AFS-Erfahrungsbericht Schüleraustausch Italien
Jetzt Spenden

Ein Jahr zwischen Pizza und Pasta

Liv, Italien, 2015, Schuljahr im Ausland mit TUI exchange4teens Stipendium

Mein Jahr in Italien ist jetzt also vorbei. Ich kann es noch immer nicht begreifen, dass ich für 10 Monate die Möglichkeit hatte, dort ein neues Leben aufzubauen und eine zweite Heimat zu bekommen.

Italien ist ziemlich berühmt fürs Essen, Kunst, Chaos… aber es hat noch so viel mehr zu bieten….

In Italien spielt die Familie eine sehr wichtige Rolle

Nach einem kurzen Aufenthalt in Rom ging meine Reise weiter in den Norden Italiens, weiter, um genau zu sein bis nach Santhià (VC). Dort lebte ich in einer Familie, die aus meinen Gasteltern (Marilla und Gianmario) sowie meinen zwei Gastgeschwistern Alice und Diego bestand. Sie haben mich von Anfang an wie ihre eigene Schwester bzw. Tochter behandelt und keinen Unterschied zu jemand anderem aus der Familia gemacht. Sie zeigten mir viele Gegenden in Italien (wie Mailand, Turin, Rom, Venedig, Verona, Florenz,…) und integrierten mich in der örtlichen Wohltätigkeitsorganisation. Mit dieser bin ich Anfang Januar auch für eine Woche nach Kalabrien zur Orangenernte ehrenamtlich gewesen (zusammen mit meinen Gastgeschwistern). Eine solche Erfahrung hätte ich auf diese Art und Weise in Deutschland nicht machen können.

 

In Italien spielt die Familie aber generell eine sehr wichtige Rolle. Dies habe ich in diversen Situationen festgestellt. So feiern die Italiener beispielsweise Weihnachten sehr ausgelassen. Nachdem wir morgens am 25.12. aus dem kleinen Häuschen meiner Gasttante in den Bergen zurückkamen, machte sich meine Gastfamilie an das Weihnachtsessen. Da dieses in Italien eine wichtige Rolle spielt, aßen wir ca. 4 Stunden zusammen. Es wurde allerdings mit einer kleinen Verdauungspause unterbrochen, die wir zum Auspacken der Geschenke nutzten.

 

Weiter machte sich die Wichtigkeit von Familie darin bemerkbar, dass ich jede Woche mindestens 1 Mal bei meiner Gastoma Nonna Gina und Tante Zia Giuseppina zu essen war. Hier kam ich mit meinen Gastgeschwistern nach der Schule direkt zu ihnen und wir aßen gemeinsam zu Mittag.

Meine italienische Schule

In Italien besuchte ich die 12. Klasse eines sprachlichen Gymnasiums im Norden Italiens, in Vercelli. Meine dortige Klasse beinhaltete 5 Nationen, was das Zusammenspiel umso interessanter machte. Am Anfang habe ich ein bisschen gebraucht, um die italienische Schule zu verstehen, aber meine Klassenkameraden haben mir sehr geholfen und waren total aufgeschlossen mir gegenüber. Anders in Italien ist zum Beispiel, dass die Jugendlichen im Alter von 13 ihr Oberstufenprofil wählen, welches sie dann für 5 Jahre durchziehen sollten. Hier können sie sich nicht die Fächer aussuchen, die sie gerne machen wollen. Dazu kommt noch der Frontalunterricht, welcher mir am Anfang sehr zu schaffen machte. Des Weiteren haben einige Schulen auch nachmittags bzw. samstags Unterricht. Eine weitere Hürde waren zunächst die zwei Mal 10-minütigen Pausen.

 

Weiter sind meine Unterrichtsfächer sehr vielfältig: Physik in Englisch, Kunstgeschichte, die Sprachen Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch werden einmal die Woche von Muttersprachlern unterstützt. Zusätzlich bekam ich Privatunterricht in Italienisch, damit ich alle anderen Fächer auf Italienisch auch verstehen kann. Meine Gasteltern haben sehr erfolgreiche Kinder, weshalb sie auch von mir eine gewisse Leistung erwarteten. Das war am Anfang sehr schwer, da ich zunächst einmal die Struktur des italienischen Arbeitens erfassen musste.

Zurück in Deutschland

Jetzt, nach meinem Auslandsjahr, fühle ich mich ein bisschen fremd im eigenen Haus. In Italien hatte ich diverse Freiheiten, die ich in Deutschland so nicht mehr hatte. Ich konnte mich jederzeit mit meinen Freunden treffen und musste nicht erst immer meine Eltern fragen, ob sie mich fahren können, da jede Stunde Busse und Züge fuhren. Ich musste auch nicht ständig auf meine kleinen Geschwister aufpassen und habe höchstwahrscheinlich noch nie so gut gegessen wie in Italien. Auch die deutsche Schule habe ich zu schätzen gelernt. Sei es die Verteilung der Ferien, die Lehrer-Schüler-Beziehung oder die Begrenzung der mündlichen bzw. schriftlichen Klausuren pro Tag bzw. Woche.