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Drei Monate in Gongabu

Karsten, Nepal, 2011, CSP

Drei Monate in Gongabu

Wieso entscheidet man sich für Nepal? Nun, das erscheint in meinem Falle ganz einfach: Dieses Land schien von den zur Auswahl stehenden (in Asien/Afrika) von der Temperatur mit am angenehmsten zu sein und zudem hatte ich von Bekannten gehört, dass es dort ein „hervorragendes Gebäckangebot“ geben solle – das reichte dann schon, denn schließlich wollte ich was erleben und lernen, vom Grunde her egal wo – schließlich ist das wichtigste ja, dass man sich irgendwo einigermaßen nützlich macht, und im Juli 2011 ging es dann los.

AFS hatte mir eine Flugreise mit Air India von Frankfurt über Neu-Delhi nach Kathmandu vorgeschlagen und, obwohl nicht unbedingt billiger als Flüge von München über Muskat (Oman), machte sie doch vor allem einen Sinn: gleich mit der Wahl der Fluggesellschaft tritt man in eine ganz andere Welt ein: Bordsprache Hindi, Tee sowie noch mehr Tee und – natürlich – für meinen Gaumen unglaublich scharfes Essen (ach ja, inzwischen ist benanntes Unternehmen eigentlich schon pleite, reduzierte innerhalb meiner Zeit in Asien mehrmals sichtlich die Preise, um überhaupt noch Gäste zu bekommen, aber, zumindest beim Flug, den ihr ja noch zusätzlich zu bezahlen habt, dürftet ihr weniger bezahlen als im Vorjahr). Plant früh, was ihr nach Programmende machen wollt, um Umbuchungsgebühren zu sparen. Solltet ihr noch länger im Lande (bspw. zum Wandern oder Bergsteigen) bleiben wollen, achtet auf die Art eures Visums und für wann genau ihr es euch ausstellen lasst, in Deutschland gibt es keinerlei Probleme bei der Beantragung und mir wurde wunderbar unkompliziert geholfen.

Unsere Ankunft

Ich reiste mit einem anderen Freiwilligen aus Hamburg und gleich nach Ankunft (die Koffer heil und als allererste auf dem Fließband angekommen) wurden wir gleich mit aller Hektik und Freundlichkeit die Koffer aus der Hand gerissen und den Marmorfußboden langgeschleift – zwar wurde uns vom Leiter der IDF (Ideal Friendship Nepal, AFS vermittelt euch an diese Organisation weiter) per Mail mitgeteilt, dass wir ja nicht unsere Koffer an Träger abgeben sollten, da diese uns, den wahren Wert der Währung nicht kennend, ausnehmen würden, damit dass sie uns weggerissen wurden, dachten wir nicht, passt auf, sonst seid ihr gleich im Eifer des Gefechts erstes Geld los – am besten tauscht ihr gar nicht in der Wechselstube am Flughafen, (die nehmen nämlich 200 Rupien, z.Z. ca. 1,80 €, Tauschgebühr, die in normalerweise nicht anfällt), zumal ihr dann ja auch kein Scheine in den Taschen haben könnt, dann werdet ihr eher in Ruhe gelassen. Eigentlich muss Bargeld auch nicht mitgenommen werden, man findet recht schnell einen Automaten, bei dem ihr Geld abheben könnte (und mit einer „Postbank Sparcard“ könnt ihr dies pro Jahr zehn Mal im Ausland auch ohne Gebühren tun, was für eure Bedürfnisse sicher langen sollte.

