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Mein Jahr in Kenia

Florian, Kenia, 2015/03, weltwärts

Mein Jahr in Kenia

Seit sechs Wochen bin ich jetzt schon wieder in Deutschland und ich muss ehrlicherweise sagen, dass ich immer noch nicht richtig zu Hause angekommen bin. Die ganzen Eindrücke, ob positiv oder auch negativ, lassen sich eben nicht in so kurzer Zeit verarbeiten. In meinem Jahr in Kenia habe ich so viele Dinge miterleben dürfen und bin dankbar für jeden Augenblick. Ob mit meiner Gastfamilie, anderen Freiwilligen oder neu gewonnenen Freunden. Das Jahr hat mich so sehr geprägt wie kein anderes zuvor.

Der Weg in ein neues Leben

AFS hat uns in zwei Seminarswochen sehr gut auf unser neues Leben und mögliche anstehende Problemen vorbereitet, weswegen mir der Einstieg in mein neues Leben nicht schwer fiel. Nach dem On-Arrival-Camp, das etwa zwei Autostunden von der Hauptstadt Nairobi entfernt stattfand, ging es endlich zu unseren Gastfamilien.

Die Fahrt war sehr lang, da Taita, mein neues Zuhause, etwa zehn Autostunden vom Camp entfernt lag. Doch bereits auf dem Weg dort hin zeigte sich mir ein typisches Bild von Afrika: Hektischer Verkehr, Stände und Märkte an sämtlichen Hauptstraßen, lautes Gehupe und – Elefanten!

Die Landschaft und das Klima in meiner neuen Heimat unterschieden sich extrem von Nairobi und dem Fahrtweg, wo es sehr heiß und trocken war. Taita ist durch ausreichenden Niederschlag und einer höheren Lage kühl im Vergleich zum Umland und äußerst grün und fruchtbar. Deshalb wird hier das ganze Jahr über intensive Landwirtschaft betrieben und die Wasserversorgung stellt kein sonderliches Problem dar.

Meine Gastfamilie

Bei meiner Ankunft wurde ich sofort herzlich von meiner Mutter willkommen geheißen.
Am nächsten Morgen machte ich mir ein Bild von meiner Umgebung und lernte meine Mitmenschen und meinen Arbeitsplatz kennen. Meine Gastfamilie wohnte in insgesamt drei Häusern. Eines war der kleine Kiosk meiner Mutter, mit dem Schlafzimmer meiner Eltern, im zweiten Haus wohnte mein Bruder mit seiner Frau und drei Kindern und im dritten Haus die Großnichten meiner Mutter und ich. Außerdem besaßen wir noch zwei Kühe, einen Hund, eine Katze und eine Vielzahl von Hühnern. Unser Grundstück war riesig und wir bauten viele Dinge zum täglichen Leben selber an, wie zum Beispiel Tomaten, Sukuma wiki (eine Art afrikanischer Kohl), Spinat, Bohnen, Kartoffeln, Macadamianüsse, Früchte und natürlich Mais, welches wir benötigten, um unser Grundnahrungsmittel Ugali (ostafrikanischer Maisbrei) herstellen zu können.
Das besondere in meiner Familie war, das ich mich von der ersten Sekunde integriert fühlte und ich sofort mit allen ins Gespräch kam, ob auf englisch oder mit meinen anfangs wenigen Wörtern taita, einer Art Dialekt des Swahili.

Meine Arbeit im Krankenhaus

Gearbeitet habe ich im Mgange Dawida Health Centre, einem ortsüblichen Krankenhaus, welches die kleine Bevölkerungszahl mit notwendiger Medizin versorgt oder bei Notfällen und Geburten zur Verfügung steht. Um auch Menschen mit geringem Einkommen eine medizinische Versorgung zu ermöglichen, bietet das Health Centre die Untersuchungen gratis an. Die Kosten für Medikamente und Behandlung werden vom Staat getragen. Um einen 24-Stunden Service anbieten zu können, fehlt jedoch das Geld und auch sonst stehen die Mitarbeiter des Krankenhauses vor einigen Herausforderungen, z.B. war die ausreichende Versorgung mit Medikamenten ein wirkliches Problem. Alle drei Monate musste abgeglichen, berechnet und in ein kompliziertes Computersystem übertragen werden, welche Medikamente wir in welcher Zahl verwendeten. Da für diesen Aufgabenbereich Computergrundkenntnissen erforderlich waren, und keiner der Angestellten anständig geschult war, fiel dies in meine Hände. Wichtig war vor allem, Medikamente in Überzahl zu ordern, da man jederzeit damit rechnen musste, dass die Lieferung verspätet eintreffen würde.
Ich half auch bei der Patientenversorgung in der Apotheke, wo ich die vom Arzt verordneten Medikamente ausgab. Außerdem durfte ich bei den so genannten „Outreaches“ dabei sein, wo wir in entlegenen Gebieten medizinische Untersuchungen durchführten.
Etwas ganz besonderes waren die Notfälle, meistens anstehende Geburten. Ich durfte jedes Mal live mit dabei sein und sogar bei gewissen Dingen assistieren. Nichts war erlebnisreicher und schöner als am Ende einer Geburt das Neugeborene in seinen Armen halten zu dürfen. Mein Arbeitstag startet täglich gegen neun Uhr morgens und endete um etwa 16 Uhr am Nachmittag.

