• Kontakt
  • Facebook
  • Twitter
  • Youtube
  • Blogger

Die Italiener sind ein außergewöhnliches Volk

Hendrikje, Italien, 2008/09,

Die Italiener sind ein außergewöhnliches Volk

Hallo, ich bin Hendrikje und mache seit Anfang September ein Austauschjahr mit AFS auf Sardinien. Ich wohne in Elmas, einem Dorf in der Nähe von Cagliari, wo ich mich bis jetzt schon sehr gut eingelebt habe. Das wichtigste ist hierbei, dass ich mich in meiner Familie wohl fühle.

Meine italienische Gastfamilie

Meine Gastmutter Mariella nimmt sich viel Zeit für mich, sorgt sich sehr um mich und unternimmt viel mit mir. Mit ihr kann ich gut zusammen lachen. Mein Gastvater heißt Salvatore und war am Anfang sehr ruhig, doch mittlerweile machen auch wir viele Späße miteinander und er kümmert sich lieb um mich. Dann habe ich noch zwei Gastbrüder, Francesco (31) und Antonello (33). Fran-cesco ist Musikschullehrer für Percussion/Schlagzeug und lebt noch bei uns zuhause, was für mich eine etwas ungewohnte Situation war, weil die Kinder bei uns nach der Schule eigentlich aus dem Haus gehen. Doch hier ist es nicht selten, dass die Söhne auch noch später im Haus leben. Aufgrund seines Berufes, Musiker, ist er ein bisschen verrückt, macht aber immer Späße und ist meistens gut gelaunt. Ich verstehe mich sehr gut mit ihm und so bin ich zuhause kein Einzelkind. Er nennt mich “Kartoffina”, da er, wie alle Italiener, Schwierigkeiten hat, meinen Namen auszusprechen und die Deutschen im Ausland dafür bekannt sind, dass sie sich von Kartoffeln ernähren. So hat er mich „Kartoffel“ genannt und es mit dem italienischen Diminutiv “ina” verbunden.

Antonello arbeitet in Sassari (im Norden der Insel, 2,5 Stunden entfernt) im Großwarenhandel “Metro” und kommt ca. alle zwei Wochen nach Hause. Er ist im Gegensatz zu seinem Bruder eher ruhig, aber auch mit ihm komme ich sehr gut klar. Aber das für mich wohl wichtigste Familienmitglied ist die kleine weiße Katze Didda (sie sitzt gerade auf meinem Schoss und schnurrt). Ich streichle sie oft und auch, wenn sie mir am Anfang den Rücken zugewandt hat, weil sie mich nicht kannte und ich die “Fremde” war, folgt sie mir jetzt ständig und wir sind große Freunde geworden. Sie schläft in der Nacht oder am Nachmittag, wenn ich mich ein bisschen ausruhe, mit mir in meinem Bett und als ich krank war hat sie mir die Wange geleckt. Ich fühle mich wirklich wohl in meiner Familie und habe gemerkt, dass die Familie an sich hier eine sehr wichtige Rolle spielt und sehr stark zusammen hält.

Autofahren in Italien

Die Italiener sind ein außergewöhnliches Volk, im positiven Sinne. Sie gestikulieren viel, sprechen laut und veranstalten ständig ein “casino”, was soviel wie Chaos bedeutet. Am Anfang des Schuljahres gab es viele Streiks, sodass wir teilweise nicht in die Schule mussten. Hier gibt es einige Schulreformen, mit denen sie nicht einverstanden sind (z.B. sollen Universitäten und Schulen privatisiert werden). Auch der Verkehr ist wirklich das Gegenteil von Deutschland: Wann hupen wir schon mal? Wenn die Italiener während einer Autofahrt nur ein einziges Mal hupen, ist das wenig. Ich musste mir teilweise schon die Hände vor die Augen halten, weil es haarscharf war, aber nicht, weil meine Gastfamilie nicht fahren kann, sondern weil die Anderen nicht aufpassen und die Vorfahrtsregeln nicht beachten…Es gibt außerdem fast kein Auto, das komplett heil ist!

