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Interview mit Entsende-Mutter Juliane Morrison

Juliane Morrison
Juliane Morrison

Die eigene Tochter mit 15 Jahren ins Ausland gehen lassen ist nicht einfach. Wie wird sie in dem fremden Land zurechtkommen? Wie wird die Gastfamilie sein, bei der sie unterkommt? Wird sich gut um sie gekümmert? Dies sind nur einige Fragen, die Eltern besonders vor dem Austausch beschäftigen.

 

Juliane Morrison aus Karlsruhe ist Mutter der 15-jährigen Anna, die im Februar 2018 in ihr Austauschjahr nach Chile startete. Im Interview hat sie uns erzählt, wie es für sie war, ihr Kind loszulassen, wie es ihrer Tochter geht und warum sie die Erfahrung allen Eltern empfehlen kann.

AFS: Liebe Frau Morrison, drei Monate ist Anna nun in Chile. Wie geht es ihr gerade?

Juliane Morrison: Gut soweit, auch wenn es vielleicht schwieriger ist, als sie es sich am Anfang vorgestellt hatte und es immer wieder zu emotionalen Krisen kam. Ihre Gastschwester ist momentan etwas eifersüchtig, aber sie arbeiten daran, das zu lösen. Anna macht viele Erfahrungen, aus denen sie sehr viel lernt.

Wie haben Sie sich damals informiert? Und wie sind sie auf AFS als Austauschorganisation gekommen?

Die Tochter von Freunden hat ein Austauschjahr in Costa Rica mit AFS verbracht und ihre Mutter war mit der Organisation sehr zufrieden. Sie fühlte sich gut betreut und ihre Tochter hatte ein tolles Austauschjahr verbracht. Dort hatten wir das erste Mal Berührung mit AFS. Es gab außerdem einen Infoabend an Annas Schule und ca. ein Jahr vor der geplanten Abreise haben wir uns dann intensiver mit dem Thema beschäftigt.

 

Nachher lief es darauf hinaus, dass es wohl AFS oder YFU werden würde, durch die positiven Erfahrungen noch weiterer Bekannter und dadurch, da auch Anna AFS gefiel, haben wir uns schlussendlich für diese Organisation entschieden.

Waren Ihnen die ehrenamtliche Basis und die Gemeinnützigkeit wichtig?

Ja sehr, wir finden das gut. Es war klar, dass das niemand des Geldes wegen macht, sondern aus anderen Gründen und mit viel Engagement. Und das schafft Vertrauen.

Wie sind sie auf Chile als Zielland gekommen? Stand es von Anfang an fest?

Anna wollte anfangs eigentlich nach Kanada oder Australien. Die Länder sind aber relativ teuer und durch familiäre Bindung hat sie Kanada ja auch schon etwas kennengelernt bzw. später noch die Möglichkeit, längere Zeit dort zu verbringen. Durch die positiven Erfahrungen der Tochter unserer Bekannten in Costa Rica mit AFS habe ich Anna gefragt, ob sie sich nicht auch vorstellen könnte, ihr Auslandsjahr auch dazu zu nutzen, einen ganz neuen Kulturkreis und eine neue Sprache kennenzulernen.

 

Anfangs hat sie der Gedanke in ein spanisch-sprachiges Land zu gehen etwas abgeschreckt, da es an ihrer Schule kein Spanisch gab. Auf dem Einführungsseminar hat sie dann mit AFS-Ehrenamtlichen Kontakt gehabt, die selbst in Lateinamerika gewesen waren und war danach begeistert. Bei den Länderwünschen hat sie dann Chile und Costa Rica angegeben und es kam direkt die Zusage für Chile.

 

Es ist schon ein Sprung ins kalte Wasser, man darf das auch nicht unterschätzen. Anna hat zwar vor ihrer Ausreise noch VHS-Kurse belegt und sich Grundkenntnisse der Sprache angeeignet, aber im Alltag ist es nochmal etwas ganz anderes. Es hat einige Wochen gedauert, bis sie sich auf Spanisch verständlich machen konnte und auch jetzt ist die Kommunikation natürlich noch schwierig und anstrengend für sie. Aber auch wenn das Austauschjahr in Chile sicherlich eine deutlich größere Herausforderung für sie ist, als es das in Kanada gewesen wäre, glaube ich, dass es für sie auch der größere Gewinn sein wird.

Hatten Sie vorher Vorstellungen oder Wünsche hinsichtlich des Austauschjahres?

Ich hatte das eher nicht. Anna schon, sie hat sich sehr eine Gastfamilie mit Kindern gewünscht, die aktiv ist und viel mit ihr unternimmt. Es hieß aber auch von AFS vorab, dass es nicht darum geht, eine Familie zu haben wie zu Hause, sondern um neue Erfahrungen, die tolle Chancen bieten.

