereicherte Mirela Hrnjić, Co-Gründerin und langjährige Direktorin von AFS Bosnien und Herzegowina (BiH), im März 2019 die Delegiertenversammlung von AFS in Hamburg. Geboren 1984, erlebte sie als Schulkind den Krieg in Bosnien und Herzegowina. 2002/03 kam sie als Stipendiatin nach Deutschland – finanziert durch Spendengelder von AFS! Dieses Austauschjahr war die Initialzündung für vieles, was danach geschah…
 
Inspiriert durch ihre AFS-Zeit in Steinfurt (Komitee Osnabrück), gründete Mirela mit anderen Alumni im Jahr 2004 AFS Bosnien und Herzegowina. Anschließend leitete sie die Organisation für eine Dekade mit dem Ziel, interkulturelles Lernen und interethnische Kooperationen nach dem Bürgerkrieg in ihrem Heimatland voranzutreiben. AFS existierte im ehemaligen Jugoslawien bis in die 90er Jahre, als das Land und auch die Organisation auseinanderbrachen. Die Initiative zur Rückkehr der AFS-Mission nach BiH kam von der Galatti Award-Preisträgerin Inge Rauschning (USA 1951/52, Komitee Göttingen) - als ihr Beitrag zur Überwindung der tiefen Spaltungen im Land, die sie zwischen 1996 und 2004 beobachtete als ihr Ehemann Dietrich als Richter bei der Menschenrechtskammer für BiH arbeitete. Gemeinsam mit Christian Steiner, ebenfalls AFS-Freiwilliger aus Göttingen, der am Verfassungsgericht von BiH arbeitete, half Inge den ersten sechs Austauschschüler*innen 2002 nach Deutschland zu kommen, darunter auch Mirela.
 
Heute arbeitet Mirela in der Bildungsabteilung der Organisation für Zusammenarbeit und Sicherheit in Europa (OSZE), „Mission to BiH“, mit dem Ziel diskriminierende Strategien und Praktiken in den Schulen in BiH sowie die ethnische Segregation und Misstrauen zu beenden. Sie absolvierte ein Jurastudium an der Universität von Sarajevo, wo sie derzeit auch ihren Master of Laws im Bereich „Recht der Europäischen Union“ abschließt.

Dein Austauschjahr mit AFS liegt nun 17 Jahre zurück. Hast du noch Kontakt zu jemandem aus deinem Austauschjahr?

Ja! Ich bin gerade aus Belgien zurückgekommen, wo ich meine Gastschwester und ihre Familie besucht habe. Obwohl wir uns seit mehr als zehn Jahre nicht gesehen haben, sind wir in Kontakt geblieben und dieses Wochenende fühlte es sich so an, als ob wir überhaupt nicht getrennt gewesen wären! Meine Gasteltern haben uns hier in BiH (Anm.: Bosnien und Herzegowina) 2005 besucht und ich habe es 2015 endlich geschafft, sie in Steinfurt zu besuchen. Einer meiner Gastbrüder lebt mit seiner Familie in Wien und ich nutze jede Gelegenheit, um ihn dort zu besuchen. Tatsächlich baut AFS lebenslange Verbindungen und Freundschaften auf, die weder durch die Distanz noch durch die Zeit auseinanderzubringen sind.

Rückblickend, wie beurteilst du Dein Austauschjahr, inwiefern hat es dich geprägt? Welchen Einfluss, welchen Impact hatte die AFS-Erfahrung auf deinen Lebensweg und deinen beruflichen Werdegang?

Mein Austauschjahr hat meinen Horizonte erweitert und mir die Tür zu einer Welt geöffnet, die mich inspiriert und meine Ideale und Ambitionen geformt hat. Ich bin als 18-Jährige mit der Idee Medizin zu studieren nach Deutschland gekommen, um eines Tages Menschen helfen zu können. Meine Gastfamilie, meine Gastschule und Freundschaften mit Deutschen und anderen Austauschschülern haben mich jedoch ermutigt, nicht nur meine und fremde Kulturen zu entdecken, sondern auch zu lernen wie sie mit der Vergangenheit und anhaltenden Ungerechtigkeiten umgehen. Dies hat mich dazu bewegt, eine juristische Laufbahn einzuschlagen, um Menschen durch den Schutz ihrer Rechte auf lokaler und internationaler Ebene zu helfen.

Glaubst du, dass du heute da wärst, wo du bist, ohne diese Erfahrung?

Mein Austauschjahr und die anschließende Freiwilligenarbeit haben mein Leben geprägt und mich ermutigt immer wieder positive Veränderungen anzustoßen und ein „change-maker“ zu sein. Ich glaube jedoch, dass diese einzigartige interkulturelle Erfahrung nicht nur das Leben der Austauschschülern selber beeinflusst, sondern auch das Leben der betroffenen Nachbarschaften, Schulen, Gemeinden und Gesellschaften mit denen die Schüler, Gastfamilien, Freiwilligen und Alumni während ihres Lebens in Kontakt sind.

Du bist seit deiner Rückkehr aus Deutschland bei AFS engagiert. 2019 wurdest du in das „Board of Directors“ von EFIL, der europäischen Dachorganisation von AFS gewählt. Was motiviert Dich zu Deinem Engagement?

Die außergewöhnliche jahrhundertelange AFS-Geschichte von Freiwilligen, die ihr Leben der Verbindung von Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen widmen und die zu positiven Veränderungen in der Gesellschaft anregen – das alles hat mich immer motiviert, weiterhin ein Teil dessen zu sein. Es ist mir eine Ehre, dieser Mission zusammen mit anderen engagierten Menschen zu folgen, insbesondere da diese mich dazu motivieren, nicht aufzuhören zu lernen und Neues zu entdecken, um über mich selber hinauszuwachsen und dies auch weiterzugeben.

AFS bedankt sich für das Interview. Die Fragen für AFS stellte Stefanie Lohrmann (10/2019).