Erfahrungsbericht Auslandsjahr
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Vielleicht das aufregendste Jahr meines Lebens

Jasmin, Kolumbien, 2016, Schuljahr im Ausland mit Stipendien von AFS-Kolumbien, Lions Club Wurzen und Ein Herz für Kinder

Am 26.01.2016 war es soweit: der Tag an dem ich für ein Jahr nach Kolumbien, Bogotá reisen werde. Ich war super aufgeregt, wusste nicht ob alles problemlos ablaufen würde. Im jetzigen Zeitpunkt nach ca. 6 Monaten kann ich sagen, dass es komplett anders ist, als ich gedacht hatte.

Ich bereue es auf gar keinen Fall, mich für ein Auslandsjahr entschieden zu haben. Es ist vielleicht nicht so leicht, wie man es sich es anfangs vorstellt, und es ist wirklich alles so unterschiedlich, aber gerade das, was man möchte, ein komplett unterschiedliches Land. Ein Land mit einer komplett neuen Kultur kennen lernen, mit Unterschieden im Essen, Klima, in der Lebensweise und vieles mehr. Jedoch hatte ich schon anfangs einen kleinen Kulturschock, da wirklich alles anders war, als gedacht, und selbst jetzt nach 6 Monaten in Kolumbien gibt es immer noch Dinge, die mich erstaunen und überraschen.

Endlich in Kolumbien angekommen

Nach ca. 12 Stunden Flug, welcher nicht enden wollte, bin ich endlich in dem Land angekommen, in dem ich nun für ein Jahr leben werde. Wir wurden liebevoll von unserem AFS Komitee am Flughafen von Bogotá abgeholt und direkt in unser 1. Camp in Kolumbien übergeleitet, welches drei Tage andauerte. In diesen Tagen haben wir zusammen mit anderen Austauschschülern aus verschiedenen Ländern, wie Thailand oder auch Brasilien nun die Hauptstadt von Kolumbien, Bogotá, besichtigt. Wir besuchten die Altstadt mit wunderschönen bunten Häusern und konnten die riesengroße Stadt aus 3152 Metern Höhe von dem sehr bekannten Berg, Monserrate, bestaunen.

Meine Gastfamilie

Einige Tage später wurde ich dann von meiner Gastfamilie abgeholt, welche aus meinen zwei Gastschwestern (16 und 18), meinem Gastbruder (21) und meinen Gasteltern besteht. Sie leben im Norden Bogotás und empfingen mich super herzlich, auch wenn ich anfangs sehr schüchtern war und es ziemlich schwer war, zu kommunizieren, da meine Gasteltern nur ein wenig Englisch sprechen, verstanden wir uns auch von Anfang an sehr gut. Gleich am Tag darauf kauften sie mit mir zusammen meine Schuluniform und zeigten mir die Schule und auch einige Mitschüler.

 

Ich lebe in einer sehr religiösen Familie, was sich auch daran äußert, dass sie jeden Sonntag in die Kirche gehen und ich auch zusammen mit meiner Gastschwester in eine private, katholische Schule gehe. Allgemein ist Kolumbien ein sehr katholisches Land, in diesen 6 Monaten habe ich nur wenige Personen kennengelernt, die nicht religiös sind. Jedoch gefällt es mir sehr, da ich viel über die katholische Religion gelernt habe, und zudem merkte, dass sie ihre Religion ganz anders ausleben, als die Deutschen.

Die Schule

Die Schule ist ein wichtiger Bestandteil meines Lebens in Kolumbien. Ich gehe hier in die 11. Klasse, also sind so gut wie alle ein Jahr älter als ich, was ich eigentlich recht gut finde. Alle hier sind super lustig und auch das Lehrer – Schülerverhältnis ist ganz anders, viel freundschaftlicher. Im Allgemeinen empfinde ich den Umgang mit Lehrern leichter, man geht gemeinsam Mittagessen, besucht sich in den Familien und auch über schulische Probleme zu reden fällt einem leichter.

Die Ferien

Ich bin sehr glücklich, in diese Familie gekommen zu sein, da sie alles versuchen, dass ich eine schöne Zeit in Kolumbien verbringe, und so reisten sie auch extra für mich mit nach Santa Marta und Cartagena, sehr bekannte Städte Kolumbiens, damit ich die Möglichkeit habe, das Land zu erkunden. Es war eine sehr schöne Zeit um auch eine andere Kultur von Kolumbien kennen zu lernen.

