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Man kann nicht erklären, wie man die Sprache lernt. Das ist einfach so

Jan, Polen, 2009/10,

Man kann nicht erklären, wie man die Sprache lernt. Das ist einfach so

Was habe ich in der zweiten Hälfte des Jahres erlebt...

In der zweiten Hälfte des Austauschjahres habe ich ein paar neue Sachen erlebt. Vor allem bin ich richtig viel mit meiner Gastfamilie gereist – natürlich mit dem Wohnmobil. Das freut mich besonders, weil ich schon in Polen darüber geträumt habe, die Deutsche Städte kennenlernen zu können. Wir waren zusammen z.B in Bayern, Hamburg, Nürnberg, Bamberg, Regensburg und so weiter. Am Besten gefällt mir Hamburg. Das ist eine tolle Stadt, wo ich wirklich leben könnte. Was hat mich während der Reise nach Bayern beeindruckt und überrascht, das war die Sprache Unterschied zwischen Hessen und Bayern (oder soll ich besser sagen, zwischen Bayrisch und Hochdeutsch). Ich habe erfahren und selbst erlebt, dass sich zwei Deutsche nicht unbedingt verstehen müssen. Ich werde bestimmt nie irgendjemanden verstehen, den richtig Bayrisch spricht. Zur Vergleichung, in Polen kann man so etwas nicht beobachten – wir sprechen alle die “gleiche” Sprache.

Auch während der Osterferien hat mich meine Gastfamilie zum Urlaub mitgenommen. Wir sind eine Woche durch die Kanäle “du Midi” mit einem tollen Hausboot gefahren. […] Das hat mit so ein großer Spaß gemacht, dass ich dieser Urlaub nie vergesse. Eines Tages hat mir mein Gastvater eine Überraschung gemacht und wir sind nach Dortmund gefahren, um ein Bundesliga-Spiel anzugucken. Das war ein perfektes Geschenk für mich, weil Fußball mein großes Hobby ist und ich habe noch nie ein Spiel live gesehen. Schon danach kann ich ehrlich sagen, mit etwa 80 Tausend Leuten im Stadion war es ein wunderbares Erlebnis. Ansonsten habe ich in der Zeit noch einige Freunde kennen gelernt und jetzt kann ich immer etwas mit ihnen machen. Etwas Neues werde ich auch im Verlauf der nächsten Wochen erleben. Nämlich nach dem Freitag bin ich schon mit meiner Schule fertig und ab Montag fängt mein Praktikum an. Ich freue mich schon darüber, denn in der Zukunft möchte ich Rechtsanwalt werden und mein Praktikum findet in einer Rechtsanwaltskanzlei statt. Ich hoffe, dass ich dort sehen werde, wie die Arbeit in Wirklichkeit aussieht und was soll ich nach dem Studium erwarten. In Polen hätte ich die Möglichkeit nicht gehabt, weil wir Normalerweise kein Praktikum machen.

Was habe ich über die deutsche Geschichte und Politik gelernt...

Über die Deutsche Geschichte habe ich schon ziemlich viel in Polen gelernt, deshalb nicht viele Sachen haben mich hier überrascht. Natürlich, wenn man über die Deutsch-Polnische Geschichte spricht, fast jeder sagt den Begriff: der Zweite Weltkrieg. Ja, mit der schlechten Geschichte sind wir verbunden. Ich finde es gut, dass ich mit meinen Freunden in Deutschland noch nie Probleme mit diesem Thema hatte und das ist voll richtig. Wir wissen alle, wie der Krieg verlaufen ist und was die Deutsche und die andere gemacht haben. Wir dürfen darüber nie vergessen, dass so etwas wie damals nie wieder passiert. Wir sind schon eine neue Generation und die Kriegsschuld liegt nicht an uns, deswegen sollten wir gut miteinander leben. […]

Ich wohne in Fulda. Die Stadt liegt in der nähe von der damaligen Grenze zwischen DDR und NRD. Manchmal lassen sich beeindruckende Geschichte über damaliges Leben “an der Grenze” hören – das ist so etwas, was man in der Schule nicht erfahren konnte. Über die Deutsche Politik weiß ich selbstverständlich etwas, aber ob das viel oder nicht viel ist, kann ich Ihnen nicht sagen. […] Dadurch, dass ich täglich die Tagesschau angucke und manchmal die Tageszeitung lese, erfahre ich die alle neue Informationen. Außerdem hatte ich auch Politik&Wirtschaft in der Schule. Trotz allem gibt es einige Dinge, die mich gewundert haben. Zum Beispiel jedes Bundesland darf über viele Sachen selbst entscheiden. Deswegen zwischen den Bundesländer bestehen manchmal große Unterschiede, z.B. Schulsystem.

