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Das Projekt wurde zu unserem zweiten Zuhause

Jasmin, Malaysia, 2014/15, IJFD

Alles begann am 22. Januar 2014 als ich mit meinen Mit-Freiwilligen in den Flieger nach Malaysia stieg. Irgendwie ist das jetzt, ein Jahr später zurück in Deutschland, ein verrückter Gedanke, denn dieses Jahr hat mich als Person und mein Denken verändert und geprägt.

Zu diesem Zeitpunkt wusste ich nicht wirklich was mich in Malaysia erwarten werden würde. Das einzige was ich wusste war, dass ich mit Laura, meiner Mit-Freiwilligen, in Taiping in einem Kinderheim arbeiten werde, doch was und wie genau das stand noch in den Sternen. Ich war total neugierig und versuchte mir auszumalen, wie mein Jahr in Malaysia wohl werden würde. Wie wird meine Arbeit im Kinderheim aussehen? Wie werden die Kinder auf uns regieren? Wie alt sind die Kinder? Wie werden wir untergebracht sein? Werden Laura und ich miteinander auskommen oder wird sich daraus sogar eine Freundschaft entwickeln? Und, und, und… Und wenn ich jetzt gefragt werde, wie mein Jahr denn so war, dann kann ich diese Frage nur schwer beantworten, denn es war eine unglaubliche Zeit und Erfahrung, geprägt von schönen, freudigen, aufregenden aber auch traurigen und herausfordernden Momenten. Es war nicht immer einfach, denn wir wurden mit Situationen konfrontiert, die wir nie erwartet hätten – positive wie negative, aber am Ende des Tages waren wir immer glücklich an genau diesem Ort gewesen zu sein.

Leben im Projekt

Wie gesagt, war unser Projekt das Kinderheim Taiping. Und heute kann ich sagen, dass es viel mehr als nur ein Projekt oder unsere Arbeitsstelle war, es wurde zu unserem zweiten Zuhause und die Menschen dort zu unserer zweiten Familie. Wie sich bei dem Arrival Camp in Kuala Lumpur herausstellte, handelte es sich um ein hinduistisches Kinderheim, in dem wir das Jahr über wohnen würden und Englischnachhilfe geben sollten. Als wir dort ankamen, waren nicht nur wir, sondern auch die Kinder und Mitarbeiter auf das Zusammentreffen gespannt. Die Kinder, Jungs wie Mädchen, waren im Alter von 6-17 Jahren. Anfangs waren alle etwas schüchtern und zurückhaltend, was sich nach einiger Zeit aber schnell legte. Zuallererst aßen wir zusammen zu Abend. Wenn ich jetzt an diesem Moment zurückdenke, muss ich schmunzeln, denn wie typisch für Malaysia isst man nicht mit Gabel und Messer, sondern mit seiner rechten Hand. Die ersten Tage war das total ungewohnt, aber irgendwie auch witzig und heute zurück in Deutschland vermisse ich es mit der Hand zu essen.

Jedenfalls bekamen wir im zweiten Stock des großen Gebäudes ein großzügiges Zimmer zu zweit, mit Schlaf- und Badezimmer. Natürlich waren die sanitären Anlagen etwas anders, als ich sie gewohnt war, aber mit der Zeit gewöhnt man sich an alles. Und irgendwann begann auch schon unsere Arbeit und wir bekamen jeweils zwei Mal am Tag 3er-Gruppen zugeteilt, denen wir Englischnachhilfe geben sollten. Ehrlich gesagt überforderte das Laura und mich im ersten Moment, denn wir dachten wir müssten ihnen die Grundlagen beibringen, doch von Analphabeten bis zu Englischkönnern war alles dabei. So mussten wir uns meist auf jedes Kind einzeln vorbereiten und individuell unterrichten. Ich würde jetzt mal behaupten, dass wir das das Jahr über ganz gut gemeistert haben. Jedoch zählte noch viel mehr als nur die Englischnachhilfestunden zu unserem Alltag, denn wir verbrachten jede freie Minute mit den Kindern. So wurde aus der anfänglichen Schüchternheit schnell ein großes Vertrauen und wir wurden als große Schwestern wahrgenommen.