 

In Santa Marta besuchten wir wunderschöne Strände sowie einen historischen Teil dieser Stadt. Die Strände hier sind wirklich einzigartig, und so bereisten wir z.B. einen Strand mit fast kristallartigem Sand, der wunderschön beige glänzt und tauchten in Korallen, um Fische zu beobachten, sowie an einem etwas tropischen Strand an dem ich ein wildes Krokodil sehen konnte. In Cartagena, die historische Stadt Kolumbiens, liefen wir in wunderschönen Straßen entlang, die Italien ähnelten. Dort konnte ich auch einen anderen Teil der Familie kennenlernen, den Bruder meines Gastvaters. Er lud mich auch zu einer Taufe ein, welche hier sehr groß gefeiert wird, da das Baby zum ersten Mal in das Haus Gottes aufgenommen wird.

Unterschiede zwischen Kolumbien und Deutschland

In diesen 6 Monaten habe ich viel über beide Länder zu schätzen gelernt. Beide haben Vor- und Nachteile, ich kann mich aber keinesfalls für ein Land entscheiden. Man hört oftmals, dass Kolumbien sehr reich an Drogen, Gewalt, Korruption ist, doch Kolumbien ist viel mehr. Es ist geprägt durch seinen qualitätvollen Kaffee, die Lebensfreudigkeit und Spontanität der Menschen, den Salsa und seine beeindruckende Natur, dies wurde im Laufe diesem Jahres immer deutlicher.

 

Weiterhin finde ich auch, dass Kolumbianer einen großen Nationalstolz besitzen, im Gegensatz zu Deutschland, in dem mache Leute nicht einmal die Nationalhymne singen können, was auch bestimmt mit unserer Geschichte zusammenhängt, aber ich finde, dass es trotzdem nicht zu verachten ist, auf sein Land stolz zu sein. In Kolumbien zum Beispiel werden bei jedem Fußballspiel oder allgemein bei einem Event in der Schule drei Hymnen gesungen, zuerst die Hymne von Kolumbien danach von Bogotá und zum Schluss die Hymne der Schule. Zudem wird jeden Tag um 6 Uhr am Tag und in der Nacht die Nationalhymne im Radio abgespielt.

 

Dafür habe ich aber in Deutschland zu schätzen gelernt, dass es viel einfacher ist, Entscheidungen zu treffen. In Kolumbien reden die Leute oftmals mehr um den Brei herum, als dir zu sagen, was sie fühlen.

Was ich vermisse

Es ist natürlich, dass ich auch einige Dinge aus Deutschland vermisse, gerade in den ersten Monaten ist mir sehr doll aufgefallen, wie sehr ich eigentlich an meinem Leben in Deutschland hänge. Vor allem, da ich mich an viele Dinge gewöhnen musste, oder auch in den meisten Fällen einfach nur falsch verstanden habe. Zurzeit sind es aber nur die Gewohnheiten, welche ich in Deutschland hatte, z.B. sehne ich mich nach einem deutschen Schnitzel meiner Oma. In Kolumbien und allgemein in Lateinamerika ist es üblich, dass man zu fast jeder Mahlzeit Reis und Bohnen isst, ja auch oftmals zu Frühstück. Zwar ist das Essen sehr lecker hier und mir gefällt die Vielfalt an frisch gepressten Säften viel mehr als in Deutschland, jedoch fehlt es mir etwas an Abwechslung.

 

Wenn ich Probleme habe, vermisse ich natürlich auch meine Familie und Freunde aus Deutschland, um mit ihnen darüber zu reden. In den ersten Monaten fiel es mir wirklich sehr schwer, da ich mich in Kolumbien aufgrund der Sprache nie richtig ausdrücken und sagen konnte, was ich fühle, aber genau das hat mich selbstsicherer gemacht und ich merke auch jetzt schon, dass sich mein Charakter positiv verändert hat. Die Erfahrung hier in Kolumbien macht mich selbstbewusster.

 

Ich hätte nie gedacht, dass mich eine so kurze Zeit in Kolumbien so verändern könnte, und dafür möchte ich mich vor allem bei meinen Sponsoren dem Lions Club, Ein Herz für Kinder, und natürlich auch bei AFS bedanken. Ohne die Unterstützung dieser Vereine wäre es mir nie möglich gewesen, so eine Erfahrung zu machen. Ich bin ein Teil einer anderen Familie geworden und habe Freunde an der anderen Seite der Welt gefunden. Ich habe verstanden, was es bedeutet, eine andere Kultur kennenzulernen, und habe diese auch miterlebt. Es ist eine Erfahrung, an die ich mich ein ganzes Leben lang erinnern werde, und die ich auch in meinem zukünftigen Leben anwenden werde.

 

Nun freue ich mich auf weitere 6 Monate Kolumbien, in denen ich weitere unvergessliche Momente erleben werde.