Meine Vorstellungen und Erwartungen noch vor der Abreise nach Deutschland...

Noch vor der Abreise nach Deutschland, habe ich mir nicht so viele Erwartungen machen wollen, um mich später nicht überraschen zu müssen. Ja klar, irgendwelche Vorstellungen hatte ich, weil mein großer Bruder, der den Austausch auch gemacht hat, hat mir richtig viel darüber erzählt. Ich wollte vor allem:

  1. In einer netten Gastfamilie leben
  2. Vielleicht ein bisschen mehr Freiheit haben, als zu Hause
  3. Die Möglichkeit haben, Deutschland kennen zu lernen
  4. Ein toller Abenteuer erleben
  5. Die Sprache lernen
  6. Eine neue Kultur und neue Leute kennenlernen

In Polen hatte ich auch eine riesige Angst davor, dass ich die Deutsche Sprache nicht kenne und sie in Deutschland nicht lernen werde. Ich hatte meinen Bruder gefragt, wie er die Sprache gelernt hatte und er sagte: “Ich weiß es nicht... Das kommt einfach so, alleine.” Das hat mich damals genervt, weil ich wissen wollte, was ich in Deutschland machen sollte, um die Sprache zu lernen.

Vergleich mit meinen Erwartungen...

Der Anfang des Austauschjahres war für mich ziemlich schwierig. Die erste drei Monate bei meiner ersten Gastfamilie waren ein bisschen anders, als ich dachte. Erst nachdem ich die Gastfamilie gewechselt habe, hat alles gut geklappt und meine Erwartungen haben sich erfüllt. Jetzt ist der Austausch das schönste Abenteuer meines Lebens geworden. Ich bin auch damit zufrieden, was ich bisher beherrscht habe – ich meine die Sprache. […] Erst jetzt kann ich meinen Bruder verstehen, was er damals meinte. Man kann nicht erklären, wie man die Sprache lernt. Das ist einfach so.

Was werde ich von Deutschland vermissen und auf was freue Ich mich, wenn ich zurück nach Polen komme...

Ich habe noch Drei Wochen Zeit und dann muss ich zurück nach Polen. Schon wieder kommt dieser schwierige Moment, sich verabschieden müssen. Auf der einen Seite möchte ich schon nach Hause fahren, mich mit der ganzen Familie und allen Freunden treffen und wieder Polnisch sprechen. Aber auf der anderen Seite sind mir meine Gasteltern und manche deutsche Freunde auch wichtig. […] Jetzt ist die beste Zeit des Austauschjahres, weil man schon die Sprache kennt (mehr oder weniger) und Freunde hat. […]

Aaa, und natürlich die Gummibärchen, die ich unheimlich gern esse. Ihr habt hier mehr Sorten als wir.

Die beeindruckende Erlebnisse, die ich weiter erzählen wollte...

Ich habe viele Erlebnisse, die mich sehr beeindruckt haben. Bei mir sind das viele Situationen, die ich während des Alltags erlebt habe.

Für mich war der erste Schultag sowohl sehr beeindruckt als auch stressig, deswegen vergesse ich ihn nicht. Man muss in eine ganz neue Situation eintreten und ohne Sprachkenntnisse ein paar Freunde finden. Nach der ersten Stunde kommt den stressigen Moment – nämlich die Pause, also die erste Gelegenheit, mit den Leuten aus der Klasse zu sprechen. Du denkst nur, was und wie du sagen solltest, um mit ihnen Kontakt zu kriegen, aber nach einer Weile musst du nicht mehr nachdenken, denn alle Leute sind einfach aus der Klasse weggegangen. Ja, das war interessant. Später war schon zum Glück alles ok und ich finde meine Klasse super toll. Sie haben mir viel geholfen und waren immer nett zu mir.

Sehr interessant war auch die Weihnachtsfeier. Nämlich nach dem Abendessen, ungefähr um 22 Uhr, sind wir in einem Wald gegangen, um dort ein Weihnachtsbaum zu schmücken und die Weihnachtslieder zu singen.

Auch das Fußballbundesliga-Spiel in Dortmund und die Reisen durch Deutschland waren wunderbar.

Auf jedem Fall gefällt es mir hier sehr, und ich danke Ihnen, dass Sie mir den Austausch ermöglich haben.

Jan aus Polen, 2009/10