Yassin Musharbash: Beim AFS habe ich die immense Wucht einer Idee zu spüren gelernt
  • Kontakt
  • Facebook
  • Twitter
  • Youtube
  • Blogger
Jetzt Spenden

Neuzugang im AFS-Kuratorium // Beim AFS habe ich die immense Wucht einer Idee zu spüren gelernt

Yassin Musharbash (Südafrika, 1993/94 und Jordanien, 1999) gehört seit Mai 2019 dem AFS-Kuratorium an. Der deutsch-jordanische Journalist und Schriftsteller lebt mit seiner Frau, ebenfalls AFSerin, und zwei Töchtern in Berlin. Er arbeitete für diverse Medien, u.a. Spiegel Online, taz und seit 2012 für DIE ZEIT.
 
Seinen Schüleraustausch verbrachte Yassin in Durban, Südafrika. 20 Jahre nach seiner Rückkehr aus Südafrika bereiste Yassin das Land für das ZEIT-Magazin noch einmal und berichtete über den Wandel dort.
 
Yassins Engagement für AFS hat er bereits in vielerlei Situationen bewiesen: Ende der Neunziger versteigerte er auf einer Mitarbeiterkonferenz auf höchst unterhaltsame Art und Weise T-Shirts zugunsten des Stipendienfonds. Wir sind mehr als froh, dass er nach vielen Jahren wieder seinen Weg zu AFS gefunden hat und stellen ihn euch vor!

Dein Austauschjahr mit AFS liegt nun 26 Jahre zurück. Hast du noch Kontakt zu jemandem von damals?

Mein Gastvater ist leider verstorben und eine Gastmutter gab es in dem etwas verworrenen Ensemble nicht. Aber einen Gastbruder hatte ich (seinerseits adoptiert) – mit ihm stehe ich heute noch in engem Kontakt. Ich habe das große Glück, dass er in der Tourismusbranche arbeitet und wir uns ein Mal im Jahr in Berlin sehen. Das hat schon eine gewisse Tradition. Es fühlt sich immer noch an wie damals: wie seinen Bruder wiederzutreffen.
 
Auch mit ungefähr einem halben Dutzend Schulfreunden habe ich noch zumindest Facebook-Kontakt. Dass ich vor einigen Jahren für das ZEIT-Magazin noch einmal nach Durban reisen und sie besuchen durfte, hat die Beziehungen wieder aufgefrischt.

Vor 20 Jahren hast du einen Freiwilligendienst in Amman, Jordanien mit AFS gemacht. Du hast das damalige „Community Service Program“ in Jordanien mit aufgebaut. Was hat dich dazu bewegt?

Mein Vater ist Jordanier, deshalb kenne ich das Land gut. Es gab damals innerhalb des AFS die Überlegung, wie man mehr Länder aus dem Nahen Osten in das Programm bekommen könnte. Die Schwierigkeiten in dieser Region liegen ja auf der Hand: Sicherheit zum Beispiel ist oft ein Problem. Das Jordanien-Kurzprogramm war in diesem Sinne eine Probebohrung. Und ich glaube, es war auch ein Erfolg. Einige der Teilnehmer von damals hat es jedenfalls nachhaltig geprägt. Wir hatten uns ein Internat für Waisenkinder am Rande der Hauptstadt als Zentrale ausgesucht, dort gewohnt und mitgearbeitet – und von dort ausgehend verschiedene interessante Orte und Menschen in Jordanien aufgesucht. Leider ließ sich das Programm in dieser Form nicht verstetigen.

Rückblickend, wie beurteilst du deine AFS-Erfahrung, inwiefern hat sie dich geprägt? Welchen Einfluss, welchen Impact hatte sie auf deinen Lebensweg und deinen beruflichen Werdegang?

Ich habe irrsinnig viel gelernt – und zwar nicht nur in Südafrika selbst, sondern auch durch die Vorbereitungszeit beim AFS und die ehrenamtliche Mitarbeit anschließend. Natürlich ist die zentrale Erfahrung immer dieselbe: Überall auf der Welt wird man Menschen finden, die man kennenlernen und lieben lernen wird, wenn man nur offen ist und Zeit mit ihnen verbringt, sich auf sie und ihre Welt einlässt. Und man lernt in einem riesigen Schub Selbstständigkeit. Auch Heimweh ist eine gute Erfahrung. Und die Fähigkeit, eine andere als die eigene Perspektive einnehmen zu können. Das ist ja, worum es bei Völkerverständigung geht: nicht nur seinen Blick haben, sondern den der anderen nachvollziehen können. Beim AFS habe ich die immense Wucht einer Idee zu spüren gelernt. Dieses Verbindende, das die drei magischen Buchstaben zwischen Menschen aus verschiedenen Ländern und Generationen sofort auslösen.

Glaubst du, dass du heute da wärst, wo du bist, ohne diese Erfahrung?

Ich wäre vermutlich trotzdem Journalist geworden. Durch meinen bikulturellen Hintergrund hätte ich trotzdem ein gewisses Gespür für kulturelle Unterschiede und Gemeinsamkeiten. Aber AFS hat alles größer, globaler, internationaler, wichtiger gemacht. Auf eine andere Ebene gehoben. Bestimmt wäre ich etwas weniger weltgewandt ohne mein AFS-Jahr. Ein etwas kleinerer Mensch, sozusagen.

Du bist seit Mai 2019 Teil des AFS-Kuratoriums. Was motiviert dich zu deinem Engagement?

Es ist für mich eine Ehre – aber vor allem eine dankbare Möglichkeit, nach den klassischen Aussetzer-Jahren (Studium, Job, kleine Kinder) wieder ehrenamtlich beim AFS mitmachen zu können. Ich freue mich sehr darüber, wenn ich jetzt etwas von dem Enthusiasmus und dem Zutrauen zurückgeben kann, das mir die damals ältere AFS-Generation mit auf den Weg gegeben hat.

AFS bedankt sich für das Interview. Die Fragen für AFS stellte Stefanie Lohrmann (10/2019).
 
Der genannte Artikel aus dem ZEIT-Magazin ist online einsehbar unter: