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Wintersport, Cola Kakker und ein Weihnachten ohne Schnee?

Lisa, Norwegen, 2012/13,

Wintersport, Cola Kakker und ein Weihnachten ohne Schnee?

Wenn ich einen Sonnenuntergang in Norwegen beobachte, dann weiß ich, warum ich hier richtig bin und wie sehr ich dieses Jahr doch genieße. Es ist unbeschreiblich schön, wie die Sonne hinter den Bergen scheinbar zerläuft und sich ihre Strahlen noch einige Minuten über das gesamte Tal legen. Und wie sie, wenn der Sternenhimmel schon klar zu sehen ist, immer noch ihre letzten Lichter verteilt. Das mag kitschig klingen, aber für mich als Flachlandbewohner sind die Berge faszinierend und etwas völlig anderes! Danach ist es allerdings auch immer wieder schön an den Wochenenden mit warmem Ofen, Tee, Cola Kakker, Chips mit Dip, Brus und anderen norwegischen Köstlichkeiten das Leben zu genießen und sich mit der Familie zu entspannen, während es draußen schon seit 14.30 Uhr dunkel ist.

Viele Möglichkeiten Sport zu machen

Hier in Namsos leben ungefähr 13 000 Einwohner. Ich lebe hier also momentan wirklich nicht das „Big-City-Life“ … und das ist gut so! Natürlich fehlt es mir manchmal einfach zu McDonalds fahren zu können oder mal spontan mit Freunden um die Häuser zu ziehen, aber dafür lerne ich hier viele andere Dinge kennen, wie beispielsweise neue Sportarten. Ich konnte schon Volleyball und Handball ausprobieren, das ist allerdings beides doch nicht so mein Sport. Das Reiten konnte ich aus Geldgründen nicht fortsetzen, hier in Norwegen ist es einfach sehr teuer. So wie eigentlich alles. Ich möchte aber demnächst Schwimmen gehen und natürlich beginnt bald die Skisaison. Vielleicht beginne ich auch damit Badminton zu trainieren. Mal sehen, denn es bieten sich einfach sehr viele Möglichkeiten an verschiedene Dinge auszuprobieren. Was viele Norweger gerne machen ist eine ‚Tur‘. Ich selbst war noch nicht so oft auf Wandertur, möchte das aber in diesem Jahr noch ändern. Norweger laufen sogar in der Sportstunde mal eben auf einen Berg hoch. Das fand ich im ersten Moment nicht sehr witzig, aber mittlerweile erkenne ich, woran die Leute Spaß haben.

Aktivitäten am Wochenende

Ich möchte euch aber nicht den Eindruck vermitteln, dass man in Norwegen nur wandern geht und sonstigen Sport macht. Die Norweger wissen durchaus wie man Partys feiert und Spaß am Leben hat. Partys hier sind echt eine lustige Sache. Freitagabende sind eigentlich immer Tacoabende, welche man entweder mit Freunden oder der Familie verbringt. Das ist immer unglaublich koselig. Ich kann natürlich nicht für alle sprechen aber ich hab den Eindruck, dass hier oben das Familienleben mehr geschätzt wird. Gemeinsame Aktivitäten sind häufiger und man vertraut sich mehr an als das in Deutschland der Fall ist. Samstage sind meistens die Tage, in denen man etwas mit Freunden macht. Allerdings arbeiten auch viele Norweger. Daher muss man sich wohl damit abfinden, dass sie nicht so viel Zeit für das „abhängen“ haben wie man es für gewöhnlich aus Deutschland kennt. Sonntage sind dann wirklich meistens „Chillertage“ die man in Jogginghose verbringt. Man unternimmt oft was mit der Familie oder entspannt sich einfach.

Ich für meinen Teil begnüge mich gerne damit Wintersport zu gucken, da ich diesen liebe. Insbesondere Biathlon interessiert mich sehr, Platz 1 auf meiner Wunschliste des Lebens ist ja ein Treffen mit Emil Hegle Svendsen, DEM Topbiathleten Norwegens. Biathlon ist leider auch in Norwegen nicht so bekannt wie erhofft, Handball und Langlauf wird schon eher geschaut. Nun ja, meine Familie werde ich schon noch bekehren, haha :D

Familienwechsel

Für mich stand außerdem ein Familienwechsel an, der beidseitig als notwendig betrachtet wurde. Zu meiner alten Gastfamilie habe ich aber immer noch Kontakt, sie sind jetzt sogar meine Kontaktfamilie da wir praktisch „Rollen getauscht“ haben. Meine ehemalige Kontaktfamilie und ich haben uns nämlich von Beginn an super verstanden und so haben sie entschieden, dass sie mich gerne als Austauschschüler aufnehmen würden. Nach einigen Wochen konnte ich zu ihnen ziehen und ich bereue nichts daran!

Meine Gastschwester ist wie meine wirkliche Schwester für mich und meine Gasteltern sind super. Mein Bruder wohnt zwar nicht mehr bei uns im Haus aber wir haben trotzdem ein tolles Verhältnis. Alle hier sind sehr warmherzig, witzig und lieb und ich muss sagen, dass ich mir keine andere Familie mehr vorstellen kann. Obwohl ich noch nicht sehr lange bei Ihnen lebe fühle ich mich herzlich aufgenommen und weiß jetzt schon, dass ich diese Menschen unglaublich vermissen werde wenn es soweit sein wird! Ach, und natürlich nicht nur die Menschen, auch meine neuen Freunde auf Pfoten - unsere Hündin Milla und Katze Tussi ;)

Austauschjahr als Möglichkeit zur Selbsterkenntnis

Ich habe in den ersten vier Monaten hier schon viel gelernt und ich weiß, dass noch vieles kommen wird. Es gibt so vieles zu erkennen. Was mich angeht geht es im Austauschjahr vor allem darum, sich selbst kennen zu lernen und genauso zu akzeptieren wie man ist. Nur so kann man sehen was das Wichtigste im Leben ist. Man erkennt die wahren Freundschaften, die falschen Lieben und die richtigen Wege leichter wenn man immer ehrlich zu sich selbst ist. Das Austauschjahr ist ein guter Vorwand etwas im Leben ändern zu wollen und ich gebe gerne zu, dass das einer meiner Gründe für ein Jahr wie dieses war. Weg zu kommen, sich frei zu strampeln, so etwas in die Richtung.

Sich wirklich zu ändern ist allerdings schwieriger als man denkt, es lohnt sich jedoch in jedem Fall. Ohne diesen Fortschritt weg von dem was einem immer zurückgehalten hat kann man sein Leben nicht so leben wie man es eigentlich will. Ich werde immer an Dinge zurückdenken die vor dem Austauschjahr passiert sind aber ich habe auch beschlossen, dass vieles nicht mehr so sein kann wie vorher. Man sollte die Dinge bevorzugen die einen glücklich machen und diese, die dich umsonst kämpfen lassen, frei geben. Bei all dem muss man immer daran denken, dass es keine optimale Lösung für das Leben gibt. Es gibt nur individuelle Lösungen, die dich immer wieder straucheln lassen, aber wenn du auf dich selbst hören kannst und das machst was dich freut, dann bist du auf dem richtigen Weg hin zum Glück. Das ist das Wichtigste, das ich bisher gelernt habe. Ich wünsche euch allen noch besinnliche Weihnachten und wenn ihr die Chance habt, ein Austauschjahr zu machen, dann macht das. Es wird euch stärken.

Bis bald, ha det bra, eure Lisa.