• Kontakt
  • Facebook
  • Twitter
  • Youtube
  • Blogger

Herzlich, vielseitig, lebendig

Laura, Nepal, 2010/11, CSP

Herzlich, vielseitig, lebendig

Nepal – Natur, Lebensfreude und Feste gemischt mit Armut, hoher Kindersterblichkeit und Ressourcen-Verschwendung. Faszinierend und manchmal auch schockierend.

Meine Gastfamilie

Meine nepalesische Gastfamilie war einfach nur herzlich und lieb. Ihre Unterstützung hat mir über so manchen Kulturschock hinweggeholfen. Außerdem brachten sie mir die Hintergründe einer zumeist wunderbaren Tradition und Gesellschaft so viel näher. Ich bin froh, dass ich in einer Gastfamilie und nicht mit anderen Freiwilligen oder gar alleine gewohnt habe. Sonst hätte ich wohl weniger von meinem Aufenthalt mitgenommen. Fast alle Nepalis, die ich in meiner Zeit in Nepal getroffen habe, mögen sie auch noch so kritisch gegenüber der Korruption oder ähnlichen Problemen sein, lieben ihr Land aus ganzem Herzen. Und sie lieben es, es einem Fremden näher zu bringen, was es sehr viel einfacher und schöner macht, Nepal kennenzulernen.

Mich hat das Nepal-Fieber gepackt

Was mich von Anfang an zum Lächeln und Lachen gebracht hat, ist die Freude der Menschen. Und auch die Geschäftigkeit auf den Straßen, die ich so sehr ins Herz geschlossen habe– Nepal lebt, ist bunt, vielleicht auch laut, aber dafür immer herzlich und man wird überall mit offenen Armen empfangen. Außerdem gibt es so viele Möglichkeiten und Dinge, die man sich unbedingt anschauen will, wenn einen erstmal das Nepal-Fieber gepackt hat, dass man gar nicht weiß, wo man anfangen soll! In diesen paar Monaten habe ich sehr, sehr viele Menschen kennengelernt, denen ich viel zu verdanken habe – andere Freiwillige sowie auch Nepalis. Ich habe eine Menge interessante Einblicke in das Alltagsleben bekommen, das manchmal auf sehr einfachen Verhältnissen aufbaut.

Boote auf einem Fluss in Nepal, wo Laura ihren FSJ-Freiwilligendienst machte

Selbst wenn meine Gastfamilie ziemlich wohlhabend war und ich dadurch nicht immer so sehr mit dem traditionellen Nepal in Kontakt kam, gaben sich alle um mich herum Mühe, mich so gut wie Möglichkeit mit den Gebräuchen bekannt zu machen. Die Wochenenden kann man in Nepal prima dazu nutzen das Land zu erkunden – die Busse sind sehr günstig und so kann man wirklich viel entdecken. Es lohnt sich und man sollte sich die wunderbare Natur Nepals nicht entgehen lassen! Zudem gibt es auch zahlreiche Tour Angebote. Ich muss wirklich empfehlen, wandern zu gehen. Wenn man schon einmal im Land des Himalaya ist, sollte man es auch genießen und sich den Urlaub dafür gönnen! Zudem gibt es Dschungel Safaris, Rafting, Bungee Jumping (der höchste Punkt in Asien wenn ich mich nicht irre), Kayaking, Canyoning etc etc. Es gibt auch wunderschöne Feste in Nepal – Teej, das Frauenfest; Dashain; Tihar. Sie alle sind voll von familiärem Zusammensein, gutem Essen und Tanz.