Im Allgemeinen sind die Italiener ein sehr warmherziges Volk, das mich mit offenen Armen begrüßt hat. Viele fragen einen, auch wenn man sie nicht kennt, woher man denn komme und fangen dann an: “Auch ich habe eine Cousine, die in Deutschland lebt, in der Nähe von…”. Und dann hören sie nicht mehr auf zu reden. Mit Pünktlichkeit haben sie es leider auch nicht wirklich, was leider schon auf mich abfärbt…

Die Temperaturen sind leider gesunken, im Moment haben wir ca. 15 Grad. Doch die Kälte hier ist eine andere, weil sie sehr feucht ist (Meeresklima!) und bei uns in Deutschland ja eher trockene Kälte herrscht. Somit geht sie hier bis in die Knochen. Die Schule hatte an den ersten Tagen, an denen es kalt wurde, die Heizungen nicht angemacht, wodurch wir keinen Unterricht machen konnten. Aber mir wurde gesagt, dass es ab März wieder wärmer wird…

Die Sprache macht jeden Tag Fortschritte, ich lerne immer Neues dazu und kann mich schon sehr gut verständigen. Wenn ich ins Kino gehe, verstehe ist fast alles und neulich habe ich sogar schon auf Italienisch geträumt.

Viele schöne Erfahrungen

Was mich ein bisschen nervt ist die Samstagsschule und dass ich jeden Tag um 6:30 Uhr aufstehen muss. Außerdem haben die Italiener nur eine Pause von 15 Minuten innerhalb von sechs Schulstunden. Ich kriege teilweise auch Noten, die gar nicht schlecht sind, für mich jedoch keine Bedeutung haben, weil ich das Jahr in Deutschland ja eh wiederholen muss. Ich bin hier, um die Kultur, die Sprache und viele neue Leute kennen zu lernen und habe bis jetzt schon sehr viele schöne Erfahrungen gemacht. Natürlich denke ich oft an zuhause, denn meine Familie und Freunde fehlen mir auch. Nichtsdestotrotz fühle ich mich hier so wohl, dass ich irgendwo gar nicht mehr nach Hause möchte, obwohl mir auch viele Dinge von Deutschland fehlen, die man sonst gar nicht beachtet.

Nun steht Weihnachten vor der Tür, was man auf Sardinien quasi wie bei uns feiert, die Straßen wurden bloß ein bisschen später geschmückt und in meinem Haus haben wir immer noch keinen Weihnachtsschmuck. Ansonsten ist fast die ganze Werbung im Fernsehen weihnachtlich. Man feiert hier am 25.12., weshalb auch erst am Morgen des 25.12. die Geschenke aufgemacht werden. Die Kinder schreiben vorher einen Brief mit ihren Wünschen an das Christkind. Man sagt, dass das schönste Weihnachten in Deutschland gefeiert wird…Dem kann ich nur zustimmen, mir fehlt das weihnachtliche Flair Deutschlands.

Silvester

Silvester feiert man im Allgemeinen mit Freunden und der Familie. Abends macht man Spiele, unterhält sich, isst und wartet auf Mitternacht. Dann stößt man an, wünscht sich, dass das nächste Jahr besser wird als das vergangene, zündet wie bei uns Raketen an und der ganze Himmel ist bunt. Die Italiener haben auch einige komische Bräuche, die Glück bringen sollen: So werfen sie z. B. um Mitternacht des 31.12. Gegenstände aus dem Fenster (allerdings machen das nicht mehr alle, weil es ja sehr gefährlich ist) oder schenken sich rote Unterwäsche, die man dann am Abend anzieht. Am Neujahrstag isst man Gerichte mit Linsen: Je mehr Linsen man isst, desto mehr Geld wird man nächstes Jahr haben. Wer’s glaubt…

Ganz liebe Grüße! Tanti saluti!