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Ich freue mich auf jeden neuen Tag

Lars, Irland, Republik, 2016, AFS-Teilstipendium

Ich habe nun schon etwas mehr als die Hälfte meines Auslandsjahres hinter mir und bin noch genauso begeistert, wie zu Beginn. Ich habe mich mittlerweile voll und ganz eingelebt und freue mich auf jeden neuen Tag. Meine Gasteltern sind wirklich sehr liebevolle Menschen, wenn auch ein wenig eigen, was ihre Herzlichkeit aber nicht im Geringsten beeinflusst. Zudem sind sie auch schon etwas älter, und wissen eine ganze Menge über Irland zu erzählen. Die verbale Verständigung mit ihnen war zu Beginn jedoch etwas schwierig, da sie ein sehr schnelles, irisch geprägtes Englisch sprechen. Nun, vier Monate später, spreche ich ebenfalls so schnell und vernuschelt wie sie und die meisten Iren bemerken gar nicht, dass ich kein gebürtiger Bewohner dieser Insel bin und reagieren voller Überraschung, wenn ich ihnen erzähle, dass ich ein Schüler aus Deutschland bin. Ich bin ein sehr offener und kommunikativer Mensch und diese Eigenschaften haben mir bis jetzt sehr geholfen, da gerade Iren sehr gesprächig sind und sich immer freuen neue Menschen kennen zu lernen.

 

Ich habe einen italienischen Gastbruder, und wir verstehen uns wirklich sehr gut. Am Wochenende kochen wir oft zusammen und schauen Filme oder spielen Musik. Für den zweiundsiebzigsten Geburtstag meines Gastvaters haben wir zum Beispiel mitten in der Nacht noch einen Kuchen zusammen gebacken. Wir haben jeder ein eigenes Zimmer, und unsere Gastgeschwister haben alle schon eigene Familien und hosten selber Austauschschüler, leben aber fast alle nebenan, was gemeinsame Transporte und Ausflüge, sowie Kommunikation mit anderen Schülern möglich macht. Wir sind wirklich schon eine große Familie und haben alle ein sehr gutes Verhältnis zueinander. Wie gut die Stimmung untereinander ist, habe ich hier besonders an Weihnachten gespürt. Es wurde mit der ganzen Familie, also knapp über 30 Leuten, gefeiert und es war wirklich ein sehr schönes Erlebnis.

Meine Schule in Irland

Meine Schule in Irland ist das St.Macartains College, eine Jungenschule am äußeren Rande Monaghans. Da ich eine gemischte Schule gewöhnt bin, war dies, sowie die Schuluniform, eine ziemliche Umstellung für mich, ist mittlerweile aber zum normalen Alltag geworden. Die Schule hat in etwa 700 Schüler und ist aus mehreren Gebäuden zusammengesetzt. Vor Beginn meines Abenteuers in Irland habe ich mir ein Video des Colleges auf YouTube angesehen, was schon einmal eine ganze Menge Furcht genommen hat. Jeder an der Schule, sowohl Schüler als auch Lehrer, ist sehr freundlich und aufgeschlossen, wie generell die gesamte irische Bevölkerung. Der Schulleiter bot mir an, aufgrund meiner guten Englischkenntnisse, den Deutschlehrer der Schule im Unterricht zu unterstützen und eine Art ´Team-Teaching-Projekt´ mit ihm zu erstellen. Nun unterrichte ich also einige Stunden pro Woche irische Schüler in der deutschen Sprache, was einfach nur großartig ist, mir hilft meine Englischkenntnisse zu erweitern und zu trainieren, und den Schülern hilft, eine bessere Aussprache zu bekommen und ihr Hörverständnis zu fordern und zu entwickeln. Zusammen mit dem Lehrer habe ich einige neue Aufgaben für den Unterricht entwickelt und zusammen mit einigen weiteren deutschen Austauschschülern den Deutschraum dekoriert.