Nach den Kofferjägern trafen wir dann auch schon Rajan, welcher uns zu einem Hostel der Organisation nach Bhaktapur (eine Stadt östlich von Kathmandu) fuhr. Über die einzige zweispurige Straße Nepals ging es irgendwann scharf links auf einen Sandweg, bis wir nach einigen Biegungen vor einem Tor standen. Sogleich überfällt einen die nepalesische Freude über die Ankunft (doppelte Begrüßung und die sofortige Einladung zum Tee – Achtung, sehr, sehr süß!) eines jeden (und besonders Fremden) – es heißt, als Gast sei man „König“ und das ist in keinem Weise auch nur im Ansatze gelogen, einem Fremden wird stets die Tür geöffnet und für ihn auch das letzte Stück Essen aufgetrieben, damit er auch ja zufrieden das Haus wieder verlassen kann. Wirklich annehmen sollte man dies jedoch nur, wenn man sich sicher ist, dass die Köchin selber etwas abbekommt, traditionellerweise wird zuerst der Gast, dann das „Familienoberhaupt“, nach diesem eventuell vorhandener Nachwuchs und erst als letztes die „Hausfrau“ verköstigt.

Nepalesisches Leben

Bal von IDF führte uns bei der obligatorischen Tasse Tee ein wenig in das Land, die Bräuche, Sitten sowie Gefahren ein. Auf Bal kann man sich wunderbar verlassen, er ist bei Facebook und natürlich auch über den Mobilfunk zu erreichen (SIM-Karten werden besorgt, funktionieren aber nur in nepalesischen Netzen, man kann allerdings beispielsweise aus Deutschland angerufen werden, dies allerdings nicht selber tun, eine Gesprächsminute kostet umgerechnet ein bis zwei Cent). Wenn ihr das Land, wie wir, größtenteils in der Regenzeit besuchen werdet (Juni bis September), müsst ihr euch wahrlich nicht grämen: In der Innenstadt laufen nicht gerade viele Touristen herum und ihr werdet dann besonders die Möglichkeit haben, auch außerhalb eurer Gastfamilien sowie eurem Arbeitsort einigermaßen unverfälschtes „nepalesisches Leben“ kennenzulernen – zudem werdet ihr trotzdem eine Menge weiterer Bekanntschaften machen, über IDF arbeiten beispielsweise auch Schweden, Australier oder auch Chinesen, und überhaupt: Das nepalesische „Volk“, wenn man es denn so nennen mag, besteht aus über 100 verschiedenen ethnischen Gruppen!

Bevor ihr jedoch in eure Gastfamilien kommt, werdet ihr eventuell gefragt werden, ob ihr eine Kurzreise (5 Tage) nach Sauraha (Chitwan Nationalpark) und Pokhara machen wollt. Wer sich vorher noch so wirklich verwöhnen lassen möchte (und damit meine ich unverschämten Luxus), der sei mit Bals ngebot (ca. 165 € inkl. 4-Sterne-Hotel-Übernachtungen, Busfahrten und organisierten Touren) richtig bedient. Ansonsten gibt es, vor allem in der Nebensaison die Möglichkeit, eine Kategorie tiefer (ebenso als eine Art Pauschalreise, in Pokhara hatten wir aber kein Programm) zu buchen, wofür man sich vorher am besten in dortigen „Reisebüros“ informiert. Wer solch eine Tour ungeplant gestalten möchte, der kann sich diese im Laufe der Zeit auch ohne Probleme selber organisieren, doch auch ich als nicht gerade großer Anhänger jeglichen Pauschaltourismus' halte dies für einen netten Einstieg, zumal man später nicht in Hektik kommt, wenn man am Ende des Aufenthaltes noch etwas sehen möchte. Wer am Bergsteigen seine Freude hat, kann unter anderem auch für ein paar Hunderter auch Annapurna-Wanderungen oder eine Tour zum Basislager des Mount Everest unternehmen.

Ankunft in der Gastfamilie und die neue Schule

Nun aber zum wirklich wichtigen Teil: dem richtigen Leben in einem Land, welches auf der Ranglisten der reichsten nicht gerade ganz oben steht. Nach unser Wiederankunft in Kathmandu wurden wir noch am gleichen Nachmittage in verschiedene Ecken des Tales verteilt, für mich ging es mit Bal ganz in den Norden, nach Gongabu in die Familie des Schulleiters einer Privatschule. Privatschule? - Das klang nicht gerade nach sozialer Hilfe, die ich einzusetzen gedachte, dennoch ist es nicht nur dank besserer Ausstattung und dem Umfeld trotzdem eine gute Möglichkeit zu helfen.

Wir alle vier waren an Schulen untergebracht, nur einer von uns an einer staatlichen. Solch einen Platz zu bekommen ist, was auf den ersten Blick verwundern mag, schwieriger, wo man doch denken mag, dass gerade öffentliche Einrichtungen eher Hilfe benötigen und diese auch wollen. Dem ist aufgrund von Korruption und vielen weiteren Plagen oft leider nicht so. Neben schulischen Einrichtungen bestehen unter anderem aber auch Möglichkeiten, in Waisenhäusern oder für die Einhaltung der Frauenrechte zu arbeiten, nur sind in dem Bereich nicht so viele Plätze verfügbar.

Im Villenviertel gelandet

Bei Ankunft an meinem zukünftigen Zuhause war ich zuerst bass erstaunt: Ich war in einer Art Villenviertel gelandet und meine Familie schien ein ganzes Stockwerk für sich alleine zu haben. Bei einem Durchschnittslohn von 25 € monatlich erwartet man ja nicht gerade viel, aber praktischerweise gibt es ja das Kastensystem, welches einem Teil der Bevölkerung wenigstens Hartz-IV- Niveau beschert – und trotz eurer Nichthinduzugehörigkeit werdet ihr aufgrund eurer monetären Situation als Brahmanen (oberste Kaste) gesehen, ganz abgesehen davon sind Gäste ja bekanntlich Könige. Nehmt es so, wie es kommen mag, ich für meine Seite war jedenfalls sehr erstaunt, meine Familie besaß einen Laptop, eine Küche sowie ein Bad – erwartet erst einmal gar nichts, dann werdet ihr euch später umso mehr freuen ☺

Das Familienleben gestaltete sich für mich recht offen und es fiel nicht wirklich schwer, sich zurechtzufinden und „angenommen“ zu werden, zumal ich mit roten Haaren generell eine riesige Attraktion darstellte. Wirkliche Verwunderungen entstehen aber vor allem bei dem Aufeinanderprallen so verschiedener Kulturen: In Nepal gilt es als unhöflich, still zu essen, schmatzen und schlürfen betont die gute Qualität des Essens – klar, dass ich am ersten Abend sehr komisch angeguckt wurde, dass ich wohl nicht einer bin, der gerne mit Händen isst, schienen sie aber schon vorher gewusst zu haben, neben meinem Teller lag ein Löffel. Zudem dürfte das Essen für die meisten Europäer recht gewöhnungsbedürftig sein: eigentlich jedes Gericht hat irgendetwas mit Reis zu tun, das Nationalgerichtादातलıभ ı (Dal Bhat) besteht grundsätzlich aus Reis, ein wenig Gemüse und Linsensuppe – und besonders letztere sollte man möglichst nicht zu oft zu sich nehmen, Hülsenfrüchte enthalten bekanntermaßen ja besonders viele Ballaststoffe, und was die so in Gang setzen, muss an dieser Stelle nicht weiter erwähnt werden. Mehr als nur erfreut nimmt man auf, dass bei vielen Festen und Zeremonien (es gibt über 80 davon im Jahr und schulisch auch so einige Feiertage mehr als die von mir als Nordlicht neidisch beguckten Bayern) die Teilnehmer sich mit Blumengirlanden gegenseitig schmücken und im allgemeinen sehr viel getanzt wird.

Individuelle Erfahrungen

Sofern man, wie ich, zuvor noch nie in Asien war, verdienen insbesondere die sanitären Einrichtungen erhöhte Aufmerksamkeit: Aber wie genau die körperliche Abfallentsorgung genau funktioniert, möge jeder für sich selber in Erfahrung bringen, eines sei erwähnt: die 25 Cent für eine Rolle Klopapier waren wirklich jedes Mal ihr Geld wert – und wie diese Erfahrung sind auch andere für jeden etwas ganz besonderes, Familie, Schule, der Umgang mit den Menschen, alles wird sich bei jedem ganz individuell ausprägen.

