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Die Schönheit der Kirschblüten werde ich nie vergessen

Andreas, Japan, 2008/09,

Die Schönheit der Kirschblüten werde ich nie vergessen

Seit nunmehr knapp vier Monaten verbringe ich meine Zeit als Austauschschüler in Kashima-City an der Ostküste Japans. Die Zeit scheint mir im Nachhinein wie im Fluge vergangen zu sein. Ich habe viele wertvolle Erfahrungen gesammelt, viele interessante Menschen kennengelernt, deren Sichtweise, Mentalität und auch Lebensweise sich von der meinen oder allgemein der deutschen gänzlich unterscheidet. Ich kann jedoch behaupten, Japan mit seiner Kultur, Natur, Lebensart, seinen Bräuchen und nicht zuletzt den Menschen ist ein wunderbares Land, in das ich mich eingelebt habe.

Arbeit hat höchste Priorität

Im Allgemeinen sind die Japaner kleine, sehr zuvorkommende und auf Höflichkeit bedachte Menschen, die sehr stolz auf ihr Land, ihre Kultur, sowie ihre Geschichte sind, obwohl sich meinem persönlichem Empfinden nach viele nicht wirklich bewusst sind, in was für einem tollen Land sie eigentlich leben. Des Weiteren sind sie sehr strapazierfähig, geduldig und können eine Menge herunterschlucken oder auch Dinge opfern, die ihnen lieb sind, um ihre Ziele - zumeist in beruflicher Hinsicht - zu verwirklichen. Geschlafen wird in Japan jedenfalls kaum, täglich bloß 3-5 Stunden sind keine Seltenheit. Die Arbeit, wozu auch Schule zählt, hat höchste Priorität; hierdurch ist natürlich der Stressfaktor sehr hoch. Man hat leider nicht wirklich viel Freizeit in Japan.

Meine Stadt

Meine Stadt, die man leider eigentlich nicht als solche bezeichnen kann, ist eine sehr ländliche, in der viel Ackerbau betrieben wird, da es für japanische Verhältnisse kein so gebirgiges Gebiet ist. Etwas außerhalb der Stadt gibt es eine große Hafenanlage, die Arbeitsstelle meines Gastvaters (Architekt). Ich konnte sie auch einmal ein bisschen besichtigen. Berühmt sind die Fußballmannschaft, die Kashima Antlers, die zu den besten Japans zählt, sowie die örtliche Tempelanlage, der Kashima Jingu. Auch ist Angeln und Surfen sehr beliebt unter den Leuten hier. Zum Amüsieren geht man ins Einkaufszentrum, in Buch- oder Elektroläden oder ins Karaoke-Restaurant, was mir am besten gefällt, denn wirklich jeder Japaner kann, auch wenn er das Gegenteil behauptet, zumindest auf Japanisch singen.

Die japanische Sprache

Meine Japanischkenntnisse haben schon sehr große Fortschritte gemacht, was mir auch von den Menschen meiner näheren Umgebung bestätigt wird und was auch mich nicht wenig freut. Inzwischen bin ich in der Lage einfache bis mittelschwere Gespräche zu führen (auch wenn ich noch lange nicht alle Wörter verstehe), erweitere stetig meinen Wortschatz, sowie meine Kanjikenntnisse (die japanischen, eigentlich chinesischen Schriftzeichen), von denen ich bisher etwa 300 beherrsche. Auch habe ich mir alle 47 japanischen Präfekturen – kens samt Hauptstädten gemerkt. Die japanische Sprache mit ihrer Schrift, der Art zu sprechen und auch dem ihr innewohnenden Humor (es gibt allerlei geniale Wortspiele, die ich kennen und lieben gelernt habe) finde ich mehr als interessant, aber auch herausfordernd, da sich die Denkweise der Sprache gänzlich von der der westlichen Sprachen unterscheidet - besonders da lustigerweise sogar die Japaner selbst allerlei Probleme mit ihrer Sprache haben - dazu gehört z.B. das Erlernen der ken´s.

Das Schulleben

Das Schulleben unterscheidet sich sehr von meinem in Deutschland, könnte aber interessanter nicht sein; was ich allerdings leider von dem Unterricht weniger behaupten kann, da ich den meisten Stoff bereits in der Schule gelernt habe und meine Austauschschule auch kein sonderlich hohes Level hat . Für mein Japanisch lernen ist es aber nicht von Nachteil. Es ist jedenfalls ein ganz anderes, aber interessantes Gefühl, eine Schuluniform zu tragen, jedoch gerade zur jetzigen Jahreszeit, da es sehr heiß ist und noch heißer wird, ist sie etwas unangenehm für alle. Zu Beginn meiner Schulzeit wurde ich von meinen Mitschülern regelrecht vergöttert("Oh, der Ausländer", "Schau mal seine Haarfarbe"), was sich glücklicherweise mit der Zeit gelegt hat. Derzeit sind die Mittelprüfungen des ersten Schuldrittels beendet. Wovon auch meine Lehrer und Mitschüler beeindruckt waren, ist, dass ich keine roten Punkte, also kein ungenügend, bekommen habe.

