AFS-Erfahrungsbericht Schüleraustausch Irland
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Ich habe viele positive Eindrücke und viele neue Freunde aus Irland

Philipp, Irland, Republik, 2017, Schuljahr im Ausland mit Deutsche Bank-Stipendium

Am 31. August 2017 hat mein Auslandsjahr mit einem 2-tägigen Arrival Camp im Großraum London begonnen. Hier wurden alle Austauschschüler mit dem Ziel Großbritannien, Schottland und Irland für ihren Aufenthalt vorbereitet. Für mich ging es im Anschluss direkt mit dem Flugzeug nach Dublin und dort wurde ich durch meinen Gastvater am Flughafen abgeholt. Ich war sehr, sehr aufgeregt und werde den Moment nicht vergessen, als ich im Ankunftsbereich auf meinen Gastvater traf, der mich dann direkt nach Clones, einem kleinen Dorf nahe der Nord-Irischen Grenze gefahren hat.

Es machte mir sehr viel Spaß, mit so vielen, neuen Gastgeschwistern unter einem Dach zu leben

Dort habe ich auch den Rest meiner Gastfamilie kennenlernen dürfen. Meine Gastfamilie besteht aus meinen Gasteltern und den beiden Gast-Geschwistern (Laura und Eamonn), die zum Glück nur geringfügig älter als ich sind. Ich verstehe mich sehr gut mit meiner gesamten Gastfamilie und bin heute, nach meines Aufenthaltes ein vollständig integriertes Mitglied der Familie geworden. Neben mir wohnte auch ein weiteres Gastkind aus Italien – Sophia – in unserer Familie.
 
Anfangs war sicherlich alles neu und ungewöhnlich für mich und ich musste mich zunächst in den Tagesablauf einer neuen Familie eingewöhnen. Meine beiden Gasteltern sind berufstätig, mein Gastvater ist selbständiger Fotograf und arbeitet von zu Hause aus, meine Gastmutter arbeitet in der Nachbargemeinde. Wir Kinder haben alle unsere Aufgaben übernommen und es machte mir sehr viel Spaß, mit so vielen, neuen Gastgeschwistern unter einem Dach zu leben. Ich habe ein großes, eigenes Zimmer, in das ich mich auch mal zurückziehen kann.

Es wurde selbstverständlich, den Unterricht in Englischer Sprache zu verfolgen

Ich lebe in einem sehr, sehr kleinen Dorf direkt an der Grenze zu Nordirland. Im Ort selbst besuchte ich das örtliche College. Die ersten Tage war ich sehr aufgeregt. Viele neue Eindrücke, neue Schulkameraden, ein neues Schulgebäude, neue Lehrer, eine fremde Sprache und andere Abläufe ließen kaum Zeit zum Nachdenken – alles war neu und ungewohnt. Ungewohnt war am Anfang auch, dass wir hier eine Schuluniform tragen müssen; nach einigen Monaten fiel es mir nicht mehr auf und ich war auch stolz, die Uniform meiner Schule tragen zu dürfen.

 
Insgesamt habe ich mich sehr schnell eingewöhnen können und bin sehr gut von den irischen und nordirischen Schulkameraden aber auch von den Lehrern aufgenommen worden. Alle sind sehr nett und freundlich. Ich hatte mir von Anfang an vorgenommen, mich vorrangig an die irischen / nordirischen Klassenkameraden zu halten um schnell in die englische Sprache hereinzukommen. Dies war am Anfang nicht leicht und ich hatte auch Probleme, alles im Unterricht zu verstehen. Nach einigen Wochen dachte ich hierüber nicht mehr nach und es wurde selbstverständlich, den Unterricht in Englischer Sprache zu verfolgen und zu verstehen.

 
Viele meiner Klassenkameraden kommen aus dem nordischen Teil von Irland und aktuell wird sehr viel über die BREXIT – Thematik diskutiert. Es bestehen große Sorgen meiner Mitschüler, dass sie ggf. bei einer Grenzschließung nicht mehr ihren Abschluss auf unserem College machen können. Auch die Vergangenheit bezüglich den Auseinandersetzungen mit Nordirland sind hier überall präsent und alle machen sich Gedanken darüber, ob der ehemalige Konflikt wieder ausbrechen könnte. Dies ist für mich eine sehr neue und ungewöhnliche Situation. Aber es ist auch interessant, so nah an einer aktuellen, politischen Situation zu sein.