An meiner Schule war es üblich, jeden Morgen, ganz nach britischem Vorbilde, eine „Morning Assembly“ abzuhalten, bei der die Schüler für den neuen Tag begrüßt und einige Fragen zum „Aufwärmen“ gestellt wurden. Zudem war neben einem Schullied auch die Nationalhymne Pflichtprogramm:

Die Nationalhymne

सय थूंगा फूलका हामी, एउटै माला नेपाल सावभौम भइ फैलएका, मेची-महाकाल। कृ"तका कोट-कोट स%पदाको आंचल वीरह)का रगतले, *वत+, र अटल। .ानभूम, शाि+तभूम तराई, पहाड, 3हमाल अख5ड यो 6यारो हा7ो मातृभूम नेपाल। बहुल जा"त, भाषा, धम, सं*कृ "त छन ् ?वशाल अ@गामी राAB हा7ो, जय जय नेपाल।. Wir sind hunderte von Blumen, eine Girlande – Nepali, souverän, es erstreckt sich von Mechi bis nach Mahakali. Es häuft alle Bodenschätze an, Beim Blut der Helden ist es unabhängig und unerschütterlich. Land des Wissens, Land des Friedens, Terai, Hügel, Berge, unteilbar sei dies geliebte unser Mutterland Nepal. Die verschiedenen Rassen, Sprachen, Religionen und Kulturen sind so beträchtlich Unsere fortschrittliche Nation, lang lebe, lange lebe Nepal.

Jetzt spätestens merkt man nicht nur an der Schrift, dem Devanagari ,dass an dieser Hymne etwas nicht stimmt: Keine Gewalt, dafür aber Kultur(en) und die Vielfalt der Natur und Sprachen wird in den Vordergrund gehoben – reichlich ungewöhnlich für die meisten europäischen Hymnen – und das hat vor allem einen Grund: Der Text ist gerade mal ein halbes Jahrzehnt alt und bis 2008 war Nepal ein Königreich und nachdem der Monarch nach Ende eines zehn Jahre andauernden Bürgerkrieges aus seinem Amt gejagt worden war, war der alte Text, der nichts als dem König ein langes Leben und beste Gesundheit wünschte, nicht gerade zeitgemäß. Bei uns in Deutschland wird Patriotismus aus vielen Gründen nicht groß geschrieben und der Gedanke an solchen löst bei mir auch nicht gerade Freudensprünge aus, doch rührte mich vor allem die Art, wie frei und fröhlich diese Hymne gesungen wurde, sodass die stille Hoffnung auf Frieden und Wohlstand jedes Mal neu aus ihnen allen herauszuströmen schien.

Unterricht

In meinem Falle füllte Nepali aber nur in der Hymne und dem muttersprachlichen Unterricht das Schulleben aus – ansonsten wurde stets Englisch gesprochen und genau das war meine Aufgabe: möglichst viel und frei mit den Kindern Englisch zu reden, Spiele zu spielen, aber auch in sämtlichen Fächern recht spontan zu unterrichten – mangelnde Nepalikenntnisse stellen ebenso kein Problem dar, dennoch sollte man zumindest auch schon am Anfang einige Floskeln beherrschen, mit denen man sich sogleich beliebt machen kann. Wie schon erwähnt, man ist als Ausländer eine wahre Attraktion und es bedarf keiner besonderen Begabung, die Kinderherzen im Sturme zu erobern, wenn euch mal nichts einfallen sollte, erzählt einfach ein wenig von Europa und wie ihr Nepal im allgemeinen findet – ich beispielsweise berichtete nicht so viel über „mein“ Leben gut 7000 Kilometer entfernt (weil ich zu Anfang dachte, es könnte angeberisch wirken, was es aber dem Anschein nach in keinem Falle tat – für die Schüler war ich ein „Held“, alleine nur, weil ich irgendwann die nepalesische Nationalhymne mitsang (das beste, was ihr machen könnt, nachdem ich dann noch auf kreischende Kinderanfragen hin von den Comedian Harmonists was sang und versuchte, Pavarotti zu imitieren, wurde ich dazu gezwungen, in einer Klasse sogar Autogramme zu geben – seid einfach ihr selbst – es kann gar nichts schiefgehen ;-)