 

Anna hatte sich auch erhofft, dass sie viel vom Land sieht und die Familie mit ihr reist. Allerdings ist sie dort ja nicht im Urlaub und keine Touristin. Eine Reise mit einer anderen AFS-Austausschülerin zu einem Onkel des anderen Mädchens durfte Anna noch nicht machen, da sie noch nicht lange genug im Land ist, um ohne ihre Gastfamilie reisen zu dürfen. Das war zwar enttäuschend für sie, aber sie ist ja auch erst seit etwa einem Vierteljahr dort und um das Land zu sehen gibt es sicherlich auch später noch Möglichkeiten.

 

Wie fühlt es sich an, das eigene Kind gehen zu lassen – das ist sicherlich nicht ganz einfach als Mutter? Wie fühlen Sie sich betreut und mitgenommen durch AFS?

Es ist super, dass ich nichts weiter machen musste und AFS die Familie und Schule organisiert. Ich weiß, dass sich Anna jederzeit an ihre Kontaktperson vor Ort wenden kann, wenn etwas ist. Es ist sehr beruhigend zu wissen, dass dort immer jemand ansprechbar ist, der sich auskennt und Verantwortung übernimmt.

 

Aber Anna ist auch einfach ein selbstständiges und verantwortungsbewusstes Kind. Ich hatte ihr damals gesagt: Wenn du ein Auslandsjahr machen möchtest, dann unterstützen wir dich dabei, aber du musst dich auch selbst darum kümmern und z.B. Briefe und E-Mails von AFS aufmerksam lesen, die geforderten Unterlagen besorgen u.s.w.. Insgesamt hat sie das gut gemacht und wir haben ihr aufgrund ihrer inneren Stabilität und Reflexionsfähigkeit und ihrer sozialen Fertigkeiten immer zugetraut, eine solche Herausforderung zu meistern.

 

Ich fühlte mich persönlich aber auch gut betreut und immer mit allen notwendigen Infos versorgt. Natürlich haben wir uns anfangs Gedanken darüber gemacht, wo Anna wohl landen wird, auch bezüglich des Sicherheitsaspektes. Wir sind jedenfalls froh, dass Anna jetzt in einer kleineren Stadt und nicht Santiago ist. Ich bin aber generell eher nicht so ängstlich. Außerdem weiß ich, dass AFS die Kinder nicht irgendwo hinschicken würde, wo es unsicher ist.

 

Natürlich kann immer was passieren – aber das kann es hier auch. Aber es ist gut zu wissen, dass sie vor Ort in einer Gastfamilie ist. Diese sind ja oftmals auch noch behütender als die Ursprungsfamilie. AFS hat das Thema Sicherheit aber auch auf den Vorbereitungswochenenden mit den Jugendlichen sehr gut aufgegriffen und sie gut vorbereitet, für die Eltern gab es entsprechend schriftliche Informationen, das hat mir sehr gut gefallen.

Was hat für Sie denn eine gute Vorbereitung ausgemacht?

Es wurde einfach an vieles gedacht. Auch Anna fühlte sich richtig gut vorbereitet. Da ging es um ganz unterschiedliche Themen, eben auch um Sicherheit, die Kultur des Landes oder eben das Rollenverständnis von Mann und Frau. Zu wissen, dass Anna sich schon im Vorfeld mit so vielen kulturspezifischen Aspekten und möglichen Herauforderungen auseinandergesetzt hatte, hat es uns leichter gemacht, sie gehen zu lassen.

 

Hat das Austauschjahr die Familienverhältnisse verändert? Merken Sie eventuell schon jetzt, dass Anna sich verändert hat?

Absolut! Sie war zwar noch nie besonders pubertär, aber ein Entwicklungsprozess hat eigentlich schon in dem Moment bei ihr eingesetzt, in dem sie sich entschieden hatte, das Auslandsjahr zu machen. Es gab ein gemeinsames Thema, wir haben uns einfach mehr ausgetauscht, sie hat sich weniger abgegrenzt. Außerdem ist sie deutlich selbständiger geworden. So ist sie ist alleine mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu den Vorbereitungswochenenden gefahren ist, die teilweise weiter weg waren. Das hat damals sicherlich eine Herausforderung für sie dargestellt, aber es war ihr wichtig.

 

Ausgehend von dem Input an den Vorbereitungswochenenden hat sie sich mit Themen wie Normen und Werte, eigene Einstellungen, Vorlieben, Bedürfnisse beschäftigt und über den Tellerrand geschaut. Sie hat jedes Mal begeistert von den Wochenenden erzählt und die Themen kamen im Gespräch immer wieder auf. Da habe ich bemerkt, dass die Vorbereitungszeit einfach viel bei ihr bewirkt.