Auf einmal hatte ich das Gefühl, dass ich 40 neue Geschwister dazu gewonnen habe. Ein ganz normaler Tag begann mit dem morgendlichen gemeinsamen Frühstück und Schulranzen packen. Am Nachmittag halfen wir bei den Hausaufgaben, beim Lernen für Klausuren und machten beim täglichen Sportprogramm mit. Nach dem Abendessen gab es dann wieder eine Stunde Zeit für Hausaufgaben. An Wochenenden fand sich Zeit zum gemeinsamen Fernsehen, Fußballspielen oder Tanzen. In den Ferien fanden Ausflüge in den Zoo oder zur Wasserfallquelle statt. Da es ein hinduistisches Kinderheim war, nahmen wir auch an den Sanskritstunden teil, beteten zusammen und gingen mit den Kindern in den Tempel. Aber nicht nur mit den Kindern, sondern auch mit den Betreuern und Angestellten führten wir ein gutes Verhältnis. All das fühlte sich nicht wie schwere Arbeit an, sondern mehr wie ein Zusammenleben in einer bunt gemixten großen Familie.

Sprache

Die Verständigung in Malaysia war generell kein Problem, da jeder in meinem Umfeld Englisch sprach, was leider auch dazu führte, dass man sich nur schwer eine neue Sprache aneignet. Dennoch versuchten wir es auf eigenem Wege, was auch nur theoretisch funktionierte, da wir die meiste Zeit im Kinderheim verbrachten und diese tamil sprachen. Mit den Kindern und Angestellten kommunizierten wir allerdings auf Englisch, schließlich war dies unsere Aufgabe. Ich hatte das Gefühl, dass sich das Englisch der Kinder verbessert hatte und auch mein Englisch fließender aber auch „verindischt“ wurde.

Betreuung durch AFS

Insgesamt war ich mit der Betreuung von AFS Malaysia zufrieden. Es gibt einige Punkte, an denen etwas gearbeitet werden kann, aber da AFS Malaysia noch recht neu ist, ergeben sich diese Punkte durch Befragungen der Freiwilligen Jahr für Jahr. Ansonsten war ich mit AFS Malaysia sowie AFS Deutschland während meines Aufenthaltes sehr zufrieden. Bei Problemen und Fragen stand uns immer jemand per E-Mail oder in persönlichen Gesprächen zur Verfügung. An Festlichkeiten organisierte AFS Malaysia mehr oder weniger immer eine Gastfamilie für uns. So hatte ich am Anfang meines Aufenthaltes zu Chinese New Year auch gleich die Chance Gleichaltrige kennenzulernen. Mit Joshua, einem Chinesen, und Ana Nadja, einer Malay, und deren Familien bin ich bis heute befreundet. Durch diese Organisation von AFS Malaysia hatte ich unter anderem die Chance Chinese New Year, Hari Raya und Deepavali kennen zu lernen.

Globales Lernen

Globales Lernen bedeutet für mich Weltoffenheit. Miteinander und voneinander zu lernen und sich auszutauschen. Mit unterschiedlichen Kulturen zusammen zu leben, dadurch andere Sitten, Bräuche und Religionen kennenzulernen, lernen zu verstehen und zu akzeptieren. Da ich persönlich von meinen Erfahrungen und dem interkulturellen Lernen auf Augenhöhe profitieren konnte, werde ich auch in Zukunft das Ziel globaler Entwicklung verfolgen, indem ich die Seminarschulung bei AFS machen werde, um somit weitere Freiwillige auf ihr Auslandsjahr vorbereiten zu können. Unter anderem engagiere ich mich momentan im Arbeitskreis Asyl in meinem Ort. Weiterhin möchte ich auch später im sozialen Bereich arbeiten.