Eine weitere herrliche Erfahrung war für mich das Kleiderwaschen: Waschmaschinen sind ebenso wie Kühlschränke Mangelware und somit wusch ich meine Kleidung per Hand, ein wunderbares Unterfangen, auch dieses sollte man sich nicht nehmen lassen, bei mir kamen die Lachmuskeln so richtig zu Einsatz:

Abschließend noch einige Tipps, die euch das Leben bestimmt vereinfachen werden:

  1. Internetcafes und Telephonanschlüsse sind inzwischen keine Seltenheit mehr, für zehn bis 15 Cent die Stunde könnt ihr PCs benutzen, zwei Cent kostet ein Anruf pro Minute über ein Internettelephon und dem ganzen könnt ihr mit etwas Glück auch entfliehen, nehmt, wennvorhanden, einfach euren Laptop mit und hofft auf Skypemöglichkeiten, um mit dem anderen Ende der Welt Kontakt aufzunehmen.
  2. Respektiert die Bollywood-Sucht sämtlicher Nepalis, ihr werdet besonders die Frauen nicht davon abbringen können, auch wenn ihr noch so gute Argumente haben solltet.
  3. Fahrt mit den Bussen in die Innenstadt, sie sind ein richtiges Erlebnis (bis zu 30 Leute in einem Minivan sind keine Seltenheit) und fahren zu einem festen Preis (zwischen zehn und 20 Cent pro Fahrt), so erspart ihr euch zumindest in der Anfangszeit lästige Verhandlungsphasen in Taxen oder beim Riksha-Fahren, versucht dabei, wie auch beim Kauf von Souvenirs, immer denPreis um zumindest die Hälfte herunterzuhandeln, mit der Zeit werdet ihr euren Spaß dran haben, die Busaufschriften sind allesamt in Devanagari, Schriftkenntnisse sind nicht von Nachteil, aber bei Problemen wird euch stets geholfen.
  4. Achtet nur darauf, dass der Helfer nicht gleich mit euch nach Hause fahren möchte.
  5. Wer während seines Nepalaufenthaltes nicht ganz auf seine vertrauten Süßigkeiten oder Lieblingsspeisen verzichten möchte, ist in Thamel, dem kleinen Touristenviertel Kathmandus, bestens aufgehoben, allerdings sind die Straßen, vor allem außerhalb der Monsunzeit, von Touristen überlaufen und die Qualität der Speisen eben nicht so wie beim „heimischen“ Italiener oder deutschen Bäcker, aber trotzdem werdet ihr an diesen Gassen sicher nicht vorbeikommen, ich selber besuchte nach einigen Wochen eigentlich nur noch Restaurants außerhalb des Viertels, am besten gefiel mir das Snowman Cafe in der Nähe der Altstadt (samstags und sonntags werdet ihr frei haben – nutzt die Möglichkeiten zum AFSlertreffen und gemeinsamem Plaudern, da euer Platz in Nepal definitiv im Kathmandutal sein wird, werdet ihr, im Vergleich zu anderen Ländern, die Möglichkeiten haben, euch untereinander auszutauschen, was oft unbezahlbar ist).
  6. Das Betreten in die historischen Stadtteile von Bhaktapur, Lalitpur und Kathmandu kostet Geld (für Bhaktapur beispielsweise gut elf Euro, was euch nach nur ein paar Tagen in Nepal teuer vorkommen wird, hier lohnt es sich, vorher schon Passphotos mitzunehmen, dann muss der Eintritt nur einmal gezahlt werden und ihr könnt die wunderschönen Gebäude mehrmals genießen.
  7. Im Gegensatz zum (Fast-)nachbarstaat Bhutan hat sich Nepal für Touristen viel mehr geöffnet, Andenken werdet ihr in den Innenstädten geradezu um die Ohren geschmissen bekommen (und das zu vollkommen unverhältnismäßigen Preisen), die meisten Pagode in Bhaktapur ...wenn der Bus mal voll ist... Dinge bekommt ihr im unicef-Laden in Bhaktapur, dort sind feste Preise ausgegeben und man tut, ähnlich wie im tibetischen Flüchlingslager in Pokhara (200 Kilometer westlich Kathmandus) was gutes und geht mit Sicherheit keinem Händler auf den Leim.