 

Das Bildungsniveau ist etwas niedriger als in Deutschland, (zumindest auf deutschen Gymnasien, für andere Schulformen kann ich nicht sprechen), was daran liegt, so mein Schulleiter, dass es in Irland nur eine weiterführende Schulform gibt und man deshalb ein einheitliches Bildungslevel für alle Schüler schaffen möchte. Mit meinem Schulleiter führe ich oft gute Gespräche und Diskussionen über die verschiedenen Schulsysteme unserer Länder, sowie schulpolitische Themen und Änderungen am SEM, wie das St.Macartains College in der Regel genannt wird. Für die Austauschschüler am SEM gibt es eine spezielle zusätzliche Englischstunde, wenn die irischen Schüler Gaeltacht-Unterricht haben. In dieser Stunde lernen wir mehr über irische Geschichte und die englische Sprache. Ich habe eine außerordentliche Vorliebe für die Bibliothek des Colleges entwickelt. Besonders hat es mir die Abteilung ‚English Poetry‘ angetan. Ich habe so ziemlich jede sich dort befindliche Gedichtsammlung gelesen und meinen Wortschatz dadurch ungemein erweitert.

 

Wenn ich nun einmal nicht gerade in der Schule bin, spiele ich am Monaghan Youth Theater. Eine großartige Möglichkeit, neue Menschen kennen zu lernen und Spaß zu haben. Zusammen mit einem Schüler aus Spanien und einem Schüler aus Deutschland habe ich eine Band gegründet. Wir können in der Lunchpause im Musikraum proben und unsere Musiklehrerin ist da ganz begeistert von, obwohl wir hauptsächlich Heavy Metal und Punk spielen. Unser Ziel ist es in zwei Monaten aufzutreten.

Monaghan

Monaghan ist eine gemütliche Kleinstadt. Es gibt zwei kleinere Einkaufszentren und einen großen See. Es gibt viele Lokale und ein Fitnessstudio. Man kann es dort also gut ein paar Stunden aushalten. Von meinem eher ländlich gelegenen Haus aus kann man innerhalb von einer Dreiviertelstunde zum ‚Hollywood Lake‘ laufen. Einem wirklich märchenhaften Seengebiet mit großem Wald und unzähligen Schwänen. Wenn das Wetter gut ist, sollte man auf jeden Fall einen Abstecher dorthin machen. Ich hätte nie gedacht, dass ich mich hier so wohlfühlen würde. Zudem unternimmt Interstudies regelmäßig Trips mit Austauschschülern.

 

Ein wichtiger Punkt im Ausland ist Taschengeld, da man doch eine ganze Menge mehr für Hygieneartikel, Interstudies Ausflüge, die Schuluniform, das Busticket, Bücher, Essen und Kleinigkeiten ausgibt, als man denkt. Meine Eltern überweisen mir jeden Monat Taschengeld und ich teile es mir für den Monat ein. Da ich keine Kreditkarte habe, kann ich nur einmal im Monat abheben, da ich auf jede Abhebung 5 Euro Gebühren zahlen muss. Ich schreibe monatlich für eine Lokalzeitung in Deutschland darüber, was ich hier so erlebe und bekomme 50 Euro Bezahlung pro Artikel. Eine gute Möglichkeit sein Taschengeld mit wenig Aufwand aufzubessern. Das Arrival Camp von Interstudies in London zu Beginn meines Jahres war sehr gut, um sich ans Englischsprechen zu gewöhnen und eine super interessante Stadt zu sehen.

 

An dieser Stelle möchte ich mich dafür bedanken, dass mir eine Förderung in Form eines Teilstipendiums von AFS zu Teil wurde, welche die Finanzierung meines Auslandsjahres deutlich vereinfacht hat. Auch bedanken möchte ich mich für die ausgesprochen gute Organisation seitens AFS und Interstudies und bin gespannt, was ich in der zweiten Hälfte meiner Zeit hier noch erleben werde.

 

Slàn, Lars