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Ich habe in diesem Jahr viel gelernt

Mary Mayen, Malaysia, 2012/2013, Schuljahr im Ausland mit dem Allgemeinen AFS-Stipendienfond-Stipendium

Ich habe in diesem Jahr viel gelernt

Jetzt bin ich schon seit knapp fünf Wochen nicht mehr in Südostasien, Malaysia meine zweite Heimat, wo ich ein ganzes Jahr meines Lebens verbracht habe. Die Stunden, Tage und Monate flogen nur daher und plötzlich stand ich wieder am Internationalen Flughafen von Kuala Lumpur und sollte meinen Rückflug nach „Good, old Germany.“ antreten. Wie konnte nur dieses Jahr so schnell vorbei rasen?

Eine Frage, die mir immer wieder seit meiner Rückkehr gestellt worden ist, war „Wie war es?“ Eine Frage, mit der ich mich auch beschäftigt habe und mir ist sehr schnell aufgefallen, dass sie einfach nicht zu beantworten ist. Ich hab an Malaysia mein Herz verloren, an den Natur dort, die Kulturen und die vielen, vielen Menschen, die ich treffen durfte, auch nur für den Bruchteil einer Sekunde, die mich aber mit ihrem Lächeln bestätigen ließen, dass ich auf jeden Fall wiederkommen werde.

Ich wurde Teil der Klasse

Was mich mein ganzen Jahr begleitet hat, war die Schule, in der ich wundervolle Menschen kennenlernen durfte, von denen ich weiß, dass sie mich wahrlich in ihre Klasse aufgenommen hatten. So haben sie mir meinen letzten Schultag zu einen meiner schönsten Tage in meinem bisherigen Leben gemacht. Mein letzter Schultag begann ganz normal, nachdem ich wie an meinem ersten Schultag eine Rede gehalten habe, um mich von allen zu verabschieden und plötzlich überraschten sie mich in kleinen Etappen den ganzen Tag mit Sachen, von denen sie mitbekommen haben, dass ich sie mag. Mein Lieblingsessen, mit mehreren gesungenen Liedern und mit einem Armbandanhänger in Form einer Geschenkbox, damit ich immer alle Erinnerungen an sie mit mir tragen könne.

All dies zeigte mir einfach, dass Freundschaft ein sehr großes Wort ist, aber häufig von Leuten benutzt wird ohne deren Bedeutung zu kennen. So hab ich in Malaysia häufig mitbekommen, dass Freunde einfach übereinander schlecht reden bzw. schlecht über eine der anderen zwei ethnischen Hauptgruppen sprechen und denen gar nicht bewusst ist, dass sie damit ihren Freund beleidigen. Ich hab gemerkt, dass man auch in kurzer Zeit, Freundschaften entwickeln kann, die teilweise enger sind als mit Freunden, die man ein Leben lang hatte. Wozu meine fünf, fantastischen Mädchen gehören mit denen ich in eine Klasse gehen durfte.

Die Kommunikation ist anders als in Deutschland

Ein Ja ist ein Nein und ein Nein ist eigentlich ein Ja. Ein nett gemeinter Ratschlag, eine Aufforderung. So oder so ähnlich kann man sich die Kommunikation vorstellen. Asiaten und dem entsprechend auch Malaysier sind Meister in der indirekten Kommunikation. Was zu Anfang ein richtiges Hindernis war. Was war nun eigentlich gemeint hinter dieses Aussage, dachte ich mir so oft, da wir in Deutschland gewohnt sind Probleme einfach direkt und offen anzusprechen, nicht so dort.

Eine Sache, die mir das ganze Jahr zu denken gegeben hat, war dass das Vertreten der eigenen Meinung nicht gefördert wird. Es gibt viele Personen in meinem Alter, die dieses auch noch nie hinterfragt haben. Oft habe ich erlebt, dass einfach Sachen so akzeptiert werden, nur weil jemand gesagt hat, etwas sei so richtig und auch wenn man selbst damit nicht zufrieden war. Das Gleiche gilt auch für „Gegen den Strom schwimmen.“ So ist mir häufig aufgefallen, dass vieles gleich negativ ist nur weil einer in einer Gruppe etwas anderes macht oder sich nur etwas anders kleidet. So bekommen schon kleine Kinder eingeprägt, man solle bloß nichts hinterfragen und das tun, was alle anderen auch tun um ein guter Teil der Gruppe zu sein.

Ich habe gelernt mit offenen Augen durch die Welt zu gehen

Eine wichtige Sache die ich in Malaysia gelernt habe, ist mit offeneren Augen durch die Welt zu gehen und auch augenscheinliche Kleinigkeiten mehr schätzen zu wissen, denn immer und überall kann man Dinge sehen, erleben die einen glücklich machen, auch wenn es vorher nicht den Anschein gemacht hat.

Dadurch, dass Malaysia ein vom Islam geprägtes Land ist wurden die verschiedenen Rollenbilder von Mann und Frau teilweise schon recht deutlich. Ich selbst habe in einer malaiischen Familie gewohnt, wo mein Gastvater nach außen hin am Schluss immer das letzte Wort hatte. So ist mir aber auch in einer chinesischen Familie aufgefallen, dass sobald der Vater zum Restaurant aufbrechen will, alle ganz schnell versuchen fertig zu werden, damit er als Familienoberhaupt und Mann im Haus nicht warten muss.

Respekt ist wichtig

Etwas ganz wichtiges in der Kultur Malaysias ist der Respekt. Überall und zu jeden Zeitpunkt kann man sehen, dass in jeglicher Form Respekt gezeigt wird. Es fängt schon in der Schule an, wenn ältere Schüler mit Senior angesprochen werden, anstatt direkt mit ihrem Namen. Sobald einem ein Lehrer entgegen kommt, wird ihm Platz gemacht und der Kopf als Zeichen des Respekt gebeugt. In der malaiischen Kultur ist es sogar mancherorts üblich, dass sogar die nur wenige Monaten älteren Familienmitglieder oder Personen mit dem typischen „Salam-Gruß“ begrüßt werden. Bei diesem Gruß verbeugt man sich und führt man zuerst die Hand der Person zum Mund/Stirn um sie zu „küssen“ und dann die eigenen Hände zum Herzen, als Zeichen der Freundlichkeit und Respektes einer anderen Person gegenüber. Ältere Leute empfinden es sehr unangebracht, wenn ihnen eine jüngere, untergestellte Person direkt in die Augen schaut, was mir wirklich sehr schwer fiel, da es hier in Deutschland als unhöflich gilt, wenn man keinen Blickkontakt herstellt.

Und plötzlich war ich wieder am Flughafen in Kuala Lumpur, dort wo mein Jahr in Malaysia angefangen hat. Ich hab in diesem Jahr viel gelernt, durfte Sachen erleben, wozu ich sonst nicht die Chance dazu gehabt hätte und habe mich selbst besser kennengelernt. Rückblickend bin ich mir bei manchen Sachen gar nicht mehr so sicher ob ich sie wirklich machen durfte. Schwimmen in solch türkisen Wasser bei Redang Island, was schon unecht wirkte. Nachts auf den höchsten Gebäude der Umgebung die wunderwollen Lichter und dahinter den Ozean zu sehen und viele, viele Kleinigkeiten, die ich als großartige Erinnerungen an mein Jahr in Malaysia im Herzen tragen werde.

Zuletzt möchte ich mich bei den Leuten vom Allgemeinen AFS-Stipendienfond bedanken, die mir das Stipendium zu Gute kommen lassen haben. Ohne die hätte ich dieses tolle Jahr nie antreten können. Vielen Dank dafür!