Meine Gastfamilie

Zur Gastfamilie, die aus Vater, Mutter, gr. (23) und kl. (15) Bruder besteht, hatte ich von Anfang an ein gutes Verhältnis, da es sehr freundliche und gutherzige Menschen sind. Besonders mit der Gastmutter ist es des Öfteren zu Unstimmigkeiten gekommen, da sie eine sehr ernste und strenge, auf Perfektion bedacht Person ist. Sie war Lehrerin und ist nun im Erziehungssystem tätig. Die Anforderungen und Erwartungen mir gegenüber, besonders, was mein Japanisch(lernen) angeht, waren bzw. sind einfach viel zu hoch gesetzt (ich soll in allen Prüfungen 100 Punkte schaffen). Jedenfalls kümmert man sich sehr um mich und mein Wohlbefinden und auf ihre Art will meine Gastfamilie nur das Beste für mich. Da sie jedoch alle vielbeschäftigte Menschen sind, haben wir nicht viel gemeinsame Zeit. Doch sofern es die Zeit zulässt, was meist am Wochenende der Fall ist, wird allerlei zusammen unternommen, vom Anfeuern der Fußballmannschaft im Stadion, dem Besuch eines traditionell japanischen „Schiff-durch-die-Stadt-zieh“-Festes, zu Besuchen des Tokyo Towers und der Aqua World, was wir alle sehr genossen haben. Mir fehlt es jedenfalls an nichts und ich bin meiner Gastfamilie sehr dankbar für alles.

Zu meiner Freude komme ich mit den meisten Klassenkameraden, Mitschülern und auch Lehrern sehr gut zurecht. Ich habe mit vielen Freundschaft geschlossen, so dass ich auch mit Freunden hin und wieder nach der Schule etwas unternehme, was sich aber wegen dem täglichen Training der Sportclubs (auch in den Sommerferien, die kurz bevorstehen) als schwierig erweist. Ich für meinen Teil bin dem Tennisclub beigetreten, den Schläger habe ich von dem Sohn des örtlichen AFS - Leiters ausgeliehen. Tennis macht mir sehr viel Spaß: Als Anfänger in diesem Sport wurde ich dennoch von den Clubmitgliedern freundlich aufgenommen und unterstützt. Die Zeit in der Schule genieße ich sehr, auch wenn sie sehr anstrengend ist. Hier mache ich wohl die größten Fortschritte im Japanischen. Auch gibt es von Seiten der Schule hin und wieder Unternehmungen, wie eine Lernwoche in der Schulpension, Reinigen des Strandes mit den gesamten Mitschülern oder Anfeuern der Baseballschulmannschaft (die leider verloren hat).

Tokyo und die Schönheit der Kirschblüten

Schließlich gibt es zwei besondere Eindrücke, die sich tief in mein Gedächtnis eingegraben und mir schlichtweg den Atem geraubt haben. Zum einen wäre da Tokyo, die Stadt, die mich mit ihrer Größe und Weite, der regelrechten Majestät, der Vielfalt an Geschäften, Gebäuden und Stadtvierteln, sowie ihrer Ausstrahlung vom ersten Anblick an beeindruckt hat und die ich in mein Herz geschlossen habe. Und zum anderen die Schönheit der Kirschblüten, dem Symbol Japans schlechthin, die mit ihrer Einzigartigkeit und Pracht meine Seele berührt haben und die man nicht vergessen kann. Nicht zu Unrecht gilt der Frühling, die Blütezeit der Kirschbäume, als beste Jahreszeit Japans.

Schließlich möchte ich nochmals sagen, was für ein tolles Land Japan ist und was für eine einmalige Erfahrung dieses Austauschjahr für mich ist. Ich möchte noch viel mehr neue Dinge und Menschen kennen lernen, sowie noch mehr positive Erfahrungen und schöne Erinnerungen sammeln, die mich weiter auf meinem Weg begleiten und unterstützen werden.

Ich bin sehr dankbar für das Stipendium, das mir eine so tolle Chance ermöglicht hat. Denn es war eine große Herausforderung für mich und besonders für meine Eltern, mir dieses Austauschjahr zu ermöglichen. Ohne das Stipendium wäre das alles wahrscheinlich nicht möglich. Ich bzw. wir sind zu großem Dank verpflichtet.

Nochmals vielen Dank