Alltag in Taita

Nach der Arbeit ging ich noch einigen Hauspflichten nach, wie dem Beschaffen von Feuerholz oder Grünfutter für unsere Kühe. Besonders viel Spaß machte es natürlich nach der Arbeit mit meinen Nichten und Neffen zu toben oder ihnen bei den Hausaufgaben zu helfen. Die Kommunikation stellte hierbei nie ein Problem da, weil die elfjährige bereits Englischgrundkenntnisse durch die Schule hatte und ich mit den kleineren wunderbar Swahili lernen konnte. Mit Kindern lernt man eben am besten, weil man quasi auf demselben Niveau anfängt.
Wichtig für mich war, dass sich die Beziehung zu meinen Arbeitskollegen nicht nur auf die Arbeit im Hospital beschränkte, sondern wir auch abseits davon echte, tiefe Freundschaften schlossen. Wir besuchten uns gegenseitig Zuhause, trafen uns auf einen Tee oder Bier und verreisten gemeinsam. Durch die freundliche Art der Menschen in Taita konnte ich mich schnell integrieren und mehr von der Kultur und den Traditionen der Menschen zu erfahren.
So erkannte ich schnell, welchen Stellenwert die Kirche und der Glaube für die Menschen hatten. Meine Familie ist katholisch, aber in Kenia leben so viele Menschen mit unterschiedlichem Glauben so friedlich miteinander, wie sonst nur in wenigen Teilen auf der Erde. Und die Menschen sind offen für alles. So stand es mir jederzeit offen welche Glaubenseinrichtung ich besuchen möchte und ich lernte somit die unterschiedlichen Ausübungen von Gebeten und kirchlichen Traditionen kennen.

Die große Gastfreundschaft der Menschen lernte ich auch kennen, als ich das Land auf einigen Touren näher kennen lernen durfte. Meine große Familie war hier ein enormer Vorteil, denn überall hieß mich eine Schwester, ein Bruder oder Freund der Familie mit offenen Armen willkommen. Das ersparte nicht nur Übernachtungskosten, sondern brachte mir das Gefühl von Heimat und Sicherheit, da immer eine Vertrauenspersonen um mich war.
So reiste ich mit anderen Freiwilligen gemeinsam in wunderschöne Regionen, wie den Longonot- Vulkan, den Viktoriasee oder den berühmtesten Nationalpark Afrikas- die Masai Mara!
Natürlich gab es auch Abschnitte in meinem Keniajahr, wo es mal nicht so rund lief, weil ich z.B. krank war oder an manchen Tagen extreme Langeweile verspürte. Manchmal kamen z.B. nur zwei oder drei Patienten an einem Tag ins Krankenhaus und es gab nicht viel zu tun. Ich habe mir an solchen Tagen immer Ablenkung gesucht und gelesen oder mich mit meinen Mitmenschen über mein Projekt unterhalten.
Auch vermisste ich an manchen Tagen eine größere Auswahl an Nahrungsmitteln. Das Essen schmeckte zwar immer, war aber eher nahrhaft als abwechslungsreich.
Zuhause gab es ziemlich häufig Ugali mit sukuma wiki. Es war wohl das liebste Essen meiner Mutter, jedoch litten alle anderen darunter. Vor allem meine vierjährige Nichte weinte stets, wenn sie erfuhr, dass es heute Abend wieder mal Ugali sein wird. Wie eine Rettungsinsel wirkte dabei unser traditioneller Chapati-Samstag, mein persönliches Leibgericht. Dünne Teigfladen mit Bohnen. Hierbei war es mir eine besondere Herzensangelegenheit, die Zubereitung zu erlernen. Ich lernte recht schnell mit einfachsten Mitteln zu kochen und durfte ab und zu mein erlerntes Wissen anwenden. Ich glaube am besten an der langen Zubereitung für die Chapati hat mir gefallen, dass ich mit meiner Schwägerin und Mitmenschen ins Gespräch kam und wir viel gemeinsam lachten und noch intensiver kennen lernten. Ich lernte, wie wichtig das Familienleben in Kenia ist, wo alle ein enges und geschlossenes Verhältnis haben, was mir besonders gut gefiel.

Fazit

Wenn ich an die Zeit zurückdenke, die gerade erst vorbeigegangen ist, dann kann ich behaupten, Kenia war die richtige Wahl. Dieses Land hat mich bewegt, ich habe neue Verhaltensweisen an mir erkennen können und das ständige Motto “hakuna matata“- kein Problem -  angenommen. Denn in Kenia habe ich erkannt, dass die Dinge, die man plant, nie so passieren wie man denkt, aber es irgendwie doch immer klappt - alles ist also möglich.

Ich bin dankbar für jede Minute mit meiner zweiten Familie, Freunden und den anderen Freiwilligen. Ich habe so viele Erfahrungen gemacht und vieles aus einer ganz anderen Perspektive kennen gelernt und will am liebsten so schnell wie möglich zu meinem kenianischen Leben zurückkehren.

 

 

Kwa heri- Auf Wiedersehen
Asante sana- Vielen Dank

 

Florian