Meine Einsatzstelle

Unter der Woche arbeitete ich in einer Menschenrechtsorganisation (CWISH), die sich vor allem auf Kinderrechte spezialisiert hat. Was wahrlich ein Feld ist, in dem es eine ganze Menge zu tun gibt. Das ist manchmal sehr schockierend und traurig, aber eben darum auch sehr wichtig und ich bin sehr froh, den Platz hier bekommen zu haben. Zwei Tage die Woche habe ich in einer der non-formellen Schulen meiner Organisation Englisch unterrichtet. Für Kinder die sonst, meist weit weg von ihrer Familie, in Haushalten anderer angestellt sind. Zwei Stunden pro Tag erlaubt ihnen ihr Arbeitgeber von CWISH Bildung zu erhalten.

Die anderen drei Tage war ich hauptsächlich im Büro, habe Berichte oder Newsletter geschrieben. Meine Projekte waren zum Beispiel einzelne Fallberichte über Kinderarbeiter zu schreiben, deren Zukunftschancen durch das Eingreifen von CWISH oft eine ganze neue Wendung bekommen haben. Danach habe ich eine solche kleine Reportage über Haushaltshilfen gemacht welche durch CWISH und eine kooperierende Institution ein Training über effektive Arbeit und ihre Angestelltenrechte bekommen haben. Und schlussendlich habe ich auch Interviews mit Frauen geführt, die durch CWISH und Mitrataa, (eine australische Organisation) Bildung bekommen und ein spezielles Training, um in der Zukunft ein eigenes Geschäft eröffnen zu können.

Das bedeutet Unabhängigkeit für sie, in einer Gesellschaft in der Frauen vor allem in ländlichen Gebieten immer noch extrem von Männern dominiert werden. Die Aufgaben, die ich auf der Arbeit bekommen habe, fand ich oft sinnvoll und wirklich sehr interessant. Allerdings gab es auch sehr frustrierende Momente, vor allem da die nepalesischen Mitarbeiter oft nur sehr wenig Zeit für mich hatten und ich teilweise nicht genug zu tun hatte. Außerdem zeigten die anderen oft nicht wirklich Interesse an mir. Daher musste ich lernen mit Langeweile umzugehen und auch sehr direkt mitzuteilen was ich von meinem Freiwilligendienst erwarte. Zum Ende hin hatte ich dann viele Projekte und habe mich sehr wohlgefühlt.

Land und Leute

Stadt in Nepal

Nepalis freuen sich sehr, wenn man sich ein wenig Mühe gibt ihre Sprache zu lernen. Von daher würde ich raten sich wirklich auch vorher schon ein wenig dahinter zu klemmen. Gerade mit älteren Menschen, die sehr viele Geschichten und Erfahrungen mit einem teilen wollen, kann man so besser in Kontakt kommen. Auch Nepalkunde – nicht mit der linken Hand essen, nicht über die Beine eines anderen steigen, nicht zu viel Haut zeigen (mindestens Knielänge und Schulter bedeckt) – kann helfen und außerdem andere um einen herum beglücken. Nepalis generell lieben es mit Menschen aus dem Westen in Kontakt zu kommen und freuen sich sehr, wenn man ihnen zeigt, dass man sich Mühe gibt ihre Kultur zu verstehen.

Mein Fazit

Ich bin unfassbar glücklich, dass ich diesen Freiwilligendienst geleistet habe. Ich habe wirklich gute Freundschaften geschlossen und Menschen kennengelernt, deren Perspektiven, ob nun über das Leben an sich, Menschenrechte oder Nepal's Kultur, mich sehr berreichert haben. Die Sicht der Dinge ist eben teilweise anders und teilweise können einem zum Beispiel junge Frauen, die für ihre Rechte kämpfen, weil sie es müssen, sehr viel Motivation schenken. Ihr Beispiel ist bewundernswert und es wert, sich dafür auch längerfristig und von Deutschland aus einzusetzen.

Laura in einem Garten in Nepal während ihres AFS-Freiwilligendienstes

Meine Erfahrungen in Nepal sind einfach einmalig und wunderbar und ich könnte seitenlange Aufsätze darüber schreiben! Kurzgesagt: Herzlich, vielseitig, lebendig: Nepal.