• Kontakt
  • Facebook
  • Twitter
  • Youtube
  • Blogger

Viel über mexikanische Kultur und Lebensweise gelernt

Niklas, Mexiko, 2012/13, weltwärts

Viel über mexikanische Kultur und Lebensweise gelernt

Es gibt viele Unterschiede zwischen der mexikanischen und deutschen Kultur. Einer ist der Familienzusammenhalt und der Stellenwert der Familie. Das enge Verhältnis zu meiner Familie wurde dadurch verstärkt, dass ich nicht besonderes viele Freunde außerhalb der Arbeit hatte und daher sehr viel mit ihnen unternommen habe. Allgemein war ich meistens mit älteren Leuten zusammen, da ich in meiner Arbeit und sonst auch eigentlich immer der Jüngste war.

Kulturelle Unterschiede

Selbstverständlich gibt es auch kulturelle Unterschiede, mit denen ich mich arrangieren musste. Zum Beispiel sprechen viele Mexikaner viele Probleme nicht direkt an. Da wir alle fünf in meiner Familie nicht nur zusammen gelebt, sondern auch zusammen gearbeitet haben, gab es viele Konfliktpunkte. Ich selber bin eher ein direkter Typ, der sagt, was ihn stört, woran die Mexikaner sich auch erst einmal gewöhnen mussten. Ein anderer Unterschied zwischen den Kulturen ist die Gastfreundlichkeit der Mexikaner. Ich war ganz oft bei einem Mitbewohner von mir zu Hause. Seine Familie hat nicht viel Geld, aber immer, wenn wir kamen - auch unangekündigt am späten Abend - , hat uns seine Mutter was zum Essen gemacht. Ähnliches habe ich mit einem Arbeitskollegen erlebt, mit dem ich häufiger in Schulen zusammen gearbeitet habe. Als wir uns das erste Mal gesehen haben, hat er uns gleich in der Mittagspause zu sich nach Hause eingeladen, und seine Mutter hat uns ein leckeres Mittagessen zubereitet.

Das Essen unterscheidet sich auch sehr von dem deutschen. Am Anfang ist es etwas gewöhnungsbedürftig, da es zu allem Tortillas und Bohnen gibt. Aber es ist super lecker und in keinem anderen Land, in dem ich war, kann man so gut und so günstig auf der Straße essen. Am Anfang war ich da auch vorsichtig, weil immer gesagt wird, das man sofort krank wird von dem Essen auf der Straße, aber da ich meistens mit Freunden oder Mitarbeitern unterwegs war, dachte ich, dass sie schon wissen, wo man essen kann.

Der erste Tag in meinem Projekt

Der erste Tag in meinem Projekt, war auch etwas ganz Besonderes. Arbeitsbeginn war um 14 Uhr, was mich auf jeden Fall gefreut hat am Anfang, auch wenn das bedeutete, das ich manchmal bis 21 Uhr oder noch länger arbeiten musste. Da meine Arbeit aber nur fünf Gehminuten von meinem Haus entfernt war, war das auch kein Problem. Allgemein habe ich ca. 7 Stunden am Tag gearbeitet, von Montag bis Freitag.

Meine Hauptaufgabe war die Produktion und Ausstrahlung von Fernsehprogrammen über einen Internetfernsehkanal, der diversimedios.com heißt. Für diesen Kanal haben wir mehrere Programme produziert und live ausgestrahlt. Verschiedene Leute haben zu verschiedenen Themen Programme erstellt, die ich dann aufgenommen habe und live gesendet habe. Zum Beispiel hatten wir ein Programm über Kino und Filme, eins über Klatsch und Tratsch, eins von Lesben für Lesben, von Schwulen für Schwule und eine abendliche Talkshow, in der über aktuelle Themen geredet wurde. Zeitweise hatte ich auch mein eigenes Programm über Fußball, in dem ich Ausschnitte von den letzten Bundesliga- und Champions League-Spielen gezeigt habe, um den Mexikanern den deutschen Fußball ein wenig näher zu bringen.

Das Interessanteste waren die Veranstaltungen

Das Interessanteste an meiner Arbeit waren aber die Veranstaltungen, die wir organisiert haben. Da wir uns gegen die Diskriminierung der homo- und transsexuellen Gemeinschaft eingesetzt und außerdem über HIV/AIDS informiert haben, haben wir viele Seminare, Märsche und ähnliches organisiert. Außerdem haben wir viel mit Jugendlichen über Aufklärung gesprochen. Alles in allem habe ich viel bei meiner Arbeit gelernt und bin sensibler für viele Themen geworden.

Ich habe mich während meines gesamten Aufenthaltes nur auf Spanisch verständigt, da viele Mexikaner auch keine andere Sprache kennen oder nur sehr wenig. Außerdem habe ich im Jahr 2009 ein Schüleraustausch in Argentinien gemacht und konnte dementsprechend gut Spanisch. Am Anfang musste ich mich ein bisschen umgewöhnen, da sich das mexikanische Spanisch sehr von dem argentinischen Spanisch unterscheidet. Ich wurde natürlich von vielen auch ein bisschen schräg angeguckt, weil ich eine argentinische Aussprache mit deutschen Akzent hatte. Nach kurzer Zeit hat sich das aber auch gelegt und ich konnte mich super mit allen unterhalten und wurde auch meistens verstanden. Bis zum Ende des Jahres haben sich meine Sprachkenntnisse noch einmal verbessert, aber ich habe immer noch einen Akzent, da mich zum Beispiel jeder Taxifahrer gefragt hat, woher ich komme, sobald ich ihm die Adresse gesagt habe. Deswegen habe ich auch keinen richtigen Sprachkurs belegt, sondern nur ab und zu mit einem meiner Mitbewohner gelernt. Alles in allem war es aber gut, dass ich schon Spanisch sprechen konnte, denn dadurch konnte ich direkt in die Arbeit einsteigen und auch selbstständig arbeiten.

Interkultureller Austausch

Ein ganz anderer Aspekt und meiner Meinung nach der wichtigste an dem Programm ist der interkulturelle Austausch. Ich habe viel gelernt in dem Jahr über die mexikanische Kultur und Lebensweise. Ich habe mich selbst weiterentwickelt und ich hoffe, dass die Menschen in meiner Umgebung auch von mir etwas lernen konnten, wenn es auch nur der Abbau von Vorurteilen war. Dieser kulturelle Austausch und das gegenseitige Kennenlernen bedeutet für mich globales Lernen und ist in der heutigen Welt extrem wichtig. Deswegen empfehle ich auch jedem, mal für eine gewisse Zeit im Ausland zu leben. Denn dadurch sieht man auch die eigene Kultur von einem anderen Standpunkt und sieht viele Dinge als nicht so selbstverständlich. Man lernt aber auch, dass man die Dinge nicht so einfach verändern kann.

Ich persönlich versuche, meine Erfahrungen hier in Deutschland an Freunde und Bekannte weiterzugeben, um auch sie für solche Themen zu sensibilisieren. Außerdem kann ich mir gut vorstellen, mich später ehrenamtlich bei Organisationen wie AFS zu engagieren, um anderen die gleiche Möglichkeit zu geben, die ich hatte.