  8. Nepal ist, trotz täglich Reis auf dem Speiseplan, ein kulinarisches Land: probiert einfach alles durch, was vorher erhitzt/gekocht wurde (Ausnahmen Joghurtgetränke wie Lassis – einfach unwiderstehlich), ansonsten gilt immer: Hände lieber mehr als zu wenig waschen und Desinfektionsspray nicht vergessen!
  9. Der Hinduismus war bis vor einigen Jahren Staatsreligion und prägt mit über 80 % Anhängern in der Bevölkerung das öffentliche Leben und auch wenn man es vor euch versuchen wird zu verbergen, ist es unmöglich, der Armut aus dem Wege zu gehen: die Diskriminierung aufgrund einer Kastenzugehörigkeit ist zwar seit über 40 Jahren verboten, dennoch leben die Menschen mit diesem System in einer Art selbstverständlichen Akzeptanz, alleine bei einem Spaziergang durch die Stadt wird man Hunderten von Bettlern über den Weg laufen und resignieren müssen: am besten gibt man keinem was, sie laufen einem ansonsten hinterher, spätestens nach zwei Wochen lernte ich, damit zu leben und die Situation zu akzeptiere.
  10. Nepal bildet die Grenze des indischen Kontinents zu Asien und ist eine der von Erdbeben gefährdetsten Regionen der Welt, am 19. September 2011 erschütterten Stöße der Stärke 6,9 die Provinz Sikkim direkt an der Grenze zu Nepal, in Kathmandu selber wurde immerhin 5,5 gemessen, für die Stadt ging das Ereignis glimpflich aus, Statistiken zufolge ist ein großes, das letzte große Beben gab es 1934 mit einer Stärke von 8,2, bitte seid euch dieser Gefahr in jedem Falle bewusst!
  11. Zudem besteht am Ende der Monsunzeit die Gefahr von Erdrutschen, welche im Extremfall das Tal nur noch über Flugzeuge erreichen lässt, die Straßen bestehen zumeist aus Sandpisten, nur die wenigsten sind asphaltiert.
  12. Nach dem Ende der Monarchie wurde 2008 ein neues Parlament gewählt: Die Maoisten gewannen die Wahlen mit gut 40 % der Stimmen und stellen aktuell (seit letztem August) den Premierminister, sie streben Bodenreformen, Zusammenfassung von Privatschulen in Kollektive sowie eine „kulturelle Revolution“ an, das gesamte politische System Nepals ist tief von Korruption durchzogen, die Sicherheitslage im Land instabil und oft wird das ganze öffentliche Leben durch sogenannte „Bandhs“ (Generalstreiks) lahmgelegt. Die endgültige Verabschiedung einer Verfassung ist das Ziel der letzten Jahre, scheitert aber immer wieder an Forderungen der Maoisten und den Positionen der anderen Parteien.
  13. Die Pressefreiheit ist grundsätzlich gewährleistet, es gibt vier unabhängige englischsprachige Tageszeitungen (je drei bis fünf Cent), über die ihr euch gut informieren könnt, einen besonders guten Überblick schafft myrepublica.com.
  14. Als „weiße“ Menschen seid ihr sicher, denn ihr bringt schließlich Geld ins Land, man wird euch stets freundlich begegnen (ich machte in dem Punkt zumindest keine negativen Erfahrungen), auf Demonstrationen solltet ihr nie mitmarschieren, recht selten werden Ausgangssperren verhängt, an die ihr euch strikt zu halten habt.
  15. Die Luftverschmutzung ist im Centrum des Tales sehr hoch, am besten nehmt ihr euch einen kleinen Vorrat an Mundschutzmasken mit.
  16. Jeder, der für eine längere Zeit in Nepal war, wird zwingend, wenn er es denn nicht schon ist, zum Teetrinker, jeden Morgen bekam ich mindestens zweimal Milchtee und auch der Masalatee ließ mich gelegentlich schwelgen, auch hier gilt: einfach mal ausprobieren :-) Pflicht: der Lassi.