Ausflüge und Freundschaften in meinem Auslandsjahr

Unser Dorf ist sehr ländlich gelegen und so fuhren meine Klassenkameraden, irischen Freunde und auch meine Studienkollegen aus Spanien und Italien sehr oft nach Dublin oder Belfast. Beide Städte sind gut mit dem Überlandbus zu erreichen. Auch dies war eine neue Erfahrung für mich. Ich liebe Dublin. Diese ist zwar die Hauptstadt von Irland, jedoch in Ihrer Größe überschaubar.
 
Neben den Trips nach Dublin und Belfast haben wir auch viele Trips mit Interstudies erlebt, um somit auch andere Teile von Irland sehen können. Hier hatten wir Schüler die Möglichkeit , uns besser kennen zu lernen. So waren wir zusammen Surfen und Wandern und haben diverse Städte wie Bray, Derry, Galway und Belfast kennengelernt.
Ich habe viele positive Eindrücke und viele neue Freunde aus Irland, aber auch aus anderen europäischen Ländern gewinnen dürfen. Ich glaube, dass ich hier auch langjährige, neue Freundschaften gefunden habe und bin sehr dankbar über die Zeit, die ich in Irland hatte.
 
Ich selbst merke an mir, dass ich heute Vieles sicherer und selbständiger mache. Der Umgang mit fremden Menschen und Kulturen fällt mir leichter und ich bin offener gegenüber Neuem geworden.
 
Vor der Weihnachtszeit hatte ich ein wenig Sorge, wie es wohl sein wird, ohne meine Eltern das Fest zu feiern. Meine gesamte deutsche Familie hat mir die Vorweihnachtszeit durch viele Pakete sicherlich erleichtert und auch ich selbst habe das Fest genutzt, all meinen Freunden einen Gruß aus Irland zu senden. Weihnachten selbst war sehr schön und wurde in der großen, irischen Familie gefeiert. Silvester waren wir in der Nachbarschaft bei Freunden und haben in das neue Jahr gefeiert.

Filmprojekt und Klassenreise mit meinem College

In der Schule arbeitete ich die zweite Hälfte meines Auslandsaufenthaltes in einem Filmteam als Regisseur an einer Serie zum Thema: „Häusliche Gewalt“. Ich produzierte mit meinem Team und der gesamten Stufe vier Episoden zu diesem Thema. Ich erstellte zudem das Design, die Story und das Drehbuch für die Kampagne. Für dieses Projekt konnte ich meine gesamte Kreativität sowie Erfahrungen im Bereich Filmen anwenden und ausgiebig ausbauen. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht, dieses Team zu leiten und mich mit dem Thema zu beschäftigen. Mir gefällt zudem, dass wir mit diesen Filmen eventuell Menschen in schwierigen Situationen helfen können. Diese Art von Projekten vermisse ich in meiner deutschen Schule.

 
Zum Ende des Schuljahres veranstaltete unser College einen Ausflug ins Ausland. Der diesjährige Trip sollte nach Deutschland gehen. Wir sind nach Düsseldorf geflogen und haben von dort aus Ausflüge nach Leverkusen, Köln und Koblenz gemacht. Wir verbrachten also drei fantastische Tage in Deutschland und es war für mich ein echt witziger und spannender Trip in meine Heimat zu kommen und meinen irischen Freunden diese zu zeigen. Nächstes Jahr wollen mich einige Mitschüler in Deutschland besuchen kommen.

Man wird zuversichtlicher und reifer im Auslandsjahr

Wenn ich einem Austauschschüler vor seiner Reise einen Tipp geben müsste, dann würde ich ihm sagen, dass er jede Sekunde seines Auslandsjahres genießen sollte. Natürlich gibt es Höhen und Tiefen in einem Auslandsjahr, wenn man von der eigenen Familie weg ist, aber man wird zuversichtlicher und reifer in diesem Jahr.
Weiterhin empfehle ich jedem, den Kontakt zu den Einheimischen aufzubauen, um die Sprache und die Kultur besser kennen zu lernen. So kann man die Bindungen zum Gastland aufbauen und es macht es viel einfacher, sich gut zu integrieren.
 
Ich möchte mich an dieser Stelle sehr bei AFS und auch bei meinem Stipendiumgeber ‚Deutsche Bank AG’ bedanken. Es ist großartig, dass Sie mir die Möglichkeit geben, eine fremde Kultur und die englische Sprache kennenlernen und vertiefen zu können – dies wird für mein weiteres Leben / Berufsleben und auch für meine persönliche Entwicklung sehr wichtig sein. Ich bin froh, so viele neue, nette und interessante Menschen kennenlernen zu dürfen und freue mich auf die nächsten Monate. Vielen Dank für Ihr Vertrauen in meine Person.