 

Auf einem der Vorbereitungswochenenden wurde den Jugendlichen empfohlen, die Offenheit gegenüber Anderen bereits zu üben, sich ggf. auch auf neue Kontakte einzulassen. Und das hat Anna super umgesetzt. Sie ist bei entsprechenden Gelegenheiten aktiv auf andere zugegangen, hat Kontakt zu Schülerinnen und Schülern aus anderen Ländern aufgenommen und hat viel Freude daran gehabt.

 

Die unterschiedlichen Inhalte wurden den Jugendlichen sehr ansprechend vermittelt, es wurden Selbstreflexionsprozesse angestoßen, sodass wir einen Reifungsprozess auch im Sinne einer Persönlichkeitsentwicklung beobachten konnten: Anna ist in dem Vorbereitungsjahr deutlich offener, interessierter, verantwortungsbewusster und selbständiger geworden.

 

Jetzt in Chile ist sie natürlich mit vielen Herausforderungen konfrontiert, die sie sich sicherlich so auch nicht vorher vorstellen konnte. Aber sie ist lösungsorientiert und schaut aktiv, was sie tun kann, sorgt auch für sich selbst und holt sich bei Bedarf Unterstützung, worüber ich sehr froh bin.

Juliane und Anna am Abreisetag
Juliane und Anna am Abreisetag

Fiel Ihnen der Abschied am Flughafen – der Moment der Abreise – schwer?

Den Abschied am Flughafen fand ich gar nicht so schlimm, die Wochen davor waren für mich emotional anstrengend gewesen, da ich mich gedanklich auf den Abschied eingestellt und die letzten Wochen vor der Abreise meine Zeit mit Anna sehr bewusst verbracht hatte. Ich hatte mich ja schon lange mit der bevorstehenden Trennung auseinandergesetzt und auch die ganzen organisatorischen Anforderungen erledigt, das war schon ziemlich aufregend und da war es dann irgendwann auch gut, dass es endlich losging. In dem Moment fiel auch einfach eine Anspannung von mir ab – für meinen Mann war der Abschied anfangs schwerer, da er sich vorher nicht so intensiv damit auseinandergesetzt hatte. Und natürlich vermissen wir alle Anna, vor allem zu typischen „Familienzeiten“ (z.B. Urlaub).

 

Was würden Sie Eltern raten, deren Kinder darüber nachdenken ein Austauschjahr zu machen?

Wenn die Kinder das wirklich wollen, und die Eltern trauen es ihnen zu, dann sollen sie es machen. Es ist eine unheimliche Bereicherung und bringt das Kind auf vielen Ebenen weiter. Aber ich glaube auch, dass die Kinder sich selbst kümmern müssen und damit zeigen, dass sie es wirklich wollen und bereit sind, dafür auch Anstrengung und vielleicht so manche Unannehmlichkeit auf sich zu nehmen. Denn das wird im Auslandsjahr auf jeden Fall auf sie zukommen. Aber wenn diese Bereitschaft da ist, dann sollte man das Kind aus meiner Sicht unbedingt darin unterstützen. Außerdem macht es Sinn, sich rechtzeitig damit auseinander zu setzen und genügend Zeit für die Planung und Vorbereitung zu haben.

 

Würden Sie AFS Ihren Bekannten und Freunden weiterempfehlen?

Ja, absolut. Aufgrund der wirklich guten Vorbereitung, der Begleitung auch während des Auslandsjahres, z.B. durch die AFS-Newsletter und dem Wissen, dass immer Ansprechpartner vor Ort sind, können wir AFS auf jeden Fall weiter empfehlen. Wir fühlen uns sehr gut betreut.

 

Vielen Dank für das Gespräch.

Eine High School im Ausland besuchen

Das eigene Kind ins Ausland gehen zu lassen fällt nicht immer einfach. AFS versteht dies und bietet daher eine Rundumbetreuung an. Seit über 70 Jahren führen wir Jugendaustauschprogramme durch und sind eine der ältesten und erahrendsten Austauschorganisationen. Über 3.000 Ehrenamtliche engagieren sich deutschlandweit und betreuen auch Sie während des Austauschjahres Ihres Kindes direkt vor Ort. Unser Notrufdienst ist 24-Stunden an 365 Tagen im Jahr für Notfälle erreichbar. Sowohl für Sie in Deutschland, als auch für Ihr Kind im Ausland.

 

Sie möchten AFS persönlich kennenlernen? Dann kommen Sie zu einer unserer Infoveranstaltungen oder Messen in ganz Deutschland. In unserem Veranstaltungskalender finden Sie das nächste Event in Ihrer Nähe.

 

Sie haben Fragen? Wir beraten Sie gerne persönlich von Montag bis Freitag, 10-20 Uhr unter 040 399 222 0.

 

Sie und Ihr Kind können sich jederzeit über unser Onlineportal bewerben. Beim Einführungsseminar lernt Ihr Kind dann AFS ganz persönlich und hautnah kennen und kann sich einen Eindruck vom AFS Spirit machen.

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