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Hausbau für bedürftige Familien

Katharina, Neuseeland, 2011, CSP

Hausbau für bedürftige Familien

Neuseeland, es gibt kein schöneres Ende der Welt. Gut, ich glaube fast jeder bezeichnet sein Gastland (vor allem, wenn es der Erstwunsch war) als das Schönste. Aber mal im Ernst, Neuseeland ist wunderschön und hat meine Erwartungen, die nicht gerade niedrig waren, mehr als erfüllt. Ich habe meine Entscheidung, Deutschland für zwei Monate zu verlassen, nie bereut und würde jederzeit wieder um den halben Erdball fliegen.

Zurück zum Anfang… Um ehrlich zu sein, war Neuseeland nicht mein Erstwunsch, obwohl dieses Land auf meiner „to go list“ an erster Stelle stand. Für mich war es in erster Linie wichtig, bedürftigen Menschen helfen zu können. Zudem wollte ich etwas mir gänzlich unbekanntes machen und mit Kindern arbeiten. Damit stand für mich eigentlich fest: Du gehst nach Südafrika. Ich habe mich auch über das Angebot in Neuseeland informiert, allerdings wurde der Wunsch für Neuseeland ausgewählt zu werden, erst nach dem Auswahlwochenende größer, als der nach Südafrika zu gehen. Um so glücklicher war ich, als die Zusage für Neuseeland kam.

In den Wochen vor der Abreise beschäftigten mich zwei Fragen. Wie sehen die genauen Wetterkonditionen in meinem Gastland aus und was muss ich in meinem Freiwilligendienst machen. Leider konnte mir die zweite Frage eher vage als zufriedenstellend, da ich zu den ersten zwei Personen gehörte, die dieses Programm besuchen.

Meine Ankunft und das Projekt

Bei meinem Projekt handelte es sich um den Aufbau von Häusern für bedürftige Familien. Über die ausführende Organisation (Habitat for Humanity) und die Familien wurden wir im Voraus informiert. Laut Beschreibung sollten wir als Freiwillige für den Innenausbau des Hauses zuständig sein. Mit diesen Erwartungen und der Gewissheit, dass ich, statt in den Sommer, in den Winter fliege startete mein Abenteuer Neuseeland am 15.7.2011.

Kennenlernen unserer Gastfamilie

Angekommen in Neuseeland lernten Charlotte und ich als erstes unsere Gastfamilie kennen. Ein Einführungscamp gab es für uns nicht, da das Programm nicht länger als zwei Monate dauern würde. Unsere Gasteltern waren von Beginn an unheimlich nett und ließen mich von Anfang an ein Gefühl der Geborgenheit entwickeln. Für mich hätte es keine Besseren geben können. Nach ein paar Tagen der Eingewöhnungsphase lernten wir zunächst das AFS-Büro und Greta (meine Ansprechpartnerin) kennen, die uns mit all dem vertraut machte, was wir wissen mussten.

Arbeiten auf der Baustelle

Unsere erste große Überraschung kam dann am nächsten Tag. Unser erster Tag im Projekt und auf der Baustelle. Anders als erwartet, war keineswegs geplant und für den Innenausbau einzusehen (zumindest nicht am Anfang). Stattdessen durften wir die Schaufel zum Klang der neusten Musik schwingen und dicke Holzpfähle von A nach B schleppen, um beim Bau einer “retaining wall“ zu helfen. Am Anfang doch etwas geschockt, fanden wir sehr schnell Gefallen an der körperlichen Arbeit. Unterbrochen wurde die Arbeit durch regelmäßige Pausen, das Essen von selbstgebackenen Brownies und durch Tanzeinlagen des ganzen Teams, welches meist nicht größer als sechs oder siebe Personen war, uns eingeschlossen. Besonders der Umstand, dass wir am Ende des Tages sehen konnten, was wir geschafft haben und das Leuchten in den Augen der Frau, die das Haus eines Tages bekommen sollte, ließen letzte negative Gedanken verschwinden.

Es ist ein unbeschreibliches Gefühl zu wissen, dass man mit seiner Arbeit etwas für seine Mitmenschen tut und dass diese Arbeit einen anderen Menschen glücklich macht. Es ist schön zu sehen, wie viel ein einziger Mensch mit seiner Arbeitskraft leisten kann. Leicht war die Arbeit nicht und ich wage auch nicht zu behaupten, dass diese Art von Arbeit zu den angenehmsten gehört, da das ganze Projekt im Winter statt fand. Allerdings denke ich, dass die Arbeit in unserem Projekt zu denen zählt, die einen Freiwilligen jeden Tag ein Zufriedenheitsgefühl entwickeln lässt, da man am Ende jeden Tages einen Fortschritt sieht. Und jedes Mal, wenn die Augen derjenigen, die unsere Hilfe bekamen, vor lauter Dankbarkeit aufleuchteten und dir sagen, wie wichtig du für ihr weiteres Leben bist, wusste ich, dass es in diesem Augenblick keinen Platz gibt, an dem ich lieber sein möchte.

Schnell eingelebt

Da in Neuseeland Englisch gesprochen wird, ist die Verständigung von Anfang an relativ einfach, obwohl ich zugeben muss, dass mir es zu Beginn doch etwas schwer gefallen ist mich auszudrücken. Mit Hilfe von Charlotte und der Geduld der Kiwis habe ich die Sprachprobleme allerdings schnell überwinden können.

Neuseeland wurde von Europäern besiedelt, somit viel der Kulturschock nicht sonderlich groß aus. Ein Unterschied, der schon direkt nach der Einreise auffiel, war die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Kiwis. Dies half mir ungemein beim schnellen Einleben. Auch die multikulturelle Gesellschaft sticht sofort ins Auge. Man fühlt sich ein bisschen wie im Paradies. Allerdings haben auch die Kiwis ein paar Flecken auf der weißen Weste, die erst nach genauerem Hinsehen auffallen und nicht von einem typischen Touristen entdeckt werden können. Genau aus diesem Grund wollte ich ein fremdes Land als Freiwillige besuchen, ich wollte die Kultur richtig kennen lernen. Wie auch in einer Beziehung, trägt man zunächst eine rosarote Brille. Erst nach einiger Zeit im Gastland legt man sie ab und lernt die fremde Kultur kennen.

Gute Freunde gefunden

Gleichaltrige haben wir leider nicht kennen gelernt, da wir den ganzen Tag am Arbeiten waren. Aus diesem Grund war ich sehr froh, dass Charlotte mit mir in derselben Gastfamilie gelebt hat. Natürlich hatten auch wir zu Beginn einige Schwierigkeiten, die erst einmal überwunden werden mussten. Ich wage auch zu behaupten, dass dies meine größte Herausforderung war. Es gehört doch einiges dazu mit einem fremden Menschen wie mit der eigenen Schwester zusammen zu leben, ohne diesen Menschen so zu behandeln, wie seine Schwester. Allerdings freue ich mich sagen zu können, dass wir dieses kleine Problem lösen konnten und eine Freundschaft aufgebaut haben. Während des Projekts sind auch unsere Kollegen und Mitarbeiter von AFS zu sehr guten Freunden geworden, die ich jeden Tag vermisse. Sei haben mit uns über alle Probleme gesprochen, uns aufgebaut, uns ihr wundervolles Land gezeigt und mit uns gelacht.

Ich vermisse Neuseeland jeden Tag und ich würde immer wieder ins kalte Wasser springen.