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Irgendwann war die Kultur nicht mehr "Deutsch" sondern "Meine"

Mira, Vereinigte Staaten von Amerika, 2009/10,

Irgendwann war die Kultur nicht mehr "Deutsch" sondern "Meine"

[…] Ich kam nach Deutschland ohne Deutsch sprechen zu können. Deshalb war es so schwierig mich anzupassen, vor allem in der Schule. Meine größten Probleme waren einen Sitzplatz zu finden und die Schüler zu verstehen. In der zweiten Hälfte meines Austausches habe ich noch weitere Herausforderungen bewältigen müssen. Am Anfang wollte mir jeder helfen, vielleicht einfach weil ich neu war. In der zweiten Hälfte musste ich mehr für mich sorgen, und lernen unabhängig zu sein. Ich lernte die Kultur genauer kennen. Als der Kulturschock vorbei war in der zweiten Hälfte, hatte ich dann mehr Zeit die Kultur zu beobachten. Ich liebe viele Sachen der deutschen Kultur und Menschen. Zum Beispiel die Deutschen sind sehr loyale Freunde und das habe ich in der erste Hälfte dieses Jahr nicht gemerkt. Die zweite Hälfte war auch schwierig, weil viel mehr von mir erwartet wurde.

Deutschland ist eine Demokratie. Es hat 16 Bundesländer, meines, das Saarland ist fast das Kleinste. Es gibt mehrere Parteien (viel mehr als in den USA), zum beispiel die SPD, die CDU, die Grünen, die FDP, die Linke, und so weiter. Ich habe über das Gesundheitssystem viel gelernt, einfach weil es mich interessiert hat. Ich habe etwas über den Nationalsozialismus gelernt, und auch über die DDR, BRD, und die Geschichte der Wiedervereinigung. Ich kenne die Geschichte von Willy Brandt, und habe etwas über seiner diplomatische Arbeit gelernt. Ich habe sehr viel über den Zweiten Weltkrieg gelernt, und weiter hin über die Rolle der USA in diesem. Ich war auch oft mit meinen Freunden bei politischen Diskussionen. Dafür habe ich mich über das politische System und das Gesundheitssystem informiert. Irgendwie ist es toll, dass ich in Deutschland auch so viel über Amerika gelernt habe. Wenn Leute mich nach meinem Heimatland fragen, finde ich es wichtig als Austauschschüler über mein Land informiert zu sein, damit ich Auskunft geben kann.

Besseres Gesundheitssystem

Ich finde das deutsche Gesundheitssystem, im Vergleich zu dem amerikanischen, viel besser. In Amerika haben die Reichen viele Vorteile, für die armen Menschen wird nicht ausreichend gesorgt für. Die Reichen profitieren von dem System – Geld spielt die Hauptrolle. Das deutsche System ist ein soziales System, indem egal ist ob man nun arm oder reich ist, man bekommt Hilfe wenn man sie braucht.

Ich glaube ich werde ganz viel von Deutschland vermissen. Irgendwann war die Kultur nicht mehr „Deutsch“ sondern „Meine“. Nach den ersten drei Monaten hat mich vieles nicht mehr gestört und wurde alltäglich, zum Beispiel dass die Ampeln Grün-Gelb-Rot-Gelb-Grün verläuft (in den USA ist es Grüne-Gelb-Rote-Grüne), oder das die Deutschen anderes Bettwäsche benutzen, jedes Zimmer hat ein Tür die manchmal auch geschlossen wird, und so weiter. Es war ganz leicht alles zu akzeptieren. Was ich an Deutschland liebe, ist der freundschaftliche Kontakt. Ich finde es in Amerika nicht normal sich einfach mit Freunden zu treffen um sich zu unterhalten oder Kaffee zusammen zu trinken oder dass die Nachbarn während der Woche einfach nur zum Abendessen kommen. Ich werde das ganz viel vermissen. In Amerika muss man einen Grund haben dahin zu gehen, und bleibt nicht langer als es nötig ist.

Deutsche Jugendliche sind politisch interessiert

Ich habe auch gemerkt, dass die deutschen Jugendlichen sehr politisch interessiert sind. Ich bin selbst so, und ich finde es toll. Ich gehe manchmal mit meiner Freunden ein Tasse Kaffe trinken um über Obama, oder Kommunismus, oder irgendein andere weltpolitische Themen zu reden. Ich kann nicht für frühere Generationen reden, aber ich find diese Generation sehr motiviert und sehr positiv für die Zukunft Deutschlands. Der zweite Weltkrieg ist ein Teil ihrer Geschichte und das ist schwierig, aber diese Generation ist bereit wieder mit Deutschland zu gehen.

Für mich war das Schulsystem eine Schwierigkeit. Viele haben gesagt, das kommt daher weil ich eine Amerikanerin bin und die Schule in Amerika viel einfacher ist. Ich bin der Meinung das es viellecht daran legt das die Erwartung die Deutsche Schule viel anders sind. In der deutschen Schule läuft alles viel anders ab. Die Beziehung zwischen den Lehrern und Schülern ist ganz anders als in den USA. Es ist viel mehr formal. In den USA war ich mit vielen meiner Lehrer befreundet. Das gibt’s hier nicht so oft, ich glaube weil es nicht erlaubt ist. In Deutschland habe ich auch gemerkt das du wenn du älter bist viel mehr Verantwortung hat. Zum Beispiel müssen die Schüler Ihren Lehrstoff teilweise selbst erarbeiten und vertiefen z.B. durch die Hausaufgaben und die Vorbereitung für Klassenarbeiten.

Deutsche sind offen und freundlich

Ich werde viel von Deutschland mit zurückbringen. Deutschland hat mir in den letzten Monaten so gut gefallen dass ich davon ein bisschen mit zurückbringen mochte. Ich mag die Offenheit und Freundlichkeit der Deutschen, z.B. die Leute wünschen sich ein guten tag. Ich mag die Deutsche Esskultur, z.B. es wird täglich frisch gekocht, alte Familienrezepte werden weitergegeben, und es wird zusammen gegessen. Mir gefällt das die Deutschen sehr familienorientiert sind. Man trifft sich oft an Feiertagen, isst zusammen, erzählt und pflegt den Kontakt. Auch wohnen die Kinder meistens nahe zu den Eltern, und können sich immer wieder besuchen, und auch helfen. Die Deutsche Kultur ist eine sehr alte Kultur, die ich mich sehr schnell gewöhnen konnte. Ich glaube, manches davon mochte ich mitnehmen in mein Heimatland.

[…] Es war für mich eine sehr intensive Erfahrungszeit, die mich sicherlich auch verändert hat. Es ist auch eine diplomatische Erfahrung, und so habe ich es auch verstanden. Ich habe auch vieles getan mein Land hier durch meine Person zu repräsentieren. Ich bin dankbar dass ich dieses Jahr erfahren durfte.

Mira aus den USA, 2009/10