Fazit

Im Laufe der Zeit empfand ich die meisten Dinge, die am Anfang teilweise schockierend über mich hereinbrachen, als das normalste der Welt, beispielsweise die Art der Nepalesen, auch bei einer Entfernung zu einem anderen von nur zwei Meter Entfernung durch die Wand zu schreien, anstatt kurz den Raum zu wechseln, der Umgang mit Tieren (Schlachtung auf der Straße sowie Straßenhunde, aber auch das Lahmlegen des Verkehres durch eine einzelne Kuh, die es sich kurz gemütlich gemacht hatte) oder die Tatsache, dass in einem solchen Land nicht ansatzweise von einer „Schere zwischen arm und reich“ gesprochen werden kann, eher von Bergen. Die kulturelle Umstellung war für mich enorm, so werden ein fester Glaube an Astrologie, einige Heiligtümer (so zum Beispiel Schuhe, Socken, barfuß und die einzelne Verwendung dieser „Kleidungsstile), ein übermäßiges Vorkommen an Straßenwerbung, die über 80 Feiertage im Jahr, eine andere Zeitrechnung (Nepal wird am 15. April 2012 den Beginn des Jahres 2069 feiern), gewohnheitsmäßig Preisverhandlungen, der Umgang mit Abfällen und die politische Situation im Lande jeden zumindest anfangs mehr als nur etwas verwundern.

In meiner freien Zeit nach meinen vier Stunden spielte ich recht häufig mit den Schulkindern Basketball (und trotz meiner nicht gerade vorhandenen Begabung war ich aufgrund meiner 180 Centimeter viel größer als jeder andere in der Schule (auch keiner der Lehrer maß mehr als 170) und somit perfekt dafür geeignet. Überhaupt war das persönliche Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern vorbildlich: Es wurde gemeinsam gegessen, gesungen, getanzt und gespielt, hinduistische Feste in aller Ausführlichkeit und ohne jegliche Hektik gefeiert – überhaupt schienen mir Nepalis viel gelassener zu sein. Recht gelassen war ich auch beim Abschied, da ich noch eine kleine Reise vor mir hatte, erst jetzt beginne ich mehr und mehr, vieles zu vermissen und überlege, im Sommer 2012 wieder nach Nepal zu reisen.

Zum Schluss sei noch zu sagen, dass ihr euch Nepal trotz einiger Hindernisse zu einem Paradies machen könnt, fast jeder wird euch mit einem Lächeln und Hände zusammenfaltend begrüßen, tut es ihnen gleich, singt und feiert mit ihnen alle die glücklichsten Wochen eures Lebens, entdeckt eine ganz neue Welt und ihr werdet irgendwann auch das wohlbehütete Chaos der Straßen, Geschrei und das Land in seiner unglaublichen Vielfalt lieben. Schreibt Tagebuch, nimmt ein großes, ihr werdet es mehr